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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-31 · 31 (31.7.1914) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
31 (31.7.1914)
Date
1914-07-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Dr. Bkoch's Wochenschrift Seite 535 Nr. 31 Hirtenstämmen dünn bewohnten Lande bewerkstelligen lassen."*) Damit sind wir wieder beim Territorialismus angelangt. Und so sehen wir, daß auch die Betrachtung der Ursachen, welche zum Aufhören der Galveston-Arbeit geführt haben mögen, daG gleiche Ergebnis förderte: daß nämlich die Prinzipien des Territorialismus auf gesunder, realer Basis beruhen, daß sie konkreten Verhältnissen Rechnung tragen und infolgedessen wohl darauf hoffen dürfen, früher oder später in die Wirklichkeit umgesetzt zu werden. . * * * Das Frohlocken gewisser Herren ist somit ein wenig verfrüht und die feierliche Ankündigung der „Auflösung der Jto" ebenfalls. Dieses Tot sagen der Jto wird ebenso wenig verfangen wie das frühere System: das iTotschweigen. Und ich will den Herren auch gleich verraten, warum das alles nicht fruchten wird: sie packen nämlich am Unrechten Orte an. Nicht die Jto sollten sie versuchen totzuschlagen, sondern die Wurzel alles Uebels: die territorialistische Idee selbst. Das wagen sie aber aus guten Gründen nicht. Und so bleibt ihnen natürlich nichts anderes übrig, als ihr Mütchen an der Jto zu kühlen und sie immer wieder zu „begraben". Ueber die Toren! Als ob der geistreiche Zangwill nicht schon vor Jahren ausgerufen hätte, daß der sehnlichste Wunsch der Jto darin besteht, sobald als möglich zu sterben! Jawohl, die Jto soll und wird sterben, aber nicht bevor sie einem anderen Wesen das Leben geschenkt hat: dem I t o l a n d. S. Ginsburg, -Zürich. Mu Kilnationsberichl über de« Klamd der Wiener Hude« aus demIahre 1763**. Von Dr. Josef Mieses, Przemysl. Im Jahre 1762 hat ein Anonymus, nach der vom Mitgliede des Staatsrates Freiherrn v. Boris in seinem Votum ausgesprochenen Vermutung, der Regimentsrat Egger, eine neue Judenverordnung nebst Anmerkungen verfaßt und dieselbe mit Uebergehung der niederösterreichischen Regierung an die Kaiserin Maria Theresia abgeschickt. Die Kaiserin erließ nach eingeholtem Einraten des Staatsrates an den Grafen Rudolph Chotek ein Billett folgenden Inhalts: „Ich communicire Ihnen die anliegende von einem Anonymus verfaßte Judenordnung, und ist Mir darüber ein standhaftes Gutachten zu erstatten." Dieser Anonymus hat sich des öfteren ziemlich ausführlich ausgelassen, um seine übrigens für die Juden nicht gar günstigen Ansichten und Vorstellungen zu stützen. Seine Schilderungen der damaligen Verhältnisse, wie sie ein ungünstiges, aber ziemlich scharfes Auge erblickt hat, sind als das Denkmal eines Zeitgenossen gewiß geeignet, unser Interesse zu fesseln. Diese Aeußerungen bilden sozusagen das in Einzelheiten übertrieben erfaßte und festgehaltene Spiegelbild einer lebendigen Momentaufnahme. Wir ersehen aus dieser Schilderung, wie die Juden bestrebt und imstande waren, inmitten ungemein drückender Verhältnisse zu leben, wie es ihnen stets gelang, dank einer gewissen Zähigkeit und ungebrochenen Lebenskraft alle Mühsale %u ertragen und zu überdauern. Wir sehen da, 'wie sie es mit tziner gewissen Geschmeidigkeit verstanden haben, mit hoch und nieder gut auszukommen, Volk und Regierung (besonders die niederöster¬ * Wilh. Roscher: „Kolonien, Kolonialpolitik und Auswanderung," S. 22. ** Bgl. Staatsratsakten Nr. 497 v. Jahre 1762. reichische) für sich zu gewinnen. Seit der letzten Judenaustreibung im Jahre 1670 durften keine Juden in Wien wohnen. Allein bald hierauf erwarben einzelne Familien für besondere Steuern das Recht auf die Toleranz. Natürlich kamen dieselben nicht allein, sondern mit ihren Bedienten und Gehilfen, deren Zahl schon damals ziemlich erklecklich sein dürfte, zum Teil wegen der kleinen Verhältitifse des damaligen Wien besonders in die Augen fallen mußte. Wie wir aus diesem Bericht ersehen, waren sich die leitenden und die Gewalt ausübenden Faktoren dieser Tatsachen vollständig bewußt, sowie über jede Einzelheit gut informiert, sie duldeten jedoch stillschweigend diesen Stand der Dinge. Zum kleineren Teil war der alte Haß in etwas gemildert, die Zeiten begannen sich zu ändern und heller zu werden, zum größeren hingegen zog man aus der Anwesenheit der Juden einen besonderen Nutzen. Hatte man welche etwa noch überkommene Bedenken, dann wurden dieselben durch den Hauch der gestillten Geldgier zerstreut. Man erhöhte einfach den Juden die Toleranzgelder und die kurz zuvor so gelästerten und verdammten Juden durften bleiben. Die in den erhaltenen Anmerkungen enthaltenen Mitteilungen besitzen eilten gewissen journalistischen Wert, weil sie die damalige Stimmung uns treu mitteilen, übrigens selbst temperamentvoll gehalten find. „Es ist mir ganz verläßlich bewußt, daß sowohl „Verschiedene von denen Hof-Stellen, als besonders von „der N.-Oe. Regierung wegen ein und anderen Geld- „Vorschusses mit denen Juden in gar naher Verwandt- „schaft stehen." Wer die Juden im Rate der niederösterreichischen Regierung bekämpft, würde sich „die Feindschaft von dem größten Theil auf den Halß ziehen". Gegen diese Verdächtigung hat sich das Mitglied des ^-taatsrates Hofrat Stupan in seinem Votum energisch verwahrt. In Wirklichkeit war es nicht die Bestechung, sondern das Leben mit der Wechselwirkung der wirtschaftlichen Kräfte, welche viele feindselige Bestimmungen und Patente aboliierten, einfach zum toten Buchstaben werden, ließen. Nach der Judenordnung aus dem Jahre 1721 hieß es, „daß denen Jüdischen Bedienten mit Weib und .Ländern allhier zu stehen, oder eine oder eine besondere „Familie zu haben nicht erlaubt sein solle". Im Leben war jedoch davon nichts zu merken. „So viel ist verläßlich, daß die Buchhaltere und „Cassiers in einer sehr großen Anzahl von Kindern stehen, „bey dem Jüdischen Hauß-Vatter nicht wohnen können, „sondern zeithero meistens gantz besondere Quartier und „Wohnungen bestanden haben, zugleich ebenso wie ihre „Principale ntzontjiren. auch Handel und Wandel treiben, „besondere Bediente halten, und also den größten „numerum der Judenschaft constituiren, und hiebey nicht „das mindeste contribuiren". Dies alles wußte man und vielleicht noch mehr, allein es überwog eben die Erkenntnis, welcher sich selbst unser Autor nicht ganz zu verschließen vermochte. Er mußte nämlich trotz seiner offenkundigen Gehässigkeit anerkennen und loben, wiewohl er gleich Bileam lediglich ausgezogen ist, um zu tadeln und zu verdammen. Die Juden leisten eben dem Staate gute Dienste, dies mußte der Anonymus selber zugestehen. „Einige reiche Juden allhier zu haben, dürfte äs „eonvsnisntia des Allerhöchsten aerary sehn, maßen von „vorigen Zeiten her bekannt, was für nahmhafte Dar- „lehen die Vermöglicheren Juden vorgeschofsen und was „in eniüdns extrsmas nsesssitatis ihr eingelegter Credit „gewürket habe." Nichts ist wahrer als diese Behauptung. Dafür ein interessantes Beispiel: Als im Laufe des siebenjährigen

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