Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 32 (7.8.1914)
- Date
- 1914-08-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 553 ziehenden und Begleitenden. Die Begeisterung und Beteiligung der jüdischen Jugend ist über alles Erwarten groß. Unter dem Titel 'rap?31 ‘jnjran bringt der „Tog" vom Dienstag einen Aufruf in Jargon, der ungefähr so lautet: „Der Kaiser ruft. Und seinem Ruf folgen alle Völker willig. Die Kriegsbegeisterung in ganz Oesterreich-Ungarn ist eine gewaltige. Alle Völker wetteifern, um ihren Patriotismus, ihre Anhänglichkeit an Kaiser und Vaterland zu bekunden. Roch bevor ein Schuß gefallen ist, hat schon Oesterreich damit einen gewaltigen moralischen Sieg errungen. Die Hoffnung der Feinde auf die innere Zerrüttung im Lande wurde getäuscht. Einig und mächtig steht Oesterreich da in der Liebe und dem Patriotismus seiner Völker. In dieser ernsten Stunde dürfen wir Juden nicht zurückstehen! In diesem Chore darf unsere Stimme nicht fehlen! Gut und Blut für Kaiser und Vaterland! Vor aller Welt wollen wir beweisen, wie dankbar wir unserem glorreichen, edlen Monarchen sind für die Gleichberechtigung und den Schutz, den wir ungeschmälert unter seinem Szepter genießen, für die vielen Beweise von Gnade und Wohlwollen, die wir allezeit vom Throne erhalten haben. Ist doch Oesterreich der einzige Staat in Europa, in dem 2 Millionen Juden ohne Beschränkung und Begrenzung leben können. Hier sind die Tore vor uns nie geschlossen, ist nie ein Ausnahmegesetz gegen uns erlassen worden. Wir sind politisch mtb sozial gleichberechtigt mit allen Bürgern des Landes." Der Aufruf geht ferner noch auf das Wesen des Krieges ein, der zu einer Abrechnung mit dem unter der Führung Rußlands stehenden Slaventums sich gestalten könne und schließt mit den Worten: „Auf denn! Folget des Kaisers Ruf zu den Waffen! Mit höchster Begeisterung reihen wir uns denen ein, die zum Schutze unseres teueren Vaterlandes ausziehen. Der Kaiser ruft und wir antworten: U*Jp731 WiZ Karlsbad. Die Karlsbader isr. Kultusgemeinde hat den Beschluß gefaßt, 30 Betten im Israelitischen Hospiz den Verwundeten des Krieges zur Verfügung zu stellen. 300 Amerikaner, welche in Karlsbad zur Kur weilen, versammelten sich zu einer Besprechung, um die Lage der ungefähr 500 in Karlsbad weilenden amerikanischen Familien — meist ohne Pässe — zu beraten, wie denselben die Reisemöglichkeit nach der Heimat geschaffen werden könnte. Durch die Teilnahme Englands am Kriege ist der Schiffsverkehr nach Newyork, wie überhaupt nach amerikanischen Häfen, stark gefährdet. Ein engeres Komitee wurde bestellt, um die nötigen Schritte in die Wege zu leiten. Lemberg, 1. August. Vor Ende des im hiesigen Tempel stattgefundenen Sabbatgottesdienstes trat Rabbiner Dr. Guttmann vor den Altar und hielt eine erhebende, der Bedeutung des Augenblickes angepaßte Ansprache an die zahlreich versammelte Gemeinde und sprach ein inniges Gebet für den Monarchen, die Armee und das Vaterland. Der Seelsorger verabschiedete sich von der Gemeinde, da er in seiner Eigenschaft als k. u. k. Feldräbbiner zur Dienstleistung einrückte; der Tempelchor sang die Volkshymne. In einer am selben Tage abgehaltenen Plenarsitzung des Kultusrates wurde nach einer Huldigung für den Monarchen über Antrag des Vizepräsidenten Dr. Di am and eine Spende von 2000 Kronen zugunsten des Roten Kreuzes beschlossen. Pecs (Fünfkirchen). (Generalversammlung der israelitischen Kultusgemeinde.) Am 26. Juli hielt die Repräsentanz ihre Generalversammlung ab, in welcher vor Eröffnung der Tagesordnung der Präses Herr Dr. Leopold Lorant in Anbetracht der eingetretenen außerordentlichen Ereignisse folgende feierliche Erklärung enunzierte: „Wir stehen an der Schwelle wichtiger Ereignisse. Auf Allerhöchsten Befehl unseres geliebten Königs, zur Wahrung der Würde des Vaterlandes und des Prestiges der Gesamtmonarchie wurde die partielle Mobilisierung angeordnet. Hiermit find die Würfel des geheimnisvollen Schicksals des Krieges gefallen. Am Wendepunkte der folgenschweren Ereignisse kennt und fühlt jeder Bürger des Vaterlandes, was seine patriotische Pflicht ist. Als Mitglieder der Pecser israelitischen Kultusgemeinde, als stets getreue Untertanen Seiner Majestät unseres gerechten Königs und als opferwillige Bürger des geliebten ungarischen Vaterlandes sind wir bereit, erfüllt von patriotischer Begeisterung, jedwedes moralische und materielle Opfer auf den Altar des Vaterlandes niederzulegen und erklären schon jetzt, den Verwundeten und den Familienmitgliedern der in den Krieg gezogenen Soldaten die weitreichendste Unterstützung angedeihen zu lassen und halten es als unsere heilige, von den Gefühlen des Herzens diktierte Pflicht, in jeder Richtung die durch den Krieg gebotenen Opfer zu bringen." Die Versammlung nahm mit Begeisterung diese loyale Kundgebung ihres Präses entgegen und gab mit Hochrufen auf den König, auf das Vater- * land und auf die tapfere Armee ihrem Mitgefühle Ausdruck.! Der Brief Jacob H. Schiffs. Vorige Woche berichteten wir über die Mißstimmung, welche unter den führenden Juden Amerikas wegen der Vorgänge in Palästina im Zusammenhänge mit dem Sprachenkampfe und. seinen Folgen herrscht. Dieser Stimmung gibt Jacob H. Schiff, einer der bedeutendsten und angesehensten Juden in den Vereinigten Staaten, in dem nachfolgenden offenen Brief an die Redaktion des „American Hebrew" Ausdruck: An den „American Hebrew"! Zu verschiedenen Zeiten — zuletzt in Ihrer Nummer vom 26. d. M. — ist in der Presse behauptet worden, daß mein Interesse am Haifaer Technikum und mein Beitrag zu seinem Banfonds durch Dr. Schmarja Levin veranlaßt worden waren, der einer der Leiter der jüdischen nationalistischen Bewegung ist. Bisher habe ich es nicht der Mühe wert gehalten, von dieser Behauptung irgendwelche Notiz zu nehmen; ihrer häufigen Wiederholung wegen ist es aber hohe Zeit, daß ich einfür allemal diese Behauptung für völlig inkorrekt erkläre. Es war nicht Dr. Levin, sondern Dr. Paul Nathan aus Berlin, der mich zuerst mit dem Plan bekannt machte, in Haifa ein jüdisches Institut für allseitige technische Erziehung zu errichten, und der Ernst, mit dem Dr. Nathan mir "darlegte, was man mit solchem Institut für die Hebung des Knlturniveaus und die Möglichkeiten der aufwachsenden Generation der palästinensischen Juden wirken könnte, gewann mein Interesse an dem Projekt. Mein Interesse wurde ferner nicht in geringem Maße durch die Aussicht geweckt, die sich hier für die deutschen, russischen und amerikanischen Juden eröffnete, für die Orthodoxen und die Reformer, die Zionisten und die Antizionisten, harmonisch auf dem Gebiete kultureller Hebung und (Hrtwicklung in Palästina zusammenzuarbeiten.