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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-21 · 34 (21.8.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
34 (21.8.1914)
Date
1914-08-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 684 Dr. BLoch's Wochenschrift Nr. 34 standes zu bekunden. Und'nicht allein für unseren Wiener Vorstand, für unsere 200.000 Wiener Juden stehe und spreche ich hier; dem Empfinden, das alle unsere Glaubensbrüder in diesem weiten Reiche beseelt, gebe ich Ausdruck in dem innigen, heißen Herzenswünsche: Gott segne, erhalte, beschütze unseren Kaiser Franz Josef I. Ereignisse von welthistorischer Bedeutung ziehen an uns vorüber. Als wir . vor 4 Jahren aus Anlaß des 80. Geburtstages, vor 6 Jahren aus Anlaß des sechzigjährigen Regierungsjubiläums unseres Kaisers in der Reihe der ihm Huldigenden erschienen, sprachen wir unseren ehrfurchtsvollen, tiefgefühlten Dank aus für die reichen Segnungen, mit denen er uns beglückt, für die väterliche Liebe, mit welcher sein edles Herz alle Bürger dieses Reiches ohne Unterschied der Abstammung und des religiösen Bekenntnisses umschließt. Und wohl mochte der einstimmige Hymnus der gesamten gebildeten Welt, der Dank für die Erhaltung des Friedens, der Dank an den Friedenskaiser sein mildes Herz mit Freude und Genugtuung erfüllen. Und nun, nachdem unser erhabener Herr in seiner unerschöpflichen Friedensliebe bis an die äußerste Grenze gegangen, heute den Kampf aufnehmen mußte gegen unversöhnliche Feinde, gegen eine haßerfüllte Koalition und alle seine Völker zu den Waffen ruft zur Verteidigung von Thron und Vaterland, heute vereinigen sich wieder alle Völker, alle Stämme .dieses weiten Reiches und wir österreichischen Juden gleich ihnen allen zu fester, enggeschlossener Phalanx der Treue. Wie in den Stunden der Trauer, wie in den Tagen der Freude und den Jahren des segenvollen Friedens, fühlt sich die Judenschaft dieses Reiches auch jetzt in dieser schweren Zeit eins mit allen Bürgern dieser Monarchie, kämpft sie Mann für Mann, Schulter an Schulter mit allen treuen Söhnen dieses Reiches für die Ehre des Vaterlandes, setzt sie ihr Leben ein für Kaiser und Reich, opfert sie Gut und Blut für die Mehrung des Ruhmes unserer Waffen, für das Glück unseres geliebten, weisen, gerechten Kaisers und seiner Lande? Unsere Söhne ziehen in diesen Krieg mit erhöhter Begeisterung. Uns ist es, als ob das gütige Geschick unseren großen Kaiser dazu ausersehen hätte, um in das Land der seit Jahrhunderten währenden Bedrückung Freiheit und Recht zu tragen. Uns ist es, als ob der gütigste Herrscher von der Vorsehung die Sendung erhalten hätte, sein segensreiches Lebenswerk damit zu krönen, daß die ältesten Ghettomauern, die bisher allen Einflüssen der Kultur Trotz boten, die jedem Ansturm der elementarsten Gerechtigkeit unüberwindbaren Widerstand entgegensetzten, unter der Wucht der gerechten Waffen des edelsten Herrschers zusammenstürzen, wie aus sein Machtwort die Ghettomauern in diesem Reiche sielen. Hinter jenen Ghettomauern Rußlands, gegen welches unsere Besten jetzt todesmutig zu Felde ziehen, schmachten 6 Millionen Juden unter dem Drucke unmenschlichster Barbarei. Hinter jenen Ghettomanern des Zarenreiches, gegen welches unsere tapferen Truppen auf den Ruf unseres Kaisers sturmlaufen, ächzen unter vielen anderen Völkerschaften 6 Millionen srccheitsdürstige, kulturhungrige Menschen, in denen jede bessere Regung unterdrückt, jeder Versuch, ihren Geist, ihre Arbeitskraft, ihr Hab und Gut in den Dienst der Menschheit zu stellen, im Aufkeimen erstickt wird und als Krönung dieses Regierungsprogrümmes die Pogroms, die von amtswegen losgelassene Meute der Hooligans, die ihr Unwesen treiben. \ ■; j Allen Feinden unseres Vaterlandes entgegen entsenden wir freudig, ohne Zagen, erfilllt von hoffnungsvoller Zuversicht, unsere wehrfähigen Männer. Begeistert bringen wir unserem heißgeliebten Kaiser, unserem Vaterlande, denen wir mit Leib und Seele anhängen, unseren Tribut an Gut und Blut. Opferfreudig legen wir unsere Habe aus den Altar der Nächstenliebe, um den Verwundeten Heilung, den Zurückgebliebenen Trost und wirtschaftlichen Beistand zu bringen und um beizutragen, daß allen, die durch den Krieg in Bedrängnis geraten, Linderung in der . Notlage werde. Denn Vaterlandsliebe ist uns Tradition, Opfermut ist uns Gesetz, Tapferkeit vor den: Feinde ist uns Religion. Unserem Herzen aber entquillt in dieser Stunde der tiefinnige Wunsch, der Allmächtige erhalte und beschütze unseren geliebtien Kaiser, er lasse ihn beit Sieg seiner ruhmreichen Armee schauen, er gewähre ihn: die Herzensfreude, daß er mit der Fackel der Gerechtigkeit in das Land der Finsternis hineinleuchte und dort Freiheit und Recht zu Ehren bringe. Unser geliebter Kaiser Franz Josef I. er lebe hoch! Heil unserem Vaterlande, Sieg unserer Armee!" -I- * * In der Stadtsynagoge wurde die Feier ausnahmsweise im Anschluß an den Frühgottesdienst abgehalten. Erster Kantor M a t y a s rezitierte unter glücklicher Verwertung der Volkshymne den Festpsalm 21, worauf Rabbiner Dr. Kaminka vor der geöffneten Bundeslade das Kaisergebet verrichtete. Mit dem Absingen der Volkshymne durch das Chorpersonal wurde die würdige Feier beendet, der zahlreiche Andächtige anwohnten, unter welchen zu sehen waren Generalstabsarzt Professor Doktor Alois Pick, Bethausvorsteher Theodor Kohn, eine Abteilung des Infanterieregimentes Nr. 99, Sekretär Dr. Emil Adler mit Beamten der Kultusgemeinde u. v. a. N a ch d e m G o t t e s d i e n st e h a t d e r B e t h a n svorsteher Herr Theodor Kwhn die bei der Kaiserfeier anwesenden Angehörigen des Heeres zu einemFrühstück insCaf6Marienbrücke ein geladen. * * « * Auch der Mariahilfer Tempel veranstaltete diesmal die Käiserfeier besonders solenn. Nach Eröffnung der Bundeslade hielt Vereinspräsident Dr. Jakob Enge l an die in großer Zahl erschienenen Festteilnehmer folgende Ansprache: Meine lieben Elaubensbrüder und -Schwestern! Kaisers Geburtstag ist das größte Fest, welches die Völker unserer Monarchie begehen. Alle persönlichen Festtage stehen zurück gegenüber dem 18. August. Seit mehr als 60 Jahren senden wir an diesem Tage unsere heißesten Gebete zu .Gott dem Allmächtigen empor, daß er die Tage unseres erhabenen Monarchen mehre und alles Glück der Erde auf dieses teuere Haupt häuftch Heute jedoch - sind wir in unserem Gotteshause versammelt, um diesen unseren Gebeten eine besonders innige Form zu verleihen; denn zufolge verbrecherischer Handlungen unserer Feinde hat Kaiser- Franz Joseph, der durch fast 50 Jahre die Friedenspalme hochgehalten, sich genötigt gesehen, das Schwert aus der Scheide zu ziehen und unseren Hassern den Krieg zu erklären. Dieser Krieg, er wird der Jom ha Din sein; der Tag des Gerichtes für jene, welche unseren durchlauchtigsten Thronfolger in grausamer Weise hingemordet, der Tag des Gerichtes für jenes an Ausdehnung zwar große, an Moral aber so kleine Reich, in welchem Hunderttausende unserer Brüder schmachten und mit allen Drangsalen, die ein unmenschliches Hirn nur auszudenken vermag, verfolgt werden. Wir aber, meine teuren Brüder und Schwestern, die wir uns der großen Freiheiten zu erfreuen haben, welche Kaiser Franz Joseph unserem Volke gewährt, wir erheben in dieser feierlichen Stunde unseren Sinn zu dem großen Gott der Juden empor und beten und bitten, daß er unseren Waffen den glänzendsten Sieg verleihe, der seit Menschengedenken über unsere Widersacher errungen wurde; wir erflehen auf das teuere Haupt unseres erhabenen Monarchen allen Segen des Himmels herab und stimmen nun aus innig bewegtem Herzen und in angestammter Liebe zu unserem Herrscherhause die herrliche Hymne an: Gott erhalte, Gott beschütze unfern Kaiser, unfern Herrn! Mit der Absingung der Volkshymne und einem dreifachen Hoch, auf Seine Majestät schloß das erhebende Fest.

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