Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 29 (17.7.1914)
- Date
- 1914-07-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 504 Nr 29 Dr. Bloch' Der Unterzeichnete Hilfsverein jüdischer Handwerker für Mähr.--Ostrau und Umgebung hat es sich statutarisch zur Aufgabe gemacht, Knaben, welche Lust und Liebe zum Handwerk haben, verläßliche Lehrstellen zu -besorgen. Beim Borstande oben bezeichneten Vereines haben sich bewährte Lehrmeister aller Handwerke gemeldet, welche brave Jungen zu tüchtigen Handwerkern ausbilden wollen. Der Hilssverein wird sich durch die ganze Dauer der Lehrzeit die Aussicht über den Lehrling Vorbehalten, daß derselbe nicht nur sein Handwerk vollkommen erlernt, sondern auch in bezug auf Sitten und Moral nicht leidet. Eltern und Vormünder! Wendet Euch vertrauensvoll an den Hilfsverein jüdischer Handwerker in Mährisch-Ost rau, derselbe besorgt unentgeltlich die Lehrstelle bei tüchtigen, braven Meistern. Mittellose und Waisenknaben werden, wenn sie brav und fleißig sich aufführen, vom Vereine nach Tunlichkeitunterstützt. Anmeldungen sind an den Vorstand des Hilfsvereines für jüdische Handwerker in Mährisch-Ostrau schriftlich zu richten. Dem Internationalen Pro-Falascha-Komitee, welches im März d. I. seinen Sitz von Florenz nach Frankfurt a. M. verlegte, ist es in der kurzen Zeit, welche seither verflossen ist, gelungen, in der ganzen Welt Sympathien für unsere Brüder in Abessinien zu erwecken. Vor allem galt es, die Organisation werter auszubauen, damit das Unternehmen durch regelmäßige Beiträge gesichert wird. Zu diesem Zwecke unternahm Herr Dx-. j Faitlowitsch im Aufträge des Komitees Propaganda-; reisen nach Belgien, Holland und England. In diesen Ländern bestehen jetzt Landeskomitees, welche eine energische Tätigkeit für die Sache der Falaschas entwickeln. In London fand im Hause des Herrn David S. Sassoon eine Versammlung der angesehensten Persönlichkeiten Londons unter dem Vorsitze des Chiefrabbi Dr. Hertz statt; außerdem hielt Herr Dr. Faitlowitsch einen gut besuchten Vortrag im Norden Londons. Aber nicht nur hier fanden seine Ausführungen Beifall, sondern auch die angesehene Tagespresse, wie „Times" und „Standard", begrüßten seine Anwesenheit mit sympathischen Artikeln über die Falaschas. Einzelne Rabbiner benutzten auch die Predigten an den Pessachfeiertagen, um ihre Gemeindemitglieder für die Sache der Falaschas zu begeistern. In Holland steht der Oberrabbiner der portugiesischen Gemeinde Pall ac che an der Spitze des Landeskomitees, das zusammen mit dem Amsterdamer und Rotterdamer Komitee die Agitation in Holland mit gutem Erfolge schon in die Wege geleitet hat. In Italien, von wo die ganze Bewegung ursprünglich ausging, wird sich das Landeskomitee weiter ausgestalten. In Deutschland bestanden Ortsgruppen in Frankfurt a. M., Breslau, Kattowitz, Beuthen, Köln, Stuttgart, Berlitz und anderen Plätzen. Hier ist das Interesse nach"wie vor rege, jedoch kann eine praktische Arbeit " erst im Herbst einsetzen."Immerhin gelang ' 'es Herrn Dr. Faitlowitsch, aus Reisen, Ne er zum Teil gemeinschaftlich mit dem ^'Generalsekretär unternahm, neue Ortskomitees in Hamburg, Altona, Posen, München, Eschwege usw. zu gründen) während die Konstituierung solcher Komitees in Hannover, Thorn, Kassel, Mainz, Darmstadt und Chemnitz nahe bevorsteht. Ueberall stellten sich die Rabbiner ohne Unterschied ihrer religiösen Richtung zusammen mit den angesehensten Gemeindemitgliedern voller Begeisterung in den Dienst der Sache. i Wochenschrift Aber auch aus entfernten Ländern gehen dem Komitee ständig Zustimmungserklärungen zu, so daß das Komitee zu seiner Genugtuung eine Sache vertritt, welche die gesamte Judenheit in gemeinschaftlicher Arbeit eint. So hat z. B. trotz der gedrückten materiellen Lage in den Balianländern der. Chacham Baschi von Saloniki, Rabbi Jakob Meir, die Agitation in der dortigen Gegend, übernommen; auch der Bukärester Rabbiner Dr. Be ck und der aschkenasische Oberrabbiner von Konstantinopel, Dr. Markus, werden jetzt mit der Propaganda beginnen. . In Nordwie in SÄmfrika findet die Tätigkeit des Komitees Interesse, in den skandinavischen Ländern wie in Rußland. Allerdings erfordert das Endziel auch große finanzielle Mittel. Die Gründung eines Seminars zur Ausbildung junger Falaschas als Lehrer ihrer Brüder, sowie das gesamte Schulwerk kann erst in Angriff genommen werden, wenn eine gesicherte materielle Grundlage vorhanden . ist. Dieser Gründung wird auch voraussichtlich eine neue Expedition nach Abessinien vorangehen müssen. Einstweilen ist Herr Dr. Faitlowitsch im Aufträge des Komitees mit der Uebersetzung des Psalters in das Amharische, der Sprache der Falaschas, beschäftigt, der dann im Druck in vielen Exemplaren im. Lande verbreitet werden soll. Die Falaschas verlangen nämlich nach nichts mehr, als nach religiöser Unterweisung, und da sie die Bibel bisher nur in der von Missionsanstalten verfertigten Uebersetzung erhielten, so wird eine von Juden verfaßte Uebersetzung wesentlich dazu dienen, sie dem Judentume zu erhalten. Von den drei Falaschajünglingen, welche Herr Dr. Faitlowitsch auf einer seiner Reisen mit nach Europa brachte, befindet sich der eine in Jerusalem, der andere im rabbinischen Seminar in Florenz, während der dritte Herrn Dr. F a i tl o w i t sch aus seiner-letzten Reise wieder nach Abessinien begleitete, wo ihm eine kleine Schule-eingerichtet wurde. Es ist daher zu hoffen, daß dem Internationalen Pro-Falascha-Komitee zu Händen seines Kassierers Herrn Salomon Epstein, Frankfurts. M., Uhlandstr. 39, (Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 8438) reichliche Gaben sowohl als Jahresbeiträge wie als Spenden zum Baufonds und Organisationsfonds zufließen. Das Generalsekretariat..in Frankfurt a. M., Palmstraße 11, ist zu weiteren Auskünften gerne bereit. Generalversammlung der Jewish Colonization Association. Die Generalversammlung der Jewish .Colonization Association fand am 28. Juni 1914 unter dem Vorsitze von Herrn Fr. Philippson, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verwaltungsrates, statt. Anwesend waren die Herren L. C o h e n, P. E r r e r a, Herbert G. Lousada, Vertreter der Anglo Jewish Association, S. Re in ach, C. Netter, Vertreter der Berliner Gemeinde, Fr. Philippson, Vertreter der Brüsseler Gemeinde, Dr. I. Blau, Vertreter der Gemeinde von Frankfurt a. M., Dr. A. Netter, Vertreter der Allianec Jsraelite Universelle, und Dr. I. Simon. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Herr N. Leven, war am Erscheinen verhindert, ebenso Herr Cl. G. Montesiore. Außerdem waren anwesend die.Herren Direktoren S. Sonnenfeld, E. Meyerson und L. Oungre, der Sekretär Herr E. Schwarz seid und die Herren W. Auerbach, H. Franck, E. .Mayer und A. Schmoll. h:. Nachdem der Vorsitzende die Beschlußfähigkeit! der Versammlung festgestellt hatte, wurde das Protokoll der Versammlung vom 29. Juni 1913 für richtig anerkannt. Daraus ließ der -Vorsitzende vom Bureau den Jahresbericht über die Tätigkeit der I. C. A. im Jahre