Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-17 · 29 (17.7.1914) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
29 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022089-3022119--23302-3048493
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 29 Dr. Bloch'S Wochenschrift Seite 507 Kuttenplan. Am 1. Juli l. I. verließ unser bisheriger hochverehrter Rabbiner Seine Ehrwürden Herr Emil Klauber unsere Kultusgemeinde, um seine neue Stelle als Seelsorger der israelitischen Kultus gemeinde Postelberg anzutreten. Man sah den hochverdienten Seelenhirten, der sich durch sein taktvolles Benehmen die Zuneigung aller Mitglieder erworben hatte, nur sehr ungern aus unserer Mitte scheiden und begleiteten ihn die besten Wünsche für sein ferneres Wohlergehen. Gewitfch. Ehrw. Rabbiner Dr. Isidor Kohn hielt am Samstag, den 11. d. M., eine Probepredigt und eine Exhorte, derzufolge er als Bezirksrabbiner in unserer Gemeinde einstimmig angestellt wurde. G. B.-Leipa. Am 6. Juki l. I. ist,tm hohen Alter von 74 Jahren Frau Theresia Gans. geb. Pereles nach längerem Leiden ans dem Leben geschieden. Die Verblichene, der das Glück beschieden war, noch ihre Urenkel, also 6 Generationen ihrer Familie, zu schauen, genoß mit Recht den Ruf einer stillen und edlen Wohltäterin. Sie war bemüht, wo immer ihr davon Kenntnis ward, herbe Schicksalsprüfung und Leid zu mildern. Ihr ruhig-gütiges Wesen ließ die erzeigte Wohltat nie als eine Demütigung für den Empfänger erscheinen. Frau Theresia Gans hinterläßt eine Tochter, Frau Emma Dub» sowie zwei Söhne, Herrn Med.-Dr. Friedrich Gans und Emil Gans. Ihr Gatte ist ihr im Tode bereits vor längerer Zeit vorangegangen. Die Verblichene lebte im allgemeinen still und zurückgezogen, im Vereinsleben hatte sie sich lediglich auf charitativem Gebiete, und zwar durch 40 Jahre als Vorsteherin des israelitischen Frauenvereines „Benoth Zion" sowie als Mitbegründerin des Frauenvereines für Krankenpflege betätigt. Die Beisetzung erfolgte am Mittwoch den 8. Juli vom Trauerhause, Schmeykalstraße 5, auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe. Reicherrberg. Samstag, den 4. Juli d. I., feierte unsere Gemeinde das 25jährige Amtsjubiläum des Herrn Adolf Kestenberg als Oberkantor unserer Kultusgemeinde. Der Tempelsitz des Jubilars glich einem Blumenhain. Namens der Kultusgemeinde beglückwünschte ihn Herr Sigmund Netter, indem er ihm eine Ehrengabe überreichte. (Im Namen der Tempelsektion überbrachte Herr Emil Deutsch die Glückwünsche, welcher besonders seine Friedensliebe und seine Leistungen hervorhob, die die Andächtigen zur Begeisterung hinrissen. Im Aufträge des Chorvereines sprachen Herr JUDr. Alfred Soudek, der gleichfalls eine Ehrengabe überreichte und auf das gute Einvernehmen zwischen Kantor und Chor hinwies, weiters Fräulein Grete Pollak für die Jüngeren. Nachdem der Jubilar zu seinem Sitze geführt und zur Thora gerufen wurde, sang der Chor einen Psalm und Herr Kantor G o l d st e i n rezitierte die Mischeberachs. Sodann trat unser verehrter Rabbiner Herr Professor Dr. Emil Hofmann an den Jubilar heran und richtete an ihn eine herzliche und formvollendete Ansprache, die allgemeinen Beifall auslöste. Herr Oberküntor Kestenberg rezitierte dann den Mischeberach für die Gemeinde, welcher tief ergriff. Auch wir schließen uns den Wünschen des Herrn Rabbiners vollständig an. Truskawiec bei Drohobycz. Zur Einweihung einer Kirche ist am 10. d. M. Exzellenz Bischof Pelczar aus Przemhsl hier eingetroffen. An der Spitze der israelitischen Repräsentanz begrüßte ihn Rabbiner Dr. Schreier aus Drohobycz mit einer längeren hebräischen Ansprache. Der Bischof sprach hierauf seine volle Zufriedenheit aus, daß der Rabbiner ihn in hebräischer Sprache begrüßt habe und setzte dann seine herzliche Erwiderung ebenfalls in Hebräisch fort. London. Als Sir Julian Goldsmid 1896 starb, hinterließ er außer zwei mit Juden verheirateten Töchtern (die eine Mit Sir Charles Jessel verheiratet) eine unverheiratete, Tochter. Diese Tochter trat durch den Einfluß ihrer katholischen Gouvernante zum Katholizismus über, wurde Nonne und übergab ihre großen Einnahmen ihrem Orden. Jetzt ist sie geisteskrank geworden und es schwebt ein Prozeß zwischen dem Orden und der Familie, da der Orden auch jetzt noch das Einkommen seiner Nonne in Anspruch nimmt. Feuilleton. Das Verspräche«« Ket-ha-Midrasch. Erlebtes von Dr. M. Fried, Stockholm. Antschel Perlmann war mittelgroß, hatte ein rötliches Gesicht, kurze „Pejes“1) und einen nicht langen grauen Bart. Jeden Morgen sah ich ihn mit dem „Twillimsack“2) unter dem Arme von dem Gottesdienste kommen. Er trug dann einen langen dunklen Kaftan (Lekkesche) mit einem ebenfalls dunklen Gürtel um die Mitte und schwarzen Hut (kistoierenen Kappelütsch), Eine halbe Stunde später sah ich ihn mit einem Stock in der Hand und einer Tabakpfeife im Munde die kurze Gasse hinaufgehen, die nach dem nahegelegenen Marktplatze führte. Er war Flachshändler. An schönen Sommerabenden stand er gewöhnlich vor der Tür seines Hauses im Kaftan ohne Gürtel, mit einem spitzen Sammetkäppchen (Jarmilko) auf dem Kopfe und der Tabakpfeife im Munde. Obgleich vor dem Hause eine Bank da war, saß er nie auf derselben, wahrscheinlich aus Respekt vor seinen Mietern. Das Haus war einfach und schön. Es bestand aus einem Stockwerk und hatte eine fast quadratische Form. Die Wände waren weiß getüncht, die Türen und Fenster grün gestrichen und auch die Rinnen des Schindeldaches sowie die Holzbank vor dem Hause waren grün. So lag es ruhig und friedlich an der Straße, dem etwas höher gelegenen Marktplatze schräg gegenüber, und hatte Sonne und Luft im Ueberflusse. Als ich noch ein kleiner Knabe war, befand sich an dieser Stelle eine armselige Hütte (8tüd) mit einem alten Strohdache. Seit jener Zeit datierte auch meine Bekanntschaft mit Antschel Perlmann. Meine Eltern waren auf dem Jahrmärkte (Hannemarkt) in dem nahegekegenen Tarnopol und verweilten dort länger, als wir Kinder erwartet hatten. Als ich unseren Nachbar Antschel Perlmann, der auch nach Tarnopol gefahren war, zu Hause ankommen sah, ging ich hin und fragte ihn, ob er meine Eltern auf dem Jahrmärkte gesehen habe. „Jo“, antwortete er, „a wadde3) hob ech sei gesehen, sei Kummen schein morgen ahem ön brensren dir mit a m eschenem Hunswatt“.4) Seine Tochter Marjem' lachte dabei, was mich ein wenig stutzig machte, jedoch mich davon nicht abhielt, den genannten Gegenstand mit Ungeduld zu erwarten. Meine Enttäuschung war daher nicht gering, als meine Eltern tags darauf zwar verschiedene Gegenstände, aber nichts aus Messing (Mesch) mitbrachten. Ich merkte dann wohl, daß unser Nachbar mich gefoppt hatte, grollte ihm aber nicht lange, da er bald darauf sein altes Häuschen abzubrechen und an dessen Stelle das von Ms beschriebene Haus auMführen begann, wodurch mir und meinen Spielkameraden (Chawerim) viel und angenehmer Zeitvertreib zuteil wurde. Das Haus wurde sehr langsam — wahrscheinlich durch die spärlichen Mittel des Eigentümers bedingt —, aber mit um so mehr Liebe gebaut. Kein Wunder also, daß ihm dann sein Haus über alles teuer war. Da er stets gute Mieter hatte und sich durch den erhaltenen Hauszins und seinen kleinen Handel schlecht und recht ernährte, lebte er ruhig und zufrieden. -Seine Frau — es war nämlich die zweite, da seine erste Frau jung gestorben ist — war sanft und klug und verstand es wohl, wie mit ihm, der zuweilen etwas heftig werden konnte, umzugehen. Seine Kinder waren bereits „versorgt", das y Seitenenden des Haupthaares. *) Beutel, der Gebetmantel, Tefillin und Gebetbücher enthielt. 9 Gewiß. *) Hundspfote (?) aus Messing. Mit solchen und ähnlichen Versprechungen versuchte man dort kleine Kcnder zu beruhigen, bezw. zu necken.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.