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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-04 · 36 (4.9.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
36 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Bwch's Wochenschrift Seite 613 derVerrat eineäJuden, der ein Spion war, gewesen wäre, hätte unsere Armee die ganze beiKielce stehende Abteilung der Russen umgangen und aufgerieben. Der Jude wurde verhaftet und standrechtlich erschossen.« So berichtet nicht, der es ehrlich mit Oesterreich nreint, seine Stärke und Einigkeit fördern will. Herr Dr. Funder will aber hetzen. Dazu ein weiteres Jllustrationsfaktum. In Lublin ist der Pulverturm in die Luft geflogen und die russische Militärleitung erklärte den Unglücksfall infolge eines Blitzschlages. Ein jüdischer Redakteur, der die Meldung mit den Worten rinbegleitete, „Die Blitze aus dem Westen treffen prompt ein/' wurde verhaftet. Sämtliche Wiener Tagesblätter brachten diese Meldung der Kriegsberichterstatter in gleichem Wortlaut. Nur die „Reichspost" fühlte sich bemüßigt, das Wort „jüdisch" hier zu streichen. Seine Leser sollen nicht erfahren, daß der von den Russen verhaftete Redakteur ein Jude sei. Dagegen wird bedeutungsvoll erwähnt, daß es angeblich ein jüdischer Spion war, der in Russisch- Polen den Russen Dienste leistete. Dieser Spion war wenigstens ein russischer Staatsangehöriger. Dagegen verschweigt Herr Dr. F u n d e r, daß in Husyatin ein österreichischer Bezirkskommissär Emil Reinhold wegen Spionage von der österreichischen Gendarmerie gefänglich eingezogen und dem Kriegsgericht überstellt wurde. Dr. F u n d e r verschweigt diesen Fall aus einem ganz besonderen Grunde, denn dieser Herr Reinhold ist nicht bloß ein Glaubens- und Stammesgenosse, sondern auch ein eifriger Parteimann des Herrn Funder, ein heißer, christlichsozialer Antisemit, unterdessen Agitationen die jüdische Bevölkerung Husyatins Jahre hindurch schwer zu leiden hatte. Alle Bemühungen, seine Versetzung zu erwirken, blieben erfolglos, weil dieser Antisemit Re in hold gar zu mächtige Protektion hatte. So konnte er als politischer Beamter sein Unwesen treiben und für das Zarentum Spionendienste leisten. Von dem deutsch-russischen Kriegsschauplätze-melden die reichsdeutschen Kriegsberichterstatter: »Leider müssen die Unsrigen häufig mit Verrat rechnen. Die russische Spionage war gar zu ausgedehnt und den großen Bestechungssummen widerstanden einzelne nicht. Bei einem der letzten Kämpfe fiel es unserer Truppenleitung auf, daß die Russen stets über die Bewegungen bestimmter deutscher Regimen'er gut unterrichtet waren und gute Gegenzüge anstellten. Da bemerkte ein höherer Offizier, daß die Flügel einer hochgelegenen Windmühle sich so drehten, wie sich die Regimenter bewegten, also die Richtung angaben. Er stellte eine Probe auf die Vermutung, daß es sich um Signale handle, an. Sie gelang. Nach fünf Minuten drehte der Müller seine Mühlenflügel nicht mehr.« Keinem einzigen fiel es bei, zu notieren, ob dieser Müller Christ oder Jude war. Wo die russischen Kosaken in Galizien einbrechen, suchen sie zunächst die Häuser von Juden rtnd Polen zu erfahren und dann beginnt das Plündern und Brennen. Und es sind einheimische Leute, die den Kosaken Winke gebenihnen bei dieser Arbeit behilflich sind. So ist es geschehen in Brody, Sokol, Zbarasch, Husyatin, Warensch, Tarnopol und in allen sonstigen Dörfern; die Häuser wurden verbrannt, Hab und Gut geplündert, die wehrlose Bevölkerung ermordet. Das Geschick dieser unglücklichen Bevölkerung ist bejammernswert. Namentlich ist Brody in schrecklicher Lage. lieber 100 Häuser sind verbrannt, selbst das städtische Spital, das für das Rote Kreuz bestimmt war, ist nicht verschont worden. Niemandem ist beigefallen, die Konfession dieser Landesverräter besonders hervorzuheben. Selbst jdie jüdischen Kriegsgefangenen sind Objekte der Verhöhnung, da heißt es an einer Stelle in der „Reichs- Post": „Unter den anderen Gefangenen, die noch eingebracht wurden, befanden sich auch mehrere Juden und einer rief: „Rich in dan taten! (Ein jüdisches Fluchwort.) Ech hob draj tug nischt gegessen!" Dabei hatte Dr. Fund e r die Unverfrorenheit gegenüber der Direktion des „Deutschen Volkstheaters", welche das Stück „Die Brüder von St. Bernhard" attfführen wollte, auf das Unpassende dieses Vorganges hinzuweisen mit dem Bemerken: „Am allerwenigsten paßt es in unsere Zeit der Sammlung und Vereinigung aller Kräfte im Abwehr-, ja im Existenzkampf unseres Vaterlandes." In der Sache ist es allerdings richtig, daß Theaterstücke, welche geeignet sind, die religiösen Empfindungen eines Teiles österreichischer Staatsbürger empfindlich zu berühren, in der gegenwärtigen Zeit zur Aufführung ungeeignet sind. Allein Herr Dr. F u n d e r hat sich nie daran gehalten und er ist der letzte, solche Mahnungen und Vorhaltungen an die Adresse anderer zu richten. Der Verrat in Husiatyn. Die „Czernowitzer Allgemeine Zeitung" veröffentlicht über die Känipfe bei Husiatyn folgende Einzelheiten: Am IX August wurden viele Offiziere, die mit ihren Truppen nicht weit von Husiatyn lagerten, vom dortigen griechisch-katholischen Pfarrer zu einem Frühstück eingeladen. Vor dem Frühstück forderte der Pfarrer die Gäste auf, zum Feftgottesdienst in die wenige Schritte vom Pfarrhause gelegene Kirche zu kommen. Die Offiziere kamen der Aufforderung nach. Kaum hatten sie die Kirche betreten, als die Glocken Sturm zu läuten begannen. Die Offiziere wurden unruhig und ihr Verdacht wurde zur Gewißheit, als die Pfarrersmagd hineinstürzte und ihnen zurief, daß sie verraten seien. Einige Offiziere stürzten hinaus. In diesem Augenblick schlugen einige Schrapnells ein. Mehrere Offiziere wurden verletzt, unter ihnen auch der Hauptmann v. G a st h e i m b, der zunächst das Bewußtsein verlor, nach einiger Zeit jedoch wieder zur Besinnung kam. Inzwischen waren die Unsrigen alarmiert worden, sie überschritten au mehreren Punkten die Grenze und nahmen mit den in einiger Entfernung im Hinterhalt lauernden russischen Trappen den Kampf auf. Die Russen, die etwa vierhundert Verwundete und Tote hatten, wurden geschlagen und zersprengt. Unsere Gesamtverluste betrugen drei Tote und vierzig Verwundete. Die Kanonenschüsse gegen die .Kirche waren offenbar am Tage zuvor genau berechnet worden. Es lag ein schmählicher Verrat vor. Was mit dem Pfarrer geschah, ist bis jetzt tticht genau festgestellt wwrden. Nach einer Meldung ist ihm von einem Unteroffizier der Schädel zertrümmert tvordeu. Baron Moritz Wodianersche Stiftung für verarmte Gewerbsleute. Verteilt werden 2800 Kronen. Zur Bewerbung sind berufen ohne ihr Verschulden verarmte Gewerbs- und Handelsleute, welche in Wien wohnhaft find und ihr Gewerbe noch betreiben. Solche, welche für eine Familie zu sorgen haben, und nicht kinderlose Witwen, die ein Gewerbe betreiben, haben unter sonst gleichen Verhältnissen den Vorzug. Dem Gesuche sind beizulegen TaufsGeburtsl schein, Trauungsschein, Tauf(Geburts)scheine der Kinder, eventuell Totenschein des anderen Gattenteiles, Gewerbeschein oder Konzessionsdekret, letzter Zahlungsauftrag über die allgemeine Erwerbsteuer. Einreichstelle Magistratsabteilung XIII. Einreichungsfrist bis 30. S e p t e m b e r 1014. Verleihungstermin Jänner 1915. Vom Magistrate der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt. Wien, am '20. August 1914. Diese jüdische Stiftung wird vom Magistrat bloß in der .judenhetzerischen »Reichspost« publiziert. Wir reproduzieren die Ankündigung im Interesse verdientr jüdischer Gewerbsleute.

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