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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-31 · 31 (31.7.1914) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
31 (31.7.1914)
Date
1914-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sette 531 Nr. 31 Dr.Mochs Wochenschrift zu bringen. Das ist nun offenbar den rumänischen- Staatsmännern sehr unangenehm. Sie ließen also durch die sogenannte rumänische Kulturliga antworten. Die Bezeichnung als Kulturliga ist eine Schändlichkeit. Diese Liga ist nur mit den echtrussischen Männern zu vergleichen. Sie sieht es als Kultur an, Demonstrationen gegen Oesterreich-Ungarn mit unbeschreiblichen Beschimpfungen zu veranstalten, Jrredenta in unseren Grenzländern zu treiben, Attentate auf Bischöfe aus dem Nachbarreich auszuführen und schließlich die Juden in ihrer Sklaverei niederzuhalten. Der Führer dieser bezahlten Verbrecher richtete an die Juden ein offenes Schreiben, in welchem er sie ausdrücklich mit Pogroms bedrohte, wenn sie ihre Bestrebungen zur Erlangung der Bürgerrechte nicht einstellen würden. Das ist nun kein leeres rumänisches Versprechen, von diesem kann man unbedingt glauben, daß es eingelöst werden wird. Wenn die rumänische Kulturliga angesagt hat, daß sie zu Raubmorden ausziehen wird, so hat sie ihre Drohungen bisher immer noch ausgeführt. .Allerdings haben sich die Juden diesmal nicht einschüchtern lassen und haben tapfer geantwortet, daß sie ihr Ziel unentwegt weiterverfolgen werden. Mögen sie nun fest auf diesem ehrenhaftein Standpunkt beharren. Sie dürfen der Teilnahme und Unterstützung in der ganzen Welt versichert sein und brauchen sich auch wirklich nicht zu fürchten. Mit der Tapferkeit der Knüppelhelden von der Kulturliga ist es nicht weit her. Sie richtet sich imnler nur gegen Wehrlose und wird vor wehrhaften Leuten möglichst weit davonrennen. Wenn die Juden die Waffen gegen die Feinde ihres Stiefvaterlandes ergriffen haben, warum nicht auch gegen ihre eigenen. Wozu man sie zwingt, dazu wird es kommen. So weit hat es nun das Verfahren der rumänischen Regierung gebracht. Wenn es nicht wahr wäre, daß sie selchst unter der Kulturliga steht,, so hätte sie diesen Menschen doch einsperren müssen, der mit solchen Drohungen eines Banditen auftritt. Sie hat das jedoch nicht getan, sondern läßt eine Nebenregierung über die Juden bestehen, welche als Strafe den Raubmord verhängt. Das sind die Rumänen, welche sich über die Unterdrückung ihres Volksstammes in Ungarn und Siebenbürgen vor ganz Europa heiß beklagen. Wenn man schon mit Recht über die Serben wegen ihres Komitatschiwesens, wegen ihrer Bombentaktik, wegen der schmutzigen Sprache ihrer Blätter loszieht, was soll man erst über das verhätschelte Rumänien sagen, wo die eigenen Bürger, die Träger der Blut- und Geldsteuer unter behördlicher Patronanz mit der Ermordung und Plünderung bedroht werden? Wir haben schon nachgewiesen, daß der Antisemitismus nicht bei der rumänischen Bevölkerung besteht, weil ja die Juden ganz unschuldig sind, sondern bloß bei den Behörden und bei der Universitätsjugend, welche, von unwissenden Professoren verhetzt, auf diese Art ihre Roheit austobt. Leider erlaubt nun die politische Lage nicht, auf die rumänischen Staatsmänner einen gehörigen Druck auszuüben und sie zur Menschlichkeit zu bekehren. Sie werden jetzt vom Dreibund sowohl wie von der Tripelentent« wegen der künftigen Gefolgschaft umschmeichelt. Außer der Politik gibt es aber auch noch eine öffentliche Meinung in Europa f und ihre Vertreter bilden zusammen zuni größten Teil wirklich eine Kulturliga. Die Presse sollte in allen Staaten einen Protest gegen die rumänische Barbarei einlegen und wenigstens das erreichen, daß man den wahren Wert der Rumänen allgemein erkennt. Aus diesem allgemeinen Urteil wird sich dann schon gelegentlich eine Folge für die Schuldigen ergeben. Bis dahin sind die rumänischer Juden in ihren: tapferen Kampfe um die selbstverständlichsten Rechte leider nur auf sich selber angewiesen. Es ist nur lebhaft zu wünschen, daß sie nicht erlahmen und trotz allen Drohungen bei ihren Forderungen mutig ausharren. Der Sympathie aller Kulturmenschen und der moralischen Beihilfe gegen die Kulturliga sind die Bedrohten sicher. „Juden niemals". Zu Tausenden eilten die rumänischen Juden, die bereits im Befreiungskampf Rumäniens ihre volle patriotische Pflicht getan hatten, unter die Fahnen, als im Vorjahr der Krieg gegen Bulgarien begann. Selbst ruruänische Organe antisemitischer Tendenz konnten damals den Juden nicht das Lob vorenthalten, daß sie, die staatsrechtlich noch immer als „Fremde" gelten, damit einen höchst anerkennenswerten Beweis ihrer vaterländischen Anhänglichkeit erbrachten. Damals blühte wieder einmal die Hoffnung auf endliche Erfüllung der Rechte aus dem Berliner Vertrage. Nichts ist bezeichnender für den Charakter rumänischer Politik, besonders gegenüber den Juden, als ein Dokument, das anscheinend gerade in jenen Tagen patriotischen Aufstammens entstanden ist und von dem die rumänische Zeitung „Seara" Kunde gibt. Wie wir dem soeben ausgegebenen deutschen Jahresbericht der „Alliance Jsraelite Universelle" entnehmen, veröffentlichte das genannte Blatt den folgenden Geheimbefehl einer höheren militärischen Stelle: „Es ist demnach Ihre Pflicht, folgender Frage besondere Aufmerksamkeit zu schenken: die Kompagnieführer sollen sich nach den Anschauungen aller Mannschaften erkundigen, die nichtrumänischen Ursprungs sind, besonders in betreff aller Juden. Einer alten Verordnung gemäß, die Sie erhalten haben, wäre es ratsam, diese, nämlich die Juden, nicht zu befördern. Andererseits dürfen wir die Leute nicht unzufrieden inachen und müssen deshalb unsere Meinung über sie sehr geheim halten; es darf nichts durchsickern, das sie erkennen ließe, daß ihre gute Gesinnung uns verdächtig ist. Zu diesem Zwecke muß jeder. Offizier die vorliegende Ordre geheimhalten und sie niemandem Mitteilen. Sie werden den Hauptleuten mündliche Verhaltungsmaßregeln geben, die sie für vertraulich anzusehen haben. Wenn Sie der Meinung fein sollten, daß man irgend einer Militärperson nichtrumänischen Ursprungs (Juden niemals!) eine Beförderung oder irgend eine Anstellung geben solle, so haben Sie einen wohlbegründeten und vertraulichen Sonderbericht einzureichen." Also: „Juden niemals!!" — Das dem Verdienst entsprechende Avancement existiert für jüdische Soldaten „niemals"; die einheimischen Juden werden trotz bewiesenen Patriotismus noch hinter die Ausländer gestellt, die doch wenigstens in Ausnahmefällen anvancieren können. Dafür werden die Juden rumänischen Ursprungs aber wie ein verdächtiges Element dauernd aufs schärfste überwacht, beargwöhnt und entsprechend behandelt. Zugleich wird Heuchelei militärischen Stellen zur Pflicht gemacht, von denen man anzunehmen pflegt, daß gerade die Pflege ritterlicher gerader Offenheit die Regel sei. Ein weiterer Kommentar zu diesem historischen Dokurnente könnte dessen Wirkung nur abschwächen. Wer es zeigt, wie weit Recht und Gerechtigkeit gegen Juden noch entfernt sind von den Grenzen Rumäniens, das den Ehrgeiz hat, der Kulturgemeinschaft der westeuropäischen Staaten zugezählt zu werden.

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