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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-04 · 36 (4.9.1914) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
36 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 620 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 36 vergönnt, 60 Kindern das tägliche Mittagsbrot und die Bekleidung zu geben, ohne viel von sich hören zu lassen, so gibt er jetzt in diesen Zeiten ein hervorzuhebendes Beispiel von Mitgefühl. Er gibt außer seinen 60 ständigen Schützlingen noch 350 Kindern von Arbeitslosen und Reservisten täglich Mittagsbrot. Wer das weiß, welche Summe von Aufwand an Geld und Opferwilligkeit dies erfordert, wird es begreiflich finden, daß dies dem Elternverein „Pestalozzi" nicht möglich wäre, wenn er nicht von einer Reihe von Wohltätern durch Zuweisung von täglichen Freitischen unterstützt werden würde. An der Spitze dieser Wohltäter steht weit hervorleuchtend .Frau Mizzi P i o o a t t i, Ehrenmitglied des Elternvereins „Pestalozzi", die täglich 50 Kindern in ihren eigenen Räumen unter ihrer eigenen Aufsicht Mittagsbrot gibt. Ls sei allen dafür gedankt. Aber wir stehen erst am Beginn des Krieges und mit dem Eintritt von schlechtem Wetter wird sich die Zahl der hungernden Kinder furchtbar vergrößern. Schon jetzt muß der Verein täglich Bitten abweisen, weil die Mittel nicht reichen. Mitbürger! Juden! Wir appellieren an Euer Herz! Unterstützet den Verein durch Zuwendung von Spenden und Bereitstellung von Freitischen! Er verdient es, denn er lindert die Not. Gedenket der hungernden Kinder bei jeder Gelegenheit und sendet Spenden und Anmeldungen von Freitischen an den Elternoerein „Pestalozz i", 2. Bezirk, Gr. Sperlgasse 32/34. Wien. Der Verein „Frauenhort", IX., Müllnergasse 21, sah sich anläßlich der entsetzlichen Lage seiner Schützlinge, der Frauen und Mädchen, die ihre Posten als Näherinnen und Kontoristinnen verloren haben, gezwungen, einen Teil seines Stammkapitals zu veräußern, um der momentanen Not abzuhelfen. Getreu seiner Devise: „Doppelt gibt, wer schnell gibt,", holt er erst nachträglich die Erlaubnis seiner Mitglieder durch nachfolgende Zuschrift ein: P. T. Wir fühlen uns verpflichtet, Ihnen als unserem aufopferungvollen Mitglied mitzuteilen, daß wir durch die entsetzliche Lage unserer Schützlinge, die durch den Krieg erwerbslos geworden sind und die wir vor Obdachlosigkeit und Hunger schützen müssen, sowie durch die Adaptierung unseres Kaiser Franz Josefs- Erholungsheimes in Seebenftein als Rekonvaleszentenhrim für das Rote Kreuz uns gezwungen gesehen haben, unsere Statuten zu verletzen und einen namhaften Teil unseres Stiftungs- und Stammkapitales anzugreifen. Wir haben diesen Schritt nur in der Zuversicht auf die Großmut und patriotische Gesinnung unserer Gönner wagen können und erbitten dazu Ihre nachträgliche Genehmigung. Hochachtungsvoll für den Vorstand: Klothilde Benedikt, Regine Kopstein, Schriftführerin. Präsidentin. Hoffentlich gelingt es diesem altbewährten Verein, in besseren Tagen das Defizit wieder zu tilgen, um wieder sorglos sich seiner Tätigkeit hingeben zu rönnen. Austritte aus dem Judentum. Vom 23. bis 28. August 1914. Freivogel Hans, Abiturient, geb. 2. Juli 1897 in Wien, XIX. Cottagegasse 47. Geiringer Emma, Private, geb. 24. März 1884 in Wien, IX. Kolingasse 3. Grossmann Henriette geb. Kobler, Private, geb. 12. Jänner 1882 in Wien, IX. Thurngasse li. Hochwald Halvine, Bedienerin, geb. 10. Juni 1873 in Podvinie, Bez. Rohatyn, zur kathol. Kirche, VI. Engelgasse 8. Hoitasch Leo, Handelsagent, geb. 13. Mai 1887 in Wien, derzeit in Teplitz-Schönau. Kanitz Oswald, Handelsakalemiker, geb. 3. Februar 1893 in Wien, IX. Peregringasse 2. Hobler Anna, Privatbeamtin, geb. 9. Juli 1892 in Wien, IX. Thurngasse 11. Patzauer Katharina, Private, geb. 27. Mai 1884 in Szeged, IV. Mozartgasse 6. Schwarz Regine, Private, geb. 20. Jänner 1874 in Wien, II. Hochstädtergasse 3, Sistorowitsch Klara,. Hills irbeiterin, geb. 28. Mai 1891 in Ostrow bei Warschau, II. Engerthstrasse 223. Werner Karl, Maschinenschlosser, geb. 28. April 1892 in Mähr.- Trübau, III. Steingasse 31. Jägerndvrf. Dienstag, den 25. v. M., feierte Herr Julius Krämer, der viele Jahre hindurch Kultusvorsteher unserer Gemeinde ist, seinen siebzigsten Geburtstag. Schon lange Jahre vor seiner Wahl zum Kultusvorsteher gehörte er dem Kultusausschusse und dem Kultusrate an. Infolge seines tiefjüdischen Empfindens und seines hohen Interesses für das Judentum sah fick der Kultusausschuß veranlaßt, ihn zum Kultusvorsteher zu wählen. In musterhafter Ordnung verwaltet er die Angelegenheiten der hiesigen Judenheit und versteht es, überall dem Judentume den ihm gebührenden Platz zu erringen. Insbesondere hat er sich die Liebe der Beamtenschaft erworben; denn seiner Fürsorge haben es die Beamten zu verdanken, daß die wahrhaft mustergültige Pensionsordnung der Kultusbeamten statuiert wurde. — Am Samstag, den 22. v. M., veranstaltete der Kultusausschuß anläßlich des herannahenden Geburtstages seines allseits beliebten Vorstehers einen Festgottesdienst, der von einem zahlreichen Publikum aus allen Bepösterungsschichten besucht war. Die zur Thora Gerufenen benützten diesen Anlaß, um namhafte Spenden für verschiedene jüdische Zwecke zu machen. Herr Rabbiner Dr. Rudolf e r beglückwünschte im Tempel den um die Kultusgemeinde Jägerndvrf hochverdienten Mann. — Herr Krämer erhielt anläßlich seines Festes eine Unzahl von Gratulationen. Mistet. (Todesfall.) Hier starb Frau Rosalie M ü n st e r, geb. Friedlände r, am 25. August 1914 nach langem, schwerem Leiden im 78. Lebensjahre. Die Heimgegangene erfreute sich wegen ihres Charakters allgemeiner Sympathien und ihr Hinscheiden wird von vielen Armen betrauert. Die irdischen Ueberreste wurden aus dem israelit. Friedhof in Friedek zur ewigen Ruhe gebettet. Klattau. (Leichenbegängnis.) Am 31. v. M wurde Herr Jakob Benesch, der durch volle vier Dezennien in der hiesigen Kultrlsgemeinde als Kantor und Koreh mit seltenem Pflichtgefühl und außerordentlicher Gewissenhaftigkeit fungierte, unter großer Teilnahme beerdigt. Im Trauerhause sang der Chor unter Leitung des Herrn Dr. Reifer einen Pfalm. Auf dem Friedhofe hielt Herr Rabbiner Dr. Bret die Leichenrede, in der er die großen Verdienste, die seltene Bescheidenheit und die treue Pflichterfüllung des Entschlafenen beleuchtete. Kantor Benesch entstammte einer sehr frommen Familie und war ein ausgezeichneter Hebräer. Das erkannte man auch sofort'an seinem Vortrage der Gebete, von derem Geiste er durchdrungen war. Die Bibel (Thora) kannte er auswendig; seine Betonung beim Vorlesen derselben war für den Kenner ein Genuß. Der Verblichene erreichte das 70. Lebensjahr und war bei vornehm und gering wegen seiner herrlichen Eigenschaften sehr geachtet. Möge ihm die Erde leicht sein! Deutsch-Brod. (Bitt gott'esdien st.) Freitag, am 21., und Samstag, am 22. d. M., fanden hier Bittgottesdienste für den Sieg unserer Truppen statt, wobei unser neugewählter Rabbiner, Se. Ehrwürden Herr Dr. Bertis ch, seine erste Funktion übernahm. Er hielt eine patriotische Predigt und sprach vor offener Bundestade ein von ihm verfaßtes hebräisches und böhmisches Gebet für den Sieg unserer verbündeten Heere und der glücklichen Rückkehr derselben nach einem ehrenvollen Frieden. Wilhelmsburg. Die am 23. d. M. unter reger Teilnahme der Bevölkerung abgehaltene Kaiserfeier gestaltete sich zu einer patriotischen Kundgebung. Unter den Andächtigen, welche das Gotteshaus in allen Räumen füllten, bemerkte man Bürgermeisterstellvertreter Herrn Oberpostineister Lackner mit den Spitzen der Gemeinde sowie die hier ansässigen pensionierten Staatsbeamten. Nach einem einleitenden Psalmchor, vorgetragen von der Schuljugend, brachte Herr Religionslehrer Josef Löwinger in fchwungvollen Worten die allgemein gehegten Gefühle patriotischer Begeisterung zum Ausdruck. Redner schloß mit einem Gebete für den Kaiser, für den Sieg seiner im Felde stehenden Truppen sowie auch für unseren treuen Bundesgenossen Kaiser Wilhelm. Das Absingen der Volkshymne bildete den Schluß, der Feierlichkeit. Grostwardein. Am 18. August wurde hier unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung und unter großem militärischen Pomp Major Groß zu Grabe getragen. Der Heimgegangene erfreute sich einer großen Popularität und war auch in der Arnree sehr beliebt. Dem Judentum hat er stets große Anhänglichkeit bewährt und blieb bis zum letzten Lebenstage seiner Religion treu. Oberrabbiner Dr. Kecskemety widmete dem Heimgegangenen einen ergreifenden Nachruf. Den gesanglichen Teil der erhebenden Trauerfeier leitete Oberkantor Jenö Weisz Mit Chorbegleitung.

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