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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-07 · 32 (7.8.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
32 (7.8.1914)
Date
1914-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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‘■•a Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wien. 7. August 1914 : Lrscveinr jeden LreLtag. i Brief-Adresse: Wien, ll/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. 0(j~ ==c>o p Scptgsptzf* Tür VeNerrrUtz: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Luslnnd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die malgespal» 2 tene Pelilzeile 4« Heller. OQ .. -O'^ M. k. Pofisparkralsrnsrnl Siesrtng-->Verk ebr «r. 810.976. Redattton und Administration: U/1. Praterstraße 9 Telefon 45359 Inhalt: Leitartikel: Der Welt-Tischobeatv 5674! — Der Weltkrieg. — Gehet bin und tuet d sgleichen! — Vom Jahrmarkt des Lebens: Jüdische Krieger. -- Jüdische Kriegsfreiwillige. — Die H.tze gegen die jüdischen Ausländer in Paris. — Ein merkwürdiger Tausch des Glaubens. — Korrespondenzen. — An unsere Glaubensbrüder. — Für die Kinder der Einberufenen. — Fürsorge für die Verwundeten. — Hilfsaktion des jüdischen Vereines „Einheit". — Kriegssitzung der „Weiblichen Fürsorge". — Hilfsaktion drs „Fortschrittlichen Bürgeivereines Donauklub". — Din Juden in d-r Hilfsaktion. — Krakau. — Lemberg. — Prcs. — Die Liquidierung des jüdischen Technikums in Haifa. — Der Brief Jocob H. Sck ffs. — Die Kampsmethoden der „Hebräischen". — Der neue Professor an dem Hamburger KolomnI-Jnstilut — Eiuodung einer jüdischen Familie. — Das Großrabbinat von Saloniki. — Zinrkennmig eines Preises. — Ein Rabbiner Negicrunpsvertreter von Tunis. — Vermischtes. — Feuilleton: Dem Andenken Julius Rodenbergs. — Literatur — Briefkasten. — Inserate. Der Melt-Tischobeam 5674! „Und wiederum war es am neunten des Aw" .... So wird ein jüdischer Chronist späterer Zeiten eines der blutigsten, grausigsten Kapitel beginnen, und fortfahren wird er: „Da begann sich jenes düstere Gewölk zu entladen, das Tod und Verderben herniedersandte auch über Tausende und Abertausende unserer Glaubensgemeinde, die mitlitten unter der schweren Heimsuchung, die alle vier Enden der Welt erbeben machte bis in den tiefsten Grund." Doch nicht das Mit leiden wollen wir heute betonen' sondern das wackere Mit kämpfen und Wetteifern unserer Stammesbrüder auf allen Gebieten, auf die jetzt Menschenhaß, aber auch Menschenliebe alle Kräfte bis zum letzten Einsatz beruft. Einer der spärlichen Lichtblicke in dem schaurigen Düster, das uns immer dichter und immer atembeklemmender umballt, ist für uns Juden die Tatsache, daß der erste, der aufdemFelde derEhre unserem Vaterlande den teuersten Tribut mit seinem Leben gezahlt hat, ein jüdischer Jüngling war! „Ihr Sohn ist den Heldentod vor dem Feinde gestorben". Wie muß das arme Vaterherz gezuckt, wie die Seele der Mutter sich zusammengekrampft haben, als diese Hiobspost sie ereilte. Auf den Straßen, in der Tram, überall hörten wir's mit einer Betonung, deren sich unser jüdisches Ohr längst entwöhnt hat: „Der erste Gefallene auf unserer Seit', weißt, von dem die Zeitungen geschrieben haben, das war ein Jud', der Sohn des Advokaten N. in Mariahilf." Und wem mußte es nicht in die Augen fallen, und stellte er sich sonst noch so blind gegen uns, daß es wiederum Juden waren, die allen anderen mit ihren Liebesgaben für unsere wackeren Soldaten und ihre Zurückgebliebenen vorangingen. daß wiederum die Wiener Kultusgemeinde es war, die allen anderen konfessionellen Verbanden das Beispiel gab: „Gut und Blut für unfern Kaiser!" Wir Juden haben mit diesem Worte heiligen Ernst gemacht. Aber nicht ermüden dürfen wir, die wir daheim die unvergleichlich erschütternde Entwicklung eines Weltumsturzes mit klopfendem Pulse begleiten, auf diesem Wege tätiger Teilnahme. Ein guter Stern leitet uns! Gott kämpft mit uns, denn mit uns ist das Recht und die Menschenwürde. Womit will der böse Nachbar seinen Frevel beschönigen, seine Tücke bemänteln? Als wir vor kurzem dort unten weilten, noch vor dem gerechten Schrecken, den unsere Bataillone jetzt dorthin tragen, da klagte man unsere Handelspolitik an, die vor einem Jahrzehnt zu Gunsten unserer Agrarier die serbische Grenze gesperrt habe, da sprach man von der Vergewaltigung der serbischen Volksgenossen unter dem Szepter des Doppeladlers, und wie sie alle die bekannten Vorwände lauten. Und solches Wühlen und Hetzen mußte zu einem Würgen und Wildern führen, wie es die Welt noch nicht gesehen! Das der Triumph der abendländischen Kultur, die man erlösend nach dem fernsten Osten trägt! Das ein Jahrhundert nach dem Aufleuchten der Humanität, der Aufklärung, die an der Opferflamme der uralten Messiashoffnung die eisern engenden Feffeln nationalen Uebereifers schmelzen wollte, an der die Söhne unseres Volkes bis auf diesen Tag mit freudiger Hingabe ihres Lebens den Priesterdienst verrichtet, für die unser Stamm mit übermenschlicher Zähigkeit und todüberwindendem Mute sich bis heute erhalten hat! Die blutigen Brände, die allerorten auslohen, sie geben unserem alten, tausendfach blutgeweihten Panier eine Beleuchtung, die jeden zum Nachsinnen zwingen muß, in dem noch nicht blindwütiger Fanatismus jeden Rest menschlichen Fühlens ertötet hat. Hundert Jahre find es auf Tag und Stunde her, da auch schwere Not unser Vaterland zur Al wehr eines äußeren Feindes aufrief. Auch damals zeichneten sich jüdische Krieger aus, weit über den Prozentsatz, den man in Friedenszeiten so gern gegen sie zum Maßstab wählte, um ihnen verbriefte Rechte zu entziehen. Auch damals schon wußte es der Jude aus leidiger Erfahrung, daß man im Felde ihn mit kleinen Kreuzen dekoriert, um ihn im Frieden wieder das große Kreuz der Judenschmach aufzubürden. Sie fragten nicht danach. Ihnen stand wirklich über jeder selbstischen Kleinlichkeit der hohe Gedanke des Vaterlandes. Und auch damals standen sie mit patriotischer Opferwilligkeit in erster Reihe mit Beträgen, die alle anderen vielfach übertrafen, die Vertreter des „jüdischen Geldes", nur daß sie damals Arnstein, Eskeles, Wertheimer hießen. Wir zeigen uns dieser Ahnen würdig. Dieses alles zersetzende Jahrhundert, den Idealismus unserer Juden hat es nicht gebrochen! Und bleibt uns in schwerer, banger Zeit dieser Trost, so wollen wir auch eine Hoffnung nicht unterdrücken. Mögen diese Opfer, die wir Schulter an Schulter mit unseren Landsleuten jetzt tragen, noch so schwer sein, wir werden

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