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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-10 · 28 (10.7.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
28 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 485 liegenheiten des Chajzan gehörte es, vor Beginn des Gottesdienstes die Thora auf den %u verlesenden Abschnitt aufzurollen, sie zum Gebrauche herbeizutragen und nach dem Lesen in die heilige Lade zurückzustellen.^^) In kleineren Gemeinden — und solche dürften wohl die meisten Gemeinden auf dem Lande gewesen sein —, die nicht imstande waren, neben einem Chazan noch einen Safra zu besolden, gehörte zu den synagogalen Funktionen des Chazan auch das Vorlesen der Thora.^^) Diese Funktion erforderte, daß sich der Chazan auf sie gründlich vorbereite und sich mit dem zu lesenden Thoraabschnitte vorher genau vertraut mache. In der Regel tat er dies am Vorabende des Sabbates.^3) Für die Dringlichkeit dieser Vorbereitung ist der Umstand bezeichnend, daß die Gesetzeslehrer es für nötig erachteten, das allgemeine Verbot, am Freitag Abend allein beim Lampenlicht zu lesen, um eine Sabbatentweihung (na' rrvL') zu vermeiden, hinsichtlich des Chazan noch besonders zu betonen. Hingegen machten die Gesetzeslehrer dem Chazan das Zugeständnis, daß er dem Lesen der Schulkinder, welche an diesem Abende die morgige Thoralektion übten, -schweigend, mit den Augen im Buche folgen dürfe, um sich auf diese Weise die nötigen Merkzeichen für die morgige Thoravorlesung einzuprägen.^) War kein Meturgemani6) da, so übernahm der Chazan auch dessen Amt, nur hatte er dafür zu sorgen, daß eine dritte Person als „Vermittler" zur Thora hintrete, damit diese, wie am Sinai, unter Assistenz vorgetragen werde??) Die Tätigkeit des Chazan erstreckte sich, wie bereits erwähnt, nicht auf die Synagoge allein, sie umfaßte vielmehr das ganze Gebiet des füdisch-religiösen Gemeindelebens. So oblag es dem Chazan auch, der Schuljugend den erforderlichen Unterricht zu erteilen,^) von den Gemeindemitgliedern die von diesen zu wohltätigen Zwecken bestimmten Spenden einzusammeln") und sich bei Leichenbestattungen in hervorragender Weise zu betätigen. 20) Zu den Verpflichtungen des Chazan haknesseth gehörte es ferner, an jedem Rüsttage des Sabbates um die Zeit des Sonnenunterganges von einem hochgelegenen Orte der Stadt durch mehrere in Intervallen aus einander folgende Trompetenstöße das Signal zur Einstellung der Arbeit und zum Beginne der Sabbatheiligung zu geben.21) Die Liturgie bei der aus Anlaß anhaltender Dürre mit Fasten verbundenen Prozession mit der heiligen Lade wurde vorwiegend vom Chazan haknesseth geleitet?^) Kam in der Gemeinde ein Diebstahl vor, so wurde dies vom Chazan in der Synagoge öffentlich bekannt gemacht, ob jemand von diesem Diebstahl etwas wisset) In größeren Gemeinden, in welchen sich ") Jer. Joma VII. 1, Parallelstelleu Jer. Megilla IV. 5, Jer- Sotah VII. 6. »») Megilla 25 b: *?i22b *?«'*»ja-p «3'32 '222 ,22Töl biOE' p®2 wi ncasn prt mipmni; Jer. Megilla IV (3) 1: b«i2V 21 KTpi D*«p2 wm «im «nt»32 ’2b by pNL- 22 *12 so nach der Lesart von Tossafoth Baba Bathra 15 a s. v. ,2312V ") Echo r. zu III, 3. ") M. Sabbath I, 3 b>2« ö'«*np mp’3'nn p*n n«n pnn tnjJ' «*? «'.2 Tosefta Sabbath I., 12, (110. 24) j'3'pnö 221 rvp'3Ti -371 ni«b ro® 'b'b pTiviznB. 16) Dolmetsch, Uebersetzer. ") Jer. Megilla IV. (3) 1. 18) Siehe Amn. 15, Rasi und Maimonrdes Mischna-Kommentar zur angef. Stelle; Midrasch Lekach Tob. B. zu Numeri XIV, 25 2BD.2 ri'2d «2V pnb bvv. ") Kohel. S. zu V. 5 ,233V '2 pnn ni J«*72.2 '3sb 22«n b«i '2 «3« «NN «'N Bergl. Schochar Tob. B. Psalm 52 und Jalkut 8 971. '°) Kethuboth 8 b, Rasi s. v. 2332 -') M. Sukka V. 5., Sabbath 35b. ») Tosefta Taanith I, 14; (216, 4. 7); Taanith 16b. ») Levitikus r. 6, 2. ein Gerichtshof befand, hatte der Chazan haknesseth die Parteien vorzuladen und bei der Vollziehung der Strafe der Geißelung zu fungieren.^) Mit Rücksicht auf die letztgenannte Funktion wurde daher gefordert, daß der Chazan ein kenntnisreicher Mann und von keiner robusten Körperkraft sei.25) Aus alldem ersehen wir, daß der Chazan ein vielbeschäftigter und vielseitiger Mann war. Einigermaßen auffallend erscheint es, daß wir, trotzdem die Chazane haknesseth eine ziemlich verbreitete Berufskategorie bildeten, ihre Namen nur äußerst selten erfahren. Außer R. Zenon, dem Chazan des Lehrhauses zu Jabneth am Ende des ersten Jahrhunderts, hören wir bis zur ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts keinen Chazan beim Namen nennen. Sehen wir von ersterem, der eigentlich Chazan der Akademie und des Synhedrions war, ab, so haben wir von dem Stande der Chazan haknesseth der ganzen talmudischen Zeit überhaupt nur einen einzigen Vertreter, dessen Namen wir kennen. Er hieß Bar-Ulla, Chazan der Synagoge der Babylonier. Die Synagoge der Babylonier befand sich in der Ttadt Sepphoris?«) und wurde so genannt, weil sie zumeist von den Babyloniern, die sich zahlreich in Sepphoris niedergelassen hatten, besucht wurde. Aus dem Berufsleben des Bar-Ulla erfahren wir gar wenig. Wir hören bloß, daß ihm R. Josi, der bedeutende Gesetzeslehrer in Tiberias, eine den Synagogendienst betreffende Weisung erteilt. An Tagen, an welchen zwei Abschnitte an verschiedenen Stellen der Thora verlesen werden, soll, im Falle als nur eine Thorarolle vorhanden ist, das Aufrollen der zweiten Stelle nicht vor der versammelten Gemeinde, sondern hinter dem Vorhänge vorgenommen werden. Sind zwei Thorarollen vorhanden, so sollen nicht beide zugleich, sondern es soll die erste zurückgestellt und dann erst die zweite ausgehoben werden.??) (Fortsetzung folgt.) Ikorrespondenzen. Trauerkundgeönngen. Dank des Kaisers an die Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Auf die telegraphische Beileidskundgebung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde an den Kaiser gelangte das folgende Danktelegramm des Monarchen an den Vorstand: „Se. k. und k. Apostolische Majestät haben die warme Beileidskundgebung huldvollst entgegenzunehmen geruht und danken aufrichtigst für diesen neuerlichen Beweis treuer Anhänglichkeit. Auf a. h. Befehl: Freiherr von Schieß l." ") M. Makkoth III, 12. «) Makkoth 23 a. 1B) Es ist wohl nur ein unschuldiges Versehen, wenn Bacher, Agada d. pal. Amoräer III, S. 235 Anm. 6, Bar-Ulla als Chazan der Synagoge der Babylonier in Tiberias bezeichnet. Eine Synagoge der Babylonier iu Tiberias wird nirgends erwähnt, hingegen ist eine solche in Sepphoris sowohl durch Jer. Berachoth V, 1, als auch durch Jer. Sabbath VI, 2, sowie durch Gen. r. 33, 3 ausdrücklich bezeugt. Der Umstand, daß R. Josi, der Bar-Ulla aus den Synagogendienst bezügliche Weisungen erteilt, in Tiberias wohnte, ist kein hinreichender Grund zur Annabme, daß eine Synagoge der Babylonier in Tiberias bestand. Zwischen Tiberias und Sepphoris war ein so reger Berkehr, daß R. Josi diese Weisungen dem Bar-Ulla gelegentlich seines Berweilens in Sepphoris erteilt haben mag. Berg. Lev. r. 30 Ans. I’-ltetb «'2222 p'*?o b"v2 frei J32V* '2 und Jer. Bezah I, 1, p «'22VP jmsat p pnr*- >22 nro «"': "2 pmn '2ip Frankel, Mebo 4a, meint auch nur: es ist „möglich", daß auch in Tiberias eine Synagoge der Babylonier war. *7) Jer. Megilla IV, 5; Soferim XI. 3.

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