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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-04 · 36 (4.9.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
36 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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■Siiu 618 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. L6 wobei bemerkt wird, daß auch eine Anzahl jüdischer Pfadfinder aus Lemberg Feldarbeiten bei den benachbarten kleineren Landwirten versieht. Die Lemberger jüdische Ptadfindermannschaft besteht jetzt aus 197 Mitgliedern. Eine unangenehme Folge des Krieges. Aus Budapest wird geschrieben: Inmitten der biAeren Tagessprgen, welche der Krieg fast jedem Menschen auferlegt, drängt sich der Judenheit auch die Zorge aus, ob Heuer Esrogim zu bekommen sein werden. Aus Triest, der Zentrale des Esrogimhandels der ganzen Welt, wo dieser Handel sonst schon vor Sabbat-Nachmu zu beginnen pflegt, erhielt ein hiesiges Blatt auf eine diesbezügliche Anfrage die telegraphische Auskunft, daß mau auch dort nichts Positives wisse und daß die Aussicht zur Erlangung von Esrogim sehr gering sei. Das Blatt regt nun an, daß, da es sich um eine allgemeine jüdisch-religiöse Frage ersten Ranges handle, die Zentrale der Orthodoxie Ungarns bei der ungarischen Regierung unverzüglich alles Mögliche versuche, um für Esrogimtransporte aus Griechenland und Palästina nach der österreichisch-ungarischen Monarchie Sicherheit zu erwirken. Heute, wo Griechenland und die Türkei am Kriege aktiv noch nicht teilnehmen, wäre die Esrogimeinjuhr vielleicht noch möglich, aber schon binnen kurzem könnte auch diese Möglichkeit leicht wegfallen. Rituelle Kost für ein Honvedbataillon. Aus Budapest wird uns geschrieben: Die religiösen Zpeisegesetzc der Mohammedaner wurden in nu-crem Heere von jeher respektiert und ihnen durch entsprechende Einrichtungen Rechnung getragen. Religiöse jüdische Soldaten, die vieles darum gegeben hätten, wenn auch sie sich ähnlicher Begünstigungen hätten erfreuen dürfen, haben auch immer mit Neid auf ihre mohammedanischen Kameraden geblickt. Nun wurde ein Präzedenz auch dafür geschaffen, daß jüdische Soldaten zu ritueller Verköstigung gelangen. Das in Marmaros-Sziget stationierte 12. Honvedbataillon besteht nämlich aus -10 Prozent Juden, und zwar fast ausschließlich solcher Juden, die nährend ihres ganzen Lebens die rituellen Speisevorschristen auf das Genaueste beobachten, und für die es eine tiefe seelische Kränkung gewesen wäre, wenn sie in solcher: Massen beisammen gezwungen gewesen wären, zum e'stenmalc in ihrem Leben gegen das Zpeisegesetz zu verstoßen. Eben die Rücksicht aus die große Zahl dieser jüdischen Soldaten veranlagte die kompetente Behörde, für die rituelle Verköstigung derselben die nötigen Vorkehrungen zu treffen. Das Marmaroser Honvedbataillon hat nun einen eigenen «chächter, der gleichfalls Soldat ist und der die Aufgabe hat, für die Herstellung des koscheren Fleisches und die Beobachtung der rituellen Vorschriften der Küche die Verantrvortung zu tragen. Bevor dieses Bataillon in den Krieg zog, nahm es in dem großen Hofe der Kaserne Aufstellung, woselbst der Reihe nach Oberst Pataky und dann die Seelsorger der einzelnen Konfessionen in ungarischer, rumänischer und ruthenischer Sprache die Mannschaft zur Treue für ihre Fahne ermahnten. Obcrrabbiner Doktor Samuel Danzig schloß diese Abschiedsfeier mit einer ungarischen Rede, in welcher er die jüdischen Soldaten ermahnte, auch im Kriege durch die patriotische Betätigung ihrer Soldatenpflicht den Kriegskameraden mustergebend zu sein. Der Segen Äcs päpstlichen Prälaten. Aus Czernowitz schreibt man uns: Beim Abschied der Czernowitzer Mannschaft, bevor diese in den Krieg zog, hielt der päpstliche Prälat Josef Schmid an die Mannschaft eine Ansprache, im Verlaufe welcher er den christlichen Kriegskameraden den Segen erteilte. Hierauf wandte sich der Prälat an die Juden mit folgenden Worten: „Söhne Israels, die Ihr in diesen Gruppen ausrücket, für Euch flehe ich zu Jehovah uud segne Euch im Namen des einigen Gottes, der auch unser Gott ist." Die jüdische Mannschaft war von dieser Kundgebung des Prälaten aufs tiefste gerührt. Weshalb ein Rabbiner nicht zur Stelle war, hierüber wird in der Berichterstattung nichts erwähnt. Bodenbach. Eigentlich hätte ich schon längst Ihnen erzählen sollen, was wir in Bodenbach miterlebt und durchgemacht Haben in den letzten Wochen. Wir verbrachten bei der doch sonst arbeitslosen, aufgeregten Zeit den Tag und auch einen Teil der Nacht auf dem Bahnhof bei' der Fürsorge daselbst, die allen Ankommenden Auskunft über Abfahrt der Züge, Verbindungen, über Paßerfüllungen uud Legitimationen gibt, die die Armen speist und ihnen Nachtquartier verschafft, kurz um deren Angelegenheiten sich kümmert. Was haben wir nicht für eine unsagbare Menge von Kummer und Sorge beisammen gesehen, als in der Vorwoche ganze Züge der aus Antwerpen vertriebenen jüdischen Diamantschleifer hier ankamen, mittellos, die noch vor wenigen Tagen reich gewesen, die aus ihren schön eingerichteten Wohnungen und gut gehenden Geschäften brotlos auf die Landstraße gejagt wurden, glücklich, daß sie das nackte Leben gerettet hatten; sie konnten doch noch die Strapazen ertragen. Was sollten die aus dem Krankenhausc aus dem Bette aus die Straße Geworfenen, die Wöchnerinnen mit ihren Säuglingen sagen, die dem Wind und Wetter und der grausamen Behandlung ausgesetzt waren! Silo vis ä vis de rien! „Wohin geht die Reise?" fragten wir und die meisten antworteten: „Nach Galizien! Wir kennen dort niemanden, denn wir sind schon viele Jahre in der Fremde." Was wird denn, aus ihrem Besitz in Belgien, ihren Bankkontis? —■ Vielleicht daß auch die ö st e r r e i ch i s ch e Regie r u n g s i ch n m d a s Privateigentum i h r e r S t a a t s a n g e h ö r i g e n annehmen wird, wie die deutsche es bereits getan. — So könnte ich Ihnen eine ganze Menge trauriger Einzelheiten erzählen, die ich hörte, die mir die Armen erzählten. Doch will ich heute etwas anderes berichten, was Ihre Leser auch interessieren tvird. Gestern kam ein Sonderzug ungarischer Staatsangehöriger, Reservisten mit Familien, aus Amerika, die in Liverpool zehn Tage und in Antwerpen drei Tage festgehalten wurden: es waren über 509 Personen. Auch diese wurden von der Bahnhofssärsorge gelabt, doch ein hier wohnhafter ungarischer Jude, Mitchef der Firma Jg. Schneiders Nachfolger, Kis Kun Halsß, Herr B.leyer in Büuaubil'g, hatte für seine Kompatriotcn, unter denen reine Inden waren, ein Buffet auf dem Perron errichtet, das von Damen unserer Gemeinde bedient, von ihm aber mit Hunderten Portionen von Entenbraten, Gurkensalat und Obst bedacht war und durch ungarische Rupfmädchen aus seiner Mastanstalt an die Landsleute verteilt wurden, die, durch diese Aufmerksamkeit gerührt und buvtf) die Klänge heimatlicher Laute aufgemuntert, sich schon iu der Heimat wähnten. Alle Mühsal war vergessen, als sich die w-ettcrgebräuntcn Gestalten, mit den: Hute in der Hand, um die von der obgenannten Firma herbei geschaffte ungarische Fahne scharten und wie ein inniges Dankgebet die ungarische Hymne und andere nationale Lieder anstimmten. Kein Auge blieb trocken bei dieser von aufrichtiger Vaterlandsliebe zeugenden Szene. Eljeuruse durchbrausten die große Bahnhofshalle, übertönten die überlastete Lokomotive, aus allen Waggons wehten ungarische Fahnen von dankerfüllten, begeisterten Männern, die sich glücklich fühlten, wieder auf heimatlicher Scholle zu sein, die durch die gute Tat des Herrn B l e y e r

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