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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-28 · 35 (28.8.1914) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
35 (28.8.1914)
Date
1914-08-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 606 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 35 Ein junger Priester war so liebenswürdig, denselben mitzunehmen und einen Sitzplatz einzuräumen, wo es möglich wurde, den Worten Ganglbauers zu lauschen. Vorerst wurde ein Gebet von 'sämtlichen Herren verrichtet, und nach einer kleinen Pause begann dieser würdige Redner seinen Vortrag. Das Lied am Meere von dem b esreiteu Volke I s rae l. Ein inniges Gefühl durchzuckte mein Herz bei diesen Worten. Ich fühlte mich beglückt zu hören, welches der Stoff des Vortrages sein würbe. „Meine Zuhörer! Die Lehre vom Monotheismus, der Anerkennung und Verehrung eines einzigen Gottes, als Grundlage einer Volksreligion in der alten Welt besaßen die Juden. Jedes Vorkommnis im Leben schreibt diese vielverfolgte Nation der Gottheit zu. Glück oder Unglück sind Bestimmungen von Gott. Dies die eiserne Macht und Stärke der Hebräer, welche viele Völker der Erde überlebten. Gott i st der Herr des Krieges, Gott i st ein Kriegs mann, Gott — i st fein Na nie. Was den Deutschen „Die Wacht am Rhein", den Franzosen die „Marseillaise", ist den Juden das „Lied am Meere." Mit dieser Einleitung begann dieser Lehrer und Meister seinen Vortrag, welcher eineinhalb Stunden dauerte. Ich dankte dem jungen Priester für die liebenswürdige Anweisung eines günstigen Platzes und im Geiste dankte ich dem hochachtungsvollen Religionslehrer und Priester Cölestin Ganglbauer. Albert Löw. Ziteratnr. SHire bes Jaufef. Nagykanizsaer gottesdienstliche Gesänge für das ganze Jahr, für Kantor, Solo, Chor, mit und ohne Orgelbegleitung, von Professor Leo Kärtschmaroff, Obe'.kantor in Nagykanizsa. Leo Kärtschmaroff, der bestrenommierte Kantor Ungarns—wem ist er nicht in kantoralen Kreisen bekannt? —, heute, im hohen Greisenalter, ein noch Schassender, hat er sich seine glühende Begeisterung für seinen Beruf in der jugendlich gestimmten Brust noch wach gehalten. — Was nun dieses vor kurzer Zeit in prächtiger Hülle erschienene Werk betrisst, sei auf das Vorwort hinge? wiesen, allwo der Verfasser in bescheidener Art unter anderem folgendes sagt: . . . „Diese notwendig erwiesene Beibehaltung der allgemein üblichen Responsen dürfe schon deshalb nicht geändert werden, damit dem Tempelbesucher in den Gemeinden, der sich lauter fremden Elementen gegenübersieht, wenigstens bei der Antiphone (Wechselgesang) die Gelegenheit, betend mit einzustimmen, nicht benommen werde. Darum verwies ich in meinem vorliegenden Werke auf die fast in allen Gemeinden Israels Gemeingut gewordenen Responsorien des weiland Großmeisters Sulzer." Aus diesen Worten erkennen wir, daß damit keine Liebeoienerei gemeint ist, sondern der Verfasser will eher zum Herold für die Autorität des größten Synagogensängers sich einsetzen. Es will der Altmeister dem Großmeister ehrfürchtend den Vorrang einräumen, Indem er als Ergänzung seiner eigenen Kompositionen den Sänger des Schir Zion sprechen läßt mit dem Hinweis: Nun folgt Hodu und Ono von Sulzer, oder: Jetzt folgt der große Kaddisch v. S. usw. usw. — Für den Jigdal in D-Dur von Sulzer hat Kärtschmaroff eine in diesem Werke ausgezeichnete Soloeinlage geschrieben, welche so recht zur Vergleichung beider Kompcsitionsarten Veranlassung gibt. Kärtschmaroff liebt das Figurale, das oft ins Schnörkelhafte übergeht, jedoch bleibt er iminer sangbar und innigf. Sulzer greift mit kühnem Griff in die weit auseinander gehaltenen Akkorde und gibt seinem Produkt etwas Bestimmtes, Mächtiges. — __ Dasselbe Gebetstück vertont der Verfasser noch einmal und fesselt den Kenner mit einer trefflich angebrachten Fugette des Schlußsatzes. Ijinueb ido ad. — Das eigentliche Gebiet aber ist die Pflege der nationalen Weife. Hier geht der Verfasser bei seiner großen anerkannten Routine zuweilen bis zu einer an Orthodoxie gemahnenden Gesangsmanier, in Tonfolgen, wie' wir sie an Orten hörten, wo der Vorsänger den Gebetmantel über sein Haupt geschlagen trägt; allein er weiß uns auch den schillernden Glanz einer Ehorpiece, mit reicher Polyphonie ausgestattet, vorzuführen. — Was die Rezitalivform des Ma jodlu und ähnlich einschlägigem .Genre betrifft, läßt er dieselbe im rechten Licht erstehen und weiß den Kantitationen des VajchuUugebetes und ähnlichem ein würdiges Gepräge zu geben. — Aber auch als Illustrator religiöser Tonmalerei, wie z. B. in den ölalebios sichronoLUnd Lebot'^roL, versteht er, den Schall des Widderhovnes nachahmend dem Vorbeter in die Kehle zu legen; wiewohl wir mit dem stoßweisen Satze der akzentuierten Sechzehntel bei Ki alo sebomea kol-ebolor nicht einverstanden sein können, dafür ist die P.rase: klm näsln lruob schon motivierter und reich an Effekt. — Als sehr gelungen ob seiner düsteren Charakteristik kann der Hajom harras (D-Moll) bezeichnet werden. Die Stelle: Krachern ow al bonim erinnert an die Muse Mozarts, dort wo Donna Anna im herbsten Schmerze aufgelöst, an der Leiche ihres Vaters trostlos stehend, Akzente des höchsten Eefühlsausdruckes anzuschlagen vermag (Don Juan, 1. Akt) — worauf ein sanftes Einlenken eines Sopranterzetts in F-Dur in religiöses Gebiet Übertritt, um mit dem Vollchor: Veso/.ici luanr inisci> poien < sieghaft in D-Dur zu schließen. — Es wäre hier noch manch Schönes, Nützliches und Erhabenes zu erwähnen; aber man würde, wie man sagt, den Wald vor vielen Bäumen nicht sehen. Man schaue sich selbst darin um und lasse sich umfangen von Frische und Würze. — Es sei daher dies Werk allen empfohlen, welche den gottesdienstlichen Gesängen mit ihrer Gönnerschaft Pate stehen, vor allem aber unseren lieben Kollegen in musiciis. — Hat ja niemand Geringerer als der k. k. Kammervirtuose Professor Alf. Erünseld, als Experte der Wiener Kultusgemeinde, durch höchst anerkennende Worte dem Komponisten gegenüber seinen Beifall offen und unumwunden ausgedrückt. Jungbunzlau, August 1914. B. Singer. Der Pcntateuch-Kommrntar des Joseph Bechor-Schor zum 5. Buche Moses, I. Teil, Kap. 1—15. Herausgegeben, auf seine Quellen untersucht und mit Anmerkungen versehen von Adolf Zweig, Breslau 1914. (53 Seiten.) Vorliegende Schrift, eine Dissertation der Heidelberger Ilniversität, reiht sich würdig an den früheren Teilbearbeitungen des in der Münchener Hofbibliothek befindlichen handschriftlichen Kommentars des geschätzten nordfranzösischen Eregeten aus dem 12. Jahrhundert durch A. I e l l i n e k (zu Eenes, u. Erod. 1856), E. Walter (zu Deuteron., Kap. 32 u. 34, i. I. 1890) und I. N e u m a n n (z. Numeri 1899). Für einen jungen Mann, der das Gymnasium regelrecht absolviert und die Hochschulzeit größtenteils den profanen Fächern gewidmet hat, stellt das Sonderstudium eines hebräischen Eregesemanuskripts gewiß große Anforderungen. Umsomehr, wenn er sich zur Aufgabe macht, auf die zerstreuten Quellen, aus denen der Autor geschöpft hat, zurückzugehen, sein Eigentum und seine Eigenheiten zu beleuchten, den Ursprung einer Menge von ohne Angabe der Provenienz angeführten Zitaten aus der so umfangreichen rablinifchen Literatur näher zu kennzeichnen u. dgl. m. Verfasser ist gewissenhaft zu Werke gegangen und hat den Kommentar zu den ersten 15 Kapiteln des 5. Buches Moses (die Fortsetzung soll in der Brannschen Monatsschrift demnächst veröffentlicht werden) in einwandfreier Beabeitunrg ediert. Seiner -Gründlichkeit gelang es auch, des Kommentators psychologische (wir möchten lieber bleiben bei: rationalisierende) Seite, auf welche zum erstenmale P o r g e s 1908 aufmerksam gemacht hat, wirkungsvoll herauszustreichen und darzutuiw wie Bechor-Schor die biblischen Vorschriften und Handlungen aus ihren Motiven oder Absichten heraus zu verstehen sucht, so daß viele seiner derartigen Bemerkungen selbst einem modernen Erklärer Ehre machen würden." Hiefür einige Beispiele. Zu Deuter. 5, 12: Im ersten Dekaloge (II. Buch Moses 20, 8 ff.) wird das Sabbatgefetz mit Sachor, d. h. „erinnere dich", eingeleitet, weil dort die Weltschöpfung, mithin ein weit zurückliegendes Ereignis, auf welches „Sich erinnern" patzt, als Begründung figuriert. Im zweiten Dekaloge (Deuter. 5, 12 ff.) dagegen knüpft das Sabbatgebot an ein für die Generation der nach Palästina Ziehenden eben erlebtes Faktum, die Befreiung aus Aegypten, an; darum wird hier Schamor, d. i. „bewahre" t-sc. das Selbsterlebtc) in deinem Bewußtsein, gebraucht. — Zu Deuter. 13, 18: Gelegentlich der Bannvollstreckung an der abgöttisch gewordenen Stadt wird vor jeder Selbstsucht gewarnt. „Von dem Gebannten soll gar nichts an deiner Hand haften bleiben — damit der Ewige von seinem Zorne ablasse und dir.Erbarmen schenke!" Das Verhältnis dieses Nachsatzes zur Prämisse deutet B. Sch. so: Plünderst du die verstoßene Stadt und eignest dir Beute an, so hat es den An>chein, als führest du den Bann bloß zu deinem materiellen Vorteile aus, so daß Gottes Zorn sich darüber erst recht steigern muß, weil ja auch der Frevel der sündhaften Stadt zum Frevel des ganzen Volkes gesteigert wurde. Wenn du jedoch jeden Eigennutz beiseite lassest, so ist es offenkundig, daß du lediglich zu Ehren Gottes gehandelt hast. Diese Tat muß die Rückkehr der göttlichen Gnade für das Volk bewirken, indem dieses den Gegenstand des Zornes aus seiner Mitte selbst entfernt hat. Es schwindet der Groll, die Liebe kehrt zurück. — Zu Deuter. 15, 7: „Wenn ein Armer bei dir ist, so verhärte dein Herz nicht!" Daß du nämlich nicht sagest, der Arme sei von Gott verstoßen und daher deiner Hilfe

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