Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 34 (21.8.1914)
- Date
- 1914-08-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ar. 34 Dr. Bloch’s Jahrgang xxxi , Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums, o CF p a M. Ä. PofifxsrKs flfrrtsjnt Q leartng-VerKebr Nr. 810.976. Redattion und Administration. . Wien ll/i, Praterstraße 9 l) Telefon 45359 nP - Qn Wien. 21. August 1914 : Erscheint jeden J'rettäö. : Brief-Adresse: Wien, ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Blocht Wochenschrift, Wien. oo- — =D0 p Vexugsprrk» für ©rRrrrrirfi: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 56 Heller. Für'» Nunland: Halbjährig 16 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die »algefpal» 2 lene Peltrzetle 4h Heller. <_, o O - .—O o Inhalt Leitartikel: Oesterreichs Feinde. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Rußland ist der Feind. Solidarität der Juden mit den Polen. Heldentaten eines jüdischen Landsturmmannes. Wo ist Mox Nordau? »Gold gab ich für Eisen." Deutschland und Belgien im Alten Testament. Zur Kinderausspeisung. — Der Marrane Don Balthasar Isaak Orobio de Castro. — Korrespondenzen: Kaise.feier der israelitischen Kultusgemeinde. Freitisch- und Geldspenden. Die spanische Botschaft in der Jüdischen Volksküche. Kinderausspcisungen. Eine opferwillige Anregung. Das Hanptbureau des Jüdischen N tionalfonds in Köln. Blutige Judenverfolgungen in Belgien. Eine Jüdin städtische Kontrollortn. Weshalb in Rußland eine Rabbinerwahl unterbleiben muß Der Kriegsfürsorgefonds der Chewra-Kadischa. — Vermischtes. — Feuilleton: Mendel mit der Gewure. Von Hermann Löwinger (Fortsetzung). — Literatur — Briefkasten. — Inserate. 5' Oesterreichs Feinde. Von Oberrabbiner W. Reich in Baden b. Wien. Tief im Herzen Deutschlands, im Harzgebirge, erhebt sich eine Anhöhe, kaum 500 Meter hoch, aber sagenumsponnen aus der deutschen Märchenwelt. Es ist der Kyffhäuser. Im Jahre 1896 wurde von den deutschen Kriegern ein monumentales Denkmal ans demselben errichtet, welches uns auf einem terrassenförmig sich erhebenden Aufbau, 57 Meter hoch aufragend, zwei 9 Meter hohe, aus Granit gemeißelte Gestalten zeigt; die eine, Wilhelm I., den Einiger des Deutschen Reiches, die andere, den alten Kaiser Barbarossa. Der deutsche Romantiker ans der Zeit der vor 100 Jahren geführten Befreiungskriege, hat diese Gestalt in der deutschen Literatur durch ein Lied verewigt. Der alte Barbarossa wird von ihm besungen, lote er verzaubert sich aufhält im Schlosse: „Der Stuhl ist elfenbeinern, auf dem der Kaiser sitzt; der Tisch ist marmelsteinern, auf dem sein Haupt er stützt. Sein Bart ist nicht von Flachse, er ist von Feuersglut." . . . Und mit jedem Hundertjahr sendet er den ihn betreuenden Jüngling aus, zu sehen, ob noch die Raben uni den Turm krächzen. Diese deutsche Sage, sie schickt sich an, in unseren Tagen zur Wahrheit zu werden. Der heiße Atem der Geschichte umlodert uns, gleich dem Samum, der in der Wüste dahinfegt, unter dessen Sturmesbrausen das Brüllen der Löwen verstummt und das klagende Geheul der Schakale und Hyänen erstickt; die Hitze des Kampfes auf den verschiedenen Schlachtfeldern glüht uns entgegen, wie der Brand des Urwaldes, unter dessen Flammen das Schlangengezücht verendet und das Gift mephitischer Dünste, tropischer Sümpfe ausgerottet wird. Diese Glut und dieses Flammenmeer reichen aber noch immer nicht heran an jenen herrlichen Feuerbrand der Begeisterung, wie er in diejen welthistorischen Tagen in den beiden Bundesstaaten zu ihren Monarchen emporlodert — denn sie treten geeint auf, die seit Jahrzehnten geknntete- Kulturwelt — vom Tyrannen z u befreien! Wenn dieser Weltkrieg, an welchem die Hälfte der Erdbewohner — 760 Millionen — sich kriegsgerüstet gegenüberstehen, von denen sich 120 Millionen einer fünffachen Mehrzahl gegenüber zu behaupten haben, wenn dieser entfesselte Weltbrand, wie ihn die Menschheit seit dem Zusammenbruche des tausendjährigen römischen Weltreiches nicht erlebte, sieggekrönt für die deutschen Völker zu Ende geführt wird, bann wird sich nebst dem Denkmal im Harz ein solches an den Grenzen des Deutschen und des Habsburgerreiches, am Riesengebirge, ein Riesendenkmal erheben, und auch da werden zwei Kaisergestalten hinaus in die Weite blicken, ein Wilhelm II. und ein Barbarossa, der greise Kaiser F r a n z Josef I., eine zaubergewaltige Weltfignr, die den liebreichen Jüngling — die Zukunft Oesterreichs — ausgesendet, um nach dem Hundertsahr der deutschen Befreiungskriege Ausschau zu halten, ob noch die Raben um den festen deutschen Turm krächzen. Und dieses Krächzen der gefrässigen Raben, es wird wieder auf ein weiteres Jahrhundert verstummt sein! Woher dieses Siegesbewußtsein? Wer erinnert sich da nicht jener welthistorischen Siegesdepesche von Kaiser Wilhelm II., der nach der entscheidenden Schlacht von Sedan in die deutsche Hauptstadt gedrahtet hatte: „Welche Wendung durch Gottes Fügung!" Weil aber das tiefreligiöse Gemüt unseres frommen Kaisers nicht anders denkt, als mit Gott, und weil sein erhabener Partner sich — noch gar nicht lange — als das Instrument Gottes bezeichnete, vertrauen auch wir — ihre Völker — auf Me berühmte Wendung durch Gottes Fügung. Es bestärkt uns hierin der historisch geschärfte Blick auf die Vorgeschichte unserer Feinde. Von dem kleinen schwarzen Köter, der seit dem vor zehn Jahren stattgehabten berüchtigten Königsmorde uns frech in die Fersen