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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-31 · 31 (31.7.1914) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
31 (31.7.1914)
Date
1914-07-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite b30 Dr. Bloch's A« die füdischrn Kraue« uud Mädchen Wiens! Der Augenblick des Ernstes ist gekommen. Ein Kampf ist schon für alle Familien der Wehrfähigen mit bitterstem Ernst hereingebrochen, der Kampf mit der Not, dem Elend, den gerade unsere armen Glaubensgenossen schon in den letzten Jahren der Geschäftsstagnation in bitterster Weise zu fühlen bekamen. Jetzt ist es auch an Euch, zu beweisen, daß Ihr Nachkommen einer Deborah und Miriam seid, wie der Frauen, die zur Zeit der Makkabäer mit den Männern gekämpft uird unter Lebensgefahr die Toten begraben, würdige Mitschwestern der amerikanischen jüdischen HÄdensrauen vom Borde der „Titanic", die den Untergang ihrer Männer freiwillig geteilt haben. Die allgemeine Kriegsbegeisterung hat Oesterreich ergriffen; Ihr Frauen könnt das meiste dazu beitragen, die Reichste und Vornehmste gerade so wie die Ungebildetste und Aermste. Zeigt eine Selbstbeherrschung, die unfern Frauen in tausendjährigen Leiden zur Gewohnheit geworden ist, macht, auch die Aermsten unter Euch, Euren Männern und Söhnen den Abschied nicht noch schwerer. Mit Freude haben wir gelesen, daß es jüdische Firmen, wie Rothschild, Gutmann, Gerngroß und andere waren, von denen die ersten Spenden für die Familien von Einberufenen erflossen sind; ahmt das Beispiel einer Dame nach, die wöchentlich in der „Freien Presse" einen Bruchteil ihres Wirtschaftsgeldes für die Familien der Einberufenen erlegen wird. Eure Familienmitglieder werden . Euch verzeihen, wenn Ihr ihnen weniger teure Speisen vorsetzt, wenn Ihr weniger schön gekleidet seid, wenn Ihr allen überflüssigen Luxus vermeidet. Namentlich an meine engeren Kolleginnen von den Vereinen möchte ich die Bitte richten, anläßlich dieses ganz Europa bewegenden Sturmes die Sommerserien einzustellen, die Kuraktion, die jetzt zu rück treten muß, einzuschränken und alle Gelder auf die Unterstützung ^der^ Familien von Einberufenen zu verwenden. Der Beamtenkörper der löbl. Kultusgemeürde ist sicher bereit, Beträge entgegenzunehmen, Verteilung und Recherchen zu übernehmen. Auch wir Damen der neubegründeten „W e i b l i ch e n F ü r s o r g e", von denen ein kleiner Bruchteil in Wien ist, stellen uns allen Vereinen zum gleichen Zwecke zur Verfügung. Wir würden vor allem alle jüdischen Frauen und Mädchen bitten, Sammlungen für Ankauf von Speisemarken für jüdische Volksküchen zu veranstalten, der Erlös kann bei Frau Hermine Kadisch, VII., Lindengasse 33, deponiert werden. Schon heute ist mir als -Vertreterin des Frauenhortes ein krasser Fall aus unserem IX. Bezirk vorgekommen, indem ein Mann, dessen Frau vor drei Tagen entbunden hat, einberufen wurde. Dank, Lausend Dank der Behörde, die dem Mann einen Aufschub von drei Tagen bewilligte, Dank der trefflichen Organisation unserer Vereine im Wöchnerinnenverband, wodurch ich sofort helfend einschreiten konnte; sorgt durch Spenden auch dafür, daß dieser Verband jetzt auf der vollen Höhe seiner Aufgabe stehen kann, da der Fall kaum vereinzelt bleiben ivird; die Ereignisse beschleunigen die Ziele und Zwecke unserer „Weiblichen Fürsorge", alle seid Ihr jetzt berufen, „weibliche Fürsorge" zu sein. Euch bei uns zu melden und Euch zur Recherche, zu Gaben selbst von bescheidenstem Maße zur Verfügung zu stellen. Besonders an alle Mädchen würde die Aufgabe herantreten, die armen Familienmütter, die für den Erwerb der Männer eintreten müssen, durch Beauffichtigung der Kinder und durch Beistellung von Frei- Wochenschrift Nr.31 tischen zu unterstützen. Nicht nur mit Geld greift helfend und fördernd . ein, stellt Euren Fleiß, Eure Tatkraft, Eure Intelligenz in den Dienst der Frauen, die ihr Teuerstes für den Felddienst hergeben mußten; Frau Kadisch wird gerne Eure Anmeldung entgegennehmen und die Familien von Einberufenen sich auch bald an unsere Fürsorge wenden. Wenn wir auch noch keine Kapitalien gesammelt haben, hoffen wir ein Sammelpunkt für Spenden der jüdischen Frauen und Mädchen zu werden, und erhoffe ich mir dafür die^ nachträgliche Genehmigung unseres in alle Winde zerstreuten Präsidiums. Wir würden die Sammlung sofort an die einzelnen Bezirksvereine zur Unterstützung der Frauen in den einzelnen Bezirken abführen, bitten Euch aber, auch direkt den Vereinen in den Bezirken, in denen Ihr wohnt, mit Spenden unter dem Motto „für die Familien von Einberufenen" zu senden. Nie hat sich der Spruch: „Doppelt gibt, wer schnell gibt", so bewährt wie in Kriegszeit.. Eilt daher jetzt rasch Euren Mitschwestern in der Hilfsbereitschaft voraus und Ihr werdet in friedlichen Zeiten an der erhöhten Achtung, mit der Eure Väter, Brüder, Männer Euch umgeben, die Früchte Eures Tuns genießen! Wien, 26. Juli 1914. > Clotilde Benedikt. Eine unglaubliche Drohung. Als die Rumänen zum Kriege gegen Bulgarien mobilisierten, glaubten sie sich der Stimmung der jüdischen Soldaten versichern zu müssen. Diese Soldaten hätten wahrscheinlich ihre Pflicht getan wie immer. Die rumänischen Militärbehörden konnten jedoch nicht glauben, daß das möglich sein werde. Wie sollten jüdische Krieger für ein Vaterland fechten, in welchem sie nicht einmal bte Bürgerrechte besaßen, keinen Grundbesitz erwerben, kein Handwerk ausüben dürfen, in welchem sie den ärgsten moralischen Unterdrückungen ausgesetzt ftnd, Steuern zahlen und Soldaten stellen müssen, aber in der Armee auch nicht den geringsten Chargengrad erreichen können. Wahrscheinlich würden christliche Rumänen unter diesen Umständen zum Feinde desertieren. Das, glaubte man, würden auch die jüdischen tun und gab ihnen gewisse Versprechungen, um sie an ihre Armee zu fesseln. In unzweideutigster Weise kündigte der Minister des Innern eine Vorlage an, nach welcher alle Juden, welche für das Vaterland die Waffen ergriffen hätten, das Bürgerrecht bekommen sollten. Wohl das Wenigste, was inan in einem zivilisierten Staat verlangen kann. Wenn Rumänien zivllisiert wäre! Man hat das gegebene Wort einfach gebrochen, man denkt gar nicht an seine Einlösung. Man wiederholt die alten Methoden des brutalen Betruges gegen Wehrlose und verfährt, wie man gegen den Berliner Kongreß verfahren ist. Dort gab man seine Unterschrift für die Verpflichtung der Emanzipation der Juden und fälschte so nachträglich das Vertragsprotokoll, indem man das Gegenteil der Versprechungen aussührte. Nun hat man den gleichen Wortbruch gegen das Inland begangen. Das sind die Leute, die sich gern ihrer angeblichen Abstammung von den Römern rühmen und sich mit Vorliebe die Franzosen oder Belgier des Ostens nennen lassen! Es kam aber noch viel schöner. Die Juden wollten, sich die verächtliche Wegschiebung nicht gefallen lassen. Sie gründeten eine Vereinigung, welche an das Gewissen der rumänischen Staatsmänner Erinnerungen und Mahnungen richten sollte. Diese Vereinigung wollte auf vollkommen gesetzlichem Wege die Versprechungen für die Juden durchsetzen und war nicht zum Schweigen

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