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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-17 · 29 (17.7.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
29 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Bloch's Wochenschrift Seit. 501 kehren, von wo sie gekommen waren. Der Anblick dieser Unglückseligen war um -so schmerzvoller, als in ihrem -Interesse nichts getan werden konnte. Wir setzen Euer Eminenz hievon mit tiefstem Bedauern in Kenntnis und ersuchen, es alter Orten bekanntzumachen, daß Juden von nun ab nicht nach Palästina fahren mögen, ehe sie ihren Paß von dem zuständigen türkischen Konsulate haben legalisieren lassen." Ein jüdischer Bürgermeister in Montreal. In Montreal (Kanada) wurde kürzlich, wie die „Newyork Times" berichtet, das jüdische Mitglied des städtischen Munizipiums Blumenthal zum Bürgermeister gewählt. Diese Wahl ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil bekanntlich der hauptsächlich aus Frankreich eingewanderte katholische Klerus in Kanada zum Teile mit Erfolg eine antisemitische Propaganda inauguriert hat. Ernennungen in Frankreich. . Der Professor an der Rechtsfakultät in Lille Henry Levy-Ullmann wurde zum Chef des Kabinetts des Ministers für öffentliche Arbeiten ernannt. Zu seinem Stellvertreter wurde der Advokat am Appellationshofe Margel Caen ernannt. Ernannt wurden ferner M. Strauß zum Sous-Chef des Kabinetts des Kriegsministers; der Eskadronchef des zweiten Regiments der Gebirgsartillerie Carence zum Mitgliede des Oberstaatsrates des Kriegsministers; Universitätsdozent Albert Milhaud zum Chef des Kabinetts des Ministers für Arbeiten und soziale Fürsorge; M. Bloc zum Kabinettchef des Staatssekretärs des Innern. f. '••• Ernesto Nathan, der Kommissär Italiens an der Weltausstellung von San Francisco und der katholische Boykott dieser Ausstellung. Der frühere Bürgermeister von Rom, Ernesto Nathan, ist bekanntlich von der italienischen Regierung zum Delegierten Italiens bei der Weltausstellung in San Francisco bestimmt und hat kürzlich eine erste Reise dorthin unternommen, um sich die Verhältnisse aus der Nähe anzusehen, eine Reise, von der er bereits auf dem' Heimwege ist. Wir haben von der Boykottbewegung bereits berichtet, die die Katholiken in Nordamerika gegen die oben genannte Panamaäüsstellung ins Werk setzen aus dem einzigen Grunde, weil Ernesto Nathan der Delegierte der italienischen Nation bei der Weltausstellung sein wfrd. Es verlautet, daß auch der Papst diese Bewegung unterstützt. Er wird die Altertümer des Vatikans nicht auf die Ausstellung schicken, wie es bis jetzt bei fast allen Weltausstellungen geschehen ist. Ernesto Nathan hat bei Gelegenheit eines Interviews über diesen Boykott der Katholiken sich ungefähr folgendermaßen geäußert: Ich kann die Boykottresolution nicht begreifen. Soll ich annehmen, daß sie . im Namen der 3 Millionen Katholiken der Vereinigten Staaten spricht? .Ich kann dem entgegenhalten, daß, wo ich auch in Amerika erschienen bin, ich auch nicht eine Spur von.: Feindschaft von seiten der italienischen Katholiken bemerkt" habe, auch in San Francisco nicht. Ueberall ist man mir mit der größten Freundlichkeit entgegengekommen. Man ist offenbar überzeugt, daß meine Handlungen falsch gedeutet werden. . Man will.mich-als Feind der katholischen Religion hinstellen,, aber.-.kein Mensch kann mehr Ehrfurcht vor der Religion, haben als ich, sei es nun die katholische, die protestantische, die jüdische oder die mohammedanische. Dagegen bin ich ein erklärter Feind solcher politischen Parteien, die die Religion als Werkzeug oder als Waffe gegen ihre Gegner benutzen. Gegen solche Parteien habe ich immer gekämpft und werde ich immer kämpfen. Mein Kampf gilt nur einer Partei, die gegen Italien gerichtet ist, indem sie die weltliche Herrschaft des Papstes wiederherstellen will, nicht aber dem katholischen Glauben. Die Anhänger dieser Bestrebung verwechseln in ihren! ungeklärten Denken Religion mit Politik, sie wollen die mittelalterlichen Zustände in Italien wiederherstellen, dagegen kämpfe ich mit allen Kräften. Der frühere Bürgermeister von Rom, Ernesto Nathan, hat dann noch hinzugefügt, daß er in San Francisco alle Vorbereitungen für die Beteiligung Italiens an der Weltausstellung von San Francisco getroffen habe und daß er Ende des Jahres nach Amerika zurückkommen werde, um dann als Kommissär Italiens während der ganzen Dauer der Weltausstellung in San Francisco zu verbleiben. Korrespondenzen. Erzherzog Franz Ferdinand bei den Juden in Jerusalem. Aus Budapest wird uns geschrieben: Der Präsident der deutsch-holländischen Kolelim in Jerusalem, I. B. Horowitz, weilt gegenwärtig in der ungarischen Stadt Kesmark bei seinem Schwiegervater, der Rabbiner der jüdischen Gemeinde in der genannten Stadt ist, zu Besuch. Von ihm stammt die folgende bezeichnende Reminiszenz an einen Besuch des auf so tragische Weise dahingeschiedenen Erzherzogs Franz Ferdinand in Jerusalem. Als der Thronfolger Franz Ferdinand vor etlichen Jahren die heilige Stadt Jerusalem besuchte, ließ er es nicht an Liebeszeichen auch für die jüdische Bevölkerung fehlen. Er besichtigte die dortigen jüdischen Armen- und Pilgerwohnungen, die unter dem Rechtsschutz« des gütigen Kaisers Franz Josef verwaltet werden, und nahm auch einige Einzelwohnungen in Augenschein. Der Erzherzog ließ sich eingehend über den Stand dieses herrlichen Stadtviertels sowie über die sonstigen Verhältnisse.der Juden von Jerusalem informieren. Tags darauf stattete der Erzherzog dem Lokalkomitee im Sitzungssaale einen Besuch ab und gab seiner hohen Befriedigung über das Gesehene Ausdruck. Zum Zeichen seines Wohlwollens schrieb er mit kalligraphisch wunderschönen Zügen seine Namensfertigung in das Gedenkbuch des Kuratoriums ein. . Trauerkundgebungen. In St. Pölten war die Trauersitzung am 12. Juli. Vru beit Anwesenden sind hervorzuheben: Herr Bürgermeister kaiserlicher Rat Otto Eybner, Kreisgerichtspräsident Hofrat M ü l l n e r, Bezirksschulinspektor Heinrich Rameis, Herr Oberstaatsanwalt Dr. Loob, Gymnasialdirektor Regierungsrat Dr. Alexander Rosoll, Finanzoberkommissär Dr. Hans Hahn, Bezirkskommissär Dr. Oskar Musil und Herr Bezirksrichter Dr. Müller aus Hain feld; Herr Oberstleutnant Edler von Langer. Herr Hanptmann Martinides und Herr Mil täroberlehrer Graf, die Herren Major Baron G.nffich, Oberleutnant S i r c a, Leutnant M e i x n e r und Leutnant Mader, die Herren Major Koch, Hauptmann Bauer, Oberleutnants u c e r a, Leutnant Jarczebecki, vom Kultusvorstand die Herren Vorsteher Albert Leicht, Vorsteherstellvertreter Samuel Mandl und Iten Beirat, Simon Placzek sowie auch auswärtige Ausschußmitglieder. Herr Kantor Wilhelm Rabinovicz rezitierte |bie Psalmen. Herr Rabbiner Dr. Adolf Schächter hielt eine ergreifende Predigt;-Jvk Gewitsch fand die Trauerfeier. am 10.. b. stM. Herr- Kantor H. Liebermann sang das Schiwissi, Herr Rabbiner Dr. Isidor Kohtt-aus Wien hielt die Trauerpredigk Am 8. fand eine Ausfchußsitzutt'g der Jsraelitenstadt Gewjtsch statt:--Herr Bürgermeister L i e b e l hielt eine Trauerkundgebung, worauf die Sitzung geschlossen wurde. Postelberg. Freitag' den 3. Juli hielt unser neuer Rabbiner Seine Ehrwürden Herr ■ Emil Kl a n b e r den ersten Gottesdienst in der hiesigen Kultusgemeindc ab, bei' dem er eine formvollendete Trauerrede für den verstorbenen Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin He^ogin Sophie hielt. Samstag' beim Mussaf-Gottesdienste hielt er da> n seine Antrittsrede, mit. der erbei allen Zuhörern reichen Beifall 'erntete. Möge es Sr: Ehrwürden gegönnt sein, viele Jahre zur Blüte unserer Gemeinde feines Amtes zu walten.

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