Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 32 (7.8.1914)
- Date
- 1914-08-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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- Malbim 1× ep/1002711
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Sette 546 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 32 einst mit Freuden an sie denken, wenn sie nach dem Niederringen des äußeren Feindes uns auch dauernden inneren Frieden bringen, wenn die Einmütigkeit, die jetzt jeden inneren Zwist vergessen macht, auch dann anhält, wenn das Unwetter sich geteilt und lichtem Himmel Raum gegeben! Und darum ruf ich: Ans Werk, unverzagt und zukunftsfreudig! Jeder leiste, was in seinen Kräften! Die Scheu und Zurückhaltung, die sonst sich in den Hintergrund drängt, wo grell das Licht der Öffentlichkeit strahlt, hier ist sie nicht am Platze. Es ist ein schönes und wahres Wort B e r t h o l d- Auerbachs, mit dem er diese Scheuen und Taktvollen aus ihrem Widerstreben Hervorrust: „Verheimlichung des Namens mag bei Privatwohltätigkeit angebracht sein, wo der Begüterte dem Bedürftigen hilft. Da aber, wo es sich um öffentliche Wohltätigkeit handelt, da sollte man sich ohne Scheu nennen. Denn einerseits dient das zur Aneiferung und Erweckung für den lästigen Nachbar, andererseits stellt sich eine Selbftbefteuerung nach Pflicht und Gewisse« dabei heraus". Hier seien wir beherzt „aufdringlich und protzenhaft!" „Aufdringlich und protzenhaft" im Wohltun, in Herbeischaffung von Opfergabeu, in Selbstbesteuerung — nicht aber in einer zur Schau getragenen Putzsucht; vermeiden wir dermalen Toilettevluxus und alles, was in dieser ernsten Zeit aufteizeude Kritiken herausfordern kann. Weltenbrand, Götterdämmerung, der Zeiten Ende, „Antichrists Erscheinen", „Meschiechs Zeiten" — und wie sonst im Wechsel und Wandel der Epochen solche welterschütternde Katastrophen den Namen trugen —, wir Juden wollen im Sinne unserer Väter glauben und hoffen: Gekommen ist der Gipfel der Unkultur, die Barbarei kann nicht mehr überboten werden. Das sind diese Geburtswehen einer Wende aller Dinge. Die Zeit ist reif, den Messias, den Völkerfrieden uns zu geben! Der Mellkrieg Eine prophetische Vision, exegetisch dargestellt von Oberrabbiuer W. Reich in Baden b. Wien Als in der Hochkonjunktur des Weltverkehres der erste Balkankrieg vor zwei Jahren wie ein Blitz aus heiterem Himmel in das geregelte Kulturleben einschlug, erschien in der „Oesterreichischen Wochenschrift" eine Notiz, welche auf eine Soharstelle hinwies, in der das Schöpfungsjahr 5673 als das für die kommende Welterlösungszeit durch eine Reche gewaltiger Kriege vorhergesagt erscheint. Diese Soharstelle befindet sich tatsächlich tu der Perikope „Wajera"; aber der Hiwveis auf dieselbe war unzureichend insoweit, daß wohl das Jahrtausend und auch die Zahl 73 angegeben wird, nicht aber das Jahrhundert, in welchem sich dies welterschütternde Ereignis begeben werde. Die angeführte Soharstelle wird bedeutsam ergänzt und erläutert durch den Zusammenhalt mit den prophetischen Kapiteln 7, 8 und 12, zum Ende des Buches Daniel, und zwar nach einer ausführlichen, sich mehrfach wiederholenden Erklärung des Malbim, die mit chrer packenden Klarheit überraschend wirkt. In einer zur Zeit des ausgebrochenen ersten Balkankrieges abgehaltenen Kanzelrede habe ich diese Stellen aus dem Malbim zum Inhalte derselben gemacht, die. nun durch den seither immer mehr sich verdichtenden, zu einem Weltkrieg sich entwickelnden Kampfe zu einem im wahren Sinne des Wortes aktuell gewordenen Thema herangewachsen sind, das hiemit dargeftellt werden soll. Die Erlösungszeit, das sogenannte „Ende der Tage", wird wohl bereits im Pentateuch und in den Propheten hervorgehoben unter dein Hebräischelt Stichworte „A ch e r i t h - h a j a m i m"; jedoch kein noch so großer Prophet hat es gewagt, Jahreszahlen anzugeben; es ist dies nicht prophetische Art; sie hat großartige Zukunftsideale der Menschheit vor ihrem Geistesauge, jedoch die Zeit ihrer Erfüllung wird der unbegrenzten Zukunft überlassen. So hat als erster von dem „Ende der Tage" der Patriarch Jakob zu seinen aufhorchenden Kindern gesprochen, die er auf seinem Sterbelager segnete: „Versammelt Euch, ich will Euch anzeigen, was Euch am Ende der Tage begegnen wird. (I. B. M. 49, 1.) Hiezu bemerken die Räbbinen: „Er wollte ihnen das Ende offenbaren, da zog sich die Schechina von ihm zurück und es blieb ihm verborgen." „Es geschieht am „Ende der Tage", daß der Berg des Gotteshauses feststehen wird auf der Höhe der Berge und erhaben über Hügel, und es werden zu ihm strömen alle Völker." So riefen es mit gleichen Worten aus, der Prophet Micha (3, 14) und der feuersprühende Redner Jesaiäs (2, 2). Die in den düstersten Zeiten klagenden Propheten Jeremias und Ezechiel weisen auf die Erlösung hin mit dem gleichen, in Israel bekannt scheinenden Losungswort. Der erstere schließt seine aus alle umliegenden Völkerschaften sich ausdehnende Weissagung mit den Worten: „Doch geschieht es am E n d e d e r Tage, daß ich Elams Gefangene zurückführe, spricht der Ewige." (Jes. 49, 39.) Der letztere in seiner Gog- und Magog-Vision: „Du ziehst heraus über mein Volk Israel, wie eine Wolke die Erde umhüllend; am Ende der Tage wird es geschehen. Dann führe ich Dich hinauf in mein Land, auf daß mich erkennen die Völker, wenn ich durch Dich, Gog, geheiligt werde vor ihren Augen." (Ez. 38, 16.) Jedoch auch der in den frühesten Zeiten lebende Prophet Hosea lehnt sich schon an diese Ausdrucksweise an in seiner Vorhersagung mit den Worten: „Sie werden aufsuchen den Ewigen, ihren Gott, und David, ihren König, am Ende der Tage. (3, 5.) Unter allen Gottesmännern war es nur ein einziger, der es gewagt hat, in dieser das Ende der Tage betreffenden Voraussagung mit Zahlen zu operieren; ja, auch die technische Ausdrucksweise klar in ihrem Wesen darzustellen; es ist dies Daniel, der aber vom Talmud nicht als Prophet, sondern nur als gelehrter, weiser Mann anerkannt erscheint. (Bebath. 12 a, 14 b.) Daniel spricht hiervon: „Ich erhob meine Augen und sah einen Mann, gekleidet in Linnen usw." Und dieser Mann sprach zu Daniel: „Ich bin gekommen. Dich zu belehren, was diesem Volke am Ende der Tage begegnen wird." (10, 14.) Am Ende des Buches jedoch wird von Daniel dem Mann in Linnen die Frage präzis vorgelegt, was er von ihm zu wissen sehnsuchtsvoll erwarte, und wie aus alpbedrückter Brust ringt sich der fragende Ausruf von seinen Lippen: „Wie lange noch wrrd es dauern, bis das Ende der Wunder erscheint!?" Und als er die Antwort erhielt, bekräftigt und voll erschütternder Weihe, „daß er hiebei erhob seine Rechte und seine Linke gen Himmel, schwörend bei dem ewig Lebendigen, daß nach einer bestimmten. Zeit, und zweien Zeiten- und einer halben Zeit, und wenn die Zerstreuung des heiligen Volkes ein Ende hat, und all dies enden werde," da sprach Daniel : „Was ist das Ende von diesem?" Da erst werden Zahlen angegeben, mit denen das Buch seinem Abschlüsse zueilt. Eine geheimnisvolle, gewaltig ergreifende, nicht zu stillende Sehnsucht erfüllt Daniel, zahlenmäßige Berechnungen für das Ende der Tage aüfzusuchen; drei Visionen, in der Form von Träumen, phantastisch und