Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 35 (28.8.1914)
- Date
- 1914-08-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Scitc 598 Dr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 35 letzten Zeilen sein sollen, so lebt wohl, fürchtet Gott und haltet seine Thora! Meine Kinder empfehle ich dem Allmächtigen, er möge sic zu unseren Großen in Israel heranziehen, ich will Rache nehmen für die vielen Morde und Martern, die an Inden von unseren Feinden begangen wurden. Es haben sich bei uns achtzehn Juden freiwillig ins Heer einstellen lassen, dabei will auch ich nicht Zurückbleiben und unsere jüdische Pflicht erfüllen!. Verflucht sei, wer in dieser Zeit nicht seinen letzten Tropfen Blut fürs Vaterland hergibt. Und sollte es dann sein, daß wir nicht mehr lebend zurückkommen, so finden wir doch ein ewiges Leben bei dem, der über unser Wohl und Wehe beschließt- Wir nehmen Jlbschied mit Tränen, aber mit Liebe ziehen wir von unseren Frauen und Kindern, um unsere Pflicht zu tun; wie könnte ich auch nachher aufrecht unter meinen Mitmenschen herumlaufen oder vor Gott beten, wenn ich zurückstehen wollte. Ich habe mich mit meinen Angehörigen beraten und auf die Stimme meiner Mutter, die auch unserem lieben Emil das Gleiche geraten hat, bin ich gegangen. Wenn ich aber lebend meine Lieben Wiedersehen darf, so komme ich ohne Sünden, ohne Makel zurück, ich habe die Bücher Mosis durchgenommen, ich habe Abraham, Mosche und Jchoschua, ich habe Debora, die Richter und die Makkabäer zwei Nächte lang rezitiert, und ich kam auf den Schluß, daß wir unter allen Umständen zuerst unser Vaterland, dann unsere Familie, dann unseren Glauben schützen müssen." Breslau. Die Breslauer Kommandantur läßt an die Truppen, die sich in der Stadt und in der nächsten Umgebung Breslaus befinden, durch Parole bekanntmachen, daß diejenigen jüdischen Soldaten, die auf rituelle Kost reflektieren, sich unverzüglich unter Angabe ihres Quartiers melden sollen. Die Kommandantur sorgt für Weitergabe der Meldung und deren nötige Erledigung. * * Als bezeichnend für die große Vaterlandsliebe unter den Juden teilt man der „K. Z." folgenden Fall mit: Ein junger Jude meldete sich bereits am Freitag, den 30. Juli, also vor der Mobilmachung, freiwillig bei dem Krefelder Husarenregiment, wurde jedoch wegen Körperschwäche — er ist erst 18 Jahre alt — nicht angenommen. Am Montag, den 3. August, also unmittelbar nach der Mobilmachung, meldete er sich nochmals bei dem Regiment, jedoch auch diesmal vergebens, da Freiwillige nicht mehr angenommen werden konnten. Ani gleichen Tage wandte sich der junge Mann an das 7. Fußartillerieregiment, 9.. Fußartillerieregiment, Fliegertruppe und, Luftschifferabteilung, aber alle diese Truppengattungen konnten der Bitte um Einstellung nicht entsprechen, da alles besetzt sei. Weitere Meldungen beim Fcldartillerieregiment 59 und dem Telegraphenbataillon waren leider auch ergebnislos, alle Stellen waren besetzt. Ein schöner Zug des österreichischen Botschafters in London Grafen McnSdorf. Aus Ungarn wird gemeldet: Die Frau eines ungarischen Rabbiners, eine geborene Londonerin, weilte bei Beginn des Krieges bei ihren Angehörigen in London, wo sie eines Töchterchens genesen ist. Die Verwandten fanden keinen Weg, es dem in Ungarn weilenden Rabbiner mitzuteilen. Sie wandten sich daher an den Botschafter Grafen Mensdorf, der, zur Heimreise ausgerüstet, es nach Wien dem Ministerium des Aeußcrn telegraphisch mitteilte und dieses leitete die Nachricht an den Betreffenden weiter. Die Mitteilung hat folgenden Wortlaut: „Abschrift einer Depesche des kaiserlichen und königlichen Botschafters Grafen Mensdorf vom 4. August: Bitte, Rabbinat zu verständigen, daß Frau Rabbiner eines gesunden Töchterchens genesen ist. Bestätigung erbittet Mensdorf, Botschafter Oesterreich-Ungarns." Max Nordau, Dr. Alexander Marmorek und I. Zangwil. Wie wir erfahren, haben Max Nordau und Dr. Alexander Marmorek die Erlaubnis erhalten, auch während der Kriegsdauer in Paris zu verbleiben, wo sie in Lazaretten als Aerzte eine dankenswerte menschenfreundliche Tätigkeit ausüben. Dagegen soll Israel Zangwil wegen Veranstaltung von Protesten gegen die Anteilnahme Englands am Kriege gegen Deutschland und Oesterreich sich in Haft befinden. Der Sohn DreifuS' als Soldat. Berlin, 24. August. Der Sohn Alfred D r e p f n s' ist, da er sich durch besonderen Mut hervorgetan hat, auf dem Schlachtfelde zum Unteroffizier ernannt worden. Die Protestbewegung gegen den Krieg in England. In ihrer Nummer vom 31. Juli schreibt die in London erscheinende „Jewish Chronicle": „Warum soll England, die Blüte seines Volkes hergeben, um von allen Interessen der Welt gerade die russischen zu verteidigen, in einem Kämpfe, den wir nicht gesucht haben und der uns in Gottes weiter Welt nichts angeht! Wir wehren uns mit aller Macht gegen den bloßen Gedanken, englisches Blut zu vergießen, englisches Gut zu verschlendern, auf daß die Slawen ihre Macht ausdehnen über die Germanen und eine abgelebte und barbarische Autokratie auf ihrem wankenden Throne gestützt werde. Uns kann nichts daran igelegen sein, Rußlands Macht aufrechtzuerhalten, und noch viel weniger entspricht unseren Interessen eine Demütigung Deutschlands. Seite an Seite mit Rußland zu kämpfen, wäre für England eine ebenso schändliche Handlungsweise, wie ein Kampf gegen Deutschland, mit dem es keinerlei Reibungsflächen hat." Wohltätige Frauen in Berlin. Man schreibt uns aus Berlin: Der Verein Mädchen h o r t (Vorsitzende Frau Emilie Mossc) beschloß, seine 23 Horte zu erweitern und in von der Stadt Berlin zur Verfügung gestellten Lokalitäten eine Anzahl Kriegshorte zu eröffnen. Für einige durch -Belegung der städtischen Gemeindeschulen mit Einquartierung obdachlos gewordene Horte hat der Verein Arbeiterinnenheim seine Räume vorläufig zur Verfügung gestellt. — Der Vorstand des Vereins für K i n d e r v o l k sküchen und Volkskinder horte hat eine Vcrsmnmlung nach den Prachtsälen des Westens einberufen, um über Maßnahmen zu beraten, die zur Speisung von Frauen und Kindern ins Feld gezogener Krieger zu treffen sind. Nach dem Bericht des Vorsitzenden Herrn Abraham unterhält der Verein zurzeit 20 K ii ch e n, die für die Speisung von 10.000 Kindern ausreichen. Um den durch den Kriegszustand gebotenen Ansprüchen zu genügen, sollen diese Küchen verdoppelt werden, so daß für etwa 20.000 Kinder gesorgt werden kann. Auch die Frauen von ausziehenden Kriegern sollen mit Essen versehen werden. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß dem Verein leerstehende Läden zur Einrichtung von neuen Küchen kostenlos oder zu mäßiger Miete überlasscn würden. In den nächsten Tagen sollen vom Verein aus Sammlungen veranstaltet werden. Mehr als 700 Damen haben sich zur Unterstützung der Vereinsleitung bereits gemeldet.