Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 31 (31.7.1914)
- Date
- 1914-07-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kr. 31 Bloch’s Jahrgang xxxi I-MIIIIMII'-WIIIWM Ml Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums- Wien. 31. Juli 1914 : Lrscvetnt jeden Lreltag. : Brief-Adresse: Wie»,!I/i. Praterstraße 8. Telegramm-Adresse: Gloch'S Wochenschrift, Wie». OO" ~ ■=x)C p Vrprgsprri» für VrstrrrrUH: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 56 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die malgespal» 2 tene Peritzeile 48 Heller. C nO - - —rQO A. k. Postsparkalsrnami Sleartng-Verk ebr Redattion und Administratton: ' wir« li/i, Praterstraße 9 Telefon 45359 Inhalt: Leitartikel: Der Kaiser ruft! — An die jüdischen Frauen und Mädchen Wiens. — Eine unglaubliche Drohung. — BomJahrmarkt desLeben s r Galveston. — Ein Situationsbericht über den Stand der Wiener Juden auK dem Jahre 1763. — Korrespondenzen.—Vermischtes.—Feuilleton: Die Klüsserather und der Jude. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Der Kaiser ruft! Die Oesterreichisch-ungarische Monarchie steht vor großen Ereignissen. Der oberste Kriegsherr, unser geliebter Monarch Kaiser Franz,Joseph I., der in 60jähriger glorreicher Herrschaft sich den Ruhmestitel eines Friedenskaisers erworben hat, hat sich jetzt veranlaßt gesehen, seine Völker unter die Fahnen zu rufen. Kaiser Franz Joseph ruft seine von ihm so geliebten Völker zur Verteidigung des Vaterlandes. Das genügt. Die Völker dieser Monarchie folgen enthusiastisch dem Rufe ihres vergötterten Monarchen zum Schutze und zur Verteidigung der Ehre des Vaterlandes. „Es war Mein sehnlichster Wrmsch, die Jahre, die Mir durch Gottes Gnade noch Geschieden sind, Werken des Friedens zu weihen und Meine Völker vor den schweren Opfern und Lasten des Krieges zu bewahren. Im Rate der Vorsehung ward es anders beschlossen . . . ." „Immer höher lodert der Haft gegen Mich und Mein Haus empor, immer unverhüllter tritt das Streben zutage, untrennbare Gebiete Oesterreich-Ungarns gewaltsam loszureiften „So muft Ich denn daran schreiten, m i t W a f s e n - gewalt die unerläßlichen Bürgschaften zu schaffen, die Meinen Staaten die Ruhe im Innern und den dauernden Frieden nach außen sichern sollen. In dieser ernsten Stunde bin Ich Mir der Tragweite Meines Entschlusses und Meiner Verantwortung vor dem Allmächtigen voll bewuftt. Ich habe alles geprüft und erwogen. Mit ruhigem Gewissen betrete Ich den Weg, den die Pflicht Mir weist. Ich vertraue auf Meine Völker, die sich in allen Stürmen stets in Einigkeit und Treue um Weinen Thron geschart haben und für die Ehre, Grüfte und Macht des Vaterlandes zu schwersten Opfern immer bereit waren. Ich vertraue auf Oesterreich-Ungarns tapfere und von hingebungsvoller Begeisterung erfüllte Wehrmacht. Und Ach vertraue auf den Allmächtigen, daft Er Meinen Waffen den Sieg verleihen werde." Diese aus dem Herzen des um das Wohl seines Reiches und der es bewohnenden Völker besorgten Monarchen dringenden Worte werden in ihrer Wahrheit und Schlichtheit zündend den Weg zu dem Herzen jedes einzelnen Bürgers in diesem Reiche und ganz besonders zu den Herzen der für jedes Wort unseres erhabenen Monarchen so empfänglichen Juden finden und dort das Feuer der Begeisterung entfachen. Die Juden dieser Monarchie werden in diesen schicksalsschweren Tagen ungesäumt und entschlossen überall dort zur Stelle sein, wo man Männer der Tat, beherzte, mutige, tapfere, opferfreudige Männer braucht. Sie ziehen in den Kampf mutigen Herzens, unbekümmert um die Bitternisse, welche ihnen mancher ihrer jetzigen Kombattanten noch vor wenigen Tagen mit dem verleumderischen Dogma von Waidhofen zugefügt hat, 'indem er ihn und alle seine Glaubensbrüder feige und ehrlos schalt. Begeistert ziehen unsere jungen Juden in den Krieg und werden die Waidhosner Lüge durch heldennrütige Taten auch auf dem Schlachtfelde zuschanden machen. Der Kaiser ruft, das Vaterland braucht jeden Mann! Das genügt. Glaube und Tradition, unerschütterliche Treue zur Dynastie, hingebungsvolle Liebe zur Scholle, auf welcher wir leben, zu deren kultureller und wirtschaftlicher Entwicklung wir mit Herz und Kopf so viel mitgearbeitet haben und um deren Verteidigung es sich jetzt handelt: Eine Summe von unendlichen ethischen Gütern ist es, die uns Juden jetzt in die vordersten Reihen stellt, um mit jedem ehrlichen Sohne dieser Monarchie Schulter an Schulter sein Leben für die Ehre des Vaterlandes einzusetzen. Die Friedfertigkeit liegt im Wesen des Juden. Der Jude weicht dem Kampfe nicht aus, weil er den Kampf scheut, sondern weil seine ganze historische Lebensauffassung ihn zum Schaffen, zum Fortschritt, zur Entwicklung drängt und nicht zum Zerstören, zum Vernichten. Der Jude sieht aber dem Mampfe mutig ins Auge, wenn es gilt, seine Ehre, die Ehre seiner Familie und die Ehre jener großen Völkerfamilie zu schützen und vor Erniedrigung zu bewahren, welche dieses große, in der Liebe für unseren großen Kaiser geeinte Reich bewohnt. Jetzt, da das Unabwendbare zur Tatsache geworden ist, da die Blüte und die Kraft der Monarchie zu Opfern au Gut und Blut herangezogen sind, entquillt unserer Brust der heiße Wunsch, daß dieser Krieg mit den möglichst geringen Opfern an Menschenleben ein rasches Ende finde, beseelt unser Herz die feste Zuversicht, daß unsere Monarchie aus dem ihr aufgezwungenen Kampfe ruhmbedeckt hervorgehen wird. Tief bewegt wendet sich jetzt der Blick unser aller zu denk obersten Kriegsherrn, zu dem ruhmreichen, weisen und gerechtesten Herrscher Kaiser und König Franz Joseph I. Noch inniger und hingebungsvoller, wie in den Tagen des Friedens steigt jetzt aus allen jüdischen Gotteshäusern dieser Monarchie das Gebet zu dem Allmächtigen empor: „Mehre seine Tage, kröne ihn mit Sieg, Ruhm und Herrlichkeit."