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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-07 · 32 (7.8.1914) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
32 (7.8.1914)
Date
1914-08-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 550 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 32 salems zu erkennen glaubte, des Jerusalem, zu welchem mich unbewußt ein mächtiger Atavismus hinzog. Man vergesse nicht, daß ich ein „entwurzelter Jude" war, in einem freidenkerischen Milieu erzogen und ganz außerhalb des Judentums stehend. Aber zweifellos war etwas von der alten Glaubensglut meiner Väter noch in meinem Herzen in Schwingung, da seit meiner Kindheit alles Religiöse mich angezogen hat. Ach! Mit welchem Glück glaubte ich in der Pracht der Kirche die Herrlichkeit Zions wieder zu finden. Ich glaubte in ihr in Wahrheit „meine Heimat und meine Toten" wieder zu finden. Je mehr ich mich an dem Prunk der Kirche und der Evangelien und besonders an der Herrlichkeit der Bibel entzückte, desto mehr erkannte ich den Gegensatz zwischen Rom und Jerusalem. Anfangs hatte ich, als gehorsamer Christ, den Willen, mich über diesen Gegensatz hinwegzutäuschen. „Rom", rief ich in meinem letzten Buch ,1^68 Magnificences de l’Eglise“ aus, „Rom ist Jerusalem, ist die Tradition Israels, sein Tempel, seine Gebete, seine Religionsgebräuche". Das behauptet ja auch die Kirche durch den Mund aller chrer Theologen. Nun! Der Antisemitismus, der in der Kirche herrscht, hätte mich, auch abgesehen von meinen Studien, abgesehen von der Lektüre der Heiligen Schrift, zu dem Ergebnis gebracht, das heute das meinige ist: Allerdings die Kirche rühmt sich des Judentums, aber nur um es zu erdrücken und sich an seine Stelle zu setzen; sie muß in logischer Konsequenz ihres Systems, sich auf das Judentum stützen, sie muß sich aber von ihm entfernen, um nicht in ihm auszugehen, denn ihr Triumph ist nur die Folge ihrer Lossagung vom Judentum seit Konstantin. Diese Spaltung war übrigens im Keime schon bei Paulus vorhanden, den man als einen jüdischen Antisemiten bezeichnen kann. Diese Feststellungen konnten nur allmählich in meinem Geiste entstehen, als ich aus katholischem Pflichtgefühl heraus täglich die heiligen Bücher betrachtete und erforschte, aus denen die Kirche beruht. Warum haben Sie diese Bücher nicht ergründet, bevor Sie übertraten? werden mich manche fragen. Ich antworte darauf das, was ich in dem Bericht über meine Bekehrung bereits gesagt habe: Die Kirche allein, das Schauen der Kirche durch Jahrhunderte hindurch hat meinen Geist verblendet und mich bekehrt. Wer die Prüfung der einzelnen Fragen hat den Gesamteindruck zerstört, und übrigens hat mich der Antisemitismus über Meinen Irrtum aufgeklärt. Heute pflichte ich H. Charles Maurras bei, den ich seinerzeit wegen seines „Romanismus" angegriffen habe. Ja, Maurras, heute weiß ich es, die Kirche ist vielmehr römisch als jüdisch. Ich aber, der ich „meine Heimat und meine Toten" suchte, ich, als ich mich nach Jerusalem sehnte, gestatten Sie mir, daß ich endlich zu meiner Kirche zurückkehre, zu dieser Synagoge mit ihrer vieltausendjährigen Religion, zu meinem Volke, aus dem ich „entwurzelt" worden war. Meine Wandlung ist sehr logisch. Vom Heidentum bin ich ausgegangen. Vom Heidentum bin ich zum Christentum emporgestiegen. Vom Katholizismus bin ich zur Quelle gedrungen, zum Judentum. Ich gebe mich natürlich nicht der Selbsttäuschung hin, zu erwarten, daß heftige Gegner mir werden Gerechtigkeit widerfahren lassen. Sie mögen jedoch wissen, daß einer der ihrigen, ein Nationalist, ein Antisemit, der aber einer unserer größten Schriftsteller ist und der mich mit seiner Freundschaft beehren will, daß mein Meister Maurice Barres, als er durch einen Artikel des „Opinion" vom 4. April den Entwickelungsgang meiner Ideen erfuhr, mir folgendes geschrieben hat: Paris, den 11. April 1914. Also, mein lieber Loewengard, folgen Sie Ihrer Bestimmung, Ihren gewundenen Pfaden. Wissen Sie, was für ein großes Buch Sie schreiben sollten? Das Buch des Exils, der Wanderungen Ihrer Rasse. Auf jeder Etappe, von Jerusalem bis Lyon wird ihr Geist die Prüfungen wieder erleben, die jene durch die Jahrhunderte durchgemacht hat, und wird sich in seine harte Zähigkeit zurüöbverfen. Machen Sie diese Pilgerfahrt längs den Straßen der Zerstreuung, und Sie werden sehen, welche Bibel Sie dann heimbringe,t. Ihr ergebener Barres. Sie verzeihen mir, Barres, die Veröffentlichnng dieses Briefes. Aber Ihre große Stimme ist für mich in diesem Augenblick die beste Konsequenz und Ermutigung und das edelste Zeugnis. lJndem ich Ihnen, geehrter Herr Direktor, für die Gastfreundschaft Ihres großen Blattes danke, versichere ich Sie der besten Gefühle aufrichtiger Verehrung. P a u t L o e w e n g a r d. Korrespondenzen. An unsere Otauvensörüder! Der Kaiser ruft seine Völker.zu den Waffen! Kaiser Franz Josef, der weiseste, friedlichste und gerechteste Herrscher, dessen lange, ruhmreiche Regierung von der Sorge um den Frieden und das Wohlergehen aller seiner Völker, jedes einzelnen seiner Untertanen ausgefüllt ist, hat dem feindlichen Nachbar den Krieg erklärt. Jeder Oesterreicher, jeder treuer Untertan unseres geliebten Monarchen, jeder Bürger dieses mächtigen Reiches folgt diesem Rufe, bereit, Gut und Blut für Kaiser und Vaterland zu opfern. Glaubensbrüder! Unter dem glorreichen Szepter unseres erhabenen Monarchen ist das Gesetz, welches allen Bürgern ohne Unterschied der Konfession und der Nation die gleichen Rechte einräumt und die gleichen Pflichten auferlegt, zum unerschütterlichen Grundgesetze dieses Staates geworden. Unter, dem Schutze dieses Gesetzes haben wir die Segnungen des Friedens genossen und jederzeit mit unserem ganzen Können teilgenommen an der Arbeit, welche unser geliebtes Vaterland zur Blüte und zur Macht emporgehoben hat. In hellen Scharen ziehen jetzt unsere Männer in den Krieg, um Schulter an Schulter mit den übrigen treuen Söhnen des Reiches den Sieg unserer Waffen zu erkämpfen; mit Begeisterung stellen sich unsere Frauen und Töchter in den Samariterdienst; in traditioneller Opferfreudigkeit trägt jeder Jude im Reiche zu der so dringend gewordenen allgemeinen Hilfsaktion mit allen seinen Kräften bei. Im Jahre 1908 geruhte Seine Majestät die von der gesamten Judenfchaft Oesterreichs ehrfurchtsvoll unterbreitete Huldigung mit folgenden herrlich-schönen Worten entgegenzunehmen: „Die israelitische Bevölkerung hat immer eine staats- und gesetzestreue Gesinnung, Ergebenheit für Mein Haus und Anhänglichkeit an Meine Person bekundet. Ich schätze auch ihren Familiensinn und ihre Freude am Wohltun." ' Dieses historische Kaiserwort werden wir auch in dieser Zeit der Prüfung rechtfertigen. Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde widmet dem Hilfswerke zunächst 10.000 Kr., be-

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