Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 30 (24.7.1914)
- Date
- 1914-07-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 618 daß selbst Ln dcjm Wettkampf um die Preise für die besten Redner in englischer Sprache an verschiedenen Universitäten solche jüdische Studenten den Sieg davontrugen, welche kaum fünf Jahre in Amerika leben. Der „Grundsteinsämann". Aus Newyork wird uns von einer hübschen Feier berichtet, welche dort vorige Woche stattfand. Der bekannte Sozialpolitiker und Philanthrop Adolf Lewisohn hat der. City-College zur Errichtung eines Stadions eine Speiche von 200.000 Dollar (1 Million Kronen) gemacht. Kei der vorige Woche erfolgten feierlichen Grundsteinlegung hoben die Redner die großen Verdienste des Spenders um die Hebung der Volksbildung in Newyork hervor. Der oberste Chef des Blldungswesens in Newyork John H. Finley erzählte in seiner Festrede, daß er Herrn Lewisohn vor einigen Jahren bei der Grundsteinlegung der jüdischen Gewerbeschule für Mädchen begegnet sei. Seitdem habe sich dieser Wohltäter als ein wahrer „Grundsteinsämann" bewährt, welchen Ehrentitel er sich dadurch verdient habe, daß er durch seine vielfachen immensen Spenden die Errichtung einer ganzen Anzahl allgemeiner und jüdischer Erziehungs- und Kulturstätten ermöglicht hat. Strafrechtliche Verfolgung antisemitischer Hotelbesitzer. Wie erinnerlich, hat die gesetzgeberische Körperschaft des Staates Newyork im Vorjahre ein Gesetz geschaffen, welches bei empfindlicher Strafe verbietet, daß Hoteliers oder Besitzer von Plätzen und Kuranstalten usw. Kundmachungen oder Verfügungen erlassen, durch welche sich irgendeine Religionsgenossenschaft oder Nation verletzt fühlen könnte. Dieses Gesetz richtete sich hauptsächlich gegen jene Hoteliers. usw., welche durch Ankündigungen Juden aus ihren Etablissements ausschlossen. Das Gesetz bestimmt, daß gegen solche Hotelbesitzer sowohl strafals auch zivllrechtlich vorgegangen werden könnte. Da nun diese Hotelbesitzer unbekümmert um dieses Gesetz auch in dieser Saison in verschiedenen Müttern Annoncen einrücken ließen, und auch in chren Anstalten die Ankündigung affichierten, daß jüdische Gäste unerwünscht seien, hat nun die Generalprokuratur des Staates Newyork eine Erklärung erlassen, wonach diese entschlossen ist, die strafrechtliche Verfolgung aller dieser Hotelbesitzer ex offo einzuleiten. Ein Rabbiner in Audienz beim Papst. Aus Newyork wird uns geschrieben: Rabbi Dr. Josef Krauskopf, Rabbiner an der Synagoge Emanuel, eines der angesehensten Mitglieder des amerikanischen Reformrabbinates, ist soeben von seiner Weltreise heimgekehrt. Dr. Krauskops hielt sich auch einige Tage in Rom auf, wo er auch vom Papst in Audienz empfangen wurde. Dr. Krauskopf, der von seiner Reise wohl einzelne Berichte an amerikanische Matter gesandt hatte, will über seine Erlebnisse und ganz besonders über die verschiedenen jüdischen Sekten, denen er in Asien und Australien begegnet ist, ausführliche Beschreibungen veröffentlichen, in. denen auch seiner Audienz beim Papst eine Abhandlung gewidmet werden soll. ' Auszeichnung jüdischer Lehrkräfte in Rußland. Der Kaiser von Rußland hat an die nachgenannten Lehrkräfte in Anerkennung ihrer Verdienste auf dem Gebiete des öffenllichen Unterrichtes die silberne Medaille mit dem Alexanderbande verliehen, und zwar: dem Leiter der Talmud-Thora in Kertsch Bello Zerkovsky, den jüdischen Lehrern, in Nikolajew Sidransky und Schulmann und den Oberlehrerinnen an den jüdischen Mädchenschulen in Odessa Eva Schwamm und Esther Schwamm. Nr 30 Antisemitische Erpressungen. Die progressiven Blätter von Odessa sind, in der letzten Zeit den „Schwarzen Hundertschaften" arg an den Leib gerückt, indem sie alle Dunkelmachenschaften ihrer Führer aufdeckten. Die Pogromführer haben nun, in ihrer Existenz bedroht, zu einem echt russischen Auskunftsmittel gegriffen. Nachdem die fortschrittlichen Blätter trotz der gefährlichen Drohungen ihre Aufklärungen fortsetzen, begannen die antisemitischen Blätter die Photographien der Redakteure der liberalen Zeitungen zu veröffentlichen und unter das Bild die vielsagender: Worte zu setzen: „Russen! Bewahret dieses Bild gut auf und holt es hervor, wenn in allernächster Zeit die Abrechnung mit den Juden erfolgen wird. Merkt euch dieses Gesicht, ihr werdet mit diesem Manne zuerst abrechnen müssen!" Neben der Photographie war auch die genaue Adresse des betreffenden Publizisten angegeben. Diese Blätter wurden vor den Augen der Polizei in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitet. Eine wichtige Entscheidung für Auswanderer. Für die jüdischen Auswanderer aus Rußland besitzt die Entscheidung der amerikanischen Regierung, welche uns aus Newyork gemeldet wird, große Wichtigkeit. Hiernach sollen Kinder, welche zu Eltern nach Amerika kommen, die bereits das amerikanische Bürgerrecht besitzen, unter allen Umständen Zur Landung zugelassen werden. Interessant ist der konkrete Fall, welcher die Veranlassung zu diesem Regierungserlasse bildet. Der aus Galizien eingewanderte. Jude I. Grill hatte seinerzeit, als er nach Amerika kam, auch einen einjährigen Knaben mitgebracht. Das Kind blieb bis zu seinem zehnten Jahre bei seinen Eltern in Newyork, woselbst es auch die öffentliche Schule besuchte. Nach Absolvierung derselben schickte Grill seinen Sohn nach Galizien, um dort hebräische und talmudische .Studien zu betreiben. Nach fünfjährigem Aufenthalte in Galizien kehrte nun Grill jun. als fertiger Talmudist zu seinen Eltern zurück, und da geschah es nun, daß die Einwanderungsbehörde ihn wegen angeblicher schwacher körperlicher Konstitution die Landung verweigerte. Auf den Rekurs' gegen diese Verweigerung erlieiß nun das Handelsministerium in Washington, dem auch das Einwanderungswesen unterliegt, die obenerwähnte Entscheidung, welche ganz besonders für die russischen Auswanderer, die sehr oft erst nach mehrjährigem Aufenthalte und nach Gründung einer Existenz und Erwerbung des amerikanischen Bürgerrechtes ihre Familien Nachkommen lassen, außerordentliche Bedeutung besitzt. Zur Ethnographie der Juden Rußlands. Der bisher sehr wenig erforschten Ethnographie der russischen Juden wendet sich neuerdings, etwa seit der Jahrhundertwende, die Aufmerksamkeit russischer Forscher zu, was um so mehr zu begrüßen ist, als die schnelle Umgestaltung aller wirtschaftlichen, und sozialen Verhältnisse der russischen Provinz vielen Traditionen, auch jüdischer Kreise, den Untergang bereitet. Auf Anregung des jüdischen Ethnographen. Rapaport ist nun eine'großzügige Erforschung der Judensiedelungen eingeleitet worden; eine Stiftung Baron Wladimir Günzburgs in Kiew sichert die Hälfte und verschiedene kleinere Beiträge decken den Rest der bisher auf 20.000 Rubel geschätzten Kosten. Eine Expedition unter Leitung Rapaports hat bisher in den Gouvernements Wolhynien und Podolien 65 Oertlichkeiten besucht und bereits ein so. reiches Material zusammengetragen, daß man den weiteren Ergebnissen und der systematischen Bearbeitung mit größtem Interesse entgegensetzen darf. Es wurden ungefähr 2000 Märchen und Vokkssagen ausgezeichnet, ebenso viele Volks- Dr. Bloch's Wochenschrift