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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-10 · 28 (10.7.1914) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
28 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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mmm. Seite 492 Dr. Bloch's Direktor Deutsch reiste 'mit den Zöglingen tnt Jahre 1850 nach Wien und veranstaltete dort eine'öffentliche Jahresprüfung, hei welchem Anlässe die Pistungen der Zöglinge bei allen Anwesenden den allergünstigsten Eindruck hervorriefen. Derselbe 'zeigte sich auch in Worten hoher Anerkennung und -Bewunderung des um das Taubstummenbildungswesen hochverdienten Lehrers am k. k. Taubstummeninstitute zu Wien Herrn I. B. Fis chbach, welcher sich in seinem Urteile ungefähr wie folgt - äußerte: „Eine der neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete des Taubstummenunterrichtes stellen die Erfolge des jüdischen Taubftummenlehrers Joel Deutsch dar, von denen man sich bei der auf der Wien-Landstraße von der isr. Religionsschule veranstalteten öffentlichen Prüfung die Ueberzeugung verschaffen tonnte. Ist solch ein Resultat, Aar und unbestreitbar, wie es uns vorliegt, nicht eine wahre Ironie auf den, mau sollte es kaum glauben, sich noch an unseren Tagcjn mit einer gewissen Selbstgefälligkeit breit machen wollenden Grundsatz, daß der Taubstumme nur durch die Gebärdensprache deutliche Begriffe erlangen könnte und daß ohne diese an einen gedeihlichen Unterricht dieser Unglücklichen gar nicht zu denken sei? . . . Ich meinerseits gebe der frohen Ueberzeugung Raum, daß das, was der wackere Deutsch als geschickter und gewissenhafter Jugendbildner an seinen unglücklichen taubstummen Jsraelitenkindern geleistet und hierdurch seinen Glaubensgenossen Liebes und Gutes erzeugt hat, auch für die armen Gehörlosen des christlichen Bekenntnisses in unserem teueren Vaterlande nicht verloren geht, sondern langersehnte Früchte tragen werde. Möge den Leistungen eines denkenden, willenskräftigen Mannes, der, well er frei wählen durste, nicht das Zunächstliegende, sondern das Vernünftigste und Bessere gewählt hat, aber auch Rechnung getragen werden, aus daß den armen unglücklichen gleichberechtigten Taubstummen nicht länger vorenthalten bleibe, was sie von ihren glücklicheren vollsinnigen Brüdern schon seit langem zu beanspruchen heiliges Recht gehabt hätten." Dieses Urteil war so überzeugungsvoll ausgesprochen, für Direktor Deutsch sehr wertvoll und von größter Tragweite. Denn im Urteile lag eine objektive Unparteüichkell, mll welcher die unübertroffene Schlagsertigkell und Tüchtigkeit des Direktors De.utsch in Worten höchster Anerkennung undBewunderung als eine „ernste, bedeutungsvolle Mahnung" zur Vervollkommnung der Taubstummenerziehung erklärt Wurde. Wie de l'Eppee, so fand auch Direktor Deutsch es für inhuman, die Erfolge seiner segensreichen Lehrkunst zu verbergen und wurde von dem Ehrgeize angespornt, den höheren Persönlichkeiten und den Betätigern der französischen Methode die äußerst günstigen Ergebnisse seiner Mühe vor Augen zu führen und sie von der unersetzlichen Wohltat der Lautsprache, welche ein Vermittler des Verkehrs zwischen den Schichalsgenossen und den Hörenden ist, zu überzeugen. Ich weiß nicht, ob ich dem Pereira unrecht tue, wenn ich es Engherzigkeit nenne, daß er nicht für die Verbreitung seiner Lehrart agitierte. Es darf aber auch nicht vergessen werden, daß die Israeliten zu seiner Zeit unter einer Bedrückung und Verachtung litten, was die Tatsache erklärt, daß der hervorragende Portugiese Pereira, der in seinem Adoptiv-Vaterlande Frankreich ein großer Mann war, als Jude vielfach um die Erhaltung seiner Schule zu kämpfen hatte und daß E p p 6 e ihn als seinen gefährlichen Rivalen bekämpfte, damit seine von chm in genialer Weise konstruierte Gebärdensprache siegreich vorwärts dringen konnte. Wäre Pereira von edlem Interesse erfüllt gewesen, so hätte er sein Sprachsystem öffentlich demonstrieren müssen, dann Wochenschrift Nr. 28 wäre die französische Methode gleich in kurzer Zeit um ihren maßgebenden Einfluß gekommen. Wie schon gesagt, betrachtete H e i n i ck e seine epochemachende Erfindung als ein wertvolles Patent. Seine Methode wurde nur in dem ersten vom Kurfürsten von Sachsen, Friedrch August, in Leipzig im Jahre 1778 gegründeten Institute, der ersten Schule der Welt, mit deutscher Methode angewandt. Auch von seinen nächsten Nachfolgern wurde seine Methode sorgsam als kostbares Familiengut behütet. Trotzdem konnte die deutsche Methode in einigen Instituten Oesterreichs hineingeschmuggelt werden, und es kann uns nicht Wunder nehmen, daß diese Schmuggler auch dem Beispiele H e i n i ck e s folgten. Somit waren die deutschen Schulen streng wie mit einer chinesischen Mauer verschlossen, was den Beweis liefert, daß die Methode Heinickes nicht entwicklungsfähig gemacht werden konnte, und die Folge war, daß die französische Schule sich durch die Vorzüge der deutschen Schule bedroht fühlte und es sich angelegen sein ließ, ihre Methode dadurch zu reformieren, daß sie in notdürftigem Maße der Lautsprache die Grenze an die Gebärdensprache zeichnete. Dadurch konnte sich dieser Versuch als eine glückliche Vereinigung, besser gesagt: Versöhnung beider Richtungen bewähren. Mit der Tätigkeit des Direktors Deutsch begann die neue Periode des siegreichen Vorwärtsdringens der Lautsprache hereinzubrechen; das Tor der unter seiner segens- und ruhmreichen Aegyde geleiteten Erziehungsstätte stand allen, denen die Umformung des bisherigen Unterrichtssystems als eine unabweisliche Notwendigkeit erschien, offen; damit sie die Lehrkunst des Direktors Deutsch, der die Grundprinzipien der unvergleichlichen Pädagogen Pestalozzi und Fröbel zur Richtschnur nahm, sich aneignen und in den betreffenden Orten, wo die Heinicksche Methode. noch .in unvollkommener Entwicklungsstufe lag, betätigen konnte. Wie Hein icke die Stummheit als die Folge des Gehörmangels erkannte und sich von der Sprachfähigkeit der Taubstummen überzeugte, wie er auf Grund seiner über die Bildungsfähigkeit der Taubstummen zum Ausdrucke gebrachten Ansichten seine Grundsätze, die Stummen sprechen und 'denken zu lehren, verwirklichte, so vollendete Deutsch in großzügiger Weise das Werk Heinickes und individualisierte in vollkommenster Weise in sämtlichen Phasen den Taubstummenunterricht, wobei ihm (Deutsch) als oberster Grundpfeiler die reinovale Methode vorschwebte. Zwei Publikationen der Uugar. Israel. Literatnrgesellschaft. I. Jahrbuch der Ung. Isr. Laeraturgefllschaft pro 1914. redigiert von Prof. Dr. Jobs BLnöczi. II. Das Sabbatäer-Gebetbuch des Simon PLchi, verkffmllickt durch Dr. M'chael G u t t m a n n und Dr. Alex. Harmos. Aus den Mitteln weil. Baron Josef de Halvanys und G> mahlin herausgegeben von der Ung. Isr. L teraturgesi llschaft, Budapest 1914. Etwas verspätet gelangen dieses Jahr die üblichen zwei Püblikationen des I. M. I. T. (Izr. Magyar Irod-lmi Tnrsulat, so heißt die Gesellschaft im Ungarischen) zur Veröffentlichung!. In traurig-knappem Nacheinander waren die beiden Vorsitzenden der Gesellschaft, Joses Hatvany und Wilhelm' Bacher, vom Schauplatz ihres segensreichen Wirkens abberufen worden, und der Jahresbericht wollte bald von der Neukonstituierung des Präsidiums Rechenschaft ablegen, was dsenn im amtlichen Teile des Jahrbuches auch geschieht. Nach den in vornehmem Tone gehaltenen Nachrufen des Sekretärs der Gesellschaft folgt die seinerzeit mannigfach kommentierte Programmrede des neuen weltlichen Präsidenten, des Staatssekretärs im Justizministerium Dr. Leopold Bad ä s z, die mit vieler Warme für die Ziele der Gesellschaft eintritt. Der von dieser Stellungnahme erwartete intensivere innere Aufschwung bleibt vorläufig noch abzuwarten: im Berichtsjahre zeigt z. B. die Milgliederzahl der Gesellschaft — wohl infolge der tristen Wirtschaftlichen Verhältnisse, auch mangels einer planmäßigen Propagandaarbeit — die übrigens auch unter den Ungarn Oesterreichs

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