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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-04 · 36 (4.9.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
36 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 6’6 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 36 und in kürzester ZeitdieUnterstützungssummen erhalten können. Im Sinne des oben angeführten Gesetzes und der Verfügung des Finanzministeriums sowie der entsprechenden Anordnungen des Ministeriums des Innern haben also die hier sich aufhaltenden Familienmitglieder der von dem ungarischen Staatsgebiete Eingerückten in dringlichster Weise die Unterstützung erhalten und werden sie erhalten ohne Rücksicht darauf, ob die betreuenden österreichische oder ungarische Staatsbürger sind. Da das Wesen der Gegenseitigkeit des zwischen den österreichischen und ungarischen Regierungen erfolgten Uetfereinkommens darin besteht, daß die in Oesterreich zurückgebliebenen und auf Grund der dortigen Gesetze eine Unterstützung beanspruchenden Familien der aus Oesterreich eingerückten ungarischen Staatsbürger in gleichem Maße unterstützt werden, ist der Inhalt der Zuschrift der Wiener israelitischen Kultusgemeinde — wie dies aus dem Obigen klar h-rvorgeht — gegenstandslos. Die in Wien (oder überhaupt in Oesterreich) ansässigen und auf Unterstützung angewiesenen ungarischen Staatsbürger erhalten genau die in dem Österreich sehen Gesetze festgesetzte Unterstützung nach den gleichen Prinzipien und in g’eichet Summe, wie die österreichischen Staalsbürger. Hiermit wollte ich Euer Hochwohlgeboren über die Unterstützung der Familien der Eingerückten sowohl in Oesterreich als auch in Ungarn wie auch über die zwischen den beiden Staaten hinsichtlich der Unterstützung bestehende Gegenseitigkeit orientieren. Empfangen Euer Hochwohlgeboren den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung Budapest, 29. August 1914. Zoltan Bosnyäk m. p. Ministerialrat. Aufruf für Die aus Belgien vertriebenen Juden. Wien, am 2. September 1914. Schr geehrter Herr Redakteur! Wir möchten Ihre Liebenswürdigkeit mit der Bitte in Anspruch nehmen, die Aufmerksamkeit des Leserkreises Ihres geschützten Blattes auf das — auch schon von verschiedenen Tageszeitungen gemeldete — Unglück zu lenken, das vor ungefähr Monatsfrist über viele aus Belgien und^Frankreich in grausamster Weise ausgewiesene österreichische Juden hereingebrochen ist. Die bedauernswerten Flüchtlinge, die meist als Diamantschleifer oder -Händler in erträglichen Verhältnissen gelebt hatten, sind durch chre Ausweisung aus ihrer zweiten Heimat, die sie oft jahrzehntelang bewohnt hatten, und durch die Zurücklassung ihrer gesamten, in saurer Arbeit erworbenen Habe brotlos geworden und in größtes Elend geraten. Wohl fanden sie bis jetzt Unterkunft und Verköstigung — die Ausspeisung erfolgte in der rituellen Speisehalle. „Einheit" und als Quartier dienten die Räume der Talmudthoraschule, Malzgasse 16 ldoch muß wegen der Wiedereröffnung der Schule auch diese binnen kürzester Frist geräumt werden) —, allein auch für diese bescheidene Fürsorge dürsten die Mittel nicht in ehr lange Vorhalten. Wir bitten Sie also, an die Mildtätigkeit Ihrer Leser zu appellieren, um diesen Beklagenswerten — Frauen, Kranken und Kindern — das Los zu ersparen, zum Bettelstab greifen zu müssen. Es gilt, in echt jüdischer Hilfsbereitschaft den unglücklichen Glaubensbrüdern zur Seite zu stehen und zahlreiche Existenzen vor sicherem Untergang durch Gaben zu bewahren, die um so erwünschter und nutzbringender sind, je eher sie uns zukommen. Vor allem wenden wir uns an die Kultusgemeinden der österreichischen und ungarischen Provinz, sie möchten durch Unterbringung und Verköstigung einzelner dieser unglücklichen Famllien unsere Hilfsaktion zur Linderung dieses namenlosen Elends unterstützen. Allfällige Spenden, vor allem in Geld, mögen der Kanzlei des jüdischen Jugendbundes, in dessen Händen die technische Durchführung der ganzen Hilfsaktion liegt, übermittelt werden. Im Voraus für Ihre Liebenswürdigkeit bestens dankend, zeichnen wir mit dein Ansdrucke vorzüglichster Hochachtung Für den Jüdischen Jugendbund: Dr. Rob.Friedländer, II. Rembrandtstraße 24. Die Hilfsaktion in Karlsbad. Für unsere russischen Glaubensbrüder. Von Mitte Juli ab ergießt sich jedes Jahr ein gewaltiger Strom jüdischer Gäste in die böhmischen und deutschen Kurorte. Und selten, daß eine Familie gemeinsam einen Kurort aufsucht. Zumeist ist der Vater in einem, die Mutter im anderen Badeort, die Kinder wieder an der See oder in der Schweiz. Eine weitere Eigenart unserer russischen Glaubensbrüder der mittleren Schichte ist, daß sie sich nicht gerne viel Geld mitnehmen. Gewöhnlich lassen sie sich weiteres Geld vom Hause nachschicken, zumal die Postämter besser und solider wechseln wie die Banken. Diese zwei Umstände machen es erklärlich, daß gerade die russischen Kurgäste im Moment der Kriegserklärungen nicht so leicht Karlsbad verlassen konnten. Bis sie von ihren Angehörigen Bescheid erhielten, waren die Brücken schon abgebrochen, der Verkehr unterbunden, die Heimreise unmöglich. Man kann sich die Verzweiflung vieler unserer Glaubensbrüder und noch mehr unserer Glaubensschwestern vorstellen. Da der Postverkehr auch gesperrt war, blieben sie nur mit wenig Barmitteln, die infolge Sinkens der Rubelkurse nur zu rasch hinschmolzen. Zu diesen bemittelten Armen kommen noch hinzu die wirklich armen Juden aus. Russisch- Polen, Nie /sonst für Re Heimreise .das Geld sich zusammenbetteln, nun aber dastanden ohne Mittel und ohne Ausweg. Die Zahl dieser ganz Armen betrug ungefähr 200. Da jedoch die Bemittelten unter den obwaltenden Umständen mit jedem Tage ärmer wurden, müßte rechtzeitig eine Hilfsaktion eingeleitet werden für alle diese, um sie in der Not nicht unbeschützt zu lassen. Auf Antrag unseres Rabbiners, des Herrn Dr. Ziegler, hat nun die israelitische Kultusgemeinde alle Maßregeln zur Hilfeleistung getroffen. In erster Reihe mußte für die ganz Armen und Brotlosen gesorgt werden. Unter wohlwollendster Zustimmung der kompetenten Behörden und unter Mitwirkung eines ganzen Stabes junger Studenten, die sich selbstlos in den Dienst der guten Sache stellten, schuf die Gemeinde in Fischern kleine Massenquartiere und richtete eine Mittagsküche ein, die, vom israelitischen Frauenverein geleitet, den Armen ein einfaches Mittagmahl unentgeltlich bietet. Außerdem erhalten diese Armen vom Frauenverein zwei Kronen wöchentlich. In den ersten zwei Wochen speisten in der Mittagsküche an 200 Personen, heute noch ungefähr 80. Auf die Kunde nämlich, daß teils über Rumänien, teils über Galizien die Grenze frei sei, wurde die Gemeindekanzlei buchstäblich gestürmt von Flehenden, sie fahren zu lassen. So blieb der Gemeinde nichts mrderes übrig, als größere Gruppen mit Reisespesen zu versehen und ziehen zu lassen. Unter Führung des Cand. med. Erwin H i r s ch, der den besonderen Dank für seine opferfreudige Hingabe an das humane Werk verdient, fuhren erst 30, später 48 Juden aus Russisch-Polen via Prag, wo sie gastlich gespeist wurden, gegen Krakau. Allen gelang es, die Grenze zu passieren und ihr Heimatland zu erreichen. Eine andere Gruppe fuhr nach Wien, bis Pilsen begleitet vom Studenten Tisch Vowsky. In Wien nahm sich ihrer die Allianz an und beförderte sie weiter; auch

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