Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 29 (17.7.1914)
- Date
- 1914-07-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seilt 506 Dr. Bloch's Wochenschrift tionen wenigstens für eine Zeit ein Ende bereitet. Der Senat entschied, daß diejenigen Juden, deren Familien noch vor der Annexion dort ansässig waren, für immer das Wohnrecht im Turkestaner Gebiete besitzen. Ob nicht in absehbarer Zeit eine neuerliche „Senatserklärung" die jetzige ausheben wird, bleibt allerdings abzuwarten. Ein Zeichen der Zeit. Als niederschlagendes Symptom' für die unglaubliche Notlage, welche unter der jüdischen Bevölkerung in Kiew herrscht, sei die uns von dort gemeldete Nachricht verzeichnet, daß das große jüdische Spital, in dem ständig' 240 Patienten in Pflege standen, aus Mangel an Erhaltungsmitteln einfach geschlossen werden müßte. Das Spital genießt wegen seiner modernen, musterhaften Einrichtung in der ganzen Gegend den besten Ruf. Es wird nun der Versuch gemacht, die Regierung zu veranlassen, daß sie aus den jüdischen Fleischsteuergeldern, welche aus den Gouvernements Pödolien und Wolhynien einfließen, das Spital subventioniere, damit es seinen für die jüdische Bevölkerung der genannten Gouvernements unerläßlich gewordenen Betrieb wieder eröffne. Bankerott boykottischer Genossenschaften. Wie uns aus Warschau geschrieben wird, bringt jetzt fast jeder Tag den Zusammenbruch irgend einer kleinen oder größeren Genossenschaft oder Aktiengesellschaft, die in den letzten zwei Jahren unter dem Schlagworte des Boykotts jüdischer Geschäftsleute ins Leben gerufen wurden. Genau so wie bei dem Zusammenbruch der ungarischen christlichen Genossenschaften und ähnlichen Unternehmungen in anderen Ländern sind die Leidtragenden fast ausschließlich kleine Leute, welche chre Ersparnisse politischen Abenteurern, die den Antisemitismus als Mittel zur Bereicherung benützten, ihr kleines Vermögen anvertraut haben. Besonders großen Skandal rief jetzt der Bankerott der antisemitischen Kreditgenossenschaft „Zgoda" hervorbei welcher die Anteilinhaber den Verlust von 125.000 Rubel beklagen. Auch hier sind es zumeist kleine Einleger, welche zugrunde gerichtet wurden, während der Präsident Dr. Rakofski, einer der Anführer der Boykottbewegüng, auf großem Fuße lebte. Kirchliche Ueberwachung getaufter Juden. Nach russischen Zeitungsmeldungen hat die Taufe von Juden in Rußland so überhand genommen, daß der heilige Synod sich veranlaßt sah, den Beschluß zu fassen, - die getauften Juden unter kirchliche Aufsicht zu stellen. Dieser regelrecht organisierte Auffichtsdienst hat den Zweck, von Zeit zu Zeit festzustellen, ob die getauften Juden auch wirttich ein Leben nach den Gesetzen der russisch-orthodoxen Kirche führen, ob sie die Kirche besuchen usw. Solche getaufte Juden, von deren Lebensweise gefolgert werden kann, daß sie bloß zum Zwecke der Verbesserung ihrer materiellen Lage die christliche Religion angenommen haben, sollen all der Rechte verlustig werden, welche sie durch den Uebertritt zur christlichen Religion erworben haben. Wien. (Anerkennung.) Der k. k. n.-ö. Landesschulrat hat dem Oberlehrer der Knabenvolksschule, II., Czerninplatz 3, Herrn Isidor Faltitschek, für sein pflichteifriges und sehr ersprießliches Wirken als Lehrer und Schulleiter die belobende Anerkennung ausgesprochen. Wien. Der jüdisch-akademische Verein „Theologia" teilt mit, daß sein Mitglied Israel A. Koh n, Rabbiner in Janmitz, am Mittwoch den 22. Juli zum Doktor der Philosophie promoviert wird. Nr. 29 Wien. Am 10. Juli d. I. fand im Stadttempel die Trauung des Herrn. Dr. Josef Lindenbäum, Arztes der Freiwilligen Rettungsgesellschaft, mit Fräulein Gisela Spitzer, Tochter des Kaufmannes Herrn Simon Spitzer, statt. Wien. Sonntag, den 5. d. M., ging die erste Knabenkolonie des Vereines „Kinderstütze" von 82 Kindern samt Lehr- und Begleitpersonen nach Austerlitz ab. Am Freitag, den 10. d. M., folgte eine gleich starke Mädchenkolonie, die in Begleitung einer Äufsichtsdame und des Gemeindesekretärs nach Ungarisch-Ostrau reiste. Auf dem Bahnhofe hatten sich zur Verabschiedung der Kinder der Gesamtvorstand des Vereines mit dem Obmann Herrn Philipp Blau und dem Obmann der Feriensektion Herrn E. D o n a t und in Vertretung des Jsr. Waisenvereines Frau Elsa Burchardt eingefunden. Wien. An den Inspektor für den israelitischen Religionsunterricht, Herrn k. k. Professor Moriz Kanitz, ist seitens des Bürgermeisters Sr. Exzellenz Dr. Weiskirchner nachfolgendes Schreiben gelangt: „Seine Exzellenz der Herr k k. Statthalter für Oesterreich unter der Enns hat im Allerhöchsten Aufträge für die von den israelitischen Religionslehrern der Wiener israelitischen Kultusgemeinde anläßlich der Wiedergenesung Seiner Majestät telegraphisch zum Ausdruck gebrachte alleruntertänigste Lohalitätskundgebung den Beteiligten den Allerhöchsten Dank bekanntgegeben. Hievon setze ich Euer Hochwohlgeboren zufolge Erlasses der k. k. n.-ö. Statthalterei vom 27. Juni 1914, P.-Z. 1827, in Kenntnis. DerBürgermeister. Dr. Weiskirchner m. p." Wie». (Mädchen-Unterstützungs-Verein.) An den Schulen dieses humanitären Vereines wurde das Schuljahr am 4. beziehungsweise 14. d.M. geschlichen. Sowohl in der Frauengewerbeschule (64 Schülerinnen) als auch in den Handels-Lehrkursen (118) und im Buraukurs (41 Schülerinnen) waren die Unterrichtserfolge sehr befriedigend. Von den Zöglingen der beiden letzeren Kurse sind bereits eine Anzahl angestellt. Den Absolventinnen der Frauengewerbeschule verleiht das Abgangszeugnis die Berechtigung zur Ausübung des DamenlleideAnacher- Gewerbes. Der Unterricht wird' in allen Abteilungen unentgeltlich' erteilt. Die Einschreibungen für das Schuljahr 1914/15 (nach Maßgabe der noch vorhandenen Plätze, finden für die Frauengewerbeschule am 18. September d. I. statt. Für die Handelsschule und den Bureaukurs können wegen Ueberfüllung keine Aufnahmen mehr stattfinden. Amirltte aus dem Judentum. Vom 5. Juli bis 11. Juli 1914. Ernst Bloch, Ingenieur, geb. 13. Februar 1883, Wien, XIII. Bezirk Gloriettegasse 15. Paul Ehrmann, geb. 14. Februar 1896, Wien VII., Kaiserstraße 76. Flora Geiger, Hilfsarbeiterin, geb. 17. Juni 1886 zu Lackenbach, Ungarn, XX., Allerheiligenplatz 4. Max Kranz, Kürschner, geb. 31. Dezember 1880, Wien, VI. Bez., Magdalenen straße 10. Marie Manthner, Private, geb. 20. April 1886, Wien, I., Schreyvogelgasse 3. Josef Mittler, Speflitionsbeamter, geb. 8. Mai 1890, Wien, XIV., Pfeiffergasse 6. ’ Leopold Pollak, Handelsangestellter, geb. 10. Juni 1890, Brünn, XIV., Stättermayergasse 2. Jette Schein verehel. Löwy, geb. 18. August 1879, Wien, X. Bez., . Hoffergasse 3. Hans Ludwig Schwarz, Gymnasialschüler, geb. 8, August 1896, Przemysl, Galizien, XIX., Hasenauerstraße 10. Leopoldine Staudner geh. Mayer, Bankbeamtensgattin, geb, 6. Juni 1888, Wien, IX., Glasergasse 18. ‘! Klagenfurt. (Generalversammlung der „Chewra- Kadischa".) Bei der vor kurzem abgehalfenen Generalversammlung wurden die Neuwahlen vorgenommen, u. zw. wurde zum Vorstande einstimmig Max Stöstl wiedergewählt, die Wahl zum Vorstandstellvertreter fiel wieder auf Herrn Elias Liliätß zum Kassier wurde wiedergewäblt Julius Lustig, zu Vertrauensmännern Adolf Preis und Josef Müller. — Der Verein beschloß die Anschaffung eines Sarg-Versenkungsapparates, ferner die Ausstellung 'von Grabsteinen im Friedhof auf Ruhestätten armer und solcher Toten, deren Angehörige sich seit längerer Zeit um die verwahrlosten Grabstätten nicht mehr kümmern. — Die Mitgliederzahl ist im stetigen Zunehmen begriffen und beträgt gegenwärtig 37.