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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-14 · 33 (14.8.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
33 (14.8.1914)
Date
1914-08-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 564 Dr. Bloch's Nc. 83 Der Zar an die Juden. „Erinnerung an die Wohltaten." Lemberg, 11. August. Die Blätter melden aus Brody: Hier eukgetroffene russische Flüchtlinge erzählen, daß in allen Srädten Rußlands seit Wochenfrist eine Proklamation des Zaren an die indische Bevölkerung angeschlagen ist. Die Proklamation, die sowohl in russischer Sprache als auch im Jargon abgefaßt ist, erinnere die Juden an die vielen BZ ochl taten, die sie in Rußland und vom Hause Romanow genossen, und fordert sie auf, sich freiwillig zum Militärdienst zu melden, da das Interesse der Juden mit einem Siege Rußlands enge verknüpft sei. Die Proklamation des Zaren verspricht den Juden schließlich eine Erweiterung der Ansiedelungsbezirke. Wie die Flüchtlinge weiter erzählen, utctdjeit die Proklamationen auf die jüdische Bevölkerung keinen Eindruck, was bei der brutalen Rechtlosigkeit der Juden in Rußlmid nicht anders zu erwarten war. Ein seltsames Unterfangen! Ein grimmer Huinor! Ein Hohn! Der fluchbeladene russische Zar, Ehrenpräsident der Mörderbande der „Schwarten Hundert", der Urheber der Greueltaten gegen die Juden in Bialyftok, Homel und Kischenew, der die Mordgesellen, welche seine Willensvollstrecker waren, mit Gnadenbeweiselk überhäuft hat, dieser blutige Nikolaus II. wendet sich an die Juden, an die Opfer seiner erbarmungslosen Gewalttätigkeit, fetzt, da das Gottesgericht hereinbricht über die Barbarei des blutrünstigen Mostowitertums. Ccn — *>rp^ vip; ab Wenn ein &ott der Gerechtigkeit die Welt regiert, wird das Blut der Tausenden und Hunderttausenden jüdischen Märtyrer seine Sühne finden. Das Kriegsavanccment der Juden im Heere. Die Sonderausgabe des Verordnungsblattes von: 9. d. M. veröffentlicht das durch die Neuanfstellung verschiedener Kriegsformationen notwendig gewordene Kriegsavancement, dessen Umfang den der regelmäßigen Halbfahrsbeförderung übcrtrifft. In den meisten Standesgruppen wurden auch zahlreiche unserer Glaubensbrüder dieser außerordentlichen Beförderung teilhaftig, bezw. zu Offizieren ernannt. Alle jüdischelk Offiziere, Aerzte usw., denen das Avancement zugute kommt, hier anzuführen, ist bei der großen Anzahl eine Unmöglichkeit; wir beschränken uns nur auf die Nennung einiger Frontoffiziere im gemein- * samen Heere. Ernannt wurden: Zum Oberst und Regimentskommandanten im Infanterieregiment Nr. 102 der Oberstleutnant Maximilian Mändl, geb. 1860 zu Horatitz in Böhmen. Zum Oberstleutnant die Majore: Ludwig Kiesler im Infanterieregiment Nr. 40, geb. 1865 in Kolomea, Galizien; Paul Schey im Husarenregiment Nr. 15, geb. 1863 zu Güns, Ungarn.. Zum Major der Hauptmann Leopold Freund im Jägerbataillon Nr. 25, geb. 1868 in Brünn. Zu Hauptleuten die Oberleutnants: Sigmund Bodek, Proviantoffizier Im Infanterieregiment Nr. 74, geb. 1880 in Zloczow, Galizien; Gustav Glücks mann der Sanitätstruppe, geb. 1879 in Wien; Theophil Pollak des Infanterieregiments Nr. 50, geb. 1880 in Salzburg; Karl Teller des Infanterieregiments Nr. 26, geb. 1882 in Prag. Zu Oberleutnants die Leutikants: Hugo Dittersdorf des Infanterieregiments Nr. 61, geb. 1884, in Lemberg, und Emerich Palmai des Infanterieregiments Nr. 6, geb. 1889 in Szeged, Ungarn. Außerdem folgende, nur der Abstammung nach dem Judentum Angehörige: Zum Feldzeug m e i st e r der Honvadminister Feldmarfchalleutnant Samuel Freiherr von H a z a i, geboren 1851 zu Rimaszombath in Ungarn. Zum Generalmajor der Oberst des Generalstabes und Kommandant des Honved-Jnfanterieregiments Nr. 10 Josef Br eit, geboren 1863 zuLugos in Ungarn. Zum Ober st der Oberstleutnant und Kommandant der Traindivision Nr. 8 Edmund Steindler, geboren 1857 zu Kosteletz in Böhmen. Zum O b e r st l e u t n a n t der Major Franz R o t hstein des Armeestandes, geboren 1858 in Ezernowitz. Zum Major der Hauptmann, im Infanterieregiment Nr. 43 Hugo Hirschfeld, geboren 1868 in Temesvar. * * * Im österreichischen Militär findeik sich eine Anzahl jüdischer Feldgeistliche r. Der Sollbestand einer i s r. F e l d k a p e l l e enthält: 1 schwarzes Käppchen aus Seide, 1 weißen, blauverbrämten Gebetmantel, 1 auf Pergament geschriebene Thorarolle (Pentateuch), 10 Gebetbücher und Psalmen in hebräischer Sprache mit nebenstehender deutscher Uebersetzung für Rekonvaleszenten, 10 Gebetriemen. * Die orthodoxe Zentralkanzlei in Budapest versendet an die orthodoxen Gemeiikden Ungarns ein Rundschreiben, welches währeird der Dauer des Krieges für jeden Montag, Donnerstag und Samstag den Vortrag von Psalm 20, 21, 35, 46, 60, 121 und 144 nebst dem üblichen Kaisergebet anordnet. An die Frauen! (Ein Aufruf aus' der „Frankfurter Zeitung".) „Es gilt, Fürsorge zu treffen für die '— Pflege der Kranken und Verwundeten, für die einheitliche Organisation der Sammlung und Verteilung von Liebesgaben und Unterstützungen für die in Not geratenen Familien unserer Vaterlandsverteidiger Sorge zu t.agen und sonst zur Linderung der allgemeinen Notlage mitzuhelfen." „Vielleicht bist du um eines solchen Tages tvillen Königin geworden, o Esther!" Es gibt Worte, in denen Gewalt ist über Leben und Tod, weil in ihnen zusammengeschlossen, zusammengeballt ist die Gewalt der großen Gedanken. Von solchen Worten soll man schweigen in kleineren und größeren Tagen. An ganz großen Tagen aber soll man von ihkkelk sprechen. Denn der große Tag bedarf auch des großen Wortes. Weil er aller Größe des Geistes bedarf. „Vielleicht bist du um eines solchen Tages willen Königin geworden, o E st her!" Mardochai sagt es zu Esther, da er um ihres bedrohten Volkes willen fordert, daß sie hintretc vor den König und der Gefahr des Todes trotze, der jeden bedroht, der ungerufen vor den König tritt. Und Esther zagt. Und Esther gehorcht. „Und bin sch verloren, so sei ich verloren!"

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