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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-09-04 · 36 (4.9.1914) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
36 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite ttlO Dr. Vkoch's Wochenschrift Nr. 36 viel geholfen, wenn diese auch nicht entbehrt werden kann. Es ist wohl sicher, daß die Flüchtenden und Verjagten nicht vergeblich bitten werden, es ist jedoch angebracht, das Augenmerk der maßgebenden Faktoren auf diese HUssarbeit zu lenken. Die vielen Juden Ostgaliziens wurden von den Russen besonders schonungslos behandelt, als treue Oesterreicher, als erbitterte Feinde des jinsteren Rußland und als Juden. Von diesen ('-runden sichern ihnen wohl die ersten beiden gewiß die bereitwillige Hilfe des Vaterlandes. „Deutschland über alles/* Von Oberrabbiner W. Reich in Baden b. Wien. Auf den Höhenzügen der Begeisterung fürs Vaterland verstummen die Gassenhauer; das Puppentheater des operettenhaften Großstadtlebens verschwindet in seinem wesenlosen Scheine kleinlicher Nichtigkeiten! Die schmetternden Fanfaren, die von, der ausgedehnten Weltbühne der verschiedenen Schlachtfelder, in die mit angehaltenem Atem aufhorchende Menschheit hineintönen, erjordcrn als Echo die patriotischen Gesänge, die allein imstande sind, jene, gewaltig ergreifende Stimmung wiederzugeben, welche die Saiten unseres Gemütes erzittern machen. Eines dieser Marschlieder hat sich bereits in seiner lapidaren Bedeutung sieghaft bewährt; das heroische Flaggenlied „Deutschland, Deutschland über alle s" hat sich unter den dröhnenden Soldatenschritteu der deutschen Bataillone seinen Weg in das Herz des Feindeslandes kämpfend erzwungen und zwei Großmächte mit dem kleinen Trabanten niedergerungen. Während Oesterreich-Ungarn mit unvergleichlicher Tapferkeit und heroischer Widerstandskraft einem Riesenreiche mit seinen Militärmassen erfolgreich entgegentritt, erkennt es brüderlich die glänzenden Erfolge seines unzertrennlichen Bundesgenossen an und stimmt begeistert in den Ruf ein, wie Deutschland in dem ersten Anmarsche sich siegreich über alles bewährt. Dieser patriotische Sang hat sich diesmal aus seinem gefahrdrohenden Kehrreim aufgebaut. Es ging vorher, dir seit einem Jahrzehnt sich zusammenballende Einkreisung, die in dem furchtbaren, diplomatisch wohlvorbereiteten Gedankengange kulminierte: „Alles, alles über Deutschland!" Unter dem gewaltigen Kanonendonner jedoch, der also von dem äußersten westlichen bis zu dem äußersten östlichen Jnsclreiche dieser Hemisphäre des Erdenglobus tobt, wurden diese Nebelschwaden intriganten RLnkespielcs zerrissen und ein leuchtendes Morgenrot einer neuen, anderen Zeit ringt sich in allen Farben menschlicher Phantasiegcbilde aus eitler halbhundertjährigen gerüsteten Friedenszeit hervor, die voll Trug und Falschheit war und unter dem Firnis von Weltfriedenskongressen und unter der Kuppel eines Weltfriedenspalastes dem nordischen Barbarentum mit seinen Henkersknechten und sibirischen Gefängnissen einen künstlich vorbereiteten Sieg über europäische Kultur verschaffen sollte. Sah es doch bereits schimpflich genug aus in der Welt, in der man von Tag zu Tag imnrer mehr aufjubelte in dem Triumphe des Fortschrittes auf allen Gebieten technischer Fertigkeiten und wissenschaftlicher Errungenschaften; bei all dem waren Verwilderung des Gemütes und Unmenschlichkeiten politischer Gemaltmaßregeln die brudermörderischen Kainszeichen, welche die freche Stirne der vorwärtsstürmenden Gegenwart mit Schmach bedeckten. Der Historiker wird diese Monumente unserer Zeiten Schande, welche das gewissenlose nordische Barbarenreich schamlos in Europa aufrichtete und dem sich die anderen Kulturvölker, um den Weltfrieden zu wahren, bis zur äußersten Grenze der Nachgiebigkeit zähneknirschend beugten, mit dem Griffel der Geschichte verzeichnen und das verdammende Urteil verewigen. Aus dem Schlamme aufgewühlter Leidenschaften von Volk gegen Volk, von Konfession gegen Konfession, von Staat gegen Staat, von den verschiedensten sozialen Sch'chten gegeneinander reckten sie sich empor, die Sumpfblüten der Verkommenheit, mit ihrengiftgeschwollenen Produkten, um den reinen Spiegel der Humanität zu umschleiern. Rauh Mord, Plünderung, Schändung, Verwüstung, meuchlerische Uebersälle, mit einem Worte Pogrom e, nahmen von Jahr zu Jahr ihren Rundgang durch die weilen Gebiete eines Reiches, welches den dritten Teil des Festlandes der Erde in sich einschließt; in dem vermorschenden Riesenungetüm gegen schwache jüdische Minoritäten beginnend, zogen sie in den unaufhörlichen kleinen Balkankämpfen — die von dein großen russischen Protektor immer von neuem mit dem wandernden Rubel inszeniert wurden — immer weitere Kreise, und das unter dem Pesthauche der Bestialität erstickte Nervensystem und aufgepeitschte Seelenleben hastete nach einem befreienden Atemzuge; das unter dem heißen Odem der Verwilderung verdorrende Gemüt lechzte iiocf) einem erfrischenden Trünke aus dem Kelche des Heckes, die verwüsteten Geistesideale haschten nach einem erhebenden Lichtstrahl der Erlösung — mit dem Ausbruche dieses Weltkrieges ist dies alles — trotz der beispiellosen Opfer, die er erfordert — uns geworden. Ein grandioser Federzug auf dem Schreibtische unseres Kaisers und der sofortige Widerhall, den die die Völker anfrufcndc Stimme unseres Monarchen in dem deutschen Bruderherzen gesunden, hat die Welt von einem die Brust beengenden Alp befreit. A l l e s, alles brach dann tt b e r D e u t s ch l a n d hervor; vierzehn Kriegserklärungen haben bisher sich wie eine Flut über die Welt ergossen und ungezählte kleine und große Mächte stehen noch bis au den Zähnen gerüstet Gewehr bei Fuß, um bei dem titanenhaften Kämpfe nicht unvorbereitet von den welterschütternden Kämpf rcsultaten überrascht zu werden, und da alles, alles über Deutschland hereinbricht, zeigt sich, wie von einer Gloriole des Sonnenlichtes umgeben, „D e u t s chland, Deutschland über alles". Es ist kein Zufall der Ereignisse, daß da in diesem weltentscheidenden Ringen die Weltgeschichte dem Judenvolke seinen Platz an die Seite der beiden Bundesmcichte angewiesen hat. Wir danken der göttlichen Vorsehung, daß alle unsere Interessen, alle unsere Znlunstsideale, alle unsere Gegenwartsgedanken, alle unsere Erlösungserwartungen mit den Siegen Oesterreich- Ungarns und Deutschlands so innig verknüpft sind, daß wir mit Leib und Seele an ihnen hängen; daß wir in dem Kämpfe des Lichtes gegen die Finsternis mit unserem ganzen Hoffen und Harren auf der Lichtseite des auf Jahrhunderte hinaus entscheidenden Kampfes uns befinden. Wir danken der Vorsehung hiefür und preisen unser Geschick und erkennen hieran, daß uns der alte jüdische Gott nicht verläßt, daß er mit uns' ist, wie einst auf dem alten, geheiligten Boden der Väter, auch in der Zerstreuung in allen Ländern der Erde, unter allen Völkern der Welt. In einer neuen Beleuchtung erscheint uns da der schöne, aus fünfzehn Sätzen bestehende 48. Psalm Davids, der in eurer Paraphrase folgendermaßen sich uns darstellt: „Groß ist der Ewige und sehr gepriesen irr der Stadt unseres Gottes, auf seinem heiligen Berge! Schön

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