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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-24 · 30 (24.7.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
30 (24.7.1914)
Date
1914-07-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette L2Ü Dr. Blocks Wochenschrift Nr. 30 rischen Hofmuseums zu Wien einverleibt, und erst einige Jahrzehnte spÄer wiiÄ Körnicke daran nach, daß man es mit der Urform des Kulturweizens zu tun habe. Nun bemühte man sich, neue Exemplare dieser interessanten Grasart aufzuspüren, jedoch ohne Erfolg. Der Urweizen schien verloren — durch die Wiederentdeckung also wurde Palästina als die ursprüngliche Heimat des wilden Urweizens erwiesen und damit eine der wichtigsten kulturgeschichtlichen Fragen, die nach dem Ursprung unserer Getreidearten, gelöst. Doch soll aus dieses wissenschaftliche Problem hier nicht naher eingegangen werden. Der wilde Immer «T'ritionm deeoeeoides). der neu ausgefundene Urahne unseres Weizens, ist ein durchschnittlich 35 bis 40 Zentimeter hohes Gras; ausnahmsweise erreicht er auch eine Höhe bis' zu 80 Zentimeter. Sein Vorkommen ist von Aaronsohn, der übrigens von zwei Berliner Professoren zur Verfolgung seiner Spur angeregt worden war, Ln den verschiedensten Teilen Palästinas, am Hermon, in Galiläa und besonders häufig im Ostjordanland, festgestellt worden. Nie aber fand er sich. in. Gesellschaft modern kultivierten Getreides, noch überhaupt in der Nähe neuer Kulturen. Schon daraus geht hervor, was von den Botanikern noch an speziellen Merkmalen unzweifelhaft nachgewiesen wurde, daß es sich nicht etwa um eine verwilderte Form des Kulturweizens, einen Kulturflüchtling, handeln könne (zumal unsere Getreidearten überhaupt nicht die Neigung und Fähigkeit haben, sich in verwilderter und dauerhafter Form zu verbreiten und fortzupflanzen), sondern um eine vom Hause aus wildwachsende Pflanze. Das beweisen ferner die Mitteilungen Aaronsvhns über die vom wilden Weizen bevorzugten Standorte und Böden: er hält sich fern von allem, bebauten Land, er meidet Ebenen und Steppen; als eine Pflanze des Felsbodens gedeiht er „vorzugsweise an abgetretenen, relativ unfruchtbaren. Mxren^oftpöllig veMannjen. stellen, ohne allen Schutz, Felsspalten, wo die Erdkrume über dem Gestein nur dünn ist". In mächtigerem, fruchtbarerem Boden hält er sich nur im Schutze üppig wuchernder Stauden und Sträucher, die die Haüptnährstoffe des Bodens für sich aUorbieren. Was die Höhenlagen betrifft, in denen Triticum deeoeeoides sund Triticum aogilopides, eine zweite Wildweizenart) vorkontmt, so verteilen sie sich über eine Vertikale von mehr als 2000 Metern; man fand sie im Jordantale 250 Meter unter dem Meeresspiegel (bekanntlich stellt das Jordantal mit dem anschließenden Toten Meere die tiefste Depression der Erde dar), an anderen Orten wiederum in den verschiedensten Lagen bis zu einer Meereshöhe von 1900 Metern am Hermongebirge. Auch in bezug auf den geologischen Untergrund ist der Urweizen nichts wählerisch: auf vulkanischem wie aus sedimentärem Boden, in Gebieten des Jura und der Kreide wie in Eocän-"' und Diluvialformationen ist er zu Hause; einzig das Senon und die oberste Kreide scheint er wegen der weichen Kalke und der harten Feuersteine zu meiden. Alles in allem, eine höchst anspruchslose Pflanze, die in dem ärmlichsten, trockensten Boden fortkommt. " ,f- Nuw hat sich Aaronsohn nicht nur als Botaniker, sondernlwuch als Landwirt für den wilden^ Urweizen interessiert. Da der von uns angebaute Weizen fiisolge der fortgesetzten VerhLtschetung^ und fortschreitenden Verweichlichung bekanntlich T die höchsten Anforderungen an den Ackerbau stellt/ die ihn nup mehr auf dem „schweren WeizenbvdeN" gedeihen lassen, so beschränkt sich die Weizenproduktion auf die Gebiete, die seinen Ansprüchen gerecht werden können. Aaronsohn ging deshalb darauf aus, durch Zuchtwahl und Kreuzungen aus dem Urweizen möglichst viel von dessen Anspruchslosigkeit auf unseren Kulturweizen zu übertragen, seine Widerstandsfähigkeit so sehr als möglich zu erhöhen, ohne dafür an Beschaffenheit, Größe, Gewicht und Menge des Kyrns einbüßen zu Müssen. Er ist der festen Ueberzeugung, daß es gelingen wird, mittels Kreuzungen und Zuchtwahl „widerstandsfähige Kulturrüssen erstehen zu lassen, die wegen ihrer Ansprüche an Bodenkraft und Bewässerung es ermöglichen werden, das Areal der Weizenkultur erheblich zu erweitern, und dies vornehmlich in unfruchtbaren, ariden, regenarmen und steinigen Gegenden Asiens, Afrikas und Amerikas, wo man bisher an Getreidebau gar . nicht denken konnte", ohne daß künstliche Bewässerung vönnöten wäre. Die eminent praktische, ja ökonomische Bedeutung dieser Pläne liegt auf. der Hand. Von den ersten in Palästina angestellten Zuchtversuchen wurden Samenproben nach Deutschland und Nordamerika versandt. Die damit im Versuchsgarten der landwirtschaftlichen. Akademie zu Poppelsdorf und durch das Departement £ofÄgrienlture in Washington ausgesührten Anbauversuche waren vollauf befriedigend. Speziell die in Deutschland mit den jetzt sechsjährigen Versuchen (seit 1908) gewonnenen neuen Weizensorten erwiesen sich auch gegen Kälte und Rostkrankheit in hervorragendem Maße , widerstandsfähig, so daß die neuen Kulturen auch für die nördlicher gelegenen und an Niederschlägemsicheren Länder Europas in Betracht kommen und vielleicht schon binnen kurzem auf die Weizenproduktion Europas in günstigem Sinne einwirken werden. Die bisher nur in bescheidenem Umfange durchgeführten AnbauversuHe werden jetzt in größerem Maßstabe fortgesetzt. Wie Moß das Vertrauen auf die zu erzielendenpraktischen Erfolgein Nordamerika ist, ersieht man daraM baß von dort aus Aäronfohn alle zur Gründung Mesnergroßen landwirtschaftlichen Versuchsstation' notwendigen Geldmittel zur Verfügung gestellt werden. In der Erwägung, daß dafür'die Heimat des Mrweizens. -zunächst! Her geeignetste Ort-sein müsseist sie kürzlich unter dem Namen The -Tewish A gricu! < uw 1 Experiment. Station in Palästina eingerichtet worden. Hier müssen nun für die neugezüchteten .Kulturrassen durch mehrjährige Aussaaten die geeignetste Saatzeit, Bodenart, Beackerungsmethode ermittelt und die höchste Ergiebigkeit des Korns nach Quantität und Qualität angestrebt werden. 1 n Nach dem bisher Erregtest zst' schließen, darf man die bestimmte Erwartung hegen, daß man auf dem angedeuteten Wege das Mittel finden wird, um nicht nur in kultivierten Ländern die dem Weizenanbau gesteckten engen Grenzen beträchtlich zu erweitern, sondern auch die Weizenkultur in ferne Gegenden zu tragen, die seither dem Ackerbau noch verschlossen waren. -Korrespondenzen. TrauerkundgMmg in Jerusalem. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Sofort nach Eintreffen der Trauerbotschaft von der Ermordung--des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner^ Gemahlin veranstaltete die hiesige österreichisch-ungarische Jsraelitengemeinde in Jerusalem an der Klagemauer einen feierlichen Trauergottesdienst für das Seelenheil des einem so furchtbaren Schicksale erlegenen Thronfolgers und dessen hoher Gemahlin.^ An die. Trauerfeier schlossen sich inbrünstige Gebete für das Leben Gr. Maj. des Kaisers und Königs Franz Joseph. Am 6. Juli fand im Lehrhause der. Gemeinde Beth-Samuel eine Trauerfeier statt. Die ganze Gemeinde nahm an diesen Veranstaltungen teil, die sich zu imposanten Kundgebungen der loyalen Anhänglichkeit der österreichisch-

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