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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-07 · 32 (7.8.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
32 (7.8.1914)
Date
1914-08-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 549 Vorzutreten. Es ist jedenfalls schon wegen des giftigen Stils von Interesse, den Artikel des Secretaire general der „Federation des Unions des Oommergants Industrie! s et Patentes de Paris“, der zugleich der Herausgeber von dessen monatlichen Organ ist, des „Reveil Commercial", kennen zu lernen. Der Artikel lautet: Mitten im Herzen von Paris, zwei Schritte vom „Hotel de Bille", befindet sich die Gegend der schmutzigen Fremden. Es gibt da ganze Straßen, die von unzähligen Spelunken umsäumt sind, in denen, in ekelhaste alte Kleiderfetzen gehüllt, ein absonderliches und unsauberes Voll wimmelt, Rumänen, Armenier, Araber, Türken, Russen, Polen, Chinesen usw. Dies alles stampft im Dreck, kauderwelscht alle möglichen Idiome, lebt, ich weiß nicht wovon, und bildet den gefährlichsten Herd für widerliche und ansteckende Krankheiten. In allen diesen Straßen sind die Polizeivorschriften toter Buchstabe. Ueberall stellt sich ein eingefressener Schmutz triumphierend zur Schau. Ueberall beherbergen Zimmer ohne Luft Dutzende von Menschen, wo höchstens zwei wohnen sollten, überall Lebensbedingungen, die ein Hohn auf die Gesetze der Hygiene sind. Hier hält der 2wd die reichste Ernte in Paris. Die Epidemien erlangen hier eine ungewöhnliche Heftigkeit, denn die ansteckenden Krankheiten finden hier den günstigsten Boden. Es sind ihrer mehr wie 10.000 Personen im Quartier St. Gervais. Dank der Furcht und dem Ekel, den sie verbreitet haben, sind die ursprünglichen Bewohner dieser friedlichen Straßen vertrieben worden. Die Menschenüberschwemmung ist so groß, daß die Inschriften über den Kramen hebräisch oder russisch sind. Noch mehr! Auf dem Polizeibureau der Rue Vieille du Temple mußte man die Aufschriften an den Wänden und Mauern, wie sie in allen Polizeibureaus üblich sind, auf russisch und hebräisch übersetzen. Es ist doch höchst bedauerlich, daß ein armer französischer Arbeiter, der reinlich und fleißig ist, aus seiner Wohnung vertrieben wird, weil er 3 bis 4 Kinder hat, während man den Eigentümern gestattet, Hunderte von Leuten dieser Sorte aufzunehmen. Sollen wir ohnmächtig der Fremden Überschwemmung zusehen, die über unser Arrondissement ohne Unterlaß hereinbricht? Wird unser Alarmruf endlich gehört werden? Wird man endlich höheren Orts uns von allen diesen lästigen Ausländern befreien, voll denen immer einer schmutziger ist wie der andere und die in die sowieso ungesunden Häuser dauernde Keime ansteckender Krankheiten verschleppen? Wir glauben, daß wir ein Recht darauf haben, verteidigt zu werden, daß die Polizeipräfektur die Pflicht hat, das/ Gesetz vom Juli 1912 anzuwenden, das bett Aufenthalt der Fremden in Frankreich regelt und die Seinepräfektur den Hauseigentümern aufzuerlegen, sich den gesundheitspolizeilichen Vorschriften zu fügen. Der Artikel ist gezeichnet A. Varagne, dem Generalsekretär der Union d. 8 Oommergants du IW. Arrondiss - ment, Hand in Hand mit ihm geht als Abgeordneter und Mitglied des Pariser Gemeinderates Henri Galli. „Ich habe mich stets mit dieser äußerst wichtigen Frage beschäftigt", sagt dieser in einem Artikel der späteren Nummer des gleichen Blattes, „ich bearbeite jetzt den Polizeipräfekken, damit er die Gesetze über den Aufenthalt der Fremden streng handhabe. Es ist nicht mehr allein das 4. Arrondissement, das durch die „Indesirables“ eingenommen ist, sondern das 11. und 20. weisen auch eine große Anzahl von ihnen auf. Ich werde alles tun, um Genugtuung zu erlangen, und, wenn nötig, gehe ich bis^ zum Minister des Innern." Diese gemeinen, bösartigen Ausfälle hätte man in einer anständigen französischen Zeitschrift nicht erwartet. Dabei verstehen es diese patriotischen Helden, ihrem krassen Antisemitismus ein Mäntelchen umzuhängen, indem sie ihre Angriffe gegen die Ausländer im allgemeinen richten, um auf diese Weise den auf den Schutz ihrer Landsleute bedachten Franzosen Sand in die Augen zu streuen und ihnen zu verbergen, daß der Judenhaß die Triebfeder ihres Vorgehens ist. Vielleicht befürchten sie, daß sonst manche für die Freiheit und Gerechtigkeit begeisterten Männer für das Recht dieser unglücklichen Opfer russischer und rumänischer Verfolgungswut eintreten und es als eine Pflicht Frankreichs erklären möchten, diesen grausam Vertriebenen in dem gastlichen Frankreich eine neue Heimat und Existenz zu gewähren, ihnen zu einem menschenwürdigen Dasein zu verhelfen, anstatt sie, diese letzten Sklaven in Europa, wie sie Luzzatti genannt hat, wie eine rechtlose Horde zu verfolgen und zu verjagen. Es ist jedenfalls zu hoffen, daß das ritterliche Frankreich nicht anderen Ländern es nachmache, die in Verleugnung ihrer freiheitlichen Traditionen vor den jüdischen Einwanderern aus Rußland und Rumänien die Tür zuschlagen. Zu bereuen würde die Republik die Gerechtigkeit gegen diese Unglücklichen niemals haben. Er» merkwürdiger Tausch des Glaubens. Unter der Aufschrift: ,.Une evolution religieuse“ veröffentlicht der „Gil Blas" einen Brief des französischen Dichters Paul Loewengard, dessen vor einigen Jahren erfolgter Uebertritt vom Judentum zum Katholizismus berechtigtes Aufsehen in den Pariser literarischen Kreisen hervorgerufen hat. Dieser Mann ist jetzt wieder zum Judentum zurückgekehrt und gibt in dem genannten Briefe, den wir in der Übersetzung folgen lassen, eine wenn auch nicht klare und erschöpfende, so doch in mancher Hinsicht interessante Rechenschaft über seinen «Glaubens- Wechsel. Der Fall ist jedenfalls ein Beleg dafür, welche Verheerungen die Unkenntnis jüdischer Dinge unter der akademischen Jugend anrichtet, und ein neuer Fingerzeig auf eine schwere Wunde im jüdischen Leben Frankreichs. Der Brief lautet: Paris, den 23. Juni 1914. An den Herrn Direktor des „Gil Blas". Unter dem zu schmeichelhaften Titel: Un nouveau Chateaubriand hat die „Libre Parole" und unter der Aufschrift: „N. Uoewenaard s'est reconvertiu hat die „Action frangaise" die Gelegenheit benutzt, daß ich nach fünf Jahren, nachdem ich in die katholische Kirche eingetreten bin, mich wieder zur Religion meiner Väter bekenne, um mich zu beschimpfen und meine aufrichtige religiöse Wandlung zu entstellen. Auf Beschimpfungen erwidere ich nicht. Ich werde deshalb weder der „Libre Parole" noch der „Action frangaise" anllworten. Aber es gibt ein Publikum, ich habe Freunde, die ein Recht darauf haben, zu vernehmen, warum ich in die Kirche eingetreten bin und warum ich sie verlasse. Wollen Sie deshalb, geehrter Herr Direktor, die Güte haben, in Ihrem geschätzten Blatte diese kurzen Ausführungen zu veröffentlichen, die ich für absolut notwendig erachte. Als ich mich 1908 zum Katholizismus bekehrte, war ich ein Heide, ein Nietzschianer, ein Jude, der, obgleich aus dem Judentum „entwurzelt", dennoch voninneren religiösen Kämpfen zerwühlt war. In meinem Buche „La Splendeur catholique“ („Der katholische Nimbus") habe ich diese Unruhe, diese Not meiner Seele geschildert. Ich schilderte, wie die Bekanntschaft mit einem getauften Juden, Monseigneur Josef Lehmann, mich bestimmte, die Taufe von einer Kirche zu verlangen, die mich verführte, ja die mich berauschte, kann ich sagen, zunächst infolge ihrer majestätischen Schönheit, dann aber auch, weil ich in ihr das wahrhaftige Israel, die Erbin Jeru-

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