Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 28 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022118--23283-3048473- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 28 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 489 wurde jetzt mit der Ausweisung der Juden aus diesen Kolonien begonnen. Es ist kaum anzunehmen, daß die Deutschen durch dieses Vorgehen ihre eigene Situation in Rußland verbessern werden. Ein Jahr Kerker für die Wahrheit. Aus Petersburg schreibt man uns: Der Redakteur der Zeitung „Dien", Skworzow, wurde dieser Tage wegen eines Artikels unter dem Titel „Die Quellen der Rituallüge in historischem Lichte" zu einem Jahre Kerker verurteilt. In dem Artikel Zitierte der Autor ausschließlich verläßliche Quellen, ohne sich selbst in eine schärfere Polemik einzulassen. Die Konstatierung der Wahrheit genügte, um den pflichtbewußten Publizisten auf ein Jahr in den Kerker zu bringen. Ausweisung eines Ehrenbürgers. Dem „LodzerlTaMatt" hiird aus Kiew telegraphiert: Die hiesige Administrativbehörde hat plötzlich entdeckt, daß has Wohnrecht des bekannten gewesenen Rabbiners Zuckermann, der wegen seiner vielfachen hervorragenden Verdienste mit der erblichen Ehrenbürgerschast ausgezeichnet wurde, angeblich nicht ganz in Ordnung sei. Die Polizei beschloß auf Grund dieser „Feststellung" Herrn-Luckermann aus Kiew auszuweisen. Der Hinweis auf das Ehrenbürgerrecht, welches dem Juden in ganz Rußland Freizügigkeit gewährleisten sollte, scheint unbeachtet geblieben zu sein. In 'den Tod getrieben. Unter dem tiefen Eindrücke des Urteils in dem Prozesse gegen die Advokaten, welche wegen ihrer bekannten freisinnigen Resolution in der Beilis-Affäre zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden, hat, wie aus Petersburg berichtet wird, der jüdische Advokat Bermann einen Selbstmord verübt. Bermann, der seinen Verletzungen erlegen ist, äußerte kurz vor seinem Tode: Nun ist es unerträglich, in Rußland als Jude zu leben. Bestattung der jüdischen Opfer der „Empretz of Jreland". Aus London wird uns gemeldet: Laut hieher gelangten Mitteilungen hat die jüdische Gemeinde von Quebec in Kanada bisher 10 Leichen von den Opfern der Katastrophe der „Empreß of Jreland" 'als Juden nach jüdischem Ritus zur ewigen Ruhe bestattet. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Quebec Haben es gleich nach dem großen Unglück als ihre Pflicht angesehen, sich sowohl der Geretteten anzunehmen, als auch für die Bestattung der jüdischen Leichen, soweit sie zustande gebracht wurden, zu sorgen, die Namen dieser Opfer festzustellen, damit ihre Witwen nicht Agunoth bleiben. Da bei den Leichen auch mehrfach Geld, Wertsachen und wichtige Dokumente vorgesunden wurden, werden wir ersucht, bekanntzugeben, daß Auskünfte über Namen und andere Einzelheiten der von der jüdischen Gemeinde in Quebec bestatteten jüdischen Leichen bei dem Vorsteher der Synagogengemeinde „Beth-Jsrael" Mr. M. Beßler, 20 Desposee-Street, Quebec, Kanada, zu erhalten sind. Auszeichnung jüdischer Mitglieder des Rockefeller- Jnstiluts. Die französische Regierung sowie die französischen Gelehrten haben dieser Tage zwei jüdischen Mitgliedern des berühmten Rockefeller-Jnstituts Auszeichnungen zuteil werden lassen. So wurde der Direktor dieses Instituts Dr. Simon Flexner zum Chevalier der Ehrenlegion ernannt und der auch in Europa bestbekannte Anatom Jacques Loew vom Rockefeller-Jnstitut zum. korrespondierenden Mitgliede der französischen Akademie der Wissenschaften, und zwar in der Sektion für Anatomie und Zoologie, als Nachfolger des verstorbenen Lord Havebury, gewählt. Juden als Kulturförderer. Aus Newyork meldet man uns: Der bekannte Philanthrop Julius Rosenwald aus Chicago, welcher bereits einmal hundertdreißigtausend Kronen für zivilisatorische Arbeit unter den Negern gespendet hat, erklärte einem Vertreter der Neger, daß er bereit sei, das Doppelte von dem für Schulbauten in den Negerstädten des Südens zu widmen, was die Negerorganisation zu demselben Zwecke binnen einer bestimmten Frist aufbringen würde. Vermischtes. Allgemeiner Kranken- und Unterstützungs-Verein „Montefiore". 01., Ferdinandstratze 22.) Am 8. v. M. ist der seit 22 Jahren fungierende Chefarzt dieses Vereines, Herr Dr. Filipp Hopfinger, plötzlich verschieden. Zum Zeichen der besonderen Verehrung für denselben hielt der Vorstand eine eigens einberufene Trauersitzung ab, in welcher die Teilnahme um den so früh Dahingeschiedenen zum Ausdrucke gelangte. — Der Vorstand beteiligte sich korporativ an dem am 10. v. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse und Obmann Herr Bezirksrat Edmund H o f m a n n widmete namens des Vereines dem Verblichenen einen warm empfundenen Nachruf, indem er dessen Wirken für das Wohl der Bereinsmitglieder rühmend hervorhob. Emigranten-Fürsorge der Israelitischen Allianz zu Wien. Während des Monates Juni 1914 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 155 Emigranten, davon 137 russische und 18 rumänische weiterbefördert, u. zw. 80 nach den Vereinigten Staaten, 9 nach Argentinien, 20 nach Canada, 10 nach England, 22 nach Frankreich und 14 nach verschiedenen anderen Ländern. In ihre Heimat zurückbefördert wurden 15 russische und 26 rumänische Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate Juni 1914 für 36 Personen zusammen 119 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 94 Personen insgesamt 268 Speisemarken für die israelitische Volksküche ausgegeben. Es fuhren zu ihren Männern 23 Frauen mit 49 Kindern, zu Eltern resp. Kindern 18 Erwachsene mit 6 Kindern, zu Geschwistern 29 Erwachsene mit 4 Kindern, zu sonstigen Verwandten 23 Erwachsene mit 3 Kindern und ohne nähere Verwandte 1 Erwachsener. Dem Berufe nach waren unter den Weiterbeförderten 15 Schneider und Schneiderinnen, 6 Schlosser, 4 Drechsler, 3 Kürschner, je 2 Anstreicher, Buchdrucker, Handelsangestellte, Tischler, je 1 Buchbinder, Elektrotechniker, Fuhrmann, Goldarbeiter, Glaser, Kantor, Kellner, Landarbeiter, Monteur, Müller, Maurer, Perückenmacher, Riemer, Schuster, Spengler, 42, meist Frauen, konnten einen bestimmten Beruf nicht angeben. (Halbjahrstatiftik.) Während des ersten Halbjahres 1914 wurden von der Zentrale in Wien insgesamt 837 Emigranten, davon 714 russische und 123 rumänische weiterbefördert, und zwar 536 nach den Vereinigten Staaten, 49 nach Argentinien, 73 nach Canada, 36 nach England, 96 nach Frankreich und 47 nach anderen Ländern. In ihre Heimat zurückbefördert wurden 67 russische und 117 rumänische Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im ersten Halbjahre 1914 für 226 Personen zusammen 634 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 401 Personen insgesamt 1297 Speisemarken für die israelitische Volksküche ausgegeben.