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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-14 · 33 (14.8.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
33 (14.8.1914)
Date
1914-08-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 568 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 33 Regine K opstei n, Johanna Fröhlich und Rosa Feigenbaum ein unvergleichliches Quartett an Tatkraft und Organisationstalent zu versammeln; er gab ' uns in seiner Frau die aufopferungsvollste Kassierin. Daß wir immer an seine offene Hand appellieren konnten, war selbstverständlich, aber ebenso treu stand er uns mit Rat und Tat zur Hand, ein Muster von einem Beirat, fehlte er bis in die letzte Zeit trotz Ueberbürdung und Kränklichkeit bei keiner unserer Veranstaltungen und ergriff stets in temperamentvoller Weife das Wort. Obwohl Gottlieb Bettel he im in ostensibler Weise seine Angehörigkeit zum Judentum zur Schau trug, wurde ihm die Ehre zuteil, daß der berühmte Rektor unserer Universität Hofrat v. W e t t st e i n einen Kranz namens der Universität Wien auf sein Grab legte. Wie schmerzlich muß erst feilt Verlust in unserem Kreise empfunden werden? Trotzdem die edle Witwe, die Tochter und der Sohn Bezirksrichter Dr. Bettel he im, die unserem Vorstand in aufopferungsvoller Weise angehören, sich bemühen werden, im Geiste ihres teueren Toten bei uns weiter zu wirken, sind wir in dieser schwersten Zeit, die uns beschießen, von der traurigen Ueberzeugung erfüllt, daß Gottlieb Bettelheim, dessen Andenken im ,,Frauenhort", der ihm eine Marmortafel in seinem Heim gestiftet, nicht erlöschen wird, bei uns eine nie wieder auszufüllende Lücke hinterläßt. C. Benedikt. Patriotische Kundgebung des jüdischen Handwerker- Vereines in Kimpolung. Aus Czernowitz wird uns geschrieben: Der jüdische Handwerkerverein von Kimpolung, dem sämtliche jüdischen Handwerkermeister angehören, veranstaltete, als bekannt wurde, daß Oesterreich-Ungarn Rußland den Krieg erklärt habe, eine große patriotische Kundgebung. Der Fackelzug bewegte sich mit der Musikkapelle des Vereines, von der übrigen Bevölkerung begeistert akklamiert, durch die Straßen der Stadt. Vor der Bezirkshauptmannschaft hielt der Obmann des Vereines, Schlossermeister Hüffler, eine mit Jubel aufgenommene patriotische Rede, welche von dem Bezirkshauptmann mit dem Hinweise auf die anerkannte Loyalität und den unbedingten Patriotismus der Juden erwidert wurde. Die Kundgebung hat in der Stadt einen tiefen Eindruck gemacht. Das Ende eines antisemitischen Hetzblattes in Krakau. Die Kriegserklärung gegen Rußland hat einem widerlichen antisemitischen Hetzblatt in Krakau, „Nova Gazcta polska" des Jan Zamurski, ein plötzliches Ende bereitet. Dieses Organ des „polnischen Patrioten" predigte Judenboykott und arbeitete zweifellos — uneigennützig für russische Ideale! Dieser Pole Zamurski erfrechte sich, die polnischen Freiwilligen im Kriege gegen Rußland als „Verkaufte an Preußen" zu schmähen; er wurde dafür in einem öffentlichen Kaffeehause mit Ohrfeigen traktiert und mqn spuckte ihm ins Gesicht. Echte antisemitische Rasse. Die Liquidierung des jüdischen Technikums in Haifa. (Eine stürmische Sitzung des Kurotoriums in Berlin.) Aus Berlin wird uns gemeldet: Die angekündigte Sitzung des Kuratoriums für das jüdische Polytechnikum in Haifa (Palästina) hat hier stattgefunden und nahm stellenweise einen sehr stürmischen Verlauf. Es wurde konstatiert, daß zur Vollendung des Baues und der Beschaffung der inneren Einrichtung noch zumindest 300.000 Mark erforderlich sind. Mit Rücksicht darauf, daß die amerikanischen Mitglieder des Kuratoriums ihre Demission gaben und jede Beziehung zu dem Technikum wegen der Haltung der Zionisten zu lösen sich entschlossen haben, erklärten Dr. Paul Nathan und James Simon, um ihren ernsten Willen, das Technikunr zu sichern, zu bekunden, daß sie je 100.000 Mark zu spenden bereit sind. Das zionistische Mitglied des Kuratoriums Wisotzki erklärte gleichfalls, 100.000 Mark für das Technikum zu widmen, jedoch unter der ausdrücklichen Bedingung, daß das Technikum unter eine eigene selbständige Verwaltung mit einem unabhängigen Sekretär gestellt werde. Er sei sogar bereit, für diesen Zweck jährlich 5000 Mark separat sicherzustellen. Wie vorauszusehen war, haben Paul Nathan und James Simon ein solches Ansinnen, das als ein Mißtrauen gegen sie angesehen werden muß, mit Entrüstung zurückgewiesen und erklärt, unter solchen Umständen auch ihre Zusage, die erwähnte Spende zu leisten, zurückziehen zu müssen. Nach längeren erregten Debatten wurde schließlich beschlossen, noch einen Versuch zu machen, um die fehlenden 300.000 Mark hereinzubringen, und sollte dies in absehbarer Zeit nicht gelingen, das Unternehmen in Konkurs zu erklären. Dieser Beschluß hatte begreiflicherweise einen mächtigen Eindruck hervorgerusen. Die tveifz-rusfischen Bauern für die Juden. Aus Wilna wird mitgeteilt: In Weißi-Rußland lebten die Juden stets mit der Bauernbevölkerung im besten Einvernehmen. Das war den schwarzen Machthabern ein Dorn im Auge und sie entsendeten Agitatoren, die Bauern zu verhetzen und eine Aktion gegen die Juden einzuleiten. Die Zeitung der Bauernschaft tritt diesem Beginnen scharf entgegen, weist nach, daß die gegen die Juden gerichteten Anklagen Verleumdungen sind. Die Juden haben sich immer als eine friedliebende und nützliche Bevölkerung bewährt. Interessant ist die Mitteilung des Blattes, daß die Juden Weiß-Rußlands zu den schärfsten Bekämpferu der Trunksucht zählen. In mehreren Städten haben sie in der Synagoge den Eid geleistet, keinen Alkoholhandel zu treiben und keinen Alkohol zu verkaufen. Ter berüchtigte Staatsanwalt im Veilis-Prozes; in Preußen interniert. Berlin, 9. August. Unter den im Döberitzer Barackenlager Internierten befindet sich neben anderen höheren russischen Beamten auch der Vertreter der Anklagc in dem bekannten Ritualmordprozeß gegen Beilis, Staatsanwalt T s ch a p l i n s k i. Warschau ohne Russen. Warschau, das nunmehr von der russischen Gewaltherrschaft befreit ist, hat die größte Judengemeinde Europas. Bei einer Bevölkerung von 711.988 Einwohnern 230.000 Juden. Die „Nowa Reforma" veröffentlicht einen interessanten Artikel ans Warschau, in dem es heißt: Was heute Warschau ist, das kann sich niemand vorstellen! Um das Maß der Freude, welche unsere Hauptstadt durchschüttert, zu verstehen, müssen die. einfachen Worte genügen: Die Russen sind fort! Es klingt wie ein Traum, dem man nicht sofort Glauben schenken kann. Noch vor einigen Tagen erhielt man allgemein, wenn das jemand anzudeuten wagte, die Antwort: Wahnsinn! Phantasiegebilde! Und doch sind die Russen heute fort, sind einfach geflüchtet nach solchen Massen vergossenen Blutes, nach solchen fünfzig Jahren schrecklichster Grausamkeiten, nach so vielen Galgen ohne Ende. In der letzten Zeit noch wurden 'Nacht für Nacht neun und mehr Unglückliche gehängt und in den Untersuchungszellen so viele Häftlinge geschlagen und gefoltert. , . , Vor etlichen Wochen noch

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