Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 33 (14.8.1914)
- Date
- 1914-08-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Sr. 33 Or. Bloch’s I»hrgangLxxl Zentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums. Wim. 14. August 1914 : Lrscvetnt jeden LreLtag. i Brief.Adresse: Wien. Il/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adreffe: Bloch'S Wocheuschrist, Wien. OO ■ - -- ==üV p Uelugsprri» für ©tßrcreidi: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 56 Heller. Für'» Auslsnd: Halbjährig lO Kronen. Ganzjährig -0 Kronen. Anzeigen: Die «ak gefpal« 2 lene Peitrzeile 4r» Heller. C, OP ■ -Oo OG f? Oo Q S. k. PostlparkiLlsrnanrt , Slesrtng-Verkebr «r. S10.S76. Redaktion und Administration: ( B> t r n ll/i, Praterstraße 9 Telefon 45359 O P -O O Inhalt: Leitartike l: Der Kaiser Franz Josef I. — Oesterreichs Zuversicht. — Vom Jahrmarkt desLebe ns: — Die Juden in diesem Völkerkrieg. — Der Zar an die Juden. — Das Kriegsavanccment im Heere. — An die Frauen? — Aufruf. — Patriotische Widmungen. — Eine mackere, Glaubensgei ossin. — Für die Kinder der Eintenifcnen. — An bie deuticken Juden! — Korrespondenzen: Gottlieb Bettelhemi. — Gottlieb Bettelheim als Begründer des «Frauenho tes". — Patrioti che Kundgebung des jüdischen Handwerkervereines in Kinipolung. — Ende eines antisemitischen Httzdiatt s in Kr.-kou. — T>e L qu d erung des jüdischen TechwkumS in Haifa. — Tie weiß-ruisichen Bcuern für die Juden. — Ter berüchtigte Sieatsonwalt im BeiliS- Prozeß in Preußen interniert. — Warschau ohne Russen. — Russische Rechtlosigkeit treibt zum Wahnsinn. — Ein neues Zirkular über den Eintritt von Inden in die Mittelschulen. — Aus einem Warschauer Brief — Aus der Ausrottung^ vrox-s. — Berwischtes. — Feuilleton: Mendel mit dem Gewnrc Von Hermann Löwinger.— Literatur —Briefkasten. — Inserate. Der Kaiser Franz Josef I. Während sich das Schicksal der Welt entscheidet, und zwar nach allen Anzeichen gegen die Tücke und Niedertracht, gegen die Lüge und die Finsternis, richten sich alle Augen aus den geliebten Kaiser. Im Alter des Patriarchen hat unser Herrscher, der alle seine Weisheit und Kraft stets für den Frieden .eingesetzt hat, zum Schwerte greifen müssen, um sich eines Ängriffs des Zaren, seiner verlogenen Minister und seiner zum Kriegsdienst gepreßten Armee zu erwehren. Alles weiß, daß wir nicht nur eine gerechte Sache, sondern Leib und Leben verteidigen müssen, und schart sich mit Begeisterung um den erhabenen Thron und die stolzen Fahnen mit dem Doppelaar. Die Monarchie bietet ein imposantes Bild, das allein schon geeignet ist, die Feinde in Angst und Schrecken zu versetzen. Nun sind die Fabeln unserer Gegner vernichtet, weggeblasen, welche von einem Zerfall unseres Reiches zu erzählen wußten und vorspiegelten, daß im Falle eines Krieges sich die Nationalitäten gegen einander kehren würden. Nicht einmal der Schatten eines Verrates ist aufgetaucht, die gestern gehadert haben, sind heute Brüder, und aus allen Nationalitäten des Staates ist heute die heilige, große und unwiderstehliche österreichisch-ungarische Nation geworden. Mit den Inden ist keinerlei Veränderung vor sich gegangen. Sie waren dem Kaiser, dem Staate und seinen Gesetzen stets auf das Treueste ergeben und sie wetteifern jetzt mit allen anderen Bürgern an begeisterter Liebe zum Vaterland. Der Augenblick ist zu groß, um gegen den Antisemitismus zu polemisieren, aber man darf nun wohl alle seine Beschuldigungen der Vergangenheit überantworten. Jetzt tun die Juden mit patriotischer Leidenschaft ihr Aeußerstes und gehen womöglich über ihre Pflichten hinaus aus glühender Liebe vor allem zu unserem Monarchen. Kaiser Franz Joses ist wohl der von den Juden der ganzen Welt am meisten geliebte und verehrte Herrscher. Sie, die überall Gerechtigkeit gesucht und nirgends sonst gefunden haben, besitzen an ihm einen Hort der erhabenen Menschlichkeit und Güte. Er hat seine Macht im Staate immer für den Schutz der Juden eingesetzt, welche für ihn seine Kinder waren wie alle anderen Nationalitäten. Unter seinem Szepter durfte kein Gesetz gegen sie beschlossen, ihre Sicherheit nicht gestört werden und in öffentlichen Aeußerungen hat er eine hohe Gesinnung für sie betätigt, für welche sie vom Herzen dankbar sind. Aber nicht nur seinen eigenen jüdischen Bürgern war er Schutz und Zuversicht, sondern auch den Juden aus dem Auslande. Stets war sein Reich ein freies Asyl für die armen Flüchtlinge aus dem großen jüdischen Kerker, welcher Rußland heißt und zugrunde gehen muß, wenn die Flüche von Millionen Menschen sich erfüllen. Wenn wieder einmal die Hooligans zu gemeinem Morde ihre Knüttel schwangen, wenn die russische Gesetzgebung die hungernden Juden zum Verhungern bringen wollte, da hat sich der Strom der Flüchtlinge auf dem Wege nach Amerika um Erbarmen nach Oesterreich gewendet und hat hier Sicherheit gefunden. 'Die Unglücklichen segneten den Namen Franz Josef I. Niemals hat sein Herz Maßnahmen geduldet, welche die Armen hätten zur Verzweiflung treiben können, stets hat er es gern gesehen, wenn die österreichischen Juden den russischen zu Hilfe kamen. Ein solches Vorgehen, eine solche Haltung erzeugt unauslöschliche Dankbarkeit und trägt nun ihre Früchte.- Die russischen Juden haben nichts mehr zu verlieren. An Leib und Leben bedroht, geplündert und moralisch zu Sklaven erniedrigt, werden sie der russischen Kriegsverwaltung leisten, was man von ihnen erpreßt, aber nichts darüber hinaus. Wie anders als die österreichischen Juden, die begeistert zu den Fahnen und in die Dienste der öffentlichen Wohlfahrt eilen. Wie anders als die Juden des Deutschen Reiches, welche die christlichen Söhne des Vaterlandes womöglich an Eifer zu überbieten trachten. Die Söhne des jüdischen Volkes haben das lebendige Bewußtsein, daß für sie der Krieg gegen Rußland ein heiliger Krieg ist, und sie erinnern sich an all die Leiden und Drangsale namenloser Grausamkeit, welche ihre Brüder in Rußland zu erdulden hatten.