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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-21 · 34 (21.8.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
34 (21.8.1914)
Date
1914-08-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 581 Punkt, an dem er sich frühestens nach der Schweiz hätte begeben können, bereits eine Reise dahin nicht mehr inöglich war, ist mit der Befürchtung zu rechnen, daß er in Frankreich zurückgehalten worden ist. „Gold gab ich für Ersen." Jn bewunderungwürdiger Weise betätigen sich alle Bewohner unserer Monarchie, jeder nach seinen Kräften, Fähigkeiten und Verhältnissen, in der Ausübung patriotischer Werke. Das Beispiel aus den Befreiungskriegen, das kostbarste Kleinod, den Ehering und noch andere wertvolle Schmuckgegenstände auf den heiligen Altar des Vaterlandes zu legen, findet zahlreiche Nachahmung. Mit freundlicher Bewilligung des Herrn RedaUeurs des' geschützten Blattes bezwecke ich hiermit darauf aufmerksam zu machen, daß schon der große Prophet Jesaias in seiner ernsten, kraft- und würdevollen Sprache von ganz analogen Opfergaben wie in dem gegenwärtig bereits mundgeläufigen Motto „Gold gab ich für Eisen" spricht. Es heißt nämlich in Jesaias Kap. 60, Vers 17, wörtlich: „Statt des Kupfers bringe ich Gold, statt des Eisens Silber, statt des Holzes Kupfer und statt der Steine Eisen." Der Hinweis auf die zitierten Aussprüche Jesaias dürste in jüdischen, überhaupt in bibelkundigen Kreisen nicht ohne Interesse sein, zumal der bochgefeierte Prophet und Volksredner in einer Epoche lebte, als das Reich Juda unter dem Könige Achas (743—728 vor der üblichen Zeitrechnung) in kriegerischer Fehde mit den Syrern verwickelt war. Es liegt daher ganz nahe, daß auch Jesaias an den Patriotismus des Volkes mit den oben angeführten Worten f '• lierte. W i e n, im August 1914. Adolf Blümel Schulleiter i. R. Deutschland und Belgien im Alten Testament. Der Wortlaut der telegraphischen Anweisung der deutschen .Regierung an den deutschen Gesandten in Brüssel liegt, wie eine bibelfeste Leserin mitteilt, in seinen Forderungen bereits im Alten Testament vor; auch die aus der Ablehnung des Ersuchens sich ergebenden kriegerischen Erfolge, des. den Durchzug fordernden Heeres werden dortberichtet. Die betreffenden Stellen finden sich in Nunieri 21 (V. 21—24) und Deuteronomium 2 (V. 26 fg.); sie lauten: „Israel sandte Boten zu Schon, dem Könige der Amoriter, und ließ ihm sagen: Laß mich durch dein Land ziehen; wir wollen nicht weichen in die Aecker noch in die Weingärten; wollen auch des Brunnenwassers nicht trinken; die Landstraße .wollen lvir ziehen, bis wir durch deine Grenze kommen. Aber Scholl gestattete den Kindern Israels llicht deil Zug durch seine Grenze, sondern sammelte all sein Bolk und zog aus, Israel entgegen in die Wüste; ilnd als eigen Jahza kam, stritt er wider Israel. Israel aber schlug ihn mit der Schärfe des Schwertes und nahm sein Land ein vom Arnon an bis an den Jabok und bis an die Kinder Ammon." In ausführlicher Weise wird dieser Ereignisse nochinals gedacht im fünften Buch Mose, Deuteronomium (2, 25'fg) : . „Da saildte ich Boten aus der Wüste von Kedemith zu Schon, dem Könige zu Hesbon, mit friedlichen Worten, und ließ ihm sagen: Ich will durch dein Land zieh e n, und wo die Straße gehet, will ich gehen; ich will weder zur Rechten noch zur Linken ausweichen. Speise sollst du mir ums Geld verkaufen, daß ich esse, uub W affe r s o l l st d u m i r u m s G e l d geben, daß ich trinke; ich will nur zu Fuß hindurchgehell. . . . Aber Schon, der König zu Hesbon, wollte uns nicht durchziehen lassen- Und Schon zog aus uns entgegen mit all seinem Volke zum streit. Aber der Herr, unser Gott, gab ihn dahin vor uns, daß wir ihn schlugen-" —e. M. Zur Kinderausspeisung boten sich in dieser Woche an: Cafe Fürftenhof, II., Praterstraße (6 Kindern Frühstück). Frau L-ofie Grünberger, Bahnratsgattin (zwei Kinder ganztägig). Herr Eduard Herlinger (2 Kinder). Frau Anna Kris (1 Kind). Herr Js. Kühn (3 Frühstücke oder Abendbrote und Aufstellung von Sammelbüchsen). Herr N. N. (1 Kind). Frau Paula Scharf (1 Kind). Herr Julius Schnee (1 Kind ganztägig). Herr Hermann Schönberger (1 Kind). Frau R. Stern (1 Kind). Herr David Tänzer (Ausspeisung und Naturalienlieferung). Herr Leopold Wein w u r m (1 Kind ganztägig). Herr Ludwig W e i n w u r m (1 Kind ganztägig). Leichtverwundete in Kost und Quartier übernehmen: Herr N. N. (2). Herr Julius Haber (1). Frau Amalie König stein (2 Offiziere). Im Tempel II., Tempelg. 3, wurden am 15. d. M. 140 Kronen gespendet (Ausweis in den Listen der Kultusgemeinde). Allen Genannten unseren wärmsten Dank. Das Rabbiuat für den II., III. und XX. Be irk Wien» II.. F riinandsstratze 23. Der Marrane Do« SaUtzalar Isaak Orobio de Castro. Eine biographische Skizze. Wenn einst die Akten der Inquisition von Spanien und Portugal, welche die Prozesse von Tausenden jüdischer Marranen enthalten, veröffentlicht sein werden, so wird eine ovidische Dichterphantasie überreichen Stoff zu M e t a m o r p h o fe n haben, und diese werden mit ihrem tragischen Kolorit ganz anders interessieren als die mythologischen Wandlungen. Es ist eine der (oft in grausigem Sinnes anziehendsten Partien der jüdischen Geschichte, welche die Zähigkeit der jüdischen Ueberzeugungen von einer neuen Seite beleuchtet. Man denke sich einen Mönch in Madrid, welcher Beichtvater einer spanischen Infantin, später Kaiserin von Oesterreich, der bis tief in fein MannesRter seine Beichtkinder von den katholischen Sakramenten unterhält und sie absolviert (Fray Vicomte de Rocamora) und der dann die andere Hälfte seines Lebens in Amsterdam die Heilkunde ausübt und Lieder zum Lobe des Gottes Israels und der Thora dichtet (unter dem Namen Isaak Rocamora), einen phantasiereichen Jüngling, der mit der Laute in Madrid unter den Balkonen schöner Donnas feurige Liebeslieder singt und später in Tripolis kabbalistische Bücher schreibt (Abraham Migual Eardoso), Offiziere hoher Charge in Spanien oder Portugal, welche in Holland hebräische Verse reimen, kanonische Rechtsgelehrte, die talmudische Kommentarien schreiben. Das 17. Jahrhundert, welches den unglücklichen Marranen eine Freiheitsstätte in Holland eröffnete, ist reich an solchen Metamorphosen. Dabei ist neben der Glaubenszähigkeit der Marranen ihre Geisteskraft zu bewundern, wie sie sich in der allerkürzesten Zeit in die hebräische Literatur einlebten und sie sich zu eigen machten. Ein Knabe, der in Portugal oder Spanien nächst der Landessprache nur Kirchenlitaneien kannte, versisiziert im 17. Lebensjahr ein hebräisches Drama (Tolica Joseph Panso de la Bega),. Einer der bedeutendsten unter den metamorphosierten Marranen war Orobio de Castro (geboren in Bra-

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