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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-24 · 30 (24.7.1914) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
30 (24.7.1914)
Date
1914-07-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 30 Dr. Bloches Wochenschrift Seilt 519 lieber, von denen 1200 Melodiengrammophonisch anfgenommen wurden, 600 Urkunden/ die zur Geschichte' der Juden bedeutsam sind, tonntenaus der Verborgenheit geholt werden, darunter die' Akten eines bisher unbekannt gebliebenen RitüalMordProzesses, der 1751 in der polnischen Stadt Jofefsgrad eingeleitet wurde. Ein halbes Hundert hebräischer Manuskripte gibt kuriose' Einblicke in das Geistesleben dieser stark abgeschlossenen Gemeinden. Es befindet sich/darunter eine Handschrift, bie ein Verzeichnis vom mehrmals hündert Teufeln enthält, von denen jedesmal Porträt, Unterschrift, Gtzheimnäme und die Beschwörungsformel verzeichnet ist/mit der ein Kabbalist sich den bösen Geist dienstbar machen kann. Etwa 600 Gegenstände, von denewetwa die Hälfte das häusliche Leben und die ausgestorbenen Volkstrachten, die andere Hälfte Kult-Ueberlieferungen illustrieren, bilden den Grundstock eines künftigen jüdischen Museums; es sind beachtenswerte Kunstwerke aus dem15. und 16' Jahrhundert dabei, auf denen die jüdischen Künstler auch die Darstellung von Menschen und selbst biblischen Vorgängen nicht scheuten. Mehr als taufend photographische Aufnahmen ergänzen nach jeder Richtung hin das Material. ' Die sephardischen Juden. Aus. Madrid, schreibt man: Die Vorlesungen Dr. Iahudas in Madrid wären den Sephardim, d. h. den Nachkommen der 1492. aus Spanien ausgewiesenen Juden gewidmet. Gerade diese Vorlesungen waren wegen ihres aktuellen Interesses die besuchtesten, besonders von Politikern und Diplomaten, Parlamentariern und. Senatoren. Der Vortragende wartete zunächst mit einer stattlichen Aufzählung von bedeutenden Männern auf, die die Sephardim hervorgebracht haben in allen Ländern, wo sie sich niederließen, so . in Holland, England. Frankreich, Italien, den Balkanstaaten und der Türkei .nnd .nachträglich auch in Süd- und Nordamerika. Für die. Entwickelung dieser Länder ift diese jüdische Einwanderung von großer Bedeutung gewesen, denn bis zur Emanzipation der Juden in Europa waren bie Sephardim gerade das kulturell höchststehende Element ihres Volkes. Den Familien de. Castros, de Barrios, Henriques, Mendes, da Costa, Fonseca, Furtado und vielen andern sind Männer entsprossen, die auf allen Gebieten des Wissens und. der Kunst Bedeutendes geleistet haben. Aber auch in der Geschichte der modernen Kultur finden sich rühmliche Namen sephardischer Juden. Es seien bloß genannt Disraeli, Ricardo. Crömieux, Catulle Mendös, die Luzzattos und Luzzattis, Lombrosos, Mussafia, die' englische Schriftstellerin Grace Aguilar und viele an-B dere. Es muß weiter hervorgehoben werden, baß die zwei größten Philosophen der Juden, Maimonides im Mittelalter und Spinoza in der Renaissance sephardische Juden waren, freilich mit ganz verschiedenen Anschauungen und 'Tendenzen. ' Die spanische Regierung hatte ein ganz besonderes Gewicht gelegt auf die ausführliche Behandlung des gegenwärtigen Standes der Sephardim in Spanisch-Marokko. Um diesen Intentionen zu entsprechen, unternahm Dr. Aahuda eine zweiwöchige Reise nach der spanischen Zone des sogenannten Scherifenreiches, wo ihm überall ein freundlicher Empfang zuteil wurde und wobei auch der praktische Nutzen der Tätigkeit des Berliner Dozenten zutage trat. Er hielt 'Vorträge in Tangerdenen über 1500 Spanier und Juden beiwohnten, und seine Ausführungen erregten das lebhafteste Interesse. Dasselbe gilt für Dr. Pahudas Vorlesungen in Tetnan. Unter seinen Zuhörern befanden sich hier etwa 300 Offiziere der Okkupationsarmee, alle Konsuln nnb bie spanischen und maurischen Behörden. Er wurde vom Oberbefehlshaber, General Marina, empfangen, der sich Wer die Juden der spanischen Zone äußerst günstig aussprach. Von seiner Studienreise brachte Dr. Aahuda eine reichliche Ernte von Daten und Auskünften mit, die dazu dienten, seine Madrider Vorlesungen in höchst interessanter Weise zu dokumentieren. Er beleuchtete in diesen die sozialen und wirtschaftlichen Zustände der marokkanischen Juden, ihr Schulwesen, ihre Gemeindeeinrichkungen, ihre mitten, Gebräuche und Traditionen, die sich großenteils mit denen der Einwohner Kastiliens decken. In der spanischen Zone, deren Maurische und berberische Einwohner auf einer sehr niedrigen geistigen Stufe stehen, sind die Juden -das einzige bodenständige Kulturelement. Handel und Geldwesen sind ganz in ihren Händen. Sie sprechen neben Spanisch die Landesdialekte fließend, so daß ihre Rolle als Vermittler zwischen den Einheimischen und den Spaniern ganz angezeigt ist. Die Mitteilungen Dr. Iahudas über die von ihm beobachteten freundschaftlichen Verhältnisse zwischen der Judenschaft und dem spanischen Heer wurden hier mit großer Befriedigung ausgenommen. Die spanische Regierung ist übrigens längst davon überzeugt, daß eine wirksame Erschließung Marokkos ohne die Mitarbeit der Sephardim nicht denkbar ' ist. Am Schlüsse seiner Vorlesung wurde Dr. Aahuda eine begeisterte Ovation dargebracht und die hiesige Presse spricht den Wunsch aus, daß er einen Ruf erhalte, der ihn dauernd an Madrid bindet. Die Entdeckung des milden Mrweizerrs und seine Kedentnng für die moderne Meizenkultnr. Bon Dr. Paul Lohmann. Kürzlich kam aus London eine Mitteilung von Doktor Wacdpnald aps dem Acherban.ministerium cher südafrikanischen Union, daß auf der Regierungsversuchsfarm in Lichtenburg, im Trockengebiet von Transvaal gelegen, zum erstenmal Weizen ohne Regen zwischen Aussaat und Ernte gewonnen worden sei. Diesen sehr beachtenswerten Erfolg verdankt man der weiteren Ausbildung der auf den Trockenfarmen gehandhabten Methode, durch geeignete Behandlung der Oberfläche des Ackers das Entweichen der von der Regenzeit her im Boden befindlichen Feuchtigkeit zu verhindern. Das dabei befolgte System, über das in den letzten Jahren viel geschrieben wurde, darf wohl im allgemeinen als bekannt vorausggesetzt werden. 8 Dagegen weiß man bei uns noch wenig davon, daß Wman gegenwärtig dabei ist, von einer ganz anderen Seite her. für den Anbau des Weizens neue Möglichkeiten zu erschließen — nicht durch neue, vielleicht kostspielige oder in großem Maßstabe schwer durchführbare oder nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen aussichtsreiche Beackerungsmethoden, sondern durch Züchtung neuer Weizenrassen. Man macht sich dabei eine neuere Entdeckung zunutze, die man zunächst nur als einen rein wissenschaftlichen Erfolg ohne praktische Bedeutung ansah. Im Jahre 1906 wurde nämlich auf dem Boden Palästinas der wilde Urweizen, das heißt jene wildwachsende Grasart aufgefunden, aus der die Menschheit durch Jahrtausende lang fortgesetzte Züchtung und Kultur unsere edelste und wichtigste Getreideart, den Kulturweizen (Triticum sativum), gewonnen hat. Diese Entdeckung verdanken wir dem in Palästina ansässigen Agronomen und Botaniker Aaronsohn — um genau zu sein, muß man eigentlich von einer Wiederentdeckung reden; denn schon im Jahre 1859 hatte der österreichische Botaniker Kotschy am Hermon im Norden des Heiligen Landes ein Exemplar dieses Grases, leider unerkannt, entdeckt. Das einzige Exemplar wurde dem Herbar des k. k. Naturhisto-

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