Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 32 (7.8.1914)
- Date
- 1914-08-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 32 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 547 zauberhaft ergreifend, beschäftigen feilten von Unruhe stürmisch wogenden Geist, und in dreien dieser göttlichen Erscheinungen erscheineir Zahlen angegeben, um schließlich doch einzngefteheir, daß diese Zahlen „sethumim — wechathumim", v e r s ch l o s s e n und versiegelt sind. Aber den späteren Gelehrten haben sie umso größeren Anreiz ulid umso mehr Stoff zu Meditationen geboten, voll denen sich keiner derselben zurückhalten ließ, nach denselben das End e d e r ££ a g e auf die genaueste Jahreszahl herauszurechnen. In den düsteren Zeiten des unerhörten Druckes, die das jüdische Volk zu überstehen hatte, bauten hierauf alle in großer Zahl auftretenden falschen Messiasse ihre Erlösung kündenden Manifestationen auf, und viel Unheil und zahllose Opfer unschuldiger, vertrauensseliger Zukunftsträumer sind aus das Schuldkonto dieser Visionsdeutungen zu stellen. Schon im Talmud (Sanh. 97 b) wird mit wegwerfender Gebärde auf die „Mechaschweh-Kizzin" hingewiesen, auf jene, die das Ende der Erlösungszeit im voraus aufs Jahr berechnen und in vielen Midraschstellen wiederholt. Es soll und dars daher solchen Berechnungen keine gläubige Grundlage geboten werden, sondern es muß das Mahnwort im Buche Daniel selbst immer und immer wieder betont werden, das da lautet: „Aschreh-hamechakkeh!" Heil dem, der harret und hoffet, oder wie der Gelehrte Rab (s. o. z. St.) es ausdrückt: „Diese Suche (das EndederTage) hängt nur ab von der Buße und von guten Werken!" Und dennoch, wenn gewisse Ereignisse eintreten, die mit ihrer Wucht uns gewaltig erfassen, die eine Welt in Bewegung setzen, die eine Umwälzung voraussehen lassen, wie sie in der Geschichte nur einmal in Jahrhunderten sich vollziehen, so der heiße Atem der rotierenden Weltmaschine uns mit seiner Glut entgegenloht — und wir da — erregt, wie w i r als miterlebende Zeitgenossen die mächtige Hand des Weltenlenkers verspüren — ein Buch öffnen und Zahlen und Geschehnisse angeführt finden, die uns machtvoll ergreifend das Weltbild nach genau vorher angegebener Zahl und Zeit wiederspiegeln, — dann, ja dann schauen wir, gleichsam wie erstarrt vor Staunen, auf den gegebenen Inhalt und, mit einem magnetischen Zauber sestgehalten, kann unser Blick sich nicht losreißen von dem menschlich nicht zu fassenden Vorausblicke eines bereits in den Schatten des Todes ruhenden prophetischen Geistes. Eine solche Empfindung läßt uns nicht los, wenn wir in dieser jetzt durchlebten weltgeschichtlichen Zeit, die mit dem Beginn des Schöpfungsjahres 5673, genau nach Ablauf der dasselbe einleitenden hohen Feiertage — entsprechend d. b. Zeitrechnung mit dem Ablaufe des Jahres 1912 — hereingebrochen, wenn wir da den M a lb im zu Ende des Buches Daniel durchlesen. Er schreibt da mit einer gewissen Feierlichkeit und Weihe, mit dem majestätischen Wir: „Diese Worte haben wir im Monate Cheschwan 5628 niedergeschrieben. Nach der Berechnung, die wir hier ausgestellt haben, wird die vollkommene Erlösung in sechzig Jahren vor sich gehen." Er schrieb dies im Jahre 1868 n. d. b. Z. Wollen wir uns diese Berechnung, die an drei verschiedenen Stellen des Äuches Daniel von Malbim aufgebaut wird, Stellen, die genau durchstudiert werden müssen, um sie in ihrem Zusammenhänge klar zu erfassen und wiederzugeben, rekapitulieren. Im 3, Jahre des Königs Belsazar hatte Daniel seine Visiost, das ist im Jahre 3388; der Bau des zweiten Tempels ging vor sich im Jahre 3408; die Dauer des zweiten Tempels bis zur Zerstörung durch Romschließt mit dein Jahre 3828. Daniel hat nun das Ende des Galuth folgendermaßen bezeichnet: „I d a n", meiner Zeit; „Jdanim", in zweien Zeiten; „Uplag idan" und in einer halben Zeit. Unter „Idan", eine bestimmte Zeit, ist die Zeitdauer des ersten Tempels zu verstehen; die währte 410 Jahre. Wenn nun drei solche bestimmte Zeitzahlen angenommen werden — da es doch heißt: Eine Zeit, und zwei Zeiten, zusammen drei Zeiten — macht dies dreimal 410 — 1230 Jahre. Nun kommt noch eine halbe Zeit aller vorhergegangenen Zeiten hinzu, die angeführt wird, das macht 615 'Jahre; /alles Zusammen 1845 Jahre. So erscheintNun die letzterwähnte Zahl, mit Hinzurechnung der Jahreszahl der Zerstörung des zweiten Tempels durch Rom, die, wie bereits erwähnt, im Jahre 3828 stattgesunden hat, im Jahre 5673. Mit dieser Jahreszahl — die Zeit, in der tatsächlich der erste Balkankrieg angehoben hat und seither noch nicht einen Tag die Kriegswaffen geruht haben — beginnt nach seiner weiteren Darstellung, der Krieg, der sich unter den verschiedenen Völkern sortpslanzen wird, u. zw. noch vierzehn Jahre — die er wieder an anderer Stelle seines Kommentars aussührt —, bis dann mit dem Jahre der Schöpfung 5688 endgiltig die Waffen ruhen und die großeMenschheit — und mit ihr ganz Israel — erlöst sein werde. Dann wird nie mehr Krieg sein, sondern nur W e l t f r i e d e und Mens chenverbrüderung! Gebe Gott, daß es sich bewahrheite! Gehet hi« und tuet desgleiche«! Von Moritz Frühling. Siebzehn Stuckknechte stark war das jüdische Kontingent, das nach der am 1. September 1788 verlautbarten hofkriegsrätlichen Verordnung, nach melcher „der Jud' ohne weiters zu allem verwendet werden solle, was jedem Mitbürger des Staates obligieret" im ersten Monate Kriegsdienste nahm. Die ersten Augusttage des Jahres 1914 sehen die Söhne desselben, nun um 126 Jahre älter gewordenen Volkes in der imponierenden Anzahl von 100.000 ins Feld ziehen. Hunderttausend jüdische Soldaten — ein auf Kriegsstand gesetztes Armeekorps. Auf dem Boden, wo jetzt die Kampfe ausgefochten werden dürften, fochten in den Reihen der österreichischungarischen Armee noch keine jüdischen Soldaten. Sonst, seit der achtzehnten Jahrhundertsneige, waren sie überall dabei, wohin die kaiserlichen Truppen ihre Fahnen trugen. Die Schlachtfelder von Novi, Caldiero, Austerlitz, Aspern, Leipzig, Santa Lucia, Sommacampagna, Mortara, Novara, Custozza und Königgrätz sind mit vielem Blute jüdischer Soldaten gedüngt, wie auch auf allen diesen kriegshistorischen Denksteinen Hunderte von Tapferen der vaterländischen Kriegsgeschichte mitüberliefert wurden. Nun erzittert der Weltteil vor dem gewaltigen Tritte der unzähligen Bataillone, die in einen zur kulturellen Notwendigkeit gewordenes Krieg ziehen. Oesterreich-Ungarns Juden in der Zahl von 100.000 dürfen mittun, den Erbfeind der Monarchie, der menschlichen Gesittung in jene sarmatischen Steppen zurückzujagen, wohin er gehört. Wie noch nie hat sich diesmal die Freiheit Europas unter die Fahnen der österreichischungarischen und verbündeten deutschen Armeen geflüchtet. Wie noch nie ist aber auch die Begeisterung der Völker dieser beiden Kaiserreiche eine so nachhaltige, eine mit so elementarer Kraft zum Ausbruch gelangende gewesen, wie diesmal. Zur Begeisterung, von der die Juden der Monarchie erfüllt sind, gesellt sich noch ein Gefühl, das