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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-14 · 33 (14.8.1914) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
33 (14.8.1914)
Date
1914-08-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite S62 Dr. Bloch'S Wochenschrrst Nr. 33 Mit der Liebe zum eigenen Reiche, dessen Gesetze eine Schutzmauer für chre Ehre und Arbeit jini)/ deren Potentaten chnen stets haben Würdigung und Schätzung widerfahren lassen, verbindet sich bei den österreichischen und deutschen Juden ein heiliger Haß gegen das Reich der Plehwes und Hooligans, der Pogroms und Plünderungen, der Ghettis und Sibiriens. Die Gefühle der russischen Juden aber kommen ihnen entgegen. Diese Juden werden bei der geographischen Lage des Kriegsschauplatzes keine geringe Rolle spielen, denn dieser gehört zu ihrem Ansiedlungsrayon. Nun wird unser erhabener Kaiser, nun wird Kaiser Wilhelm an seinen Truppen das Gute ernten, was er den Juden bisher erwiesen hat. Diese Truppen werden als Erlöser empfangen und die Fahnen des österreichischen Kaisers werden begrüßt werden als die Feldzeichen einer neuen, glücklichen Zeit. Die bisher russischen Juden werden das Möglichste tun, um ihrer Dankbarkeit und Verehrung für unseren geliebten Herrscher Ausdruck zu geben, dessen Reich in den Zeiten der Not ihre Rettung und Zuflucht gewesen ist. Wenn cs noch Gesetze der Tugend gibt, nach denen das Gute belohnt und das Böse bestraft wird, wenn der Geist der Gerechtigkeit auch der Geist der Rache an dem Uebeltäter ist, kann an dem Siege unserer Truppen in Rußland nicht einen Augenblick gezweiselt werden. Sie werden wie Brüder empfangen werden uub es wird alles Mögliche geschehen, um sie zu unterstützen, . zu sichern und zu großen Erfolgen auf dem Felde der Ehre zu geleiten. Wenn sie dann mit dem Lorbeer des Sieges gekrönt, wieder ins befreite Vaterland zurückkehren, so mögen sie für den Empfang, den sie im Feindesland bei chren jüdischen Freunden gefunden, sich auch bei chrem Kaiser bedanken, dessen Thron für seine Güte und Gerechtigkeit die begeisterte Dankbarkeit aller Juden stützt wie ein Felsen. Oesterreichs Zuverstcht. Zum 18. A u g u st 1914. Von Oberrabbiner W- Reich in Baden b. Wien. »Wo kommst du her in dem roten Kleid? Und färbst das Gras auf dem grünen Plan? Ich komm’ aus blutigem Männerstreit, Ich komme rot von der Ehrenbahn. Wir haben die blutige Schlacht geschlagen, Da ward ich so rot.« So erdröhnte einst — vor hundert Jahren — in den Befreiungskriegen — der Sturmgesang des Freiheitsbarden Ernst Moritz Arndt, der die unvergeßlichen Strophen wie in Granit gemeißelt hat: »Der Gott, der Eisen wachsen ließ, Der woll'.e keine Knechte, Drum gab er Säbel, Schwert und Spieß Dem Mann in seine Rechte, Drum gab er ihm den kühnen Mut, Den Zorn der freien Rede, Daß er bestände bis aufs Blut, Bis in den Tod die Fehde.« Gleichwie jedoch es eine Wanderung der Sagen gibt, die da wandern von Land zu Land, von Volk zu Volk, gibt es auch eine Wanderung der Gedanken und Schlagworte in der Dichtung und in der Literatur. Schlagen wir auf das Kapitel 63 des redegewaltigen Propheten Jesaias und wir finden Frage- und Antwortspiel des deutschen Dichters wieder. „Warum ist rot dein Gewand? Warum sind deine Kleider wie die des Treters auf der Kelter?" — Antwort: „Die Kelter trat ich, ich allein, und von den Völkern war niemand mit mir. Da trat ich chin in meinem Zorne und zermalmte sie in meinem Grimme, daß ihr Saft an meine Kleider spritzte und all mein Gewand färbte sich mir. Denn der Vergeltungstag war von mir beschlossen, das Jahr der von mir zu Erlösenden war gekommen!" Aus diesem Geiste und aus dieser Stimmung heraus hat Arndt sichtbarlich sein Siegeslieö „Die Leipziger Schlacht 1813" in die deutschen Lande hiuausgeschmettert. Dieser biblische Ursprung kann uns bei A r n d t nicht verlvundern. Hatte er doch zwei Jahre Theologie studiert, ehe er dichterisch hervortrat. Als er von einem schwedischen Offizier eine verächtliche Aeußerung über Deutschland hörte, forderte er ihn zunr Zweikampf heraus, von welchem er sagte, es wurde chm zu Mut „w i e Moses im Aegy pterland". Bei einer abenteuerlichen Flucht gelangte er, als Diener eines j ü d i s ch e n Kaufmannes verkleidet, über die Grenze. Die Berührung mit Juden und jüdischem Geiste war also dem deutschen Dichter tticht fremd geblieben. Hub nun donnert der eherne Begriff dieses Sanges uns entgegen mit dem 18. August dieses Iah r e s, dem hehren 85. Geburtstage unseres vielgeliebten M o n a r ch e n. Der von der ganzen Kulturwelt gefeierte F r i e d e n s k a i s e r erscheint uns plötzlich im r o t e n Schlachtenkleide! „Warum ist xot dein Gewand?" fragen wir tnit Jesaias. — „Wo kommst du her in dem roten Kleid?" verwundern wir uns mit dem transkribierenden deutschen Dichter. An diesem Geburtstage unseres Kaisers, dessen Feste stets nur F r i e d e n s f e st e waren, von dessen seit Jahrzehnten gefeierten Geburtstagen sich kaum jemand erinnern kann, sie je anders als unter Friedensschalmeielt begangen zu haben, die nie von dem Drommetenschall und dem Kanonendonner der Schlachten gleichsam entweiht worden sind!? „Die Kelter trat ich, ich allein, und von den Völkern war niemand mit mir," lautet die kaiserliche Antwort mit dem Propheten. „Denn der Vergeltungstag war von mir beschlossen, das Jahr der von mir zu Erlös e n d e n war gekommen!" „Ich komMe rot von der Ehrenbahn, wir haben die blutige Schlacht geschlagen.... da ward ich so rot!" Daß wir diese deutsche Antwort bald, ja bald aus dem Munde unseres sieggekrönten Kaisers vernehmen — das ist an diesem denkwürdigen 18. August des Jahres 1914 — Oesterreichs Zuversicht! Eine feste Zuversicht — ist unser Gott! Weil er gewiß nur für das Gute ist — für Trug und Bosheit ist keine Erhörung von Gott zu erwarten. Mit den messerscharfen Worten des Jesaias sagen wir uns in diesen Tagen und rufen es selbstbewußt von unseren Feinden aus: „Wenn ihr eure Hände ausbreitet, wende ich meine Augen weg von euch; wenn ihr ttoch so sehr Gebete häufet, ich höre es nicht; denn eure Hände sind voll von Blutschuld!" (1, 15.) Also sprach's der Ewige. Diese herbe Mahnung bildet unsere feste Zuversicht, daß der Sieg unserem Vaterlande bcschieden sei. Denn eigentlich müßten wir uns doch sagen, gerade so wie wir um den ' Sieg zu Gott beten, tun es doch gewiß auch die von uns zu bekämpfenden Feinde, und diese sind doch auch Menschen; haben auch Familienbande, Eltern, Weib und Kind!? Wer sollte so verstockten Herzens sein, vor der Schlacht, da es um junge Leben geht, uni Sein oder Nichtsein, Gott nicht anzurufen!? Und dennoch ist es in diesem bevorstehenden Kautpfe nicht das gleiche Verhältnis, in welchem die beiden Kämpfenden vor Gott erscheinen. Denn unsere Hände siud rein von Blutschuld; nicht so die unserer Vaterlands-

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