Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 36 (4.9.1914)
- Date
- 1914-09-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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fl;. 36 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 611 wie ein Zweig, Freude der ganzen Erde bist du, Berg Zions, in den Ecken nach Norden gewendet, als Residenz eines großen Königs!" „In ihren Palästen thronend, zeigst du dich, o Gott! erkannt als Schutz des Volkes. Denn sieh! die Könige alle, die sich wider dich versammeln — allesamt s i n d sie v e r s ch w inibeit! So sie dich sahen, erstarrten sre, entsetzten sich und entflohen; Zittern erfaßte sie^dort, schmerzhaftes Weh; wie wenn ein Sturm des Ostens gew-altige Schiffe zerschmettert!" „So hörten -vir es ans der Geschichte,;o sahen wir selbst es in der Stadt des Ewigen Zebaoth, in der Stadt unseres Gottes, der Stadt, die Gott für immer erhalten möge!" „Wir dachten nun, o Gott! deine Gnade crweise sich uns n u r inmitten deines Tempels. Jedoch gleich deinem Namen als Gott, so zeigt sich auch dein Lob; über alle Enden der Erde breitet sich deine Rechte zum Schutze des Rechtes aus!" „Berg Zions, freue dich daxob; Töchter Judas, froh locket deshalb trotz der harten Richtersprüche, die über euch gekommen! Mögen sie, die Feinde Zions, es auch umringen, einschließen, seine Türme abzahlen; ihr Herz darauf richten, es zu bezwingen; seine Burgen besteigen! Es geschieht, um noch dem spätesten Ge sch lochte es zu erweisen, daß dieser Gott, der unser Gott ist, immer und ewig, daß e r es ist, der uns führt ü b e r d e n Tod hinaus!" Der Tenor dieses Psalmes legt es uns nahe lutb prägt es uns ein, daß nicht nur ans Zionsboden, nicht nur solange das Heiligtum steht, Gott mit uns ist, sondern wo immer wir uns befinden, ist (^ott mit uns; denn er ist ein Weltengott, der Gott Israels! Er hat unser Weltenlos daher solchermaßen gestaltet, daß unser Stand vor Gott auf der großen Wcltenbühnc sich dort befindet, wo die Schwerter für den Sieg des Lichtes und der Wahrheit aufeinanderschlagen. Wenn wir. da die deutschen Brüder an der Spitze der Heldenscharen marschieren sehen, um der Tyrannei des Kosakentumes den Garaus zu machen und hiebei von so vielen Seiten des Erdballes ihnen-in den Arm gefallen wird, daß sozusagen über Deutschland alles, was nicht deutsch ist, herfällt, so erinnern wir uns der prophetischen Borhersagung eines Engels an Hagar, der Mutter Jsmaels, der zu ihr ermutigend von ihrem zu erwartenden Sohne sagte: ...Jurtau w.ikol. wejnd ko bau!4 — „Deine Hand wird über alle sein und die Hand aller wider ihn!" Diese Prophetie eines Engels Gottes, sie hat sich aus die Gegenwart, auf ein Volk, den Hort der Kultur, des wahren Fortschrittes und der echten Menschlichkeit übertragen, auf das deutsche Volk, von dem in der Gegenwart es sich erwiesen: „A lies, alles übe r D c u t s chland!" Mit Gottes Hilfe und begleitet von den Gebeten und Herzenswünschen des uralten Israel, des Volkes, das an seinen alten Gott glaubt, wird es sich erfüllen, als Sieg des Rechtes über Niedertracht — „D e u t f ch - l a n d, Deutschland über alles!" Oom 3abrmarfc? des Lebens. Die Entdeckung Galiziens. Der östliche Kriegsschauplatz schließt einen Teil Galiziens in sich. Die Konzentration der österreichischungarischen Streitkräfte ist, da sich der Hauptstoß gegen Rußland richten muß, gleichfalls in Galizien. Die körperliche und geistige Elite der Monarchie ist nach Galizien gezogen, um dort an der russischen Grenze mit dem Erzfeind Rußland zusammenzutreffen und im furchtbaren Ringen endlich Abrechnung zu pflegen. Auf diesen Reisen an die russische Grenze wurde von gar manchem plötzlich Galizien entdeckt. Ganz besonders sind es die Kriegsberichterstatter der großen und kleinen Journale, die sich gar nicht gütlich genug tun können an den Schilderungen der galizischen Judenstädte. Man merkt diesen vom .Kriegspressequartier an die Zeitungen gelangenden Berichten und Feuilletons förmlich an, daß ihr Schreiber sich in diesem neuen Milieu nicht nur nicht zurechtfindet, sondern es jetzt genau so verkennt, wie er es bis zu dieser Entdeckangs reise ignoriert hat, daß er es jetzt ebensowenig versteht, wie er es sie ganze Zeit hindurch mißachtet hat. Der Kriegskorresponoent einer Wiener Zeitung lnr ganz verwundert, daß diese Leute mit den Stirnlöckcheu, mit den ungeschorenen Bärten schüchtern und ängstlich vor dem Schloßgitter stehen, hinter welchem sich das Kriegspresseanartier befindet, um einen Bericht oder zumindest eine fröhliche Miene der gestrengen Herren Offiziere und der hundertmal weisen Journalisten zu erhäschen. Wie wenn er einen neuen Jndianerstamm entdeckt hätte, berichtet er von dem „Geheul", mit welchem diese gedrückten Menschen die Siegesnachrichten begleiten. Selbst der religiöse Tanz -- auch die Indianer haben ihn der sich an die Kunde von dem ersten großen Siege der österreichisch-ungarischen Waffen reiht, fehlt in diesem Berichte nicht. Seltsam mutet das alles an, wenn man Galizien wirklich kennt. Man hätte es beinahe wünschen mögen, daß (Galizien für Zeitungskorrespondenten dieser Art auch weiter unentdeckt geblieben wäre, als daß es in solcher Form der unkundigen Welt geschildert werde. Diese M0.000 Inden, welche längs der russischen Grenze von Krakau über Lemberg und dann östlich hinunter bis Czernowitz unter den schwierigsten Verhältnissen, unter den größten Entbehrungen und den ungew'öhnlichsten Lebensbedingungeu wohnen und leben, bilden trotz ihrer Kaftans mitsamt ihren Stirnlöckchen und wenngleich sie infolge ihrer ungenügenden Lebensbedingungen körperlich reine .Riesen sind, den sichersten, verläßlichsten Schutz - all der Monarchie an ihrer russischen Grenze. Kein Voll in dieser Monarchie kann es so empfinden, welch unsagbares Unglück es für alle Völker in diesem Reiche wäre, wenn in diesem großen Völkerringen das Unrecht ^r'eger bliebe, wie die Inden in Galizien. Sie hören so zu sagen den Wehschrei ihrer Brüder jenseits der Grenze. Sw sehen es täglich und wenn die Knute im Zarenreiche Orgien feiert, auch stündlich, welches Glück sich auf dem Gesichte eines russischen Juden abftrahlt, wenn es ihm gelingt, bei Nacht und Nebel der Knute zu entrinnen und österreichischen Boden zu gewinnen. Der galizische Jude ist vielleicht der einzige in diesem Reiche, der nicht mf den Sieg Rußlands fürchtet, sondern aus innerster Ueberzeugung heraus für den Sieg Oesterreichs zu kämpfen bereit ist. Denn er weiß, daß in diesem Falle das Gefühl des Patriotismus sich mit dem Gefühle des Selbsterhaltungstriebes deckt, und genau so mächtig und tiefwurzelnd ist, wie der Wunsch, daß der Allmächtige se'ne sechs Millionen Glaubensbrüder von dem russischen Drucke befreite. Das sind die Gefühle des bald viel geschmähten, bald angegassten Kaftnnjuden in Galizien. Es ist ein gesunder, instinktiver Patriotismus, der diese Juden jetzt'antreibt, für den Krieg die größten Opfer zu bringen, sich auch der letzten Habe zu entledigen und selbst ihre Söhne aus den Lehrhäusern zu holen, um sie vom Talmud weg unter die Waffen zu stellen. Aber im Stillen mag vielleicht in diesem Kaftanjuden die Hoffnung aufkeimen, daß dieser Befreiungstrieb auch für sie eine Befreiung aus seelischer Not, eine Erhebung aus ihrer so wenig geachteten sozialen Stellung und vor allem eine Einig keit unter denjenigen bringen werde, die so oft schon