Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 29 (17.7.1914)
- Date
- 1914-07-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seile 500 Dr. Bloch's für die unglücklichen Studenten getan? Haben wir versucht, ihr Leiden zu erleichtern? Wir besser situierten Juden sind mit der armen Volksmasse in eine mächtige Einheit zusammengeschmolzen. Durch die erste n, ich betone, nur durch die ersten leiden die zweiten. Den Haß und Zorn gegen reiche jmb diplomierte Juden entgeltet der arme und hilflose Jude. Als lebendige Illustration hierzu möge folgende Tatsache dienen: Im Landesgericht zu Saratow wurde eine Unkluge gegen einen Polizeibeamten eingereicht. Wir, das ganze Richterkollegium, darunter auch ich, verurteilten chn zu einer Strafe. An Rache gegen mich war nicht zu denken: ich war Richter. Nun begann er sich an den Juden seines Bezirks zu rächen: täglich wurden Juden nach dem Polizeiposten geführt und, als rechtlos erklärt, nach dem Ansiedlungsrayon ausgewiesen. Wie gesagt, im Zorne gegen den diplomierten Juden, der sich schon, eine Stellung in der Gesellschaft erworben hat, werden die Begrenzungen gegen den jungen Juden gemacht, der ein solcher diplomierter Jude werden will. Was mit der Begrenzung beabsichtigt wird, ist klar: man will den Geist des Juden vernichten. Deshalb ist dies keine Schulfrage, die durch Fachleute gelöst werden kann, nein, es ist eine Volksfrage, und das Volk, das ganze Volk muß darauf energisch reagieren. Sie fragen mich Mer meine Meinung über die Gründung einer eigenen Universität in Westeuropa? Darauf kann ich Ihnen mit einem Lehrspruch aus dem „Talmud" antworten: „Jeden, der uns nur einen Satz, nur einen Buchstaben gelehrt hmt, müssen wir schätzen und als Lehrer ehren!" Jeder Ort, wo - sich' unser Wissenschaftstempel befinden wird, wird uns heilig fein, sei es in Belgien, Schweiz oder anderswo. — wenn nur dem russischen Judentum dazu verholfen wird, seiner Jugend höhere Bildung zu geben. Ich persönlich bin auch nicht dagegen, daß man eine Hochschule in Palästina gründet — nur dürfen Reibereien und Parteipolitik nicht das positive Schaffen stören. Eines möchte ich noch erwähnen: Die Petersburger jüdische „Gesellschaft zur Beförderung f ü r h ö h e r e W i s s e n s ch a f t" hat jetzt eine Kommission gebildet unter dem Namen: „Kommission des Aufklärungsfonds". Das Ziel dieser Kommission, kurz zusammengefaßt, kann in folgender Weise formuliert werden: Mitwirken zur Aufnahme russisch-jüdischer Studenten in die ausländischen Hochschulen. — Zweckmäßige Verteilung derselben auf verschiedene Universitäten. — Bearbeitung der Frage wegen Gründung privater Hochschulen in Rußland oder im Ausl and e. — Starke Unterstützung der im Auslände Studierenden. — Auf Wunsch von gesellschaftlichen Anstaltenim Auslande wird das Petersburger Präsidium sechs Personen ernennen zur gemeinsamen Bearbeitung der Fragen, die die betreffenden ausländischen Anstalten interessieren." - Eine Miechische Inschrift aus dem ersten Jahrhundert. Die Berichte, welche Kapitän Raymond Weilt Mer seine im Aufträge und-auf Kosten des Baron Edmond M Rothschild in der Altstadt von Jerusalem vorgenommenen Ausgrabungen an die verschiedenen gelehrten Geseftsthaften erstattet hat, enthalten eme'.Fülle neuer und wichtiger Daten'Mer die ältere Geschichte Jerusalems. Hier sei eine griechische Inschrift wiedergegeben, deren Ursprung Kapitän' Weill in das erste, Jahrhundert verlegt. Diese.Widmungsinschrift in griechischer Sprache besagt, daß „Theodotos, Archisynagogos (Präsident einer Syn- Wochenschrist Nr. 29 agoge) und Priester, Sohn und Enkel des Archishnogogos hat erbaut eine Synagoge zum Studium des Gesetzes und zur Lehre der Vorschriften, sowie eine Herberge und eine Badeanstalt zur Benützung für Personen, welche aus der Fremde ankommen und dieser Anstalt bedürfen". Diese Einrichtungen wurden ohne Zweifel während des Krieges gegen die Römer (67—70) zerstört. Das Material der Synagoge wurde zur Verstopfung der in der Nachbarschaft vorhandenen Zysternen verwendet. Eben bei jder Abtragung des Schuttes von einer dieser Zysternen wurde auf dem Grunde derselben die obenerwähnte interessante Inschrift gefunden. Der Freispruch des Redakteurs des „Palästin". Aus Konstantinopel wird uns der folgende beachtenswerte Bericht gesendet: Der Ausgang des Prozesses gegen den Redakteur des in Jaffa erscheinenden antisemitischen Blattes „Palästin" hat in den maßgebenden jüdischen Kreisen ungewöhnliche Aufmerksamkeit erregt. Bekanntlich wurde gegen den Redakteur des genannten Blattes Mer besondere Intervention des Großrabbiners der Türkei Chaim Nahum der Prozeß wegen Beleidigung der jüdischen Religion und der jüdischen Rasse gemacht. Gleichzeitig mit dem Prozesse wurde das Blatt unterdrückt. Bei der Schlußverhandlung, welche vorige Woche stattfand, verteidigte sich der Angeklagte dahin, daß er in den inkriminierten Artikeln durchaus nicht die jüdische Religion oder die jüdische Rasse verletzt habe oder auch nur. angreifen wollte. Seine Angriffe richteten sich nur gegen die zionistische Partei,. welche in keinem Zusammenhänge stehe mit der Religion der Juden. Der Gerichtshof hat nun, und das ist es eben, waswesv'ndere Aufmerksamkeit verdient, sich diesen Standpunkt des Angeklagten zueigen gemacht und auf Grund dieser Verteidigung den Redakteur freigesprochen. Das Blatt erscheint nunmehr wieder regelmäßig und setzt seine heftigen Angriffe gegen die zionistische Partei fort. Die arabischen Blätter behaupten nun, daß dieser Freispruch angeblich auf Grund von Informationen aus maßgebenden jüdischen Kreisen in Konstantinopel erfolgt sei. Es ist kaum anzunehmen, daß diese Behauptung den Tatsachen entspricht. . . .-4 r ■')ij fi' ’ PaUchlpiexigkeiM m Palästina. Aus Saloniki wird uns geschrieben: Unser Groß-, rabbiner Jakob Meir erhielt vom Oberrabbiner von Jaffa das nachfolgende Schreiben, dessen Verbreitung durch die jüdische Presse im Interesse unserer Glauüensbrüder sehr erwünscht ist. Dieser Brief lautet: „In letzter Zeit haben die hiesigen Behörden von der hohen Obrigkeit den Auftrag erhalten, allen'jüdischen Einwanderern, deren Pässe nicht vom türkischen Konsulat ihres bisherigen Wohnortes legalisiert sind, das Landen aufs strengste zu verwehren. Diese Ordre bezieht sich ebenso auf ottomcmische wie auch nichtottomanische Juden. Diese Woche kamen hier einige jüdische Familien aus der Türkei an- und es wurde ihnen nicht einmal gestattet, auch nur auf eine-Minute den Dampfer zu verlassen, weil ihre Pässe nicht' legM Wert waren. Alle Schritte, um für sie die Erlaubnis, in die Stadt gehen zu dürfen, zu erwirken, blieben, trotzdem ich die Garantie'dafür übernehmen wollte, daß sie auf den Dampfer zürückkehren würdet erfolglos,, da die, strikte Ordre dahingcht-'daß in dieser Sache auch nicht die geringste Konzession gemacht werden dürfe. .nnurar So mußten denn biefe Unglücklichen, welche mit dem sehnlichsten Wunsche gekommen waren, sich in Palästina niederzulassen,' traurigen Herzens zurück-