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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-21 · 34 (21.8.1914) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
34 (21.8.1914)
Date
1914-08-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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(Seite ö78 Lr. Bloch's Wochenschrift Nr. 3^- kneipt, wollen wir hierbei absehen. Denn wie es der in seiner Vollwertigkeit endlich allgemein anerkannte ungarische Staatsmann so treffend ausgesprochen, führt Oesterreich-Ungarn überhaupt nicht den Krieg mit dem blutrünstigen, kleinen Serbien, das ist es gar nicht wert; unsere Großmacht sieht in diesem froschartig sich aufblähenden Ländchen nur ein Wirtshaus, in tvelchem turbulente Elemente randalieren und über welches — wenn die Würfel auf den großen Schlachtfeldern siegreich für uns gefallen sein werden — ganz einfach die wohlverdieNte Strafexpedition von uns ausgeführt werden soll. Jedoch von den drei Großmächten ist es wohl am Platze, die Blätter der Weltgeschichte vor uns aufzuschlagen, um sie nach ihrer Vergangenheit richtig zu bewerten; wir werden den unmoralischen Untergrund erkennen, der jetzt bei ihnen, auch bei der völkerrechtswidrigen Weise der Kriegführung, hervorbricht. Es ist zum Staunen, daß die moderne Presse, die sonst ein gutes Gedächtnis hat, noch nicht Gelegenheit nahm, in diesen stürmischen Tagen auf ein Vorkommnis hinzuweisen, welches wie ein diabolisches Vorzeichen der zukünftigen blutgetränkten Tyrannenherrschaft des gegenwärtigen Zaren schon durch die göttliche Vorsehung der gegenwärtigen Zeit signalisiert worden ist. Es war am 30. Mai 1896, als der Krönungstag des Zaren auf den: C.h o d y n k a f e l d e bei Moskau vom Volke gefeiert wurde. Er sollte mit einem grausigen Schrecken sein Ende finden. Die Hunderttausende von Wutki berauschten reinrassigen Russen — denn andere waren nicht zugelassen — waren bis zum hereinbrechenden Abend so ihrer Sinne bar, daß sie bei der Verteilung der sogenannten Krönungsöecher sich im Raufen nach denselben zu Tausenden zu Tode erdrückten. Dreitausend Menschen blieben zu Tode gestampft auf der Feststätte liegen — so war das Melodrama der neu angetretenen Regierung des Zaren Nikolaus II. beschaffen. In einer solch erschütternden Weise hat die Vorsehung den Antritt dieser Regierung der Welt grauenhaft angekündigt; blutig ist sie aufgegangen — und blutig wird sie untergehen! Und welch eine blutige Saat sind erst die Herrscher aus dem Hause Romanow-Gottorp. Wird doch von denselben behauptet, daß keiner von ihnen eines natürlichen Todes gestorben ist! Ein Herrscherhaus, in welchem eine Zarin ihren Zarengatten erdrosseln ließ und ein Zarensohn vor seinen eigenen Augen einen Zarenvater strangulieren sah! Ja, das kleine Balkanländchen hat nach berühmten Mustern gearbeitet und ist berechtigt, bei seinem berüchtigten Lehrmeister Schutz zu suchen und zu finden. Wie aber — fragt sich die staunende Mitwelt im innersten Herzen — ist die Bundesgenossenschaft zweier solch hochkultivierter Völker zu fassen, die so turmhoch in der Zivilisation den rauhen Moskowiter überragen; auf die wir als auf die Knlminationspunkte westeuropäischer Kultur aufzublicken gewohnt sind!? — Gewiß liegt wohl die Antwort scheinbar nahe; aber sie erschöpft nicht, sie kann nicht erschöpfend klingen. Der Haß der Revanche in dem einen Volke, der Neid — wie es der deutsche Kaiser in seiner Thronrede selbst betonte — in dem anderen. Aber dürfen, können Haß und Neid hochentwickelte Kulturnationen so weit verblenden, daß sie sich zum Schütze von meuchelmörderischen Attentätern austversen, ohne das Gericht der Weltgeschichte zu fürchten, welches die Hehler wie die Stehler ansieht, die Helfer den Mordgesellen an die Seite stellen wird!? Jedoch wenn wir die Geschichte aufschlagen, wird sich uns auch da ein Atavismus zeigen, der mitten durch die Kultur, wie eine Urzelle des Rassenschematisnurs hervorbricht. i Da gibt es eine Bluthochzeit, die in der französischen Geschichte als die Pariser bekannt ist. In der Nacht zum 24. August 1572, dem Bartholomäustage, wurde mit dem Glockenschlage der dritten Morgenstunde den lieben Parisern das Zeichen gegeben, alle Hugenotten zu töten. Daß es da nicht sehr gemütlich mit den Opfern des Massenmeuchelmordes zugegangen sein mag, ist wohl leicht denkbar. An dieser allgemeinen Mordwut — welcher in einer Nacht 22.000 zum Opfer gefallen sind — sollen die hohen Aristokraten und der König selbst mit Schüssen aus dem Fenster der königlichen Burg teilgenommen haben. „Weil du ertränktest, wirst du auch ertränkt"; diese weltgeschichtliche -Ueberzeugung motiviert die Königsmörder der Revolution, ober nach eben denselben Weisen, die jene Worte geprägt, wird es auch bezeugt: „Wenn von der göttlichen Vorsehung dem Verderber das Strafamt übertragen ist, entfällt manchmal der Unterschied zwischen Schuldigen und Unschuldigen." Es ist die losgelajse'ne Bestie, die dann wütet, und so fiel das Haupt der tugendreinen österreichischen Erzherzogin, der französischen Königin Marie Antoinette, in der bösen Zeit der Verehrer der „Königin der Vernunft". Die berüchtigste Erfindung aus jener Zeit, wodurch sich das neue Frankreich ausgezeichnet hat, ist jedoch die Köpfmaschine, bekannt unter dem Namen des sranzösischeit Arztes, mit der technischen Bezeichnung der Guillotine! Wahrhaftig, diese Köpfmaschine bezeichnet so recht den französischen Geist, der es zu Wege brachte, Hinrichtungen eu m a s s e gu bewältigen. Und was ist es denn mit dem französischen Esprir!? Er ist eigentlich die Zweideutigkeit der Rede, die auf dent ehrlichen deutschen Boden nicht florieren konnte, und die schöne Literatur der Franzosen, die besonders in dem Roman und im Lustspiel exzelliert, in welch letzterem besonders' der Deutsche anerkanntermaßen zur'ückblieb, ist doch ursprünglich nichts anderes. als der im Urstosf der Frivolität aufzusuchende ehebrecherische Schmutz, dem sich gleich unwürdig die Pestilenz der Pariser- Mode und des französischen Chic — der unsittlichsten U n sch i ck lichkeit — anschmiegt. Der Gegensatz von Kulturwahrheit und Kulturlüge zeigte sich so recht bei zwei hervorragend ergreifenden Unglückskatastrophen der neuen Zeit. Die eine ist der Untergang der „T i t a n i c". 3000 Menschen befanden sich auf dem Schiffe — es war kein Franzose unter ihnen; es waren Amerikaner, Deutsche und — Juden. Wie heldenmütig und gottergeben blickten sie dem Untergang entgegen! Die Musik spielte „Immer näher zu Gott", bis die Wogen des Meeres die Spielenden in den Abgrund spülten; Frauen ließen sich nicht retten, um sich nicht im Tode von ihren Männern zu trennen, ebenso vereint im Tode wie im Leben ließen die Männer nicht von ihren Frauen ab — ein grandioses Bild der Selbstentäußerung, des Opfermutes! Vor wenigen Jahren war der große Brand bei einer Wohltätigkeitsvorstellung in Paris, da war die Creme der französischen Gesellschaft, der Külturmetropole, und noch jetzt graut .es uns in der Erinnerung, wie bestialisch Männer die Frauen wegstießen, um sich selbst, zu retten und wie die Leichen des so von den Franzosen verhimmelten weiblichen Geschlechtes zerkratzt und verkrallt vorgefunden wurden, welche Wunden ihnen im Kampfe ums Leben von den tierisch kämpsendett Franzosen zugefügt worden sind. Lxempla trabnut! An den Mangel an Königsmördern leidet auch nicht die Geschichte Großbritanniens; sie überragt sogar so manche ihrer Genossen an blutanrüchigen Beispielen. Wenn man in London den berühmten Tower aufjucht, das historische Königsschloß mit dem kostbarsten Kronschatze der Welt, und man da von beu düsteren

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