Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 28 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 456 Dr. Bloch's Wochen Mist Nr. 28 Freitag den 4. d. M. hat der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde für Erzherzog Franz Ferdinand und Herzogin Sophie von Hohenberg im Stadt- und Leopoldstädter Tempel für dre Schüler der Mittelschulen Trauergottesdienste veranstaltet. Im Stadttempel hielt Professor Dr. H. Pollak die Trauerrede. Oberkantor Don Fuchs versah die kantorale Funktion. Im Leopoldstädter Tempel sprach Professor M. Kanitz und Oberkßmtor Josef M o r g e n st e r n besorgte den gesanglichen Aeil des Gottesdienstes mit Chor und Orgel. Sowohl die Ansprachen als auch die kantoralen Vorträge in den beiden Gotteshäusern übten auf die Schüler tiefe Wirkung. Wien-Josefstadt. Samstag, den 4. d. M., versammelte sich beim Hauptgottesdienst der Eesamtvorstand des Josefstädter Tempels mit dem Präses Herrn kais. Rat Albert Frankl an der Spitze, um der Trauer der Judengemeinde im Wiener VIII. Bezirke anläßlich des auf so tragische Weise erfolgten jähen Hinscheidens des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin solennen Ausdruck zu. verleihen. Zu dieser Trauerkundgebung fanden sich eine große Anzahl Mitglieder ein. Herr Rabbiner Dr. M. Bauer hielt eine ergreifende Trauerrede. Herr Kantor Josef Grob verrichtete unter Begleitung des Tempelchores das Musaf-Eebet in weihevollster Weise. Baden. (Trauergottesdienst.) Samstag, den 4. d., V^IO Uhr Dormittags, wurde ein Trauergottesdienst im Tempel der israelittschen Kultusgemeinde Baden von Sr. Ehrw. Rabbiner W. Reich aus Anlaß des so plötzlichen, durch verruchte Mörderhand verursachten Todes Sr. f. u. k. Hoheit des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gemahlin, der durchlauchtigsten -Frau Herzogin Sophie von Hohenberg, ein Trauergottesdienst abgehalten, der sich zu einer hochpatriotischen Kundgebung gestaltete. Der Tempel war von Andächtigen dicht gefüllt und der Rabbiner sprach bei offener Bundeslade ein tief ergreifendes Gebet, in welchem er zugleich den schweren Verlust beklagte, den die österreichischen Völkerschaften durch den unvermuteten und frühzeitigen Heimgang des mit so ausgezeichneten Eigenschaften begabten Thronfolgers erlitten und den herzinnigen Wunsch aussprach, daß der gerechte Leuker des Weltalls unfern Staat und hauptsächlich unfern allergnädigsten Kaiser Franz Joseph I., der nur das Wohl, und den Frieden seiner Völker anstrebt, vor jedem weiteren Unfall beschützen und den ferneren Lauf seiner Regierungszeit mit Glück und ungetrübter Freude verschönen möge. Eine tiefe Stille herrschte beim Schluß dieses so warmen und innigen Gebetes und alle Andächtigen verließen erbaut und tief erschüttert das Gotteshaus. Klosterneuburg. Am Sonntag, den 5. d. M., fand im hiesigen Bethause ein feierlicher Trauergottesdienst statt, welchem ein zahlreiches, tiefbewegtes Publikum beiwohnte. Herr Dr. Adolf Schächter, Rabbiner von St. Pölten und Tulln-Klosterneuburg, hielt eine ergreifende Trauerrede. Eger. Sonntag, den 5. d. M., fand im Tempel eine überaus solenne Trauerseier statt. Der Gottesdienst wurde mit dem Psalm „Michtom l'dowid", nach einem Motiv von Oberkantor I. Heller von Herrn Oberkantor Wilkowitsch mit gemischtem Chor und Orgel würdig vorgetragen, eröffnet. In der Trauerpredigt schilderte Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Grunfeld die Energie und die zielbewußte Politik des verblichenen Thronfolgers und richtete inbrünstige Gebete für das Seelenheil des erhabenen Märtyrerpaares zum Himmel empor. Das Gotteshaus war dekoriert und feierlich beleuchtet und wies einen überaus ansehnlichen Besuch auf. Die k. k. Bezirkshauptmannschaft war durch den Bezirksoberarzt Herrn Dr. Beck vertteten. Marienbad. Im hiesigen Tempel fand am 5. d. M. eine solenne Trauerseier für weiland Erzherzog Franz Ferdinand statt. Der Andrang war so groß, daß Hunderte keinen Einlaß mehr finden konnten. Es erschienen Vertreter der Staats-, Landes- und Stadtbehörden, viele hohe Offiziere und zahlreiche Kurgäste. Nach einem Orgelpräludium intonierte Herr Oberkantor Goldberg einen Psalm, begleitet vom Chorpersonal. Die Trauerrede des Herrn Dr. Diamant rührte die zahlreich Versammelten zu Tränen. Mit einem innigen Seelengebet und einem Choral endete die Feier. Neuern. (Böhmen). Sonntag, hen 5. d. M., veranstaltete der hiesige Kultusvorstand in unserer Synagoge einen feierlichen Trauergottesdienst für Se. k. u. k. Hoheit Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdiinand und dessen hohen Gemahlin Herzogin von Hohenberg. Die Synagoge war der Trauerfeier entsprechend schwarz drapiert und dekoriert. Se. Ehrw. Rabbiner Herr Dr. Hirschberg hielt eine ebenso schwungvolle als Leddnkenreiche Trauerrede, die das Auditorium erhob und tief ergriff. Die üblichen Trauergebete wurden vom hiesigen Damenchore in erhebender und exaktester Weise zum Vortrag gebracht. Besonderes Lob verdient Frau Dr. Jetter aus Wien, die in liebenswürdigster Weise die Begleitung übernommen hatte. Der Feier wohnten bei: der Kultusoorsteher Herr Fabrikant Berthold Fleischt mit den Kultusbeiräten, den Mitgliedern des Kultus- und verstärkten Kultusausschusses und sämtlichen GemeindÄmitgliedern, ferner Herr Bürgermeister, Bürgermeister-Stellvertreter Herr Wilhelm Eckstein als Vertreter der Stadtgemeinde und die Spitzen aller hiesigen Behörden und Schulen, die vom Kultusvorsteher Herrn Berthold Fleisch! an der Pforte des Gotteshauses empfangen wurden. Trencsän-Teplitz. Im hiesigen entsprechend dekorierten Tempel fand ebenfalls ein Trauergottesdienst statt. Der Herr Oberkantor rezitierte die Trauerpsalmen und Herr Rabbiner Dr. Himmler hielt die Trauerrede. Unter den Anwesenden bemerkte man außer dem Vorstand und der Gemeinde zahlreiche Trauergäste, u. a. einen Oberstleutnant als Kommandant des Truppenspitales, einen Major, einen Hauptmann, einen Oberleutnant, ferner den Bürgermeister Dr. Heinrich mit dem Gemeindenotar, den Badedirektor Karl Oszwald u. v. a. Znaim. (Trauerkundgebung.) Unmittelbar nach Eintreffen der Trauerbotschaft über das ruchlose Carajevoer Attentat berief in Abwesenheit des Kultusvorstehers unserer Gemeinde der erste Beirat Dr. Rosenfeld eine außerordentliche Sitzung des Kultusvorstandes ein und richtete bei derselben an die Versammlung eine patriotische Ansprache, welche stehend angehört wurde. Zum Schlüsse sagte der Vorsitzende, daß für Donnerstag, 6 Uhr abends, ein Trauergottesdienst in Aussicht genommen sei. Der Trauergottesdienst nahm einen erhebenden Verlauf. In dem festlich schwarz drapieren, Gotteshause waren die Spitzen der Behörden, u. zw. Herr Bürgermeister Dr. Homma mit dem Gemeinderat Herrn Fried, ferner Herr k. k. Hofrat Ritter v. Paumgartten, Herr k. k. Bezirkshauptmann Bach, der erste Staatsanwalt k. k. Landesgerichtsrat Dr. Russe, k. k. Finanzrat Dienelt, Regierungsrat Wiesnar, in Vertretung des Herrn Generals Herr k. u. k. Major Pasding, der Leiter des hiesigen Truppenspitals Herr General-Chefarzt k. u. k. Oberstabsarzt Dr. Mlhelics, Offiziersabordnungen der hier garnisonierenden Regimenter, eine Abordnung des Lehrkörpers der Ober-Realschule u. a. erschienen. Di.' erhebende Feier wurde ekngeleitet durch ein Orgelpräludium, gespielt von Fräulein Friedmann, dem ein vom verstärkten Damenchor unter Leitung der Frau. Professor Dr. Kahan mit Präzision zum Vortrage gebrachter Psalm folgte. Nach einem Solovortrage des Herrn Oberkantors Handgriff in hebräischer Sprache hielt Herr Professor Dr. Kahan eine ergreifende Gedenkrede und schloß mit einem Gebetfür den Kaiser. Nach Absingung der pianissimo von Chor und Orgel zum Vortrage gebrachten Volkshymne schloß diese würdige patriotische Feier. In Krems fand der Trauergottesdienst am 5. d. M. statt. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. M. G. Mehrer und die kantoralen Gesänge besorgte Herr Oberkantor Samuel Neubauer. In Koste! fand der Trauergottesdienst am 5. d. M. statt. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Adolf Deutsch. In Oberhollabrunn fand die Trauerkundgebung in einer außerordentlichen Ausschußsitzung statt, bei welcher Herr Kultusporsteher Wilhelm Dreier der Trauer der Versammlung Ausdruck lieh. Innsbruck. (Trauergottesdienst der israelitischen Kultusgemeinde.) Nach Verrichtung des Mischnagebetes brachte Herr Karl Bauer mit gewohnter Meisterschaft einen Trauerchoral zum Vortrage, worauf Se. Ehrw. Rabbiner Dr. Link in einer sehr wirkungsvollen Gedächtnisrede dem schmerzlichen Verluste, den das gesamte Vaterland erlitten, beredten Ausdruck verlieh. Mit einem Gebete für Kaiser und Vaterland schloß die erhebende Feier. In Nikolsburg nahmen an der feierlichen Trauerandacht teil außer dem gesamten Kultusvorstand als Vertreter der Bezirkshauptmann schuft Herr Vezirkshauptmann Kuntschner, als Verkreter des Bezirksgerichtes Herr Bezirksrichter Dr. Loeum, ferner Herr Bürgermeister Franz Deutsch, die Vertretungen der politischen Jsraelitengemeinde und der Kultusgemeinde. Die Trauerrede des Herrn Rabbiners Dr. Lewin war überaus wirkungsvoll'. Die kantoralen Funktionen versah in vortrefflicher Weise der neugewählte Oberkantor Herr Heinrich Kunstadt. In Schaffa fand der Trauergottesdienst am 6. dstatt. Nach Absingung der Trauerpsalmen durch Kantor Leopold Löwy hielt Feldrabbiner Dr. Michael Halberstam die wirkungsvolle Gedenkrede. In St. Pölten fand am 2. Juli eine außerordentliche Trauersitzung des Vorstandes und des Ausschusses der israelitischen Kultusgemeinde statt. Kultusoorsteher Albert Leicht richtete an die Versammlung eine tiefempfundene Ansprache und an die Kabinettskanzlei Sr. Majestät ging telegraphisch eine Kondolenzdepesche ab. Sowohl die Depesche wie auch die Ansprache würden dem Protokoll einverleibt und dann die Sitzung geschlossen.