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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-04 · 36 (4.9.1914) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
36 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 36 Lritc <>14 Der Bahnbrecher einer neuen Wissenschaft. Professor Hugo Münstcrberg von der Harvard- Universität, der größten Hochschule der Bereinigten Staaten, hat bekanntlich die Grundlage zu einer ganz neuen Wissenschaft, der „P s y ch o t e ch n i k", gelegt. Die Behauptung, daß das Judentum schöpferische Talente nicht hervorgebracht habe — höchstens nachahmende und vermittelnde —, findet in diesem Bahnbrecher einer neuen Wissenschaft, von der E. Willen-Berlin in einem acht Leiten langen Aufsatz der „Krcuz-Ztg." (3. 7., sagt, daß sie „dem angebrochenen Jahrhundert eine seiner stärksten Konturen geben wird", die beste Widerlegung. Das konservative Blatt hat, wie erinnerlich, schon vor einiger Zeit eine ebenfalls sehr sympathische Würdigung der Verdienste dieses hervorragenden Gelehrten um den Fortschritt der Wissenschaft gebracht; der jetzige Essai ist vielleicht noch um einige Grade wärmer. Wilken schreibt unter anderem: Das Verdienst, die Psychotechnik nicht nur durch Linzelbeiträge gefördert, sondern als erster ihre überraschende Weltreiche und zivilisatorische Bedeutung er - t a n u 1, ihr Arbeitsfeld mit den weitesten Grenzen sachlich sowohl wie methodologisch abgestcckt, organisiert und die nachhaltigsten programmatischen Anregungen zu seiner Bearbeitung gegeben zu haben, gebührt vor allem Professor Münsterb erg. In seinen „Grundzügen der Psychotechnik", di: zur Hauptsache den Inhalt jener Vorlesungen über das Eesamtgebiet der angewandten Pjychologie wiedergeben, die Münsterberg 1910 als Austauschprofessor an der Berliner Universität gehalten hat, gewinnt er seinen St andpunkt, von dessen Höhe alle Beteiligten, der Fach Psychologe und der Mann der Praris, der Soziologe, Gesetzgeber, Politiker, der Lehrer, Prediger, Richter, der Künstler und Gelehrte, der Fabrikant, der Landwirt und der Handelsherr das gelobte Land übersehen und die ersten Wegzeige für den neuen Gang ihrer Geschäfte erkennen können." Der hohe kulturelle Wert der Arbeiten Münsterbergs ist heute unumstritten. Zum 50. Geburtstag des Gelehrten brachte die „T ä g l. Rund f ch a n" einen gehaltvollen Aufsatz aus der Feder Adalbert A l b r e ch t s, in dem es u. a. heißt: „An der Harvard-Universität, der größten Universität der Vereinigten Staaten, feiert h:ute Prozessor Hugo Münsterberg seinen 50. Geburtstag. Die gesamte amerikanische Presse benutzt diese Gelegenheit, um das Lebenswerk dieses bedeutsamen Vertreters deutscher Geistigkeit in Amerika zu würdigen und ihm den Dank auszusprechen, der ihm gebührt. Aber auch hier in Deutschland haben wir allen Grund, uns den Glückwünschen unserer Brüder jenseits vcs Ozeans a n z u s ch l i e st e n, denn darin liegt ja gerade die Größe dieses M a n n e s, daß er es so wohl verstanden hat, diese zwei Länder einander näherzubringen, für deutsche Kultur in Amerika zu kämpfen, aber auch amerikanische den Deutschen näherzubringen. Als Stilist e r st e n Ranges hat er in unzähligen deutschen und englischen Zeitungsartikeln und in oi:len deutschen und englischen Büchern mit ungeheurem. Fleiß, Mut und Gestaltungskraft hüben und drüben eine Aufklärungsarbeit geleistet, wie sic größer und segensreicher kaum mehr zu denken ist. Ls ist ja wohl auch kein Geheimnis mehr, daß diese Tätigkeit von den geistigen Führern hüben und drüben dadurch anerkannt wurde, daß man immer wieder und wieder in großen Fragen politischen, ökonomischen, kulturellen — an ihn herangetreten ist, um sich bei ihm Rat und Hilfe zu holen." „. . . . In unzähligen populären Vorträgen känipft er in Amerika für die Vertiefung und Verinnerlichung der Weltan- .chauung. Immer wieder betont er, daß die wahre Kulturaufgabe der Deutschen darin liegt, dem neuen, einheitlichen, amerirani chen Voll die besten deutschen Wesenszüge aufzuprägen, den e ch t e st e n deutschen Gei st zur amerikanischen Kultur bcizutragen und dadurch miizuhelfen, daß deutsche SrTenart und und deutsche Ideale verbreitet werden und Geltung gewinnen. Er erzählt den Amerikanern, wie die deutsche Jugend sich wieder nach einer an Fichte anknüpfenden idealistischen Philosophie drängt, wie sic sich wieder heraussehnt aus der allgemeinen Philosophielosigkeit. Er prophezeit, daß die Philosophie der Zukunft, mit dem bereicherten Wissen unserer Zeit, wieder zu Fichte und Hegel zurückkchren und daß gerade dadurch das deutsche Geistesleben wieder wirklichen Einfluß auf die Weltanschauung aller Kulturvölker ausüben wird. Jeder, der Münsterberg kennt, weiß, das; Deutschland und Amerika noch große Dinge von ihm zu erwarten haben. Als bedeutender Forscher wird er die Wissenschaft wohl noch um viel: wertvolle Werke bereichern. Woraus es uns aber besonders' ankommt, ist, daß diesem . üOjährigen die Wissenschaft nur ein Mittel zum Zweck ist. Lin Buch ist ihm nichts, wenn es nicht allen zugute kommen kann. Lin frischer Wind weht aus seiner Studierstube hinaus ins Volk, ins deutsche und amerikanische, und beide Völker haben sich daran gewöhnt, dankbar zu lauschen, wenn er spricht. Hier ist ein Gelehrter, der die Tat liebt." Heinrich Hertz, der Entdecker der Hertzjchen Wellen. Helmholtz schreibt über Heinrich Hertz in se'nen Vorträgen und Reden folgendes: „Am 1. Januar 1801 starb Heinrich Hertz. Uns allen, die den Fortschritt der Menschheit in der möglichst breiten Entwicklung ihrer geistigen Fähigkeiten und in der Herrschaft des Geistes über die natürlichen Leidenschaften wie über die widerstrebenden Naturkräfte zu sehen gewohnt find, war die Nachricht vom Tode dieses bevorzugten Lieblings des Genius eine tief erschütternde. Durch seltenste Gaben des Geistes und Charakters begünstigt, hat er in einem leider so kurzen Leben eine Fülle fast unverhoffter Früchte geerntet, um deren Gewinnung sich während des vorausgehenden Jahrhunderts viele von den begabtesten seiner Fachgenossen vergebens bemüht haben. . . ." Die Eltern von Heinrich Hertz lvareu Senator Dr. Gustav Hertz und Frau Hertz, geborene Pfefferkorn (Christin, aus Frankfurt a. Main. Die Eltern des Senators (also Heinrich Hertz' Großeltern) waren Heinrich David Hertz (frühzeitig getauft) und Frau Heinrich David Hertz, geborene Oppenheim aus Köln. Ob die Vorfahreil der Mutter von Heinrich Hertz, der geborenen Pfefferkorn, Nachkömmlinge jener Pfefferkorns aus dem sechzehnten Jahrhundert waren, läßt sich nicht näher eruieren. — Wieder ein charakteristisches Beispiel für die schlimmen Folgen der Verjndnng. Are Tugendlehrer der talmudischerr Zeit. Von L. Wiesner. (10. Fortsetzung aus Nr. 28.) ktbd ioiäh m R. Hamnuna Safra. Es hat zwei Schullehrer dieses Namens gegeben, einen älteren, der in Babylon lebte, und einen jüngeren, einen Palästinenser, der um die Mitte des vierten Jahrhunderts in einer Landgemeinde in der Umgebung von Liberias wirkte. Wir haben es hier mit dem Letzteren zu tun. Auch dieser scheint in der Bibel gründliche Kenntnisse besessen zu.'haben. Als R. Chanina in jene Landgemeinde kam, richtete Hamnuna, der Safra, an ihn die Frage, wie der Widerspruch zwischen den Angaben über die Höhe des salomonischen Tempels zu lösen sei. Während nach Könige I. 6, 2, die Höhe des Tempels dreißig Ellen betrug, wird daselbst Vers 20 die Höhe des Deüir, das ist des Hinterraumes, wo das Allerheiligste war, mit zwanzig Ellen angegeben. R. Chanina fand daraus keine Antwort und so legte der Schullehrer die Frage dem bibeltündigen R. Jirmija, dem Schuloberhauple von Liberias, vor. Aber auch dieser erteilte icüic befriedigende Antwort, worauf R. Abnha in Uebereinstimmung mit einer alten Ucüerliefernng den Widerspruch in folgender Weise löste: Vom Fußboden gerechnet betrug die Höhe des Alterheiligsten dreißig Ellen, von den Flügeln der Cherubim aber, die zehn Ellen hoch waren, nur zwanzig EllenG) *) Je". B. Bachra VI, 2; B. Bachra 98 b. Die zwei Berichte scheinen einander zu ergänzen. Bergt. Jalkut Könige § 181. Daselbst ist jedenfalls wsn für K’n zu lesen.

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