Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 35 (28.8.1914)
- Date
- 1914-08-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022125--23397-3048594- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Seite 596 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 3 Krieg Zu Ziehen und dort zu stehen, wo der Engel des Todes die Herrschaft hat. Es ist aber ein süßes Gefühl und das Herz wird gehoben und schlägt rascher bei dem Gedanken, in den Krieg ziehen zu können gegen einen.Feind wie -Rußland. O, könnten wir doch Rache nehmen für die aufgeschlitzten Leiber von Kischenew, für die schändlichsten Scheußlichkeiten von Schitomir, für die ausgestochenen Augen von Bialystok, für die geschändeten Thorarollen, für die Pogrome und für die zahllosen hingeschlachteten unschuldigen Kinder." > Lemberg. Jüngst bildete sich hier unter Anspornung und bewährter. Leitung unseres Dr. F i s ch e l Waschitz und unter Genehmigung der hiesigen hohen Militärbchörden ein jüdisches Schützen ko rps, das bereits gegen 300 stramme, waffenfähige Jünger und etwa 60 ausgediente Komilitonen umfaßt. Dieses neugebackene Kombatantenkorps wurde vom Militärdepot bereits mit entsprechendem Waffenmaterial ausgerüstet und dürfte nach mehrwöchiger Einschulung dem Lande selb ständigen Schutzdienst leisten. Der erwähnte militärische Verband, dessen Kommandosprache hebräisch bleiben wird, vorerst jedoch — lediglich aus praktischen Rücksichten — polnisch ist und der als jüdisches Abzeichen weißülaue Aufschläge trägt, erregt in allen gutgesinnten jüdischen Kreisen große Sympathie und öfters geradezu wegen dessen sicherer Haltung Staunen. Beeidigung der jüdischen polnischen Freiwilligen. Lemberg, 21. August. Gestern fand hier die Beeidigung der jüdischen polnischen Freiwilligen statt, die in die Abteilungen der polnischen Schützen eingereiht wurden. Die Beeidigung fand im jüdischen Tempel statt. Die Eidesformel brachte ein Offizier des Schützenbnndes zur Verlesung. Spende der Lemberger Kultusgemeinde für die polnische Legion. In der Sitzung vom 23. August hat der Vorstand der isr. Kultusgemeinde beschlossen, 50.000 Kronen für die polnische Legion zu widmen, 500 Kronen für notleidende russisch-jüdische Familien, die in Lemberg wohnen, ferner diverse Spenden für wichtige humanitäre Anstalten. Um die Ausgaben zu bestreiten, wurde eine namhafte Erhöhung der Kultussteuer beschlossen. Schreckliche Judenpogroms in Rutzjland. U ne r w a r t e t e W i r k u n g d e s Z a r e n m a n i f e st e s. Bukarest. Die Wirkung des zarischen Judenmanifestes war eine ganz eigentümliche. Knapp nach dem Erscheinen des Manifestes „An meine lieben Juden" haben in Russisch-Polen zahlreiche Pogroms stattgefunden, an denen das Militär, namentlich die Kosaken, sich beteiligte. Besonders arg wütete der Mob in der Umgebung von Ki«v. Die Mehrzahl der Juden schenkt den Versicherungen des Zaren selbstverständlich keinen Glauben. Ern jüdftches Komitee arbeitet fieberhaft, um die Juden aufzufordern, für Oesterreich-Ungarn Kriegsdienste zu Listen und jene Juden, die das ablehnen, zu bestimmen, auf keinen Fall für Rußland die Hand zu erheben. Das Komitee nennt das Manifest „eine Verhöhnung durch den Zaren", dem man nicht länger dienen dürfe. Dem Hilfsverein der deutschen Juden kam die Nachricht von einem blutigen Judenpogroin irr W i l n a zu, der sich dort am 23. d. M. abgespielt hat. Wegen der österreichfreundlichen Haltung der Juden inszenierte der Gouverneur von Wilna zur Strafe einen Pogrom. Die jüdische Selbstwehr nahm kräftig die Verteidigung auf. Sie errichtete Barrikaden in den Straßen und hielt sich, mit Bomben und Mausergewehren bewaffnet, sehr tapfer. Das Militär wurde'gezwungen, den Pogrom einzustellen. Das Militär hat viele Verluste erlitten. Auch in Lodz wurde ein Pogrom gegen die Juden veranstaltet. Die meisten flüchteten nach Galizien. Ein Ausruf der Juden in der Bukowina. Aus Czernowitz wird berichtet: Namens der jüdischen Nationalpartei haben die Abgeordneten Doktor Strauche r, Dr. Weißelberge r, Dr. K a tz, Doktor Wender, Hecht, Rudi ch und Kammerpräsident T i t - tinger einen Aufruf an die Juden der Bukowina gerichtet, in dem es u. a. heißt: „Das haßerfüllte Moskovitertum hat unser teures Vaterland mit Krieg überzogen. Wir österreichischen Juden, die wir uns unter dem Szepter eines hochsinnigen und gerechten Herrschers des Genusses aller politischen Rechte und Freiheiten erfreuen, ziehen begeistert in den Krieg. In uns Juden erwacht die wehmutsvolle Erinnerung an unsäglichen Jammer und Leid, an tausendfältige Erniedrigung, Verfolgung, Schmach und Rechtlosigkeit, an Massakres und Metzeleien, die unsere unglückliche!: Stammesgenossen in Rußland unter dem fluchwürdigen Zarismus erdulden. Der machtgierige Panslavismus kann nur durch Völkerknechtung sein Ziel erreichen. Jüdische Stammesgenossen — tut eure Schuldigkeit, ja mehr als diese! Denket an Homel, Kiew, Odessa, Kischinew! Unser Sieg ist auch die Befreiung der russischen Juden. Die Zeit ist gekommen, daß die.russischen Juden ihre Ketten sprengen sollen. Mögen unsere Stammesgenossen in Rußland eingedenk sein, daß nur jenes Volk Rechte und Freiheiten besitzt, das dieselben erzwingen kann und' zu erzwingen entschlossen ist. Die weltgeschichtliche Stunde ist gekommen — entschlossene Völker nützen sie aus — denn sie kommt kaum wieder! Jüdische Stammesgenossen! Rechtfertigt unsere Hoffnungen — zeigt euch als würdige Nachkommen unserer heldenhaften Makkabäer!" Brief eines im Felde stehenden Offiziers. Herr Alois Kolben, I., Rabensteig, erhielt von seinem Sohn folgenden Feldpostbrief: . V i i ■:; i!! I Liebster Vater! Ich befinde mich derzeit in Jaroslau, das heißt in einem Nest 4 Stunden von Jaroslau entfernt. In unserer Brigade sind die Deutschmeister und 84 er, also lauter Wiener. In einiger: Tagen werden wir gegen den Feind marschieren. Ich weiß, Du Rist ein Mann, und ich kann Dir das ruhig schreiben, damit Du Gewißheit hast. Mein Geschick liegt jetzt in Gottes Hand. Schau auf die liebe Mutter und tröste und beruhige sie. Ich persönlich habe keine Furcht und unsere Leute brennen darauf, die Feuertaufe zu empfangen. Ich habe als jüdischer Offizier die doppelte Pflicht, mich mutig und ausdauernd zu erweisen. Ich denke Tag und Nacht an Euch und werde nicht aufhören, an Dich zu denken. Gott :nöge mit :nir und Euch allen sein, und Du, mein lieber Vater, sei geküßt von Deinem Dich bis zum letzten Atemzug liebender: Sohn Poldi. Vom russisch-polnischen Kriegsschauplatz. K a l i s ch. Ich schreibe Ihnen, während die Kugelr: um mich Pfeifer: und der Boden vom Donner der Geschosse erzittert. Aber ich finde Beruhigung, wenn ich mein Herz ausschütten kann. Was haben wir nicht alles