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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-04 · 36 (4.9.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
36 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 612 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 36 an die Lösung der galizischen Judenfrage herantraten, ohne sic auch zu finden. Der Lieg der österreichischungarisch-deutschcn Armeen über ihre Feinde wird, so hoffen wir alle, eine gründliche Umwertung vieler Werte herbeiführen und einer Kulturepoche die Wege ebnen, in welcher das galizische Judenproblem aufhören wird, ein Problem zu sein. Vielleicht wird die Entdeckungsreise unserer Kriegsberichterstatter nach Galizien auch noch das Gute haben, daß, wenn der Krieg zu toben ausgehört haben wird, wenn wir uns unseres wohlverdienten Sieges, wie wir hoffen, im Frieden werden erfreuen können, diese Berichterstatter auch jener galizischen Juden nicht vergessen werden, über deren Entdeckung sie jetzt so seltsame Dinge zu berichten wissen. Das Projett feiner jüdischen Freiwilligenlegion. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Gleich nach Ausbruch des Krieges gegen Rußland hat hier im Saale der Gesellschaft Leopolis eine Massenversammlung der progressiven Juden aller Parteirichtungen stattgefunden, in welcher Professor Dr. Alexander Hausner das Referat hielt. Dr. Hausner schlug am Ende seines Referates die Schaffung eines jüdischen Freiwilligenkorps vor. Er sprach die Ueberzeugung aus, daß die Polen gegen die Anjwerbung und Ausbildung jüdischer Freiwilligenkorps für den Krieg nichts einzuwenden haben würden. Hingegen hatten sich die meisten der dein Referenten folgenden Redner gegen diesen Plan ausgesprochen und vor Durchführung desselben gewarnt. Während der Debatte erschienen die Führer des Aktionskomitees zur Errichtung von polnischen Freiwilligenkorps im Saale und nahmen gegen die Schaffung besonderer jüdischer Korps in entschiedenster Weise Stellung, gaben jedoch ihre Zustimmung, daß jüdische Freiwillige der polnischen Legion beitreten. Die Folge davon war, daß der Referent Dr. Hausner seinen Antrag zurückzyg, worauf dann in einer Resolution ausgesprochen wurde, daß die Juden des Landes die Errichtung der polnischen Freiwilligenlegion mit Freude begrüßen und die Juden des Landes auffordern, so. weit sie wehrfähig sind, dieser Legion beizutreten. Diesem Rufe sind nun zahlreiche junge Juden bereits gefolgt. Ueberdies hat Kültusvorsteher Simon Oransch eine Aktion unter den über 42 Jahre alten Juden eingeleitet, welche ehedem beim Militär gedient haben, um auch diese, so weit sie noch wehrfähig sind, zum Eintritte in die polnische Legion zu werben. Echter und falscher. Patriotismus. Die Firma Max Kohn & Komp. hat ihren 250 Angestellten mitgeteilt, daß während des Kriegszustandes. niemand entlassen oder im Gehalt gekürzt werden wird. — Die Firma Philipp Haas LS ohne, die für sehr patriotisch gilt, hält nicht dafür, daß inan auch durch Verhalten zu den Angestellten den Patriotismus zu betätigen hat. Der.Prokurist kaiserlicher Rat Uhl ordnete Kündigungen und Entlassungen an. Späterhin kam man wohl von einer Massenkündigung ab, übt Über die vermeintlich weniger aufsehenerregende Art des Hinansekelns der Angestellten. Jüdische Tapferkeit. E m m e n d i n g e n. Eine mutige Tat.- vollbrachte unser jüdischer Mitbürger Herr Kaufmann Emanuel Schwarz, der als Unteroffizier bei dem schweren Gefecht bei Mühlhausen mitbeteiligt war. Herr Schwarz und ein Gefreiter seiner Kompagnie wurden abends 0 Uhr von einer sechs Mann starken französischen Patrouille überfallen, aber kurz entschlossen schossen die beiden tapferen Männer vier von den Franzosen nieder und die übrigen zwei Mann brachten sie gefangen zur Kompagnie zurück. Ein^Juhe Eroberer der ersten französischen Fahne. Paderborn. Die erste französische Fahne, die im Gefecht bei La Garde vor Luneville in deutsche Hände fiel, ist von einem Juden aus Westfalen genommen worden. Der Infanterist Fisch el aus Rimbeck (südöstlich von Paderborn), ein Sohn armer Bauersleute, entriß sie im Nahkampfe dem französischen Fahnenträger. Sieben Söhne im Krieg. H o h e n s a l z a. Von der hiesigen jüdischen Witwe Mendelsohn sind sieben Söhne in den Krieg gezogen. Sechs Söhne im Feld. Lessen (Westpr.). Der Vorstandsvorsitzende unserer Gemeinde, Herr A. Ascher, hat seine sämtlichen Söhne, sechs an der Zahl, für die Ehre des Vaterlandes ins Feld geschickt. Ehrenprämien für jüdische Soldaten im Kampfe gegen Rußland. Die jüdische Tageszeitung „Der Tag" in Krakau veröffentlicht einen Aufruf an die österreichischen Juden, mit Rücksicht auf die besondere Begeisterung, mit welcher die Juden in den Kampf gegen Rußland ziehen, Ehrenprämien ä 100 Kronen für diejenigen jüdischen Soldaten zu stiften, welche sich im Kampfe gegen Rußland in irgend einer Weise besonders auszeichnen. Die Prämien sollen dem Oberkommando der k. u. k. Armee zur Verfügung gestellt werden und von demselben zur Verteilung gelangen. Die Namen der Stifter sowie der ausgezeichneten Soldaten sollen offiziell veröffentlicht werden. In den jüdischen Kreisen, hat diese Anregung eine begeisterte Aufnahme gefunden. Ernennung , eines Inden zum Gesandten. Präsident Wilson hat in der Person des Herrn Jra Nelson Morris, der zum Gesandten der Union am schwedischen Hof ernannt wurde, einen zweiten Juden zum Vertreter der Vereinigten Staaten im Ausland gemacht. Der Polizeidirektor von Cleveland. Die Stadtverwaltung von Cleveland ernannte dieser Tage den jüdischen Oberbeamten Alfred M. Benesch zmn Direktor der öffentlichen Sicherheit. In dem Polizeidepartement der Stadt sind außer dem Polizeidirektor auch mehrere andere jüdische Beamte mit Erfolg tätig. Zur selben Zeit wurde zum Sekretär des Feuerschutzdepartements Julius Polok, Sohn einer angesehenen jüdischen Familie der Stadt, gewählt. Auch in diesem Departement haben, wie amerikanische Blätter melden, mehrere Juden verantwortungsvolle Posten inne. Dr. Funder ein gemeingefährlicher Hetzer. Die Zeit ist -hart und ernst. An das Kaisertum Oesterreich ist die große Schicksalsfrage herüngetreten, alle seine Bürger müssen in voller Einigkeit zum Vaterland stehen. Jeder ispürt, wie der Donnerhammer des Krieges mit einem Schlag von unerhörter Kraft alles zusammenschmiedet. Wer in dieser schweren Zeit Zwist und Zwietracht unter den.Bürgern säet, die Bewohner gegeneinander hetzt, ist -ein Verräter, ein Helfershelfer des Zarentums, ein vaterlandsloser Lump. Das sollte sich auch Herr Dr. Funder merken. Er berichtete in der Nummer der.„Reichspost" vom 29. August über die Vorgänge bei Kielce in Russisch-Polen in einem Tone, welcher geeignet ist, Empfindungen des Hasses gegen die Juden auszulösen: - »Am sechsten Tage des Kampfes gelang cs unseren Truppen, die russischen Siellungen bei Kielce durch Pincrow zu umgehen und den Feind zum schleunigen Rückzug zu nötigen. Wenn nicht

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