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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-04 · 36 (4.9.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
36 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 617 über diese Fahrt kamen mehrere gute Nachrichten. Strebten so die Arnien nach Hanse, wie erst die Bemittelten. Diesen streckte die Gemeinde die Reisekosten gegen Revers vor und dankbaren Herzens verließen alle diese unseren Kurort, dessen Bewohner, Christen wie Juden, sich sehr menschenfreundlich gegen sie benahmen. Die Hausbesitzer stundeten die Miete, borgten ihnen Geld, gaben ihnen zu essen und erwiesen ihnen das schönste Entgegenkommen. Da und dort spielte sich wohl eine häßliche Szene ab, wie im Hause „P r e c i o s a" (Eduard Krollstraße), doch kann das nur als Ausnahme bezeichnet werden. Noch immer weilen aber einige hundert Juden "aus Rußland in unseren Mauern, des Augenblicks gewärtig, der sie heimführen kann. Die großen Kümpfe in Galizien, die, will's Gott, zu einem entscheidenden Siege für uns sichren werden, lassen es untunlich erscheinen, eine Reise via Krakau zu unternehmen und über Rumänien hat neuerdings die Wiener Polizei manche Schwierigkeiten gemacht. Zur Ebnung derselben hat sich der Stadtrat sowie unsere Gemeinde und ein ärztliches Komitee an das Ministerium des Aeußern gewandt, das zugesagt hat, demnächst Vorkehrungen zur Ermöglichung der Heimreise auch für den Rest der hiergebliebenen Kurgäste zu treffen. Diese Fahrt wird abermals der Gemeinde große Lasten auferlegen. Die Stadtgemeinde hat zwar unserer Gemeinde in offener Sitzung den wärmsten Dank votiert für die Opfer, die sie bis jetzt gebracht hat, aber unserem Verlangen, daß auch die Stadt kleine Darlehen diesen Männern und Frauen zur Verfügung stelle, ist sie bis jetzt nicht nachgekommen. Unsere Gemeinde wird sich aber bis zu Ende hilfsbereit zeigen, und es ist zu erwarten, daß die materiellen Opfer in ihrer Gänze wieder eingeholt werden. Auf Anregung unseres Rabbiners hat sich auch ein größeres Komitee russischer Glanbensbrüder gebildet, die eine Zeichnung eingeleitet haben zur Deckung der Kosten unserer Gemeinde. Hoffen wir, daß diese Zeichnungen auch voll eingezahlt werden. Siegen unsere Truppen, worauf wir felsenfest hoffen, und diktieren wir den Frieden, dann wird, nach Zusage von sehr hoher Stelle, auch der Betrag in die Kriegskosten einbezogen werden, den unsere Gemeinde für die russischen Juden verausgabt hat. Auf jeden Fäll haben Gemeinde und Rabbiner ihre volle Pflicht getan und unseren Glaubensgenossen einen großen Dienst erwiesen. Aber auch unsere Behörden wie die gesamte Bevölkerung, Christen und Juden, verdienen den Dank der Judenschaft ans Rußland für das Wohlwollen und die Gastfreundschaft, die ihnen entgegengebracht wurden. Bedenkt man, wie Deutsche und Oesterreicher diesmal im Feindesland behandelt wurden, wird man das Vorgehen unserer Bevölkerung nach Verdienst würdigen. Zum Schluß sei noch der wärmste Dank ausgesprochen den Damen Frl. List L ö b l, Martha Löbl und Luise Hüfner, die durch ihre werktätige Mitarbeit bei der Ausspeisung diese zu einem wirklichen Segen werbcit ließ fiir die armen bedrückten Juden aus russischen Landen. Die Kriegsstimmung in Krakau. Aus Krakau wird uns geschrieben: Wie in der ganzen Monarchie, herrscht auch in der strategisch so wichtigen Stadt Krakau zuversichtliche Kriegsstimmung. Besonders in den jüdischen Kreisen ist eine Begeisterung bemerkbar, welche alle Erwartungen übertrifft. Abgesehen von den dienstpflichtigen Juden, hat sich eine überaus große Zahl jüdischer junger Leute zu freiwilligem Kriegsdienste gemeldet und wer aus irgend einem Grunde nicht angenommen wurde, macht sich auf andere Weise im Interesse unserer Armee nützlich. Groß ist die Zahl der Juden, welche in die polnische Legion ausgenommen wurden, und ebenso stark ist der Anteil im polnischen Jungschützenkorps. Die Mädchen und Frauen der hiesigen jüdischen Gesellschaft haben eine gut organisierte Fürsorgeaktion ins Leben gerufen, für welche die leider so große Masse der armen jüdischen Bevölkerung sehr dankbar ist. Auch unter den Spendern für die allgemeine Kriegsfürsorge nehmen die Inden, und zwar nicht nur die reichen, die allererste Stelle ein. Der Jubel in einer Judenstadt Wer die Siege von Krasnik und Nowosielica. Der Kriegskorrespondent der „Neuen Freien Presse" meldet vom 24. August: Nachmittags verbreitete sich in unserem Städtchen die Kunde von den österreichischen Siegen bei Krasnik und Nowosielica. Alsbald sammelte sich eine schwarze Traube von Menschen vor dem Schloßportal und ruhte nicht, bis unser Oberst und sein Stellvertreter Hauptmann Dr. v. N e u m a n n- Spallart erschienen. Oberst v. Hoen wurde um Bestätigung der Siegeskunde, um Einzelheiten über das Gefecht bestürmt. Als die zumeist jüdische Bevölkerung hörte, wie groß die geworfene russische Macht gewesen, wie zahlreich unsere Trophäen, da gab es einen Freudentaumel, unvergeßlich jedem, der ihn miterleben durfte. Die Juden schlugen Trommeln und Tschinellen, Fahnen wurden geschwungen, aus Hunderten von Kehlen scholl die Volkshymne, Hochrufe auf den Kaiser und seine Armee. Alt und jung hielt einander umfangen. Langbärtige Männer sprangen und tanzten, sangen und schwangen einen wilden Reigen, zwei alte Leute bliesen Trompeten dazu. Plötzlich Stille. Ein weißhaariger Mann stimmte einen Frendenchoral an und die Menge fiel begeistert ein: es war die leidenschaftliche Offenbarung einer ge quälten Volksseele. Sicherlich wird sich die Szene morgen in jedem galizischen Ghetto wiederholen. Jeder einzelne dieser armen Leute ist mit allen Herzenswünschen bei der Armee, jeder fühlt sich durch ihre Siege vom russischen Tod, dem Knutentod, gerettet. Roda Roda. Die jüdischen Pfadfinder im Kriege. Der Kommandant des jüdischen Pfadfinderbundes in Galizien Dr. A. F. Waschitz versendet die nachfolgende Mitteilung: Dreißig jüdische Pfadfinder haben sich freiwillig in den Dienst des „Roten Kreuzes" in Lemberg gestellt. Davon sind sieben bereit, aufs Schlachtfeld zu gehen, um die Verwundeten nach der Schlacht aufzulesen. Der Rest versieht den Dienst in den Lemberger Spitälern, hauptsächlich in dem jüdischen Spital, welches zur Aufnahme und Verpflegung von 70 Verwundeten bestimmt ist. 20 jüdische Pfadfinder sind gleichfalls freiwillig in den Dienst der Rettungsstation in Lemberg getreten und sind berufen, nach Absolvierung des Pflegerkurses den Transport der Verwundeten vom Bahnhöfe in die Spitäler zu besorgen. Eine ganze Abteilung jüdischer Pfadfinder arbeitet permanent auf dem Lemberger Bahnhof, wo sie den Labedienft für die Reservisten versieht. Eine andere Abteilung. ist zu den polnischen Schützen kommandiert und versieht dort Ordonnanzdienste. Das Kommando erinnert die jüdischen Pfadfindervereine in den galizischen Provinzstädten daran, daß auch ihnen jetzt die Pflicht obliegt, sich zum Dienste zu melden. Pfadfinder, welche in ihren Wohnorten zu Kriegsleistungen keine Gelegenheit haben, haben die Pflicht, sich den Landwirten in der Umgebung ihres Wohnortes zu Feldarbeiten zur Verfügung zu stellen,

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