Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 32 (7.8.1914)
- Date
- 1914-08-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 548 Dr. Bloch's Wochenschrift Nc. 32 sich in dem erlösenden Worte „Rache" Luft macht. Die jüdischen Soldaten haben außer den selbstverständlichen vaterländischen Pflichten noch eine eigene, eine spezifisch jüdische Abrechnung mit dem Barbar des Nordens. Den jüdischen Soldaten muß und wird die Schlachtenmusik auch um eine Note stärker klingen als den übrigen. „Denke daran, was dir Amalek getan!" Das Gesinge der Kugeln wird die jüdischen Soldaten erinnern, daß sie nebst ihren Bürger- und Soldatenpflichten, die sie zu erfüllen haben, auch Rache nehmen müssen für alle an unseren Brüdern begangenen Scheußlichkeiten, Sühne für unsere geschändeten und gemordeten Schwestern. Neben der Pflicht, die Barbarei niederwerfen und die Menschenrechte emporrichten zu helfen, wird die Brust der jüdischen Aberzehntausende, die in den gerechtesten aller Kriege ziehen, von dem hehren Bewußtsein geschwellt, ein respektabler Teil der Vollstrecker der geschichtlichen Vergeltung zu sein. „In der österreichischen Armee dienen wohl viele jüdische Offiziere, aber fast alle bei der Traintruppe, um sich im Rücken der Armee herumdrücken zu können," hieß es unlängst in einem angesehenen russischen Militärorgane. Nun, die Söhne und Enkel der Besitzer von 700 Tapferkeitsmedaillen, die jüdischen Offiziere, manche von ihnen, deren Väter schon sich ehrlichen Waffenadel auf blutgetränktem Boden errungen, werden diesen aus dem japanischen Feldzuge im guten Andenken verbleibenden Helden die gebührende Antwort zu erteilen wissen. Die jüdischen Soldaten von 1914 werden sich nicht nur ihrer längst vermoderten Ahnen würdig zeigen, sie werden es ganz gewiß auch den tapferen Altvorderen nachtun, von denen noch einzelne unter den Lebenden sind. Gehet hin und tuet desgleichen! Vom Aabrmarlrt des Lebens. Jüdische Krieger. Von kriegerischen Leistungen.jüdischer Soldaten in Italien erzählt der Oberst Dovara in der „Granda Jtalia": Im Jahre 1848 wurden die Freiwilligen aus Piemont meist den Bersaglieri zugeteilt; man teilte sie in drei Kompagnien: die Studenten bildeten die 3. Kompagnie des 4. Bataillons, die Juden die 7. Kompagnie und die anderen Freiwilligen die 4. Kompagnie. Die sogenannte Hebräerkompagnie zeichnete sich, wie Oberst Davara berichtet, ganz besonders aus. Sie war aus der Katastrophe, in welche das piemontesische Heer hineingeraten war, unversehrt hervorgegangen und rettete dann in Mailand Karl Albert aus großer Gefahr. Als dann im Jahre 1849 der Krieg von neuem begann, überschritt die Hebräerkompagnie mit der 8. Kompagnie, unter Führung König Alberts, den Ticino und kämpfte überaus tapfer bei der „Ssorzesca". Zwei Tage später tat sie bei der „Bicocca" wahre Wunder von Tapferkeit. Inmitten der Kompagnie wurde der General Perrone getötet und der heldenhafte Major Lyons durch eine Kanonenkugel schwer verwundet und aus dem Sattel geschleudert. Unter dem Ruse: „Für unsern Major!" stürzte sich die jüdische Kompagnie auf den Feind, den sie mit solchem Ungestüm angriff, daß er in wilder Flucht das Schlachtfeld verließ. Als die Inden dann erfuhren, daß in ihrer Nähe ein Infanterieregiment von Savona von der feindlichen Uebermacht hart bedrängt werde und daß seine Fahne bedroht sei, wandten sie sich mit großem Elan dem neuen Feinde zu. Hauptmann Cattaneo, der Führer der Kompagnie, wurde schwer verwundet, so daß er wenige Tage darauf starb; der Leutnant Ritter Radicati, der an seine Stelle trat, wurde getötet; von der ganzen Kompagnie kehrten nur etwa vierzig Bersaglieri unter der Führung des Unterleutnants Dr. Modena heim; aber die Fahne wurde gerettet. .Jüdische Kriegsfreiwillige. Zu diesem Thema schreibt die „Franks. Ztg.": Wie schon bei früherer Gelegenheit, hat auch bei den letzten Reichstagsdebatten über den systematischen Ausschluß von Juden aus dem Reserveoffizierskorps ein antisemitischer Abgeordneter die Angabe des Abgeordneten Müller-Meiningen, daß Juden als Kriegsfreiwillige auch an den Feldzügen in Südwestafrika und China teilgenommen haben, bezweifelt und bestimmte Zahlen- und Namenangaben verlangt. Diesem Wunsche des antisemitischen Zweiflers kann nunmehr, wie das „Hamburger Israelitische Familienblatt" mitteilt, entsprochen werden. Der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" veröffentlichte in Nr. 86 der Mitteilungen aus dem „Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" eine Namensliste der bisher von ihm feftgestellten Juden, die als Freiwillige an der Expedition nach China und an den Kolonialkriegen (Herero-Feldzug) teilgenommen haben. Obwohl die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und insbesondere auch alle diejenigen jüdischen Soldaten außer Berechnung läßt, die sich als Freiwillige gemeldet haben, aber aus irgendeinem Grunde zurückgewiesen wurden, werden als Kriegsteilnehmer in China 40 Mann, als Teilnehmer an den Afrikakriegen 39 angeführt, von denen mehrere, so Leutnant Bendix, Opfer des Feldzuges blieben, andere dekoriert wurden, so unter anderen der Unteroffizier Abraham Gutmann mit dem bayerischen Militärverdienstkreuz zweiter Klasse. Chinawie Afrikakriegsfreiwillige jüdischen Glaubens rekrutierten sich aus allen Teilen Deutschlands. Da die Liste möglichst vervollständigt werden soll, richtet der Deutsch- Israelitische Gemeindebund an seine Bundesgem.einden. sowie an die staatlichen Behörden für jüdische Angelegenheiten nunmehr die Aufforderung, den „Zentralverein" bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Die Hetze gegen die jüdischen Ausländer in Paris. Die Vereinigung der kleinen Geschäftsleute des 4. Arrondissements von Paris nimmt ihre Hetze gegen die eingewanderte jüdische Bevölkerung wieder auf, die dieses Viertel dicht besetzt hat. Es sind in der letzten Zeit von der Pariser Judenheit Versuche begonnen worden, den Mißständen, die die Uebervölkerung dieser Gegend von Paris mit ausländischen Juden herbeiführt, dadurch abzuhelfen, daß in einem Vorort, etwa Vincennes, eine Kolonie von Arbeiterhäusern angelegt wird. Etwas wird jedenfalls in dieser Richtung geschehen müssen, denn die antisemitischen Treibereien verfolgen das Ziel, das Arrondissement von Juden zu säubern, und zur Erreichung dieses Zweckes scheint ihnen kein Mittel zu verwerflich. Diese Kreise treten in ihrem Monatsblatt „Le Reveil Commercial" ihre von Haß eingegebenen Beschuldigungen breit, und anstatt menschliches Mitgefühl mit diesen Opfern russischer Verfolgung zu empfinden, rufen sie bereits die Macht der Gesetzgebung an, uim die Einwanderung einzuschränken und den hohen von der Republik verkündeten Idealen der Freiheit und Gerechtigkeit zum Trotz Ausnahmsmaßregeln gegen diese „unerwünschten Fremden", ,.1es ImlemrMes-, wie sie sie nennen, zu verlangen. Diese Bestrebungen gegen die „Inäesirabw^ haben bereits in der Kammer ein Echo in einem Anträge des Pariser Abgeordneten Pugliesi Conti gefunden, der verlangte, man solle die ausländischen Arbeiter mit einer besonderen Steuer belegen. Der Antrag ist zwar gefallen, aber der Ministerpräsident Viviani hat zugesagt, nach genauer Untersuchung mit positiven Vorschlägen zur Bekämpfung her-