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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-10 · 28 (10.7.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
28 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 484 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 28 band russischer Juden in Dänemark gebildet. Dieser Verband ist eigentlich eine Organisation zum Schutze der russischen .Juden, gegen welche die dänischen Behörden in letzter Zeit nach bekanntem Muster eine Ausweisungspraxis ausüben. In den letzten Jahren sind aus dem russischen Reiche nicht nur zahlreiche Juden, sondern auch „echte Russen" und „Polen" in großer Zahl eingewandert, welch letztere durch ihr unbotmäßiges Verhalten den Gerichtsbehörden viel zu schaffen geben. Die Regierung hat nun sehr scharse Maßnahmen Legen alle Russen, so auch gegen die russischen Juden verfügt. Der erwähnte Verband hat den Zweck, die nichtjüdische Bevölkerung Dänemarks über das Leben der russischen Juden authentisch zu unterrichten. Er hat denn auch schon in dieser kurzen Zeit seiner Existenz den Erfolg aufzuweisen, daß die russischen Juden, die eine anständige Beschäftigung nachzuweisen vermögen und gegen welche auch sonst nichts vorliegt, von der Ausweisung verschont bleiben. ' Die ^rrgendlrhrer btt lalmubischen Zeit. Von L. Wiesuer. (9. Fortsetzung.) KTCl mDD KJH 21 R. Huna, Safra des Lehrhauses. Die intensivere Beschäftigung des Safra als Thoravorlesers und Schullehrers mit dem reinen Schriftworte brachte es mit sich, daß er sich eine genauere Kenntnis auch der äußeren Gestalt der Heiligen Schrift aneignete. Namentlich hinsichtlich der überlieferten Schreibweise der Wörter bekundete der Safra, der ja auch die zu lehrenden Bibelstellen zum Gebrauche für seine Schüler selbst schrieb^) eine größere Vertrautheit. Mancher Safra stieg auf diesem Gebiete zu einer solchen Autorität empor, daß selbst hervorragende Gelehrte in strittigen Fragen ihn um Bescheid angingen. Ein solches lebendiges orthographisches Wörterbuch war R. Huna, der Safra des Lehrhauses?) zuTiberias in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts. Es handelte sich um die Schreibung des zur Erklärung der Mischnah Kilajim III, 1 herangezogenen Wortes .i'Ui-77 (Jesaja 61, 11), ob es mit oder ohne i geschrieben wird. Der bedeutende R. Chaggai meinte, das Wort wäre ohne i zu schreiben, und fände er ein Buch, worin dieses Wort mit dem Buchstaben i geschrieben ist, so würde er letzteren auslöschen. Die Gelehrten legten dann die Frage dem R. Huna, dem Safra des Lehrhauses, vor, der sie mit den Worten beantwortete rr'bv rpyra, das fragliche Wort rrynT wird plene, d. h. mit.i geschrieben?) Inwieweit der Safra die äußere Gestalt der Bibel zum Gegenstände seines besonderen Studiums gemacht und die seit älterer Zeit in Ansätzen vorhanden gewesene und sich allmählich zur eigentlichen iMassora entwickelte Wissenschaft durch ihn eine Erweiterung erfahren hat, ist mit Genauigkeit nicht festzustellen. Jedenfalls hat seine Tätigkeit viel dazu Leigetragen, die Heilige Schrift in ihrer Reinheit und Uri) Die Lehrer, welche es beim Schreiben mit den die einzelnen Buchstaben charakterisierenden Formen sehr genau nahmen, wurden als TSpn * *<i£d bezeichnet. Menachoth 29b. Vergl. Löw, Graphische Requisiten II. S. 13. *) K1T0 Lehrhaus oder Betbaus. Zuweilen war das Lehrhaus auch Bethaus. Daß im Jer. Talmuo Lehrhaus nicht durch kttd ausgedrückt wird, wie Frankel (Monatsschrift, 1866, S. 276) meinte, ist nicht richtig. Vergl. die (daselbst S. 274 angeführte) Stelle aus Jer. Megilla IV, 6 KTröS p1 * * * * * 7 * 9 10? prttpö p3,t?1 ferner “QT K“nc? Jer. Sabbath IV. 2, Jer. Bezah I. 7). Daß auch das Bethaus *n*7D genannt wird, sehen wir an folgenden zwei Stellen: ‘ttj? fvn ]PJV '“i pnaa *6i ,vnp pbp row «Nlv -V3p Jer. Megilla IV, 1 und Np XlNv 'iS' Jer. Pesachim IV, 1. Jer. Taanith I. 6. 3) Jer. Kilajim III, 1, Jer. Sabbath IX. 2. sprünglichkeit zu erhalten und ihren Text vor willkürlichen Aenderungen und Fälschungen zu bewahren. Auch der Safra kann mit Recht als Hüter und Wächter der Martern des Heiligtums bezeichnet werden, damit den Unheiligen, Falschen und Fremden der Eintritt in die Pforten des Tempels verwehrt werdet) 'fc&m X.-M2N surrt ssSyr -o Bar Ulla, Chazan der Synagoge der Babylonier. Schon zur Zeit des Tempelbestandes in Jerusalem hatte jede jüdische Gemeinde zumindest einen Beamten, welcher außer dem Synagogendienste noch andere Angelegenheiten des religiösen Gemeindelebens besorgte. Dieser Beamte, der jm oder ncjnn pn genannt wurde, war für gewöhnlich kein hervorragender Lehrer auf dem Gebiete der Halacha im Sinne jener Zeit, er war aber auch nicht unwissend. Sein Bildungsniveau erhob sich über das des Volkes vom Lande (p-K.i ny) befugte ihn aber nur zur Führung! des Titels Chazan, der die unterste Stufe der Gelehrsamkeit kennzeichnete und von welcher aufwärts es deren noch zwei gab, die des Safra und des Chacham?) Immerhin aber war auch schon der Chazan ein Würdenträger der Gemeinde, der ein gewisses Ansehen genoß und eine entsprechende soziale Stellung einnahm. Der Zug der Ortsgemeinden mit den Erstlingsfrüchten nach Jerusalem gestaltete sich dadurch feierlicher, daß die Chazanim und Synagogenvorsteher mitzogen?) Bei dem im Trauerhause zur Tröstung und Aufrichtung der Trauernden veranstalteten Mahle wurde, gleichwie für den Synagogenvorsteher, Oicjm auch für den Chazan ein Becher geleert?) In etwas späterer Zeit wurde die Bestimmung getroffen, daß die Haftara, nicht wie früher aus 21, sondern aus 22 Versen zu bestehen habe, und zwar sollen zunächst 21 Verse den sieben vor die Thora gerufenen Personen, deren jede drei Verse liest, entsprechen, der 22. Vers aber wurde zu Ehren des pn hinzugefügt?) Die Obliegenheiten des Chazan häknesseth betrafen in erster Reihe den Synagogendienst. Der Chazan war der Wächter der Synagoge und deren Utensilien^) und hatte alles zur Abhaltung des Gottesdienstes Erforderliche vorzusehen und vorzubereiten?) Er forderte im Aufträge des Synagogenvorstehers, (ncjiin t»jn) dem er untergeordnet war, die ihm von diesem bezeichnten Personen zum Vorbeten auf, durfte aber, wofern sich die betreffende Person weigerte, das Vorbeteramt zu übernehmen, nicht zudringlich sein?) War keine geeignete Person anwesend, so betete der Chazan selbst vor?) Der Chazan war jedoch keineswegs das, was wir jetzt unter dieser Bezeichnung verstehen, der berufsmäßige, ständige Vorbeter?) Beim Priestersegen hatte der Chazan zu assistieren; nicht eher durften die Priester 'mit dem Sprechen des Segens beginnen, als sie vom Chazan dazu aufgefordert wurden?o) Während des Segens mußte der Chazan und mit ihm die ganze Gemeinde ihr Antlitz der heiligen Lade zuwenden.n) Zu den Ob- *) Vergl. Jbn. Esra, Maosnajim. Einleitung. i) Sotah 49 b. *) Tosefta Bikkurim II, 8. (101, 21). s) Jer. Berachoth III, 1, Kethuboth 8 b, Semachoth XIV, Ende. *) Soferim XIV, Ans. Vergl. Ausgabe Müller S. 186, Anm 4. *) Hoffman, Mischnajoth Nesikin 216, Anmerk. 104. °) RaZi zur Mischna Sotah VII, 7. 7) Jer. Berachoth V. 3. Rasi zur Mischna Joma VII, 1 s. v. nenn ©sn ») Jer. Berachoth IX, 1 Ans. Schochar Tob B. zu Ps. 19 2ipn MN Vergl. Berachoth 33 b und Megilla 25 a. 9) Tossafoth Menachoth 44b s. v. bov Ascheri Berachoth V, § 17. 10) Sifre, Friedmann I, 12 a. ") Tosefta Megilla IV. (III) 21, (227. 13).

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