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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-31 · 31 (31.7.1914) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
31 (31.7.1914)
Date
1914-07-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sttte 540 - Dr. Bloch's bie interessante Jugend- und Wekdegeschichte des Philosophen geschildert Werden wirdj so haben wir es hier überhaupt inehr mit einem skizzenhaft zusammengestellten Werk zu tun; da Lazarus nicht zu bewegen war, seiner späteren Frau vor und nach her Ehe eine zusammenhängende Darstellung seines Lebens zu geben, konnte sie nur in unendlich mühsamer Mosaikarbeit aus der Korrespondenz, die in Berlin und auf seinem Gute vorhanden war und aus den Notizen, die sie sich zuerst heimlich, erst in den letzten Jahren mit seinem Wissen nach seiften Gesprächen machen konnte. Dadurch ist es Unmöglich geworden, eine zusammenhängende Schilderung zu entwerfen, die Kapitel sind nicht eigentlich chronologisch geordnet, soiidern nach den verschiedenen Persönlichkeiten mit denen Lazarus in. Berührung kam, . beginnend von Friedrich Rückert bis . ^An b?ii Berliner Hof". Da über Lazarus ttner der wenigen jüdischen Gelehrten ist, die, um mit Güdemann zu reden, den gelben Fleck des Judentums stolz unter ihren Auszeichnungen tragen, so erfahren wir gerade aus diesem Buche von vielen hervorragenden deutschen Männern und Frauen, wie sie sich zur leidigen, in den siebziger Jahren so akuten Antisemitenfrage verhielten. So angesangen vom edlen Kaiser Wilhelm, der trotz des Widerstandes de? Zivilkommission bei der Er» Nennung des Juden. Lazärus zum Philosophieprofessor an der Kriegsschule — die Militärkommission hat merkwürdigerweise zügestimmt —, auf däs betreffende Dokument schrieb: „Jude darf kein Hindernis fein," dasselbe übrigens kurz darauf auf das Ernennungsdekret des berühmten Klinikers Traube. Wenn es schon schön ist, daß er bei Besetzung der Klinik sich liberaler erwies als der hochgebildete Bruder, König Friedrich Wilhelm IV., bleibt es trotz der unleugbaren patriotischen Verdienste von Lazarus Merkwürdig, daß der Soldatenkaiser einem Juden die sittliche Erziehung des Adels und der erlesensten, durch unzählige Voreramina durchsiebten Blüte des Heeres anvertraute. Diesen „unobligaten" Gegenstand haben mit Ausnahme von zwei sonst alle Kriegsakademiker gehört, und als bei immer steigender antisemitischer Strömung dem Leiter der Akademie der Jude doch zu unbequem wurde, konnte er sich nur helfen, indem die Philosophie im Staate des Feldherrn-Philosophen Friedrich des Großen überhaupt gestrichen wurde, obwohl gerade dessen Biographie beweist, wie notwendig diese sich ihm oft am Schlachtfeld erwiesen hat. Kaiser Wilhelm und der Kronprinz wurden erst nach Monaten von dieser Streichung, die übrigens in unhöflicher Form erfolgte, verständigt, und es bleibt persönlich schön von Lazärus, der übrigens den angeboteneN Ruhegehalt zurückwies, aber sachlich nicht richtig, daß er seine großen Konnexionen, die Freundschaft des Kronprinzenpaäres, nicht in der Affäre ausnützte. Daß es Lazarus gerade keine Freunde an der Berliner Universität eintrug, wenn sich Kronprinzession Viktoria — nachdem ihr die damals für eine deutsche Frau unerhörte Idee, die Vorlesungen an der Kriegsakademie zu besuchen, hübsch untersagt worden war, — just von Lazarus Philosophievorträge halten lassen wollte, oder der Kronprinz ihn achtmal bei einem Hofempfang ansprach, ist selbstverständlich. Lazarus gehörte zu denen, welche es am meisten beklagten, daß der Kaiser so kurz regierte, da er von. ihm mit Recht die energischeste Bekämpfung des Antisemitismus erwarten konnte. Doch wenden wir uns vom Hof zu Geistesheroen. So Friedrich Rückert, der zugesteht, daß ihn die Lekrüre des hebräischen Pentateuch oft enorm langweile: er schickt Lazarus einen Morgengrüß: „Gott der Herr besprach am Sinai dieses und jenes" (folgen alle möglichen versifizieretn Gebote). War das für Gott ein so Großes? Nein, aber für Aaron und Moses. Dann bekennt er, daß dann hin und wieder ein Satz ihn nach Seiten der Langeweile für alles entschädige, übrigens ein Beweis, wie selbst ein Rückert die Bibel damals nicht als Historiker und Archäologe, sondern wegen des rein poetischen Gehaltes las. Paul Heyse, dessen jüdische Abstammung von der Mutter her nicht erwähnt wird, obwohl das Bild der Mutter Heyses in dessen Memoiren das einer Jüdin nicht gerade von ihren besten Seiten zeigt, schreibt einmal: „Sie sollen doch nur einmal aus ihrer deutschen Gesittung streichen, was sie dem erwählten Volke verdanken, dann erst werden freche Mischlinge sehen, welchen Umfang die Schöpfungen der angeblich Boden- und Heimatlosen annehmen." So Heyse, der übrigens seine vierte Freundschaftsnovelle Lazarus geweiht hat und zu weihen alle Ursache hatte, weniger fteilich als Theodor Fontane, der große Dichter der Mark, der Lazarus' Verbindung allein seine Befteiung aus französischer Kriegsgefangenschaft als Spion verdankt, die leicht mit Erschießen hätte enden können, . da es dem Eroßherzog von Mecklenburg, dem deutschen Generalstab k. nicht gelangt, ihn zu befteien. Die Rolle, die Lazarus und seine jüdischen Verbindungen dabei spielten, erinnert stark an die großen Zeiten der spanischen Juden, wo eine Kette von Hof zu Hof schwebte und Juden die geheimsten diplomatischen Aufträge, Ehevermittlung in fürstlichen Häusern rc. durch ihre Verbindungen aussühren konnten. Fontane tut sich die Dankesschuld in seiner Biographie sehr merkwürdig ab; da er sich offenbar schämte, zwei Juden und dem Zufall, daß der Jude Cremieur Justizminister der neugeborenen Republik war, sein Leben zu verdanken. Wenn gebildete Juden es Lazarus manchmal verübelten, daß er in seiner Schrift „Was ist national?" und vielen anderen sich so ganz mit hem Judentum identifiziert, tut der Ausspruch zweier Wochenschrift ' 31 Urgermanen wohl, Ernst Wicherts: „Ich halte es gerade für die Ehrenpflicht derjenigen ernzutreten, die absolut nicht gemeint erscheinen, die man nicht dazu rechnet," und des Dichters Gottfried Keller, der unglaublich kräftige Worte „gegen die Tiere des Abgrundes" braucht. Erwähnen wir noch, welch /tätigen Anteil Lazarus an der Gründung her Schillerstistung genommen, im lebhaften Kontrast zu dem großen Jakob Grimm, dessen rohe Ansichten zu dem Punkt nicht gerade von der 'Eemütstiese deutscher Gelehrtenwelt sprechen. Lazarus war von jeher bestrebt und hat es auch erreicht, daß die redlichen Theologen der jüdischen und christlichen Konfessionen im Bibelstudium zusammen, arbeiten. „Es tur not, daß bei Christen und, Juden die redlichen Forscher, die nicht nach Sensationen trachten, zusämmenstehen." Wenn er sich danü in diesem an Sellin gerichteten Brief über „leichtfertige H.ypöthesenjagd" ausspricht, ist es klar, daß er den Sohn eines lieben Jugendfreundes, den Babel-Bibel Delitzsch meint. Seinen christlichen Gelehrtenfreunden hat aber nichts Niehr imponiert, als das Bild, das er vom Tode des Vaters, > dss schlichten Kaufmannes an der deutsch-polnischen Grenze entwirft, dör aber, chie die meisten Väter großer.Söhne, auch schon eine Individualität wär. Telegraphisch zu dem Sterbenden berufen, fragt ihn dieser bei der ersten Nachtwache, nach der Erklärung einer dunklen Bibelstelle, eine Nacht denkt der berühmte Gelehrte nach, morgens gibt er die Erklärung, die beide nicht befriedigt, erst in der dritten Nacht sind beide zufrieden gestellt und bald darauf entschlummert der Vater, wahrlich eine Szene, die Mittelalter und Neuzeit des Judentums verbindet und verdienen würde, von dem Pinsel eines Isidor Kaufmann gemalt zu werden. Es gibt Menschen, die man immer lieber gewinnt, so oft man sie sieht, und je mehr Frau Lazarus Erinnerungen an ihren Mann erscheinen läßt, desto lieber greifen wir zu ihren Büchern, die uns alte Bekannte in neuer Beleuchtung zeigen. Ehlotilde Benedikt. Kol T'hilloh, II. Teil. Ein synagogales Musikwerk für die hohen Festtage. Von Öberkantor und Chordirektor Josef Heller, Brünn. Besprochen von Öberkantor Armin Wilkowi 1 sch, Eger- Es sind selten-schöne Blüten höchsten künstlerischen Könnens, die uns Oberkantor Josef Heller in dem zweiten Teile seines Werkes „Kol T'hilloh" (vierstimmige Chöre und Soli, sowie Rezitative für den israelitischen Gottesdienst, mit und ohne Begleitung der Orgel ad iLbitinn ) bietet. Diese Gesänge geben die liturgische Stimmung und Weihe der hohen Festtage in ihrer ganzen Reinheit wieder. Neun Jahre sind verstrichen, seit der Komponist Heller den ersten Teil seines Werkes der Öffentlichkeit übergab, und freudig müssen wir konstatieren, daß der zweite Teil dieses Werkes uns viel reifere, oft und oft geprüfte, sorgsam gefeilte und geglättete Kompositionen und Rezitatwe präsentiert. Wir gestehen gerne: Herr Oberkantor Heller ist zugleich mit seinen Musenkindern gewachsen, er hat sich zum reifen und gediegenen Musiker entwickelt. Zwei „Ma towu" geleiten uns zum Rosch-Haschonoh-Abendgottesdienste. Gleich einer Jugendfreundin begrüßt uns die liebliche traditionelle Weise des „Borchu" .... so vertraut in Form und Melodie und doch ganz anders: eine moderne, vornehme Gewandung, ihre Sprache korrekt und gewählt — eine Soso b'ruroh. Das Rezitativ Hellers sucht keine abseitsliegenden Pfade. Das „Tiku-Wachodesch" Neigt zur Tonmalerei, es fließt einem klaren, frischen Bächlein gleich. Die erste größere Komposition ist „Jigdal" Nr. 194. Es verlohnt sich, hier etwas zu verweilen. Eine schöne, melodisch abgerundete Linie in wirksamer Bogensührung ist seine Eigentümlichkeit. Der erste Satz weist ein herrliches Motiv auf. Aus einer hochinteressanten Nachahmung dieses Motives wird der zweite Satz gebildet. Die dritte Periode stellt eine Steigerung gegenüber der ersten dar. Das Motiv ist ganz dasselbe wie in den beiden ersten Sätzen, nur eine andere Verarbeitung, aus der die Steigerung resultiert. Eine wohltuende Abrundung erfährt der vierte Satz durch seine melodische Stimmführung; selbst in dem eingeschalteten Satze * Andante rmestoso« ist das Erundmotiv folgerichtig beibehalten, das dann im »Larghetto iai ta-!>il -« eine kleine, aber begründete Aenderung erfährt. Die ganM Melodie ist nichts anderes als die kunstvolle Umspielung der Tonika und der Dominante mit den einfachsten Mitteln in dem engbegrenzten Raume beiläufig einer Oktave! Was die Gesangstimme im besonderen betrifft, so muß sehr lobend hervorgehoben werden, daß im ganzen Werke nicht ein einziger Querstand zu entdecken ist, der auf weniger gute Akkord- und Stimmführung schließen ließe. Alle Gesänge sind eine liturgisch vorzügliche und wahre Vertonung des hehren Textes, und nur in dieser Wiedergabe konnte die Steigerung bestehen. Wie treffend und geschickt der Komponist dies aber auch vollbrachte, wird dem einleuchten, der aus diesem Gedanken heraus den prächtigen Hymnus einwirken läßt. Um diese Besprechung nicht ins Gigantische wachsen zu lassen, gehen wir gleich zur Komposition Nummer 453 „Emes" über,

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