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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-21 · 34 (21.8.1914) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
34 (21.8.1914)
Date
1914-08-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 589 Harmoniumbegleitung den Psalm 30 mit stimmlicher Wärme und Exaktheit vor. Herr Rabbiner Dr. Feuchtid fl li g beschloß die wohlgelungene Feier mit einer zündenden patriotischen Festrede, die in der vom Chor und allen Festgästen gesungenen Volkshymne begeistert austlang. — Bei diesem Anlasse wurde von den Damen Frl. B. Singer und Frl. E. Bernürd zugunsten unserer braven Krieger und deren Faniilien eine- Sammlung veranstaltet, welche ein entsprechendes günstiges Resultat ergab. Edmund Richetti Edler von Teralba. In Reichenau starb am 12. d. M. der gewesene Generaldirektor der k. k. priv. Assicurazioni Generali in Triest und em. Präsident der Triester Handels- und Gewerbekammer im 58. Lebensjahre. Der Name des Verblichenen ist mit dem Aufschwungs, den das Versicherungswesen in Oesterreich-Ilngarn in den letzten Jahrzehnten genommen hat, untrennbar verknüpft. Besonders das von ihm durch Jahrzehnte geleitete Institut trat vermöge seines organisatorischen Talentes, seiner Energie und seines umfassenden, allgemeinen Wissens in die erste Reihe der gleichartigen Unternehmen des Kontinents. Als Präsident der Triester Handels- und Eewerbekammer hat sich der Verstorbene große Verdienste erworben, die auch vom Kaiser wiederholt, zuletzt durch Verleihung des Komturkreuzes des Franz Josef-Ordens mit dem Sterr gewürdigt wurden. Edmund Edler von Richetti war ein vornehmer, gediegener Charakter, ein Wohltäter und Mäzen großen Stils, eine Kavaliersnatur, zu der sich jeder, der dem Verblichenen nähertreten konnte, hingezogen fühlte. An seiner Bahre trauern mit der tiefgebeugten Familie die zahllosen Freunde und Verehrer des seltenen Mannes. Teplitz. (Gedächtnisfeier.) Am 4. d. M., am Sterbegedächtnistage des langjährigen ärztlichen Leiters des israelitischen VadehospitalS in der Liudeiluraße, -verra Geh. Sanitätsrates Doktor Ignaz Hirsch, fand daselbst eine erhebende Gedenkfeier statt, welche von den Pfleglingen dieses Institutes in dankbarer Erinnerung an ihren genannten Wohltäter veranstaltet wurde. Aus diesem Anlas.e war die im Parterre des Gebäudes angebrachte Gedenktafel mit Kränzen und Pflanzen umgeben. Zu der Feier hatten sich nebst sämtlichen Pfleglingen des Hospitals und den nächsten Angehörigen des verewigten Menschenfreundes, Herren Med.-Dr. Rudolf Hirsch samt Gemahlin und Dr. Robert Hirsch, noch die Herren Hospitalsdirektor Fabrikant Ludwig Rotschikd, Rabbiner Prof. Dr. K u r r e i n und Oberkantor D a w i s o n eingefunden. Namens der Patienten hielt zunächst Herr Wilhelm Stepper eine Ansprache, in welcher er in warmfühlenden Worten der menschenfreundlichen, aufopfernden Tätigkeit gedachte, die Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Hirsch viele Jahre hindurch den Pfleglingen des Hospitals angedeihen ließ und sich ihnen hiebei nicht bloß als stets hilfsbereiter Arzt, sondern auch als ein Freund und Wohltäter erwies. Nebst den Gefühlen unauslöschlicher Dankbarkeit für den Dahingeschiedenen brachte der Sprecher auch den innigen Dank dem gegenwärtigen Primarius Herrn Med.-Dr. Rudolf Hirsch zum Ausdruck, der im Sinne seines verewigten Vaters .bie gleiche Opferwilligkeit und 'Sorgfalt für die Patienten des Hospitals bekunde. In gleichem Sinne sprach in tiefbewegten Worten Frau Zeimer namens der weiblichen Pfleglinge. Mit dem Vortrage eines Weiheliedes durch Herrn Oberkantor Dawifon fand die erhebende Feier einen stimmungsvollen Abschluß. Pecs. In der israelit. Volksschule und im Gemeiudehause hat die israelitische Gemeinde 500 eingerückten Reservisten Quartier gegeben. Beim Abmarsch derselben ersuchte der Truppenkommandant Herrn Oberräbbiner Dr. Armin Perlsz, an das abziehende Militär einige Abschiedsworte zu richten. Das geschah auch auf dem weiten Platze vor dem Tempel in Anwesenheit tausende Zuhörer. Das Militär bildete Karree und die Rede fand solche Begeisterung, daß nach drei Tagen, als wieder ein weiterer Teil marschbereit war, die gleiche Bitte an Herrn Oberraobiner Dr. Armin Perlsz gerichtet wurde, und auch diese Ansprache fand begeisterten Beifall. — Dienstag, den 18. August, fand eilt Festgottesdienst statt, bei welchem die Militär- und Zivilbehörden erschienen waren. Feuilleton. . Mendel mit der Gewurr" Bon Hermann Löwknger. (Schluß) Denn kaum waren selbe dem Vorleser entschlüpft, da zog Mendel vom Leder, oder besser gesagt vom Rocke, und es gab keinen ergötzlicheren Anblick, als ihn anzufehen. Wie wütend bearbeitete er den nächstbesten „Ständer" mit dem großen Zuckerhammer und gleichzeitig stampfte er einem Pferde gleich mit beiden Füßen, daß die Staubwolken aufwirbelten. Alles war an ihm in Bewegung, Hände, Füße und sogar ber Mund, und während er im wütenden Parorismus um sich schlug, rezitierte er fortwährend den Namen „Haman ben Hamdassa", des großen Judenfeindes. Zum Gaudium der lieben Jugend wiederholt sich alljährlich am Purim dieses komische Intermezzo in dieser Synagoge. Es ist nur zu bedauern, daß die modernen Hamans, die Jstoczys, Onodys, nicht unter seine Hände kamen, es wäre gewiß keine Faser an ihnen ganz geblieben. So floß nun das Leben Mendels — von den zahlreichen Schikanen der großen und kleinen Spottvögel abgesehen — so ziemlich ruhig unter „Beten und Arbeiten" dahin. Es sollten aber auch für Mendel mit der sprichwörtlichen „Eewure" schwere Zeiten kommen, die Zeit der schnelleren Kommunikation, die Zelt der Fiaker. Komfortabels und Omnibusse. Diese modernen Vehikel machten jede persönliche Dienstleistung überflüssig. Er bekam kein Geschäft mehr zur Bahn oder zum Schiff, das Reisegepäck zu tragen, da diese modernen Fuhrwerke bei bezahlter Fahrt das Gepäck der Passagiere umsonst mitnähmen. Dazu kamen noch das neue Institut der „Städtischen Dienstmänner" ober „Erpresse", wie sie der Volksmund nannte, welche ihm gar das Leben sauer machten. Nicht allein daß er täglich ohne „Geschäfte" vom Standplatze heimkehrte, mußte er noch obendrein das Gefpötte der übermütigen Kutscher und Dienstmänner erdulden. Um dem tiefen Groll in seinem Herzen Lust zu machen, schleuderte er seinen Gegnern die schwersten Flüche zu und in seinem eigentümlichen Jargon schrie er ihnen zu: „E Krie') sollen sie sich trogen und schneiden die Fischaker und Kumpetebel und die Oniputzen, es ist schon nit mehr zu leben auf der Well, jetzt sennen schon mehr Träglers wie Leut'." Diese Zornesausbrüche konnten es nicht hindern, daß es mit Mendel immer mehr bergab ging, und schließlich war er genötigt, das imponierende Zeichen seines „schweren Berufes", seinen Strick, den er beinahe 30 Jahre in Ehren getragen, wegen Beschäftigungslosigkeit abzulegen. Nun blieb ihm nichts anderes übrig, als an den Wohltätigkeitssinn guter Glaubensgenossen zu appellieren und durch „Fechten"-) seine Lebensbedürfnisse zu bestreiten. Und Mendel Machte als „Fechtmeister" Karriere und erwarb sich in einigen Jahren ein nettes Sümmchen Geldes. Nebenbei betrieb er bei seinen Streiszügen durch die Straßen ein eigentümliches Gewerbe, indem er alle auf der Straße umherliegenden Papierschnitzel zujammenklaubte und sie dann dem Hadernhändler verkaufte. Das Prosperieren dieser beiden „Gewerbe" veranlaßte mehrere spekulative „Schadchonim"* * 3) ihn einmal zum Verlassen seines Junggesellenstandes zu bewegen und zum Einlaufen in den glücklichen Hafen Hymens zu veranlassen. Doch alle ihre Argumente scheiterten an dem Starrsinn Mendels, welcher ihnen die originelle Antwort erteilte, daß er „einem anderen feine Tochter nicht ausfüttere". Diesem Ausspruche blieb er Zeit feines Lebens treu und blieb Junggeselle, und da er sich dabei recht wohl befand, so vermochte nichts ihn von diesem Entschlüsse abwendig zu Machen. So konnte man ihn täglich die Straßen und Gassen durchwandern sehen in seinem antiluvianischen Kostüm; aus dem Kopfe einen von Schmutz und Schmier glänzenden breiten Hut, um den Körper einen alten verwitterten, in allen Farben des Regen- 0 Größter Fluch, beim Sterben der Eltern und Geschwister wird bei den Israeliten in das Kleid ein Riß gemacht. -) Betteln. 3) Heiratsvermittler.

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