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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-07 · 32 (7.8.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
32 (7.8.1914)
Date
1914-08-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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©eut 554 Dr. Bkoch's Wochenschrift Rr. 32 Unglücklicherrreise haben die Dinge schließlich eine völlig andere Wendung genommen, als .zu Anfang erwartet worden war, und statt der Harmonie iit dem Verwaltungskörper — dessen Sitz in Berlin ist —, die vier oder fünf Jahre lang geherrscht hatte, erhoben sich ernstliche Differenzen gerade zu der Zeit, wo die ausgedehnten Bauten des Technikums fast vollendet waren und das Institut nahe daran war, der palästinensischen Jugend erschlossen werden zu können. Diese Differenzen wurden zweifellos wegen der Hartnäckigkeit beider Seiten in der Streitfrage, die sich erhoben hatte, so stark, aber die Tatsache steht unstreitig fest, daß eine kleine Minorität im Verwaltungskörper unter der Führung von Dr. Levin durch ihren übereilten (hasty) Rücktritt und unangebrachte Agitation Konsequenzen hervorrief, die — ungeachtet der Anstrengungen der amerikanischen Kuratoren, die in chren Beschlüssen einheitlich waren — schließlich zunr Zusammenbruch des Projektes geführt haben, als es seiner Verwirklichung fast nahe war und nachdem bereits über 300.0C0 Dollar dafür ausgegeben waren. Ich hoffe ernstlich, daß Mittel und Wege gefunden werden, das Technikum wieder in die Höhe zu bringen (resurrect), so daß es doch noch dem großen Zwecke dienen kann, für den es bestimmt war. Die beklagenswerten Vorfälle, die schließlich zu seinem jetzigen Zusammenbruch geführt haben, haben aber klar geze'gt, daß die palästinensischen Angelegenheiten durch eine meines Erachtens kleine Gruppe jüdischer Natiotionalisten beherrscht werden, die, während sie fortdauernd nach der Unterstützung und Mitwirkung der internationalen Judenheit zugunsten der Palästinaarbeit jeder Art schreien, kein Bedenken tragen, nicht davor zurückzuschrecken (to stoop), die sträflichsten Mittel zu gebrauchen, um nötigenfalls mit Gewalt ihre eigenen Zwecke und Pläne durchzusetzen. Die internationale und besonders die amerikanische Judenheit täte gut, sorgfältig in Erwägung zu ziehen, wie weit bei solchem Stande der Dinge es in jetziger Zeit ratsam ist, ihr Interesse und chre Mitarbeit an palästinensischen Projekten und Angelegenheiten zu verstärken. Seab right, 28. Juni 1914. Jacob H. Schiff. Die Kampfmcthoden der „Hebräischen". Eigentümlich ist die Strategie, deren sich die „Hebräer" in Jaffa bedienen, um die hebräische Sprache zum Liege zu führen. In dem Klubzimmer der „Poale Zion" sollte Dr. Schidlowski am Samstag nacht, 19. Juli, einen Vortrag auf „Jiddisch" halten über „Die Zukunft des jüdischen Volkes". Die Kreise des hebräischen Gymnasiums wollen^, das Jiddisch in Palästina nicht aufkommen lassen. Darum mußte dieser jiddische Vortrag Dr. Schidlowskis i ton prix verhindert werden. Zwar hatten die „Jiddischisten", die „Poale Zion", alle möglichen Vorsichtsmaßregeln ergriffen, um jede Störung zu verhüten. Vergebens. Unter Führung des zeitweiligen Direktors des hebräischen Gymnasiums in Jaffa, des Direktors Dr. Bogratschoff, blockierten einige hundert größere und kleinere Knaben des hebräischen Gymnasiums die Wohnung Dr. Schidlowskis. Es fand eine förmliche Belagerung statt. Unterdessen suchten der Direktor und andere Lehrer mit Dr. Schidlowski zu parlamentieren. Sie machten chm den Vorschlag, sie werden ihm seinen Vortrag durch den besten Hebräisten übersetzen lassen und er solle ihn dann auf Hebräisch vorlesen. Als Dr. Schidlowski erkannte, daß der Zweck der Diskussion sei, ihn aufzuhalten, erhob er sich und ging aus seiner Wohnung. Jetzt erst sah er die Belagerung, die gegen ihn in Szene gesetzt war. Die jungen „Makkabäer" warfen sich ihm entgegen mit den Wörter:: „Nur über unsere Leichen!" Dr. Schidlowski war klug genug, vor diesen jungen Helden zurückzuweichen und in seine Wohnung zurückzukehren. Unterdessen war das Publikum im Klubzimmer, der „Poale Zion" versammelt und wartete auf den Redner. Als er immer nicht kam, schickte man einen Boten nach dem andern nach ihm. Doch kein Bote kam zurück, um Meldung zu überbringen. Die jungen Helden hatten sie aufgefangen. Die große Unruhe wurde noch gesteigert, als ein Arbeiter erschien und meldete, Dr. Schidlowski sei in Tel Awiv von Schüler:: und Lehrern des hebräischen Gymnasiums belagert. Schon wollte die ganze Versammlung sich erheben, um ihren Vortragenden aus der Belagerung zu befreien, da erschienen die Lehrer des Gymnasiums in der Versammlung, bestiegen die Tribüne und erklärten auf hebräisch, warum der Vortragende nicht erscheinen könne. Ein ungeheurer Tumult war die Antwort der Versammlung. Die Menge erhob sich, durchzog demonstrativ die Gassen nach Tel Awiv, um den Vortragenden aus der hebräischen Umklammerung zu befreien. Dann endlich gelang das große Befreiungswerk. Dr. Schidlowski begab sich mit der Menge in den Arbeiterklub. Es war bereits 11 Uhr geworden. Von dem Vortrag konnte er bloß ein Resume geben. Und das alles haben mit ihrer Belagerung die Lehrer und Schüler des hebräischen Gymnasiums in Jaffa getan. Diese Knaben können zu richtigen Makkabäern heranwachsen, die Führer haben sie dazu; sie führen diese Knaben jetzt schon ins Feld. Der neue Professor an dem Hamburger Kotonial- Jnstitut. Dr. Salomon, der in die neugeschaffene Professur für Kultur und Geschichte Rußlands an das Hamburgische Kolonialinstitut berufen worden ist, ist geborener Berliner und erst dreißig Jahre alt. Er hat unter Leitung von Prof. Krumbacher und Prof. Schiemann in München sich eingehend mit der russischen Kultur und Geschichte beschäftigt. Seit 1908 ist er am Berliner Seminar für osteuropäische Geschichte, das der Leitung von Professor Schiemann untersteht, tätig. Seine Veröffentlichungen beschäftigen sich namentlich mit Studien der russischen Geschichte und haben große Beachtung gefundett. Ermordung einer jüdischen Familie. In einer Vorstadt Kiews drangen Räuber in die Villa des Millionärs Jankel Katz. Sie streckten diesen sofort durch zwei Schüsse nieder und erschossen dann nacheinander die Frau, ferner zwei Söhne und zwei Töchter des Katz. Sie richteten in dem Hause furchtbare Verwüstungen an, erbrachen alle Behältnisse und raubten zahlreiche Gegenstände aus Gold und Silber, ferner eine Anzahl von Wechseln und Wertpapieren und einiges Bargeld. Nur der jüngste Sohn, der sich unter einem Teppich versteckt hatte, ist von der ganzen Familie am Leben geblieben. Das Großrabbinat von Saloniki. Verschiedene Blätter, darunter auch „Jewish Chronicle" in London, brachten uns kürzlich die Mitteilung, daß die griechische Regierung beschlossen habe, das Großrabbinat in Saloniki aufzulassen, und die Juden dieser Stadt unter die geistliche Oberaufsicht und die rabbinische Jurisdiktion des Athener Rabbinates, welches zu einen: Landesrabbinate ausgestaltet wird, zu stellen. Ueber unsere Anfrage wird uns von eingeweihter, dem Salonikier Großrabbinate nahestehender Seite mitgeteilt, daß diese Nachricht, wenigstens in dieser Form,

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