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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-28 · 35 (28.8.1914) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
35 (28.8.1914)
Date
1914-08-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 35 Dr. Bloch's Selbsterhaltung und Neu Verjüngung die Anerkennung nicht versagen. Dieser griechische Patriotismus hat sich besonders in der Wiedererweckung der Hauptstadt aus Schutt und Geröll ein weithin sichtbares Denkmal gesetzt. Die prächtigsten Bauten dev modernen Athen, wie das herrliche Stadion, die Akademie der Wissenschaften, das Nationalmuseum, das neue Theater, das Polytechnikum, die prunkvolle, stolz ausragende Sternwarte, sind Stiftungen im Ausland reich gewordener Griechen, unter denen mit besonderer Anerkennung die bekannte Wiener Familie Sina zu 'neunen ist. Diese wirtschaftlichen Erfolge der als vortreffliche Kaufleute in der ganzen Levante bekannten, oft gefürchteten Griechen versteht man, wenn man den Eifer kennt, mit dem sich, z. B. an der Universität zu Athen, selbst unter den bittersten Opfern die Jugend zu beit Quellen der Bildung drängt. Man sieht hier, wie in Deutschland,, was gute Schulen für die wirtschaftliche Erstarkung eines Volkes und seine Stellung ans dem Weltmarkt bedeuten. Hier begriff ich, was eigene Hoch- und Mittelschulen für die Juden der Levante bedeuten müssen, sollen sie nicht gänzlich den Griechen und Armeniern weichen. Diesem Gedanken, daß der Schulmeister nicht nur auf dem Schlachtfelde, sondern auch int Handelsmitbewerb den Sieg davonträgt, will die Negierung von Athen auch in Neugriechenland Rechnung tragen, soweit ihre Mittel es erlauben, die unverhältuismäß'g fit; Heer und Flotte festgelegt werden iinb hier sicherlich noch auf lange Zeit hinaus gebunden werden müssen. Denn wie in der Levante gährt es noch immer auch im Epirus. „Der ganze Balkan ein einziger Vulkan!" So ist es und so wird es noch lange bleiben. Vor Santi Quaranta erhielt unser schmucker Lloyddampfer originellen Besuch, eine Figur, die man aus der Ferne ebensogut für eine Figur aus Coopers Lederstrumpf wie für einen auferstandenen Zeitgenossen des Pericles halten konnte. Bei näherem Zusehen mußte mau sich für das zweite entscheiden. Es war der Bruder Jsadora Duncans, der sich in griechisch-klassischem Kostüm hier unter den Trümmern L-anti Quarantas heimisch gemacht hat und für die hellenische Sache wirkt. Mit ihm entstieg dem Boote ein Briefmarkenhändler, der epirotische Postwertzeichen, gegenwärtig ein viel begehrtes Spekulationsobjekt, feilbot. Der Bootsführer selbst, ein komischer Alter, schwang unaufhörlich recht ostentativ eine Flagge mit einem Tierbild, das wir als irgendein vielsüßiges Wesen ansprechen wollten, das aber, wie man uns belehrte, den epirotifchen Adler darstellen soll. Mit erstaunlicher Lungenkraft schrie der Alte, indem er die Flagge inbrünstig an die Lippen drückte, einüber das anderemal: „Evviva Constantino!" Nicht lange darauf eine neue politische Sensation: Durazzo! Zu beiden Seiten die lange Reihe der Kriegsschiffe. Vereinzelt blendendes Weiß unter mehr oder minder düsterem Grau. Allen voran die Trikolore Frankreichs, wie ein Hinweis darauf, daß, wie seine Sprache unumschränkt die Levante beherrscht, auch sein Gold hier im Osten die stärkste Resonanz erzielt. Links die Residenz des Mrbet mit der lustig flackernden Standarte, daneben die österreichisch-ungarische Gesandtschaft. Rechts oben „kämpfen sie". Wer diese Kämpfer sind, darüber hören wir die abenteuerlichste Botschaft. Daß die Aufständischen, undisziplinierte Bauern, ohne fremde Hilfe nicht so geführt und so verproviantiert werden könnten, daran zweifelt hier niemand. Auf Seiten des Fürsten üben sich Journalisten, Handelsagenten, Touristen, ein buntes Gemengsel, im Abfeuern von Granaten. Einer zeigt uns drei Geschoßhülsen, die er zum Andenken an seine erste und wohl auch letzte Waffentat als Trophäen mit nach Hause nimmt. Die Geschütze iiberließen die „Nationalisten", während sie vor den Kaffeehäusern poli- Wochenschrift Seite 605 tisierten, der Obhut halbwüchsiger Burschen. Die überängstliche Rücksicht auf das italienische Veto verhinderte sogar eine Zeitlang die Instandsetzung der Kanonen, bis ein beherzter Schiffskapitän einer anderen Macht kräftig dazwischentrat. Die Fürstin hat Sympathien gewonnen, sie beherrscht bereits die Landessprache. Dem Fürsten aber gibt man keine lange Regierungsdauer. Die einen verargen es ihm, daß er eine Deputation seiner Getreuen nonchalant mit der Zigarre im Muu've empfangen habe. Andere wollen ihn, während man Blessierte über die Straße trug, lachend im Geplauder mit einem Gesandten beobachtet haben. Gleichviel, ob wahr oder erfunden oder übertrieben, zeigen diese Kritiken, daß von einem.Wohlwollen für den Mrbet — trotz des fleißigen Absingens der Nationalhymne — nicht viel zu verspüren ist. Auch im Interesse des österreichischen Exports sollte man diesem unglücklichen Land endlich Ruhe gönnen. Die .Kaufleute iverden als ehrlich gerühmt. Das Volk ist kaufkräftig und hat, bei dem Mangel an der unentbehrlichsten Kultur, viel nachzuholen. Wie gründlich O esterreich hier Helfen könnte, wenn nicht unselige Eifersucht ihm in den Arm fiele, beweist das Walten des österreichijchen De."chements in Medua, dessen Hauptmanu, der erste Gruß aus der Heimat, unser Schiff befuchte, um frischen Proviant einzubooten. Wie beim Anblick unserer wackeren Grenzwacht in den öden Alpenforts, hat man auch hier die Empfindung, die ein alter, wackerer österreichischer Patriot, Philipp Wilhelm von Hörltigk (1684', in dem Titel eines seiner Bücher ausspricht : „O e st e r r e i ch über all e s, w e n n e S u u r will!" „(ffitoit der Allmächtige ist Herr des Sieges." Cölestin G a n g l b a u e r, Erzbischof von Wien, war der Syhn eines Bauern in Thanstetten bei Steyr in Oberösterreich, wurde Priester im .Benediktinerkloster zu Kremsmünster und Religionslehrer am Obergymnasium des Stiftes. Als gewesenes Mitglied des Herrenhauses zählte dieser zur liberalen Verfassungspartei und wurde zum Fürst-Erzbischof in Wien ernannt. Ausgezeichnet durch seine Toleranz, wußw sich Erzbischof Ganglbaner allgemeine Achtung zil erwerben, wurde 1884 Kardinal im 67. Lebensjahr uitb starb fünf Jahre darauf, allgemein betrauert, im Jahre 1889. Dieser Erzbischof war einer der auserwählten Menschen, die gleich guten Engeln über die Erde schreiten, nachhaltig Segensspuren ihres reinen, gottgeliebten Wandels hinierlassen und deren Gedächtnis nimmer erlischt und untergeht. Geistreich und voll Innigkeit waren dessen exegetische Vortrüge im Klosterzu Kremsmünfter, ungemein zahlreich wurden dessen Vorlesungen von den Schülern und anderen priesterlichen Kollegen mit Liebe und Verehrung angehört. Schreiber dieser Zeilen hatte im Jahre 1874, zur Zeit, als derselbe die technische Leitung einer Spiritnsraffinerie in Linz innehatte, Gelegenheit, Kremsmülister zu besuchen und in einer freien Zeit dieses Kloster zu besichtigen. Das Kremsmünster Kloster besitzt eine Bibliothek von 70.000 Bänden, 1700 Handschriften, 840 Inkunabeln und eine achtstöckige Sternwarte. Am gleichen Tage strömten Schüler und Lehrer zum Hörsaate Ganglbauers und wurde in Schreiber dieses der Wunsch rege, einen Vortrag biblischen Stoffes aus dem Munde dieses Seelenhirten zu hören.

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