Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 35 (28.8.1914)
- Date
- 1914-08-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nc. 35 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 597 durchgemacht diese w'enigen Tage. Mein Haar ist gebleicht in einer Schreckensnacht. Wie freuten wir uns, als die Russen abrückten, wie jubelten wir, als die Deutschen einrückten. Wir haben sie mit Speise und Trank empfangen und ihnen zugejubelt als unsere Erretter voll all der Angst und Qual, die wir unter unfern Peinigern durchzumachen hatten. Das war nicht bloß das Gefühl, das die Juden in der Stadt beseelte, die Polen dachten nicht anders. Aber wir dachten und unser Bürgermeister, ein Russe, glaubte uns zu lenken. Er hatte sich an uns Juden rächen wollen, weil wir den deutschell Soldaten freundlich entgegenkamen mit Erfrischungen; da ließ er das Gefängnis öffnen. Er befahl den Verbrechern, die er überall in den Häusern und hinter den Häusern als Spione versteckt hatte, auf die'deutschen Soldaten zu schießen. Wir hatten davon keine Ahnung, wir fuhren nachts aus beit Betten erschreckt empor, als wir die Schüsse hörten. Schlaf fanden wir freilich auch so nicht, aber der Schreck lähnltc ulrsere Glieder. Den Bürgermeister traf seine verdiente Strafe, der deutsche Oberst ließ ihn erschießen. Dann legte er unserer Stadt eine Kontribution voll 20.000 Rubel auf. Das Schlimmste aber traf uns, als er 24 lder ^angesehensten .Männer unserer Stadt festllehnleil ließ und ulls bedeutete, daß für jeden hier erschossenen deutschen Soldaten einer dieser Geiseln erschossen würde. „Unsere Hände haben dies Blut nicht vergossen", dürfen wir ausrnfen mit unserer Thora. Der Oberst ließ die 24 ilach Posen auf die Festung schicken. Unter ihllen ist auch unser zweiter Rabbiner, Gott erhalte und beschütze ihn! Traurig sieht es jetzt bei uns aus, verödet liegt jetzt unsere Stadt da, ein Schlachtfeld, bedeckt' mit Toten und Ruinen. 400 Juden sind bei den Straßerlkämpfen in den Häusern gefalleil als Opfer des verbrecherischeil Attentats des. Bürgermeisters, den sein verdientes Schicksal ereilt hat. Die Judenstadt im Innern ist vollständig denroliert. Was fliehen konnte, ist geflohen. Wehe uns, die wir noch leben! __ Pose n. In vergangener Woche wurden hier vierundzwanzig Geiseln mit einer Anzahl anderer Männer, auch ein Rabbiner aus Kalisch, eingeliefert. Die aufgeregte Menge glaubte, die Eingebrachten hinter dem Sternwerk von einer Salve niederschießen zu sehen. Dem war nicht so. Ob die Männer später nach Kalisch oder sonst wohin befördert worden sind, konnte man nicht erfahren. Herr Rabbiner Dr. Silberberg hier trat für den gefangengenommenen Rabbiner aus Kalisch ein, und es gelang, ihm bei der Gefängnisverwaltung koscheres Essen, Talliß und Tefillin und ein Sefer zu verabfolgen. So edel handelt nur das deutsche Volk selbst in Zeiten des Krieges gegen feindliche Gefangene! Czenstochau. Ob dieser Brief Sie erreichen wird, weiß ich nicht, die Zensur ist streng, keiner darf den Posten ohne Ausweis passieren. Aber was ich schreibe, darf jeder lesen. Denn es ist nur rühmlich für unsere braven Soldaten, und auch die Bürger der Stadt, Polen und Juden, spielen keine unrühmliche Rolle. Sie tragen keine Schuld an den Ereignissen, die sich hier zutrugen. Sie haben wirklich aus innerstem Herzensdrange aufgeatmet. von der russischen Schreckensherrschaft befreit zu werden, und echte Gefühle der Freude gezeigt, als Unsere tapferen Truppen einrückten. Aber freilich waren sie damit die Russen noch nicht los. Gegen 500 Kosaken hatte man in der Stadt znrückgelassen, ohne Montur, in den Häusern versteckt, meist in der Vorstadt vor dem Paulanerkloster, wo die Matka boska von dem Verbrechermönch Macoch bestohlen ward. Diesen Kerl hatten die Russen vor ihrem Abzüge mit dem ganzen Verbrechergesindel aus dem Kerker in Petrikau freigelassen, offenbar. um diese verruchte Gesellschaft auf unsere Soldaten loszulassen. Sie ersannen ein teuflisches Manöver, s i e raubten den polnischen I ude n ihre Rö cke und steckten sich in ihre Kleider, um unfern Truppen vorzutäuschen, daß es polnische Juden seien, welche die Untaten ausübten. Unser Kommandeur hatte eine feine Witterung, er traute dem Frieden in der Stadt nicht und legte die Soldaten nachts nicht in die Bürgerauartiere, sondern ließ seine ganze Truppe auf dem freien Platze vor dem Paulanerkloster nachts Biwak beziehen. Das war weise Vorsicht. Denn nachts gegen einhalb 11 Uhr brach der Spektakel los. Eine Bombe platzte als Signal für die in den Häusern um den Platz herum verteilten maskierten Kosaken und Verbrecher. Nun begann die Schießerei, welche sieben unserer Braven das Leben kostete und 30 verwundete. Der Oberst ließ sofort Appell blasen und das Bataillon mit gefälltem Bajonett die Häuser stürmen. Etwa 600 dieser Banditen wurden herausgeholt und auf den Klosterplatz geschleppt. Das Exempel wurde gemacht. Zwei der Bestien wurden an der Klostermauer sofort erschossen, die anderen unter Bedeckung nach Neiße auf die Festung geschickt. Polen und Juden bewiesen dabei ihre chrenhafte Gesinnung, sie waren dem Kommandanten behilflich, die Verbrecher zu stellen und ihre Häuser von dem gemeinen Gesindel zu säubern. Der Kommandant hat dies ausdrücklich anerkannt. Polen und Juden wollen nichts mit dem Gelichter gemein haben. Der Sozialistenführer Dr. Frank als Freiwilliger. Berlin, 24. August. Der sozialdemokrati'cheParteiführer Dr. Frank hat sich zum „Freiwilligendienst auf Beförderung" gemeldet. Eine tapfere jüdische Mutter. R o g a s e n. Eine außerordentliche Leistung für das Vaterland kann von Frau Witwe C. F e i b u s ch, hier, berichtet werden. Dieselbe hat acht Söhne zu den Fahnen entsandt und ihre einzige Tochter hat sich der Roten Kreuz-Arbeit gewidmet. Acht Söhne einer Mutter im Felde. Königsberg. In dem Orte Izillen (Ostpreußen) lebt eine Witwe, Frau S. Guttmann, mosaischer Religion, von der acht Söhne zur Verteidigung des Vaterlandes ins Feld gezogen sind. Jüdische Krieger. Achim-Bremen. Herr Lehrer Rothschild teilt mit: Meine Familie hat 17 Krieger gestellt. 3 verheiratete Brüder, darunter 1 Unteroffizier, an der französischen Grenze; 6 Schwäger, darunter auch 1 Unteroffizier, und 7 Vettern, darunter 3 Unteroffiziere. Mein Vater, Vorsteher der jüdischen Gemeinde Hörstein (Bayern), der 1870 mitgemacht, mehrere Auszeichnungen besitzt, Unteroffizier, hat sich freiwillig gemeldet. Stuttgart. Unter Führung von Dr. med. Gustav Feldmann sind zehn jüdische Krankenschwestern zum Dienst in der Front von hier abgefahren. Berlin. Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Sitz Berlin, hnt an seine Mitglieder die Aufforderung gerichtet, sich als Freiwillige zum Heeresdienst zu melden oder — soweit sie dafür zu jung sind — sich zu Erntearbeiten zur Verfügung zu stellen. Feldpostbrief eines jüdischen Kriegsfreiwilligen. Bamberg. Der Schreiber des nachfolgend«« Briefes, Vater von sechs und demnächst sieben Kinder», ist am 5. August ins Feld gerückt. Aus frommem Herzen heraus, aus kriegsstarker Begeisterung schrieb er an seine Verwandten: „Meine Lieben! Wenn dieses hier meine