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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-14 · 33 (14.8.1914) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
33 (14.8.1914)
Date
1914-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 633 feinde. Es klebt an ihnen das Blut der edelsten Auslese der Menschheit, uitb ein solches, das im Frieden meuchlerisch und verräterisch vergossen wurde. Unser edler Thronfolger und seine erlauchte Gemahlin sind in Ausübung hehrer patriotischer Pflichten wie ein Raübwild weggeschossen worden; das ist Blut, das zum Himmel schreit! . Uiti) nicht dies allein; es nehmen sich der Schuldigen jene an, die vor fast zehn Jahren das Raubgezücht und die Mordgesellen der Pogromritter in die Welt einsührten, die uns Juden so schändlich zusetzten, wie es die Geschichte des Barbarentums kaum mehr aufzuweisen hat. Dies geschah unter dem Beistände der despotischen Knute, die jetzt zum Schwerte greift. Diese bisher ungestraft gebliebene Blutschuld ist es, die jetzt, wie das voll Abel ill der Bibel, laut gen Himniel aufschreit! Wie bei der Zerstörung des Heiligtumes das im Tempel kochende Blut des unschuldig erschlagenen Priesters Secharia nicht zu stillen mar trotz vieler unschuldiger Opfer, die der barbarische Sieger über dasselbe hillgeschlachtet, ebenso schreit das Blut von K i s ch enew auf und will die Strafe der Mordgesellen; ihre Gebete lverden daher vor Gott nichts nützen, denn Gebete mit blutbefleckten Händen werden von Gott nicht erhört. Die Stunde des Gerichtes ist für unsere Gegner gekonlinen! Unsere H ä n d e sind rein! Wir verteidigen das Recht, die Wahrheit, das menschliche und göttliche Gesetz; unsere Gebete für den Sieg wird Gott erhören, weil es eine göttliche Gerechtigkeit gibt. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht! Diese weltgeschichtliche Wahrheit ist die erste Zuversicht des Sieges, die Oesterreich erfüllen kann. Und noch eilte Bürgschaft für den Sieg haben wir. Unsere Weiseil sagen: „Buch uild Schwert sind mit einander verbunden vom Himmel herabgekommen." (Deb. r. V. 4.) Buch und Schwert sind nämlich voll einander abhängig. Nur ein gebildetes, intelligentes, kultiviertes Volk erringt Siege. Der große >Lchlachtenlenker Moltke hat nach dem Siege von Sedan den monumentalen Satz geprägt: „Der deutsche Schulmeister hat die Schlachten geschlagen!" Nur in dem Volke, in welchem das Buch dominiert, wird die Waffe zum siegreichen Instrumente und eine Schule wiegt daher eine Kaserne auf, eine vom Volke im Frieden benützte Bibliothek ist im Kriege für dasselbe ein — Arsenal! Null sehen wir, gegen welche Völker wir in e r st e r Reihe zu kämpfen haben. Gegen serbische Komitatschi, gegen russische Kazappen, gegen Banden, von denen 80 Prozellt Analphabeten sind. Wenn null leider auch zwei hochkultivierte Völker sich diesem Kampfe angeschlossen haben, die rohen Kräfte jener Bundesgenossen lverden-auch diesen zum Fallstrick in den Kämpfen werden. Unsere S o l,d a t e n gehören eiilem Reiche an, iil welchem die Schule eine allgemeine Bildung verbreitet hat; es sind geschulte Kräfte, es sind Intelligenzen. Dank den von unserem hochsinnigen Kaiser gegebeneil Gesetzen haben mir ein Kulturland, da weiß jedes österreichische Soldatenherz, daß es für den lieben, gutell Kaiser schlägt und für sein in Recht, Ordnung und Gesetzlichkeit geleitetes Vaterland, und wenn wir rufen: „Gut und Blut für unfern Kaiser, .Gut und Bllrt fürs Vaterland!", ist es nicht eine von Unwissenden und von Barbaren wild nachgebrüllter Tartarenschrei einer auf Raub und Plünderung ausziehenden Horde, sondern es sind Kulturmenschen, die bereit sind, den Hcldentot auf den Schlachtfeldern zu sterben, für die Erhaltung europäischer Sitte und für die Wahrung mühsam errungener Menschenrechte. Stolz blicken wir auf unfern erhabenen Bundesgenossen, der mit schimmernderWehr sich mit „Treue um Treue" an unsere Seite stellte, stolz aus jene sieggewohnten Scharen heldenhafter Kämpfer, die mit den unserigen vereint jenen Heldensöhnen der biblischen Zeit zu vergleichen sind, die mit der Kelle in der einen Hand und mit dem Schwerte in der anderen die Mauern der heiligen Stadt allen Feinden zu Trotz ausbauen. So halten sie das Buch — das Sinnbild menschlicher Gesittung — in der einen, das Schwert in der anderen Hand — und darum die feste Zuversicht— Oesterreich wird — mit Gottes Beistand — siegen! vom Jahrmarkt des Lebens. Die Juden in diesem Völkerkrieg. Wie wir erfahren, sind die Mitglieder der jüdischnationalen Verbindungen in allen österreichischest Universitätsstädten fast vottzählig zu ihren Regimentern eingerückt. Diejenigen von ihnen, die nicht waffenpflichtig pud, haben sich als Freiwillige gemeldet. Die jüdischen Studenten haben überall gebeten, in der Front gegen Rußland kämpfen zu dürfen. Die Behörden erfüllen, so weit die militärischen Interessen dies zulassen, diesen Wunsch der jungen Juden. Man fchätzt die Zahl der Juden, die im österreichisch-ungarischen Heere, in Landwehr und im Landsturm sowie in der Marine unter Waffen stehen, aus ein kriegsstarkes Armeekorps. Die Ziffern aus der deutschen Armee sind noch nicht bekannt. Oesterreich hat sich stärker erwiesen als selbst die Optimisten es erwartet hatten. Der Zulauf zu den Fahnen ist ungeheuer; zahllose Begeisterte müssen zurückgeschickt lverden. Der nationale Hader ist verstummt, einmütig stehen die Völker Oesterreichs zu Kaiser und Vaterland. An Begeisterung und Opferwilligkeit steht das jüdische Volk nicht in letzter Linie. Die zweieinhalb Millionen Juden OesterreiclMngarns stellen eine im Verhältnis zu ihrer Anzahl gelvaltige Masse an Soldaten des Manns chastsstandes, an Offizieren und Aerzten. Man schätzt ihre Zahl auf 110.000 Kombattanten. Aus den beiden Hauptstädten Wien und Budapest, aus oem ungarischen Flachlande, aus dem weiten österreichischen Osten, dann aus Böhmen, Mähren und Schlesien, aus den südslavischen Ländern und nicht zuletzt aus Bosnien und Herzegowina eilen Juden in hellen Scharen zu den Fahnen, ein hochkultivierter, intelligenter Bestandteil des vaterländischen Heeres, treu ergeben dem ehrwürdigen greisen Kaiser Franz Joses I., der alle seine Untertanen mit gleichem Maße mißt und der Judenheit Oesterreich- Ungarns stets eine väterliche Güte bewahrt hat. Mit Stotz sehen wir unsere jüdischen Krieger, die zahllosen Jünglinge von der Universität, die Reserveoffiziere aus den freien Berufen, die schlichten Landjungen, die niederträchtig verunglimpften polnischen Juden, welche im bosnischen Okkupationsfeldzuge, auf den Schlachtfeldern des Russisch-Japanischen Krieges als wackere, heldenhafte Soldaten sich gezeigt, in die Schlacht ziehen. Sie werden ihre Pflicht tun wie immer und die zurückbleibenden Männer und Frauen erkennen ihre heilige Ausgabe gegenüber darbenden, kranken und verwundeten Menschenbrüdern, und sie erfüllen ihre Pflichten im Sinne des jüdischen Gebotes. Daheim in der Stadt, wie aus dem Schlachtfeld treu, mutig und unverdrossen. * * * Der im 53. Lebensjahre stehende Präsident der Lemberger Advokatenkammer, Landtagsabgeordneter Dr. Tobias Aschkenaze, ist freiwillig zur Kriegsdienftleistung eingerückt.

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